Die LINKE - Kein Klassenkampf ohne Klassenkämpfer
So war natürlich absehbar, dass diese neue LINKE keinesfalls eine auch nur annähernd homogene Partei sein würde und sie bildet in sich selbst eine Palette vom rechten Seeheimer Kreis der SPD bis hin zu den Trotzkisten und Maoisten ab. Aber wir alle haben diesen Geburtsmangel gerne übersehen weil dieses Land ja so dringend eine linke Partei braucht, die die Interessen der Menschen wahrnimmt, nachdem Gerhard "Basta" Schröder mit dem Kriminellen Peter Hartz das Land in den ungebremsten Neoliberalismus und Wirtschaftsfaschismus geführt hat um den Bossen ein guter Genosse oder wohl doch nur ein braver aber gutbezahlter Handlanger zu sein.
Die LINKE konnte ihre Erfolge nur erreichen weil wir, die Linken in diesem Land, so fest daran glauben wollten, dass es möglich ist eine linke, ja gar eine sozialistische Kraft in diesem Land zu schaffen und dauerhaft zu erhalten die für die Menschen und gegen das Großkapital arbeitet. So kam sie auch in Regierungsverantwortung und sofort zeigte sich der Geburtsmangel als ein lebensgefährlicher Defekt. Die LINKE wollte sich als regierungsfähig beweisen und tat dies, indem sie sich der SPD vollständig unterordnete und die Ziele für die sie gewählt wurde verriet.
Den Verrat konnte man natürlich auch wieder an Personen fest machen. Da war Oskar Lafontaine der schon in der SPD zwar den Zwergnapoleon gegeben hatte aber im entscheidenden Moment nicht zum Kampf bereit war:
Nie mehr bin ich ihm reingefallen. Ich bin auch nie der Versuchung erlegen, den späteren Konflikt zwischen Gerhard Schröder und ihm allzu sehr als inhaltlichen Konflikt zu deuten. Wäre es bloß ein inhaltlicher Konflikt gewesen, hätte Lafontaine ihn nämlich gewonnen. Denn die Partei war ja seiner politischen Linie viel näher als der von Schröder. Aber Lafontaine hatte keine Mitstreiter mehr, er hatte sich isoliert, und das hat primär mit seinem Charakter zu tun, weniger mit den Inhalten, die er vertritt.
Nachdem er dann zur Linkspartei wechselte, war schnell klar, er ist eigentlich der böse Geist dieser Partei. Heute würden sie wahrscheinlich gerne ein Geschenkpaket mit Oskar drin schnüren und ihn der SPD zurückgeben. Aber die verweigert bestimmt die Annahme. Wer Lafontaine kennt, ist froh, ihn los geworden zu sein.
Damit hat Robert Misik die Dinge auf den Punkt gebracht. Der Egomane Lafontaine wollte auch jetzt nicht für seine Ansichten in der LINKEN kämpfen, er wollte gekrönt werden und deshalb scheiterte er an Dietmar Bartsch, jenem Typ Dorfsparkassenangestelltem der überall in den Karnickelzuchtvereinen ein Pöstchen ergattern will und doch nur widerwillig ertragen wird. Eine Kampfkanditatur gegen diesen Bartsch könnte jedes Zwergkaninchen gewinnen indem es nur herzig an einer Möhre knabbert.
Damit das Lafontaine mal wieder den Schwanz eingezogen hat und als beleidigte Leberwurst nach Saarbrücken zurückkriecht ist aber der LINKEN nicht geholfen. Wenn sie Bartsch zum Parteivorsitzenden macht, dann kann sie auch gleich die Selbstauflösung beschließen. Bartsch ist übrigens kein Realist auch wenn er gerne als Realo bezeichnet wird. Er ist nichts anderes als ein Opportunist der für das eigene Vorankommen und das bessere Pöstchen alles und jeden verraten wird.
Allerdings kann man ihm das nicht alleine zum Vorwurf machen. Mit Klaus Ernst und seinen Truppen ist dieser Funktionärstyp in der Partei ja überall nach oben gekommen. Das wird von vielen als SPDisierung empfunden und bezeichnet und dieser Typus verhindert jeden Wahlerfolg weil er nicht glaubwürdig ist. Dazu kommen die Splittergruppen wie BAK-Shalom die sich zwar als Plattform gegen Antisemitismus, Antizionismus, Antiamerikanismus und regressiven Antikapitalismus bezeichnet, in Wirklichkeit aber das Einfallstor des ungehinderten Raubtierkapitalismus sowie des zionistischen und us-amerikanischen Imperialismus in die Partei ist und in der Wahlverlierer wie Klaus Lederer ihr parteizersetzenden Spiel treiben.
Man kann sagen das die LINKE bereits besiegt ist. Sie zersetzt sich von innen her, was leider ein typisches Problem unter Linken ist, da jeder von ihnen eine andere aber dafür selbstverständlich alleinseeligmachende Theologie vertritt. Politik aber wäre die Kunst eines Kompromisses. Anstatt das die Linken aber Kompromisse mit sich selbst und ihresgleichen machen, machen sie lieber Kompromisse mit dem politischen Gegner der zugleich der ärgste Feind ihrer Wähler ist. Diese LINKE kann es nicht mehr schaffen.
Dabei ist es schon fast egal ob nun der Herr Bartsch zusammen mit Frau Sabine Zimmermann antritt oder ob wenigstens etwas Vernunft siegt und Katharina Schwabedissen zusammen mit Katja Kipping die Dinge in die Hand nimmt. Die Opportunisten die sich Realos nennen und der äußerste rechte Flügel um Lederer und andere werden alles tun um jeden Gedanken an einen demokratischen Sozialismus im Keim zu ersticken. Der ewige Umfaller Gregor Gysi wird daran nichts ändern und Bisky ist praktisch in Rente, wäre aber auch nicht in der Lage die Dinge noch einmal zu ändern.
Der Bundesparteitag am 2. und 3. Juni in Göttingen kann die Partei nicht mehr retten. Sie hat keine Kämpfer mehr für die Arbeiterklasse. Für eine Arbeiterklasse die heute bis weit in die frühere Mittelschicht reicht und die immer mehr verarmt und in ihren Rechten eingeschränkt wird. Aber in der LINKEN sind ja auch noch echte Sozialisten. Und in der Not muss man den Teufel beim Schwanz packen und auch Undenkbares denken und realisieren.
Wie wäre es wenn die sozialistischen Delegierten bei diesem Bundesparteitag der LINKEN sobald sie sehen, dass der Hase in die von mir vermutete Richtung läuft endlich den Arsch hoch nehmen und aus der Linken austreten und dafür sofort in die Sozialistische Initiative eintreten die bereits einen Berliner Landesverband hat und dessen Grundlagen zumindest für einen Neustart reichen. Damit wäre man zeitlich gerade noch in der Lage an den Wahlen in Niedersachsen, der Bundestagswahl und Bayern teilzunehmen.
Das was sich zunächst wie ein ziemlich verzweifelter Vorschlag anhört, hat seine Vorteile. In den Ländern wie auch im Bund gibt es heute bereits Mandatsträger die sofort eine politische Präsenz darstellen können und die natürlich auch für Kontinuität in den Augen des Wähler stehen. Selbst wenn die Grundlagen der SI-Berlin natürlich noch nicht alle benötigten Aspekte abdecken sind sie ein Anfang und könnten auf Parteitagen in schneller Folge ausgeweitet werden. Dazu lässt sich das virtuelle Modell der Piraten ebenfalls einsetzen, was gleich einen völlig neuen Aspekt in wirklich linke Politik bringt.
Die Wähler suchen nach einer Alternative. Sie suchen nach einer sozialistischen Partei die für ehrliche Demokratie steht und die Schwachen schützt. Wen diese Partei jetzt nicht gegründet wird, bleibt nur der LINKEN bei ihrem Selbstauflösungsprozess zuzusehen und zu akzeptieren, dass Deutschland den Neoliberalen, den Wirtschaftsfaschisten und vor allem dem Großkapital gehört. Wer das nicht will, muss jetzt handeln.

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in letzter Zeit kann ich die weiter führenden Links nicht mehr lesen, ständig geht die Werbung auf, doch was du tatsächlich verlinkt hast, entgeht mir. Schade, sonst prima geschrieben.
Ein Spektrum von Parteigängern, das sich letztlich nicht allein pluralistisch, sondern heteronom gegenübersteht. Wobei die Dichotomien "Ost/West", "Männlein/Weiblein", "Realos/Fundamentalos" den wertrationalen Sprengstoff in der Partei nur unterkomplex abbilden.
Organisationssoziologisch folgt daraus, dass diese vielgestaltige Partei unbedingt eine starke Führungspersönlichkeit bräuchte, die über die Autorität verfügt, den politischen Kindergarten auf die zwei, drei politischen Essentials zu verpflichten. Freilich verträgt sich diese organisationssoziolgische Notwendigkeit eines "charismatischen Führers" (Max Weber) mit den ausgeprägten basisbewegten Befindlichkeiten wiederum überhaupt nicht.
Die Dilemmata, in denen sich die Partei Die Linke befindet, sind also vielfältig. Die Annahme, dass eine junge Frauenspitze Kipping/Schwabedissen über die Autorität verfügen könnte, diesen politischen Kindergarten zu führen und zu einen, ist abwegig. Die Position für eine Bewegungspartei, die dieses Land und seine werktätigen Menschen so sehr bräuchten, bleibt weiterhin vakant.
1.) In e i n e m Punkt kann ich Ihnen zustimmen:
Was sich die Linke nennt, ist n i c h t die linke "Bewegungspartei, die dieses Land und seine werktätigen Menschen so sehr bräuchten."
Es ist m.E. politisch, auch mit Blick auf die künftige Legalität dieser Partei, gut, daß Oskars zweiter Putsch (nach dem ersten - erfolgreichen - in der SPD 1985) zunächst in der sich die Linke nennenden PdL nicht stattfinden soll.
2.) Im übrigen halte ich den Versuch einiger PdL-„Westlinker“ im positiven Sinn für diskutabel: http://www.jungewelt.de/2012/05-15/018.php
„Die Linke muß beweisen, daß sie noch immer fähig ist, das auszusprechen, was ist. Ihr Nutzen erweist sich derzeit nicht in der Beteuerung ihrer Regierungsbereitschaft, sondern in fundierter Kritik bestehender Regierungen. Sie kann den gesellschaftlichen Protest allein weder anstoßen noch zur gesellschaftlichen Opposition formen oder gar lenken. Aber sie kann ihm Ideen und eine Stimme geben. Das ist nicht viel, aber das Wenige ist bedeutsam, es kann und muß ausgebaut werden. […] Verschiedene Medien raten uns immer wieder, Die Linke müsse lernen, auch Ja sagen zu können. Umgekehrt: Die Linke muß lernen, konsequent und verläßlich Nein zu sagen, wenn das Ja zu Lasten der Mehrheit der Bevölkerung geht. Die Gestaltungskraft der Partei liegt derzeit nicht in der Illusion, sie könne parlamentarische Mehrheiten herbei verhandeln. Sie muß ihre Stärke als gesellschaftliche wie als parlamentarische Opposition zurückgewinnen.“
Woraus folgt: kann „die Linke“ dies nicht „beweisen“, wird sie politisch nicht gebraucht und ist überflüssig. Genau darum geht´s politisch in den nächsten Wochen und nicht nur in der PdL.
Sondern für die PdL.
Freundliche Grüße von Richard Albrecht
Wir beide, nicht zuletzt wissen, das die Linke sich selbst erledigt hat. Möglichkeiten - um für ordentliche Politik zu sorgen, wäre ein richtig GROßÉR Schritt gewesen. Die Linke verliert sich in Klein, Klein - UND HABT MIT O.L. TOTAL versagtn.
Dein Artikel (damals) hat den Nahgel auf den Kopf getroffen. Die komische Farb-Partei (Piraten) wird auch nichts ändern.
Mensch, lieber Jochen, wo steuern wir da hin?
"Die Wähler suchen nach einer Alternative. Sie suchen nach einer sozialistischen Partei die für ehrliche Demokratie steht und die Schwachen schützt."
Da werden wir Dich wohl enttäuschen. Wir haben gerade erst erklärt:
"Es handelt sich definitiv nicht um ein wahlpolitisches Konkurrenzprojekt zur LINKEN, dies wird kurz- und mittelfristig auch so bleiben."
http://www.nao-prozess.de/blog/sib-antwortet-avanti-missverstandnisse-ausraumen-differenzen-weiter-diskutieren/
und:
"das Wort 'Partei' wurde bewusst vermieden. Denn Wahlkampagnen statt Bewegungskampagnen wären der Weg vom Regen in die Jauche."
http://www.nao-prozess.de/blog/in-kuerze-auch-als-flugi-nao-muss-das-wirklich-sein-von-ik-rsb-sib-u-soko/
Und wir gehörten im Berliner Krisenbündnis zu denen, die die occupy-Parole von der "echten Demokratie" ablehnten. Und mir scheint die "ehrliche Demokratie" jedenfalls keine Vorteile ggü. der "echten Demokratie" auf ihrer Seite zu haben. Und die Lohnabhängigen sind nicht die "Schwachen", sondern die potentiell Starken.
Mit der Annexion der WASG durch die PDS sollte keine neue Partei, sondern lediglich eine um ihre Vergangenheit "bereinigte" EX-SED unter gleichzeitiger aus-dem-Weg-Schaffung einer möglichen erfolgreichen Konkurrenz erreicht werden.
Dieser Reflex ist bekannt, wurde jedoch in der Vergangenheit selten mit derartiger Konsequenz vollführt. Kaum hat eine, wie auch immer geartete Gruppierung Erfolge zu verzeichnen, docken sich zahlreiche Gruppen und Grüppchen an, um an diesen zu partizipieren und, wenn dieses nicht gelingt, zu zerstören.
Soweit zur "Solidarität" unter "Linken".
Hier genau wird mit einiger Gewissheit auch das Problem einer Sozialistischen Partei zu finden sein.
Entweder du nennst hier in deinem Kommentar die Dinge die ich falsch darstelle oder tu mir einfach den Gefallen und geh woanders nörgeln. Gerade in diesem Artikel steckt sehr viel Arbeit und so Typen wie du die mal eben diese Arbeit in Bausch und Bogen verurteilen gehen mir gefährlich auf den Geist.
Mich würde interessieren ob du mir in ähnlicher Weise auch persönlich gegenüber treten würdest. Und nun verpfeif dich du Nase.
Meiner Erfahrung, Einsicht und Meinung nach – die sowohl als scheinbar rechtsirrig wie politisch bedeutungslos, weil „links vom Möglichen überhaupt“, gelten mag – hat Dr. Manfred Sohn in seinem heutigen junge-Welt-Kommentar „nach dem Rückzug von Oskar Lafontaine“ etwas so Wichtiges wie Richtiges in seinem Appell an PdL-„Marxistinnen und Marxisten“ eingefordert:
„Die marxistischen Teile der Partei müssen für einen der beiden Vorsitzposten, die immer eine in Personenform gekleidete Fahne der Partei sind, einen Kandidaten oder eine Kandidatin […] präsentieren, die oder der deutlich macht: Die Partei ist und bleibt Hoffnung und Heimat der marxistischen Linken dieses Landes. Sie ist und bleibt Hoffnung derer, die kompromißlos die drohende Kriegsgefahr bekämpfen und fest an der Seite der vom deutschen Kapital ausgeplünderten Völker Europas stehen – weil nur in europäischer Solidarität der Raubzug gestoppt werden kann, der früher oder später auch die Lohnabhängigen, Rentner und von Lohnersatzleistungen abhängigen Menschen dieses Landes heimsuchen wird. Darum geht es in Göttingen. Handeln müßt Ihr, Marxistinnen und Marxisten in dieser Partei!“ http://www.jungewelt.de/2012/05-24/020.php
So gesehen gilt jetzt auch für die PdL das bekannte „Prinzip Hoffnung“: la esperanza siempre se muere por último - die Hoffnung stirbt immer zuletzt ...
Freundliche Grüße von Richard Albrecht
war schon verzweifelt, dass Du unisono mit Hoff vor einiger Zeit die "junge Welt" angepinkelt hast.
Jetzt dient sie Dir als Beleg.
Das freut mich!
Wohne in Riehl am Rheinufer (wie Du weißt).
Auf der anderen Rheinseite findet das diesjährige Pfingstcamp der SDAJ statt.
Wenn ich heute Nacht ob der von dort über den Fluss herübertrönenenden Musik nur wenig Schlaf komme, freut mich das auch trotz meiner bald erreichten 71 Junis.
Habe soeben meine tägliche "junge Welt" gelesen und sehe somit das Weltgeschehen noch klarer.
Mit kommunistischem Gruß
Karl Heinz
Dagegen Deinen leider nicht richtig fett hervorgehobenen Satz:
"Anstatt das die Linken aber Kompromisse mit sich selbst und ihresgleichen machen, machen sie lieber Kompromisse mit dem politischen Gegner der zugleich der ärgste Feind ihrer Wähler ist."
Da hast Du recht und da muß angesetzt werden.
Wir stehen derzeit unter dem schlimmsten mainstreammedialen Beschuß. Dagegenhalten ist jetzt wichtig und da ist jeder aufgefordert!
eine von der Wirtschaft gesteuerte Presse- und Fernsehlandschaft, die natürlich alles daran setzt, linke Alternativen zu zerstören oder zu kriminalisieren.
Bei aller Kritik an "die Linke": wer bitte wird zukünftig überhaupt noch ansatzweise über die Sauereien in Berlin informieren und versuchen eine Öffentlichkeit herzustellen?
Gute nacht Deutschland, gute Nacht Europa, gute Nacht Demokratie und Humanismus
Man muss sie allerdings lesen.