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DIE WERKTÄTIGEN
Weil´s jetzt & hier auch um etwas - angeblich oder wirklich - Kommunistisches geht, wird die Meinung des portugiesischen Kommunisten Álvaro Barreirinhas Cunhal (1913-2005) vorangestellt:
„Das Ziel der Errichtung einer sozialistischen Gesellschaft schließt keineswegs aus, daß eine kommunistische Partei kurz- und mittelfristige Ziele anstrebt und Lösungen als Alternativen zur bestehenden Lage vorschlägt […] Die Lageanalyse und die Festlegung einer Politik muss von den Grundtatsachen des Kapitalismus ausgehen, die ihre Entsprechung in den grundlegenden Konzepten der revolutionären Theorie des Proletariats finden:
• die Spaltung der Gesellschaft in Ausbeuter und ausgebeutete Klassen
• der Klassenkampf
• die Klassenpolitik der Regierungen.
Es handelt sich um Realitäten und um Konzepte, deren Entdeckung wir nicht Marx und Engels, sondern früheren Ökonomen und Philosophen verdanken. Das Neue am Marxismus ist die Analyse der konkreten ökonomischen und politischen Verhältnisse unter Zugrundelegung dieser Konzepte.“
(Alvaro Cunhal, As seis caracteristicas fundamentais de um Partido Comunista [2001]: http://www.dorl.pcp.pt/images/classicos/ac_6caracteristicasdumpc.pdf; dt. Die sechs Grundzüge einer Kommunistischen Partei: http://kommunisten.ch/files/cunhal_merkmale.pdf [Zitat aus der Einleitung zum III. Abschnitt])
Am 21. Dezember 2011 publizierte ich in diesem Blog(teil) udT. KOPPGÜLLE - MEHRWERTGEFÜHL IN GANZDEUTSCHLAND [1] eine „Polemik gegen Postmodernismus, Pisaismus und Medialdummheit als Beitrag zur kategorialen Flurbereinigung“. Gleichwohl war ich als Jurymitglied des Essaywettbewerbs von „soziologie heute“ (2012) [2] so tolerant-freundlich und empfahl einen Text zu Annahme, in dem im kritisierten Sinn und grundfalsch etwas von „Mehrwert“ stand. Freundlich-tolerant war ich kürzlich auch in diesem Blog(teil) als es um die „Volltext“-Publikation eines pseudonymen Diskussionsbeitrags zur PdL-Debatte ging [3].
Weniger freundlich und schon gar nicht tolerant war ich´n paar Monate vorher in einer (leider nur in sprachlich geglätteter Form printpublikablen) Dokumentarpolemik [4] gegen eine ganzdeutsch-führende „linke“ Neuterroristin. Diese bezog sich 2011 abstrakt-allgemein auf „die Werktätigen“ als Objekte „kommunistischer“ Politik und damit – so das von mir bevorzugte, am „Berliner Zentralinstitut für Sprachwissenschaft“ an der „Akademie der Wissenschaften“ erarbeitete und zuerst 1989 veröffentlichte „Etymologische Wörterbuch des Deutschen“ – auf „alle berufstätigen Menschen, die keine Ausbeutung betreiben.“ [5]
„Die Werktätigen: Anstatt einer Klassenanalyse eine Klassenreise nach Absurdistan
Gewiß fehlt im gedruckten V-Text kaum ein Codewort, auf daß manche Politlinke nicht anspringen: Es geht gegen den „Reformismus“ und gegen den „´zivilgesellschaftlichen Morast´ … parlamentarischer und außerparlamentarischer ´Gestaltungspolitik´“ und darum, daß eine reformistisch festgefahrene „marxistische Linke“ sich nun „selbst als revolutionäres Subjekt“ verhält. Kurzum: Es geht um den „Aufbau einer revolutionären, kommunistischen Organisation“, die „im Marxismus wurzelt und die historischen Erfahrungen der verschiedenen revolutionären Prozesse auf die gegenwärtigen veränderten Bedingungen anwendet und in den Aufbau ihrer Strukturen eingehen läßt“ und die nur dann „revolutionär ist, wenn sie in bestimmten Bereichen (Kommunikation, Strukturen, Verantwortlichkeit) klandestin ist“.
Im Zusammenhang mit der dürftigsten Begründung des „Gebots der Stunde“ einer „revolutionären, kommunistischen Organisation“ als“ revolutionäre Partei“ mit ihrer „neuen Front“ (weil „ein großer Teil des heutigen Proletariats prekär unterwegs oder ganz aus der Produktion herausgeschleudert“ ist) läßt V jegliche sei´s marxistisch-historische sei´s aktuell-klassenempirische Analyse fahren zugunsten einer an Allgemeinheit nur noch durch „Wir alle“ überbietbaren Kategorie wie „die Werktätigen“ (darunter Teile der selbständig Erwerbstätigen). Das ist (i) noch unterhalb allen Schmalspurmarxismus angesiedelter schlechtester Abstraktismus: jede Vermittlung der allgemeinsten Kategorie Werktätige in Besonderheiten wie Arbeiterklasse und/oder Industrieproletariat, die kommunistische Politik erst begründen, vermitteln und leiten können, fehlt. Das drückt (ii) Verachtung und Verhöhnung geistiger Arbeit und intellektueller Anstrengungen marxistischer Forschung und Klassenanalyse in praxisbezogener Perspektive aus, damit zugleich (iii) voluntaristisch Beliebiges des geschichtlichen Anarchismus und Terrorismus und steht (iv) in der Tradition der deutschen RAF, die in ihren achtundzwanzig Existenzjahren von Juni 1970 bis April 1998 keine theoretisch und/oder empirisch tragfähige konkrete Klassenstrukturanalyse vorlegen konnte.
Vs Appell an „die Werktätigen“ zum „Gebot der Stunde“ erinnert an etwas, das Bertolt Brecht in den „Flüchtlingsgesprächen“ (1940/41) der Exulanten Kalle (Handarbeiter) und Zipfel (Intellektueller) kritisch angesprochen hat als Frage, ob „der Prolet“ wieder mal´n „Gehherda“ machen soll.“ [6]
[1] http://duckhome.de/tb/archives/9713-KOPPGUELLE-MEHRWERTGEFUEHL-IN-GANZDEUTSCHLAND.html
[2] Schreibwettbewerb 2012: SOZIOLOGIE; in soziologie heute, 5 (2012) 22: 23
[3] http://duckhome.de/tb/archives/10148-PULVERDAMPF-HEISSE-LIEDER,-BROT-SPIELE,-ABSTRAKT-KONKRET,-EIN-LINKSPARTEITAGSBESCHLUSS-DAS-GLEICHERERSYNDROM.html?utm_source=feedburner&utm_medium=feed&utm_campaign=Feed%253A+Duckhome+%2528Duckhome%2529
[4] Richard Albrecht, Mahler, Meinhof, Baader - waren ihre Kader. Subjektwissenschaftliches zur neo-terroristischen Ideologie; in: FORUM WISSENSCHAFT, 29 (2012) 1: 52-55
[5] Zitiert nach der ungekürzten und durchgesehenen Ausgabe München: dtv 3358, ³1995: 1559
[6] Albrecht, Mahler, Meinhof, Baader: 53; alle Zitate im Zitat nach: Inge Viett, Notwendiger Aufbauprozess. Zur Realisierung revolutionärer Strategien braucht es eine handlungsfähige kommunistische Organisation; junge Welt , 4. 1. 2011; XVI. Internationale Rosa Luxemburg Konferenz. Die Broschüre. Berlin 2011: 39-41; dort auch Vs fünf Diskussionsbemerkungen: 28-35
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Tags für diesen Artikel: "links"terroristische ideologie, arbeiterbewegung, industrieproletariat, kommunistisches, koppgülle, marxistische klassenanalyse, raf 1970-1998, sozialstruktur, werktätige, zeitgeschichte, ²ra
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