Über Amtliches aus dem Südzipfel des größten ganzdeutschen Bindestrichlands Nordrhein-Westfalen
„Wer verändern will, muß Bescheid um das Verändernde wissen. Der Nutzwert [...] besteht eben darin, das Eingreifen in die gesellschaftliche Wirklichkeit zu erleichtern.“ (Siegfried Kracauer [1931])
AMTSBLATTLICHES
Im AMTSBLATT der Stadt Bad Münstereifel hieß es vor der
"NRW-Landtagswahl am 13. Mai“ zu dieser unter der Überschrift
„Repräsentativer Stimmbezirk 4.2. Eschweiler“:
Von der „IT. NRW – Information und Technik Nordrhein-Westfalen (früher: Statistisches Landesamt NRW) wurde der Stimmbezirk 4.2. Eschweiler […] zum „repräsentativen Stimmbezirk“ bestimmt […].“[1]
Nach der NRW-Landtagswahl am 13. Mai 2012 wurden ebendort Wahldaten veröffentlicht. Die
“Zusammenstellung der Ergebnisse nach Stimmbezirken“ [1] ergab im genannten „repräsentativen Stimmbezirk“ bei den Zweitstimmen: 422 Wahlberechtige. 205 Wähler. 48,6 Prozent Wähler. 51.4 Prozent Nichtwähler. Und damit
mehr Nichtwähler als Wähler.
In Gesamt-NRW war´s umgekehrt:
mehr Wähler als Nichtwähler. 13.264.231 Wahlberechtigte. 9.901.922 Wähler. 5.362.309 Nichtwähler. 59,6 Prozent Wähler. 40,4 Prozent Nichtwähler.
REPRÄSENTATIVITÄT
Im hier angesprochenen Zusammenhang bedeutet
repräsentativ: „Teil typisch für eine Gesamtheit, für die Allgemeinheit, besonders im Zusammenhang mit statistischen Erhebungen […]“ [2]
Das heißt erstens: wäre genannter „Stimmbezirk“ in Bad Münstereifel als verkleinertes Abbild wirklich wahlpolitisch „repräsentativ“ für Gesamt-NRW, dann würde es am 13. Mai 2012, Toleranzgrenzen von jeweils plus/minus drei Prozent einberechnet, anstatt wirklicher 7.901.922 Wähler IT. NRW-„repräsentativ“ zwischen (maximal) 6.639.808 und (minimal) 6.253.024 Wähler gegeben haben.
Das heißt zweitens: die vom IT NRW als Landesbehörde festgelegte „Repräsentativität“ kann als „Quatsch mit wissenschaftlicher Soße“ (Peter Atteslander) [3] bewertet werden.
Das heißt drittens: daß jede weitere wissenschaftliche – damit systematisch-kritische – Beschäftigung mit dieser landesamtlichen „Repräsentativität“ so überflüssig wie zeiträuberisch ist, weil ein „Grundirrtum“ vorliegt, der weitere „an sich mögliche und sinnvolle kritische Überprüfung nicht lohnt.“ [4]
Und das heißt viertens: die Landesbehörde IT. NRW trägt zur Verdummung des (Wahl) Volks bei und kümmert sich aktiv darum, das weitverbreitete Vorurteil gegen
Statistik als besonders gefährliche Form von Lüge nachhaltig zu bestärken.
[1] AMTSBLATT der Stadt Bad Münstereifel, 40. Jahrgang [2012], April und Mai 2012
[2] Wolfgang Pfeifer u.a., Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. München ³1995
[3] Zitiert nach BILD DER WISSENSCHAFT, 9/1980
[4] Egon Schneider, Logik für Juristen. Die Grundlagen der Denklehre und der Rechtsanwendung. Berlin; Frankfurt am Main 1965;
http://duckhome.de/tb/archives/9816-LOGIK-FUER-JURISTEN.html
Richard Albrecht lebt als unabhängiger Sozialforscher & freier Autor in Bad Münstereifel und veröffentlicht seit Oktober 2010 regelmäßig unregelmäßig in diesem Blog ->
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JustizKritik ->
"Feminismus" ->
Grundkurs Soziologie ->
flaschenpost. - Der Autor publizierte in den letzten Jahren vor allem in wissenschaftlichen und Fachzeitschriften wie
soziologie heute (sh) und
Aufklärung und Kritik (A&K) sowie die Bücher
SUCH LINGE (2008),
FLASCHEN POST (Editor, 2011) und den literarischen Band
HELDENTOD - Netzarchiv des Autors ->
eingreifendes-denken (c) Richard Albrecht (2012)
erst wollte ich etwas dazu kommentieren, nach diesem Satz war für mich dann alles gesagt:
die Landesbehörde IT. NRW trägt zur Verdummung des (Wahl) Volks bei
allerdings zu dieser Hervorhebung :
Vorurteil gegen Statistik als besonders gefährliche Form von Lüge nachhaltig zu bestärken.
möchte ich dann doch einen Irrtum korrigieren:
Statistik ist ein Werkzeug und als solches neutral.
Wie es schon bei Waffen heißt:
nicht Waffen töten Menschen - Menschen töten Menschen
so gilt auch für das Werkzeug Statistik:
nicht Statistik betrügt die Menschen - Menschen betrügen die Menschen.
Die betrügerische Absicht des Anwenders - unterstützt durch seinen Kenntnisvorteil über die Datenerfassung und Bewertung in der Statistik führt dazu, daß andere das statistische Ergebnis falsch interpretieren.
Die Technik der passenden Maßstäbe, Anfangs- und Endpunkte bsp. kann bei sonst richtigen Daten dem unvorbereiteten Betrachter ein völlig falsches Bild suggerieren.
Es ist immer die kriminelle Energie des Anwenders und das gutmütige Vertrauen des Opfers, die die Statistik zu einem Werkzeug des Betrügers machen - nicht das Werkzeug Statistik als solches.
Die Ablenkung vom Betrüger auf das Werkzeug ist praktisch schon wieder ein Teil der Hilfe zum Betrug - wenn auch unbeabsichtigt, wie ich hoffe.
mfg zdago
Sollte es nicht eher verwundern, wenn ein zufällig vor einer Wahl bestimmter Referenzstimmbezirk, statt sich im Rahmen der Normalverteilung zu befinden, GENAU die nachträglich ermittelten Werte bestätigt?
Welche (mathematische?) Funktion hat ein Referenzstimmbezirk eigentlich?
Warum geht der Autor auf solche Fragen nicht tiefgründig ein?
Hat er etwa die Absicht sich die, von ihm selbst bemängelten "Waffen der Statistik" zu eigen zu machen?
Fragen, … Fragen, … Fragen .... ???
1.) Sie stellen gar keine Fragen. Sondern nörgeln nur naseweis rum 2.) Sie arbeiten mit wenigstens einer Unterstellung. Im Text steht nichts von "Waffen der Statistik". Sondern das ist etwas, das Sie selbst sagen, mir aber unterschieben 3.) Gings mir nicht um den Rechenprozeß, der nicht nur automatenhafte „Tätigkeit der logischen Verknüpfung von Zahlen“ ist. Sondern um Statistik, dort definitorisch eingeforderte „Repräsentativität“ und damit Sinnhaftigkeit 4.) Habe nicht ich den Zahlendummsinn produziert. Sondern das öffentlich-rechtliche (vulgo Staatsknete-) Institut IT.NRW als Landesamt, dessen Daten (mit 3-prozentiger Fehlertoleranzgrenze) ich nachrechnete, veranschaulichte und kritisch kommentierte 5.) Veranstalte ich hier weder´n privatissime-et-gratis-Seminar noch ´ne private Nachhilfestunde. Sondern kritisiere Kritikables öffentlich. Und 6.) Werden Sie wie andere aus Berlin oder andernorts, die mir Vergleichbares zumuten, künftig keine Antworten erhalten. Sondern sich hier bitte trollen wollen …
Mit freundlichem Gruß Richard Albrecht
Denn: Menschen schaffen auch Strukturen und Systeme, die tödlich sein können: Selbstschussanlagen an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze, "schleichender Selbstmord mit Messer und Gabel" (Beisp. Gammelfleisch, Ehec, Übergewicht), falsche Einnahme von Medikamenten, Obdachlosigkeit, Love-Parade Duisburg.
Ohne die den Ereignissen zugrunde liegenden Strukturen wären die mortalen Ergebnisse nicht möglich. Das menschliche Handeln von den strukturellen Bedingungen zu trennen ist m. E. ein analytischer Fehler.
Aber vielleicht habe ich zdago ja auch missverstanden.
Da wird von der Emder Mordkommission vier Tage nach dem grausamen Mord an der kleinen Lena der Öffentlichkeit ein 17-jähriger als ”Kinderschänder und -mörder” präsentiert, obwohl dieser in stundenlangen Verhören seine Unschuld beteuert. Haftrichter und insbesondere der Oberbürgermeister von Emden, Bernd Bornemann sprechen schon von Ermittlungserfolg obwohl der DNA-Test noch fehlt. (2)
Im Internet auf Facebook sammelt sich der Mob und ruft nach der Lynchjustiz, mam trifft sich vor dem Haftgefängnis und fordert “bis tief in die Nacht ……. die Herausgabe des mutmaßlichen Täters. Erst um 4 Uhr rückte der verhinderte Lynchmob wieder ab”, ohne dass die Polizei die etwa 50 selbsternannten Scharfrichter namentlich erfasst hätte.
Die Polizei nutzt das Internet zur Fahndung und ist deswegen Schuld an den hasserfüllten Parolen, und Reaktionen? Dies ist nun ziemlicher Blödsinn. Die Polizei kann nichts dafür, wenn Menschen im Internet die Kontrolle über sich verlieren oder wenn Menschen im Internet absoluten Blödsinn schreiben. Liegt die Reaktion des Mobs vielleicht ausschließlich an den Strukturen?
Da beisst die Maus keinen Faden dran ab und das IT.NRW erst recht nicht.