
Um es vorauszuschicken. Ich mag den Don. Egal ob er
in der FAZ schreibt, sich an der
Blogbar äußert oder bei den
Rebellen ohne Markt versucht den Neid seiner Mitmenschen auf sein Leben als Kunstfigur zu erwecken, stets findet er mein Interesse, meist bekommt er ein beifälliges Nicken und oft muss ich schmunzeln. Natürlich gibt es auch einiges was mich nervt. Sein Hass gegen alles was nicht Tegernsee oder besser noch Italien ist, seine Selbstverliebtheit, das sehr stark aufgesetzte Bildungsbürgertum und seine maßlose Kritik an Anderen gehen mir oft gegen Strich. Aber keine Sonne ohne Schatten.
Deshalb habe ich es mir angewöhnt, immer wieder mal den Fluss seiner Gedanken durch einen harten, aber höflichen Kommentar an einem kleinen Stein der Realität Anstoß nehmen zu lassen, was ihn in letzter Zeit aber sichtlich stört. Gerade heute morgen war es mal wieder so weit, als er sich in einem stilistisch und sprachlich hervorragendem Artikel mit den
Verlusten durch das Erdbeben in Italien beschäftigte den er mit "Grass hat recht" betitelte.
An diesem Artikel ist nichts, aber auch gar nichts falsch. Alles was er schreibt, kann man ohne weiteres unterschreiben. Trotzdem ist dieser Artikel grundfalsch. Don Alphonso beschwert sich zu recht:
Es gibt wichtigere Themen. Der Kursverfall von Facebook, die Finanzkrise und ob das Erdbeben Italiens Haushalt belastet. So ein wenig europäische Kulturgeschichte ist da nicht so wichtig. Zahlt die Versicherung, mit Auswirkung an der Börse, das ist dann schon ein Thema. Grass hat recht, die Ökonomisierung drückt alles andere weg, es geht nur noch um Zahlen und nicht mehr um das, was da zu fallen droht. Jede Bankfiliale ist heute wichtiger als Kultur.
Ich kenne die meisten der Bilder, Fresken und Bauwerke um die es geht, nur aus den Berichten des Dons. Ich habe nur ganz wenige jemals persönlich wahr genommen. Aber ich empfinde Trauer wenn so etwas zerstört wird. Selbst wenn es mir nicht fehlen sollte, wird es auf jeden Fall meinen Kindern und Enkeln fehlen. Es ist ein Verlust. Und der Don hat recht, wenn er die Ökonomisierung beklagt und sich Grass als Zeugen ins Boot holt. Aber mir fehlt in diesem tollen Artikel ein Absatz und auf den bezog sich mein Kommentar.
All die Kunstwerke sind nicht unwiederbringlich verloren. Sie lassen sich fast alle restaurieren und wieder aufbauen, wenn der Wille dazu da ist. Das Geld lässt sich finden. Was aber ist mit dem Leid der Menschen. 15.000 sollen obdachlos sein und 15 tot. Warum erwähnt der Don diese Menschen mit keinem Wort.
Mein Kommentar beschäftigte sich damit, dass ich sagte, dass es für mich kaum einen Unterschied zwischen jenen Leuten gibt, die sich um die Aktienkurse und die Bankfilialen sorgen und denen, deren Sorgen nur den Kulturgütern gelten. Beide sind Menschen mit kalten Herzen. Denn das wirklich wichtige interessiert sie nicht. Das Leid der Menschen. Mir ist der Teddy des kleinen Mädchens, und der verlorene Hausrat der Familie wichtiger als die größten Schätze der Kultur. Von den Toten gar nicht zu sprechen.
Don Alphonso kann mit dieser Kritik nicht leben. Deshalb hat er meinen Kommentar gelöscht. Er sieht das als dumme Anmache. Ich mag ja dumm sein, aber zumindest scheint dieser Kommentar ihn getroffen zu haben. Es passt eben nicht in sein Selbstbildnis, das ich dort ein Herz aus Eis vermute - natürlich hat er keins - aber es reicht wenn man nicht vor Verehrung des Meisters die Knie beugt. Wer einen Kommentar löscht, beweist das der Kommentar wichtig war. Dafür bedanke ich mich.
Ich werde den Don selbstverständlich weiter lesen und kommentieren. Er mag die Kommentare löschen, mir reicht es, dass sie ihm wichtig genug waren sie zu löschen. Das ist der stete Tropfen den der Don braucht.
"Es gibt wichtigere Themen. (...) Jede Bankfiliale ist heute wichtiger als Kultur."
Hätte der Don ein "Leider" dahinter gesetzt: "...ist heute wichtiger als Kultur. Leider.", wär's natürlich noch deutlicher. Aber Sie wissen ja, mit der Genauigkeit in der Sprache nimmt er's oft nicht so genau.
Er vergleicht in diesem Artikel nicht Menschen sondern nur Dinge. Dass ihm Menschen oder deren Leid egal ist, würde ich ihm NICHT unterstellen. Es passt nur nicht in diesen Vergleich den er aufstellt: auf der einen Seite die zerstörten Kulturgüter (in der Presse drei Zeilen wert), auf der anderen das Monitäre (dominiert die Presse). Das beklagt er, denn nur das war sein gewäghltes Thema; und nicht, dass ein paar Menschen leiden oder gar tot sind.
Oder hab ich Ihre Kritik missverstanden?