Wenn es überall brodelt und stinkt, gibt es auch ständig Gelegenheit, sich mit einem angemessenen Tropfen an den Ereignissen zu erfreuen. Als Weinfreund sollte man daher über ein möglichst flexibles Reservoir verfügen.
Beginnen wir mit den Wahlen. In Frankreich wurde endlich ein Präsident aus dem Amt gejagt, der nach eigenem Bekunden keinen Schluck Wein trinkt. Das geht in der großen Genießernation natürlich gar nicht. Begrüßen wir also den ausgewiesenen Feinschmecker Francoise Hollande mit einem satten roten Burgunder. In Frage käme besonders ein Hospice de Beaune, da die Erlöse dieses Weingutes sozialen Zwecken zu Gute kommen.
In Griechenland haben die Wähler die großen korrupten Staatsparteien vorerst in die Wüste geschickt. Wird ihnen wohl nicht viel helfen, aber einen kräftigen Mount Athos aus der einzigen Mönchsrepublik der Welt ist das dennoch wert. Zwar betreiben auch die orthodoxen Mönche den griechischen Volkssport Steuerhinterziehung, doch im Vergleich zu den Oligarchen sind es kleine Fische, und ihr Wein ist großartig.
In Schleswig-Holstein gibt es eigentlich weniger zu feiern. Wenigstens haben es die Piraten geschafft, dass die bekanntermaßen besonders asoziale Regierungskonstellation „rot-grün“ jedenfalls nicht in Reinform agieren kann. Auf die doofen Piraten anzustoßen geht allerdings nicht, zumal die alle nur Club Mate trinken. Prosten wir also den lustigen Dänen zu, die mit ihrer unter Artenschutz stehenden Volksgruppenpartei SSW vielleicht ein paar richtige Dinge in der Bildungspolitik auf den Weg bringen. Doch was bitte kann man trinken, wenn man an Dänen denkt? Am besten vermutlich Faxe-Pils in der Literdose.
Kommen wir nach Nordrhein-Westfalen, ebenfalls ein Bierland. Auch da wird es was zu begießen geben, nämlich den Rausschmiss der Linken aus dem Parlament. Schließlich braucht kein Mensch eine Linke, die sich in weiten Teilen als staatstragende Regierungspartei im Wartestand fühlt und nun staunend zur Kenntnis nehmen muss, dass sie eigentlich niemand braucht. Gönnen wir uns zum Abschied von den (West)-Linken also einen richtig guten Ost-Tropfen, z.B. den Naumburger Steinmeister Riesling trocken vom Weingut Gussek.
Und zum Schluss landen wir natürlich wieder in der deutschen Hauptstadt, wo man sich längst zwar noch nicht als Nabel der Welt, aber wenigstens Europas geriert. Dass die Funktionseliten der Stadt zu dämlich sind, einen Flughafen pünktlich betriebssicher zu eröffnen, ist einen großen deutschen Wein wert. Also schon wieder einen Riesling, diesmal vielleicht den 2006er Laubach Schiefer von Heymann-Löwenstein.
Bliebe noch der von allen Humanisten und Fußballästheten ersehnte und bereits fast besiegelte Abstieg von Hertha BSC. Darauf muss man dann am kommenden Dienstag gegen 22.15 Uhr ein schönes Düsseldorfer Altbier trinken, am besten ein Schumacher.
Rainer Balcerowiak lebt und arbeitet als freier Publizist in Berlin und Wandlitz.
Zuletzt erschien von ihm „Das demokratische Weinbuch“ (
Mondo Verlag Heidelberg) 14,95 Euro. Im Herbst 2012 erscheint im selben Verlag sein nächstes Weinbuch.
Ferner schreibt er regelmäßig Beiträge bei
Captain Cork.
In Sachen Nazi-Ordensburg Vogelsang, „die LINKE“ in NRW und die Landtagswahl am 13. Mai 2012 bestätige ich Ihre allgemeine These: „Kommen wir nach Nordrhein-Westfalen … Auch da wird es was zu begießen geben, nämlich den Rausschmiss der Linken aus dem Parlament. Schließlich braucht kein Mensch eine Linke, die sich in weiten Teilen als staatstragende Regierungspartei im Wartestand fühlt und nun staunend zur Kenntnis nehmen muss, dass sie eigentlich niemand braucht.“
In diesem Blog hatte Jochen Hoff am 30. April 2012 die Rubrik „Ich glaube wir müssen mal über die LINKE reden“ eingerichtet. Am 5. Mai 2012 beteiligt ich mich dort mit diesem Hinweis http://duckhome.de/tb/archives/10051-Ich-glaube-wir-muessen-mal-ueber-die-LINKE-reden.html:
„Unterhalb aller Großen Worte ist auch in NRW "die Wahrheit" immer "konkret" und besonders natürlich wenn es um 32 Millionen €uro geht:
Forum Vogelsang: Landesregierung schafft Voraussetzung für sofortige Bewilligungsbescheide über 32 Millionen Euro.
Das Ministerium für Wirtschaft, Energie, Bauen, Wohnen und Verkehr teilt mit:
„Das Land Nordrhein-Westfalen steht zur Realisierung der Kernnutzungen auf Vogelsang. Dies hat die Landesregierung in ihrer Kabinettsitzung am Dienstag [13. 12. 2011] bekräftigt. „Trotz knapper Haushaltsmittel stellt die Landesregierung die Gesamtfinanzierung des Forums Vogelsang mit den Bausteinen Sanierung und Umbau des Adlerhofes, NS-Dokumentation, Nationalparkzentrum und Besucherzentrum mit der Regionalausstellung Schaufenster Eifel/Ardennen sicher", betonte Wirtschaftsminister Harry K. Voigtsberger. […] Der Minister stellte klar, dass mit der Kabinettsentscheidung der Bewilligungsbescheid der Bezirksregierung Köln an den Kreis Euskirchen für den Umbau und die Sanierung des Adlerhofes – über förderfähige Gesamtausgaben von 35,1 Millionen Euro und einer Fördersumme von rund 32 Millionen Euro – noch 2011 erteilt werden kann. Das bisherige Ziel, das Forum Vogelsang im Jahre 2014 zu eröffnen, bleibe damit unverändert bestehen, sagte Voigtsberger abschließend.“ http://www.nrw.de/landesregierung/forum-vogelsang-landesregierung-schafft-voraussetzung-fuer-sofortige-bewilligungs-bescheide-ueber-32-millionen-euro-12192/
Bisher hat es die „Linkspartei“ in NRW oder/und „Linksfraktion“ im NRW-Landtag unterlassen, sich öffentlich gegen das postfaschistische „Projekt“ http://de.wikipedia.org/wiki/NS-Ordensburg_Vogelsang auszusprechen und/oder dagegen Widerstand zu organisierten.“
Das ist (nicht nur für mich) ein Grund, am 13. Mai 2012 „die LINKE“ nicht zu wählen. Denn „die LINKE“, die nichts gegen Rechte und Faschisten tut, ist politisch überflüssig.