Morbus Dupuytren - teuerer Erfolg für Handchirurgen?
Gastbeitrag von altautonomer:
Vorbemerkung:
Die Tatsache, dass ich ein Kritiker des herrschenden Gesundheitssystems, speziell der Machenschaften der Pharmaindustrie, der Aussagekraft medizinischer Studien und der Verschwendung von Krankenkassenbeiträge bin, bedarf eigentlich keiner besonderen Erwähnung. Es ist auch eine Binse, dass wirklich neue Substanzen zur Bekämpfung von Krankheiten so gut wie gar nicht mehr erforscht werden. Neue Pharmaprodukte auf dem Markt sind in der Regel eine Modifikation der bereits angebotenen. Beispiel: Die 2010 zugelassenen sogenannten Protease-Inhibitoren "Telaprevier" und "Boceprevier" als Ergänzung zu der Standardtherapie (Interferon plus Ribavirin) bei Hepatiis C.
Im aktuellen Fall hat ein Pharmaunternehmen ein Medikament entwickelt, das gegenüber der klassischen invasiven Terhapie enorme Vorteile für die Patienten hat. Bei dem Medikament handelt es sich um eine mikrobielle Kollagenase aus dem Clostridium histolyticum, Xiapex wirkt also auf die kollagenen Fasern der Handfaszie. Der Nachteil: Für eine Anwendung müssten 1.199,--Euro von den Krankenkassen übernommen werden.
Morbus Dupuytren - teuerer Erfolg für Handchirurgen?
Der Klassiker, also die Therapie der ersten Wahl ist bei der sogenannten Dupuytrenschen Kontraktur (med. strangartige Verdickung der Kollagenfasern der Palmarapeunorose - Morbus Dupuytren - M.-D.) die Fasziektomie, die offene Hand-OP. Noch im med. Leitfaden "Handchirurgie" (Checkliste) von Oktober 1996 wird die offene OP als einzige Therapie bei M.-D. erwähnt. Die Zahl der erkrankten Patienten (Prävalenz) in @de wird auf 2 Mio geschätzt.
Inzwischen macht jedoch die perkutane Nadelfasziotomie (PFN) wegen ihrer in vielen Punkten großen Überlegenheit gegenüber der Fasziektomie diesem Standardverfahren Konkurrenz. Leider beherrschen nur wenige, hauptsächlich niedergelassene Handchirurgen diese Alternative. Die Kosten liegen bei rd. 300,--Euro. Pionier auf diesem Gebiet ist Dr. Groeben, Düsseldorf.
Seit Novmeber 2011 war in @de ein Collagen der Fa. Pfitzer mit der Bezeichnung "Xiapex" (USA: Xiaflex) als 3. Therapiestrang zugelassen. Nach 24 Stunden des in die Problemzone der befallenen Hand injizierten Mittels konnten alle Finger wieder bis auf <5 Grad gestreckt werden. Auf Youtube können die Erfolge bwundern:
Eine ausführliche Diskussion gibt es im Forum der Selbsthilfegruppe.
Ich behaupte nun, dass unter dem Druck der Handchirurgenlobby Xiapex am 16.05.2012 wider vom Markt genommen werden mußte, weil der B-GA mit einer für mich nicht nachvollziehbaren Begründung ("kein besonderer Nutzen") weder einen med. noch kostenmäßigen Nutzen dieser neuen Therapieform sah.
Dazu der Hersteller Pfizer auf seiner Website.
Aus der Nutzenbewertung des Gemeinsamen Bundesausschusses zur Arzneimittelbewertung:
Als Betroffener habe ich vor Wochen vergeblich versucht, in den renommierten Kliniken des Ruhrgebiets mit angeschlossener Handchirurgie eine ambulante Op zu bekommen. Als Mindestverweildauer wurden aber stets 2-3 Tage genannt.
Insofern dürfte der aus dem Verhältnis ambulant zu stationär resultierende Kostenvergleich (Collagenase versus ambulante Fasziektomie) auf den Seiten 4 und 5 in diesem Dokument unseriös sein. Hier haben die Interessenvertreter der Handchirurgie ganze Arbeit geleistet. Zur Rezidivrate bei der Collagenase gibt es für @de angeblich noch keine verwertbaren klinischen Daten. Zur Abschreckung führen die Handchirurgischen Alphatiere auf ihren Kongresen auch gerne das Argument ein: Man wisse doch noch gar nicht, wie lange Xiapex seine destruktive Wirkung in der Hand entfalte und evtl. langfristig die Beugesehne mit desintegriert. Doch angesichts des Studienvorlaufs müßten die Ergebnisse bezüglich der bei Xiapex aufgetretenen Rezidive durchaus signifikant sein:
(wikipedia) "Von der Synthese eines neuen Wirkstoffs bis zur Marktzulassung des Medikaments vergehen durchschnittlich 14,2 Jahre, wovon die klinischen Phasen I-III rund 8,6 Jahre beanspruchen und das Zulassungsverfahren 1,8 Jahre. Die verbleibende Zeit von etwa 3,8 Jahren ist für die präklinische Forschung inklusive Wirkstoffsuche und -optimierung zu veranschlagen (Angaben für die USA)."
Tatsache ist, dass bei der offenen Hand-OP durch die größeren Wundränder und den dadurch induzierten körpereigenen Reparaturmechanismus die höchste Rezidivrate zu verzeichnen ist. Was im Extremfall bei der offenen OP herauskommen kann, zeigen die Hände des Blogbetreibers Herrn Stefan Horn auf seiner Website, Die Bilder sind ihnen erst nach der Eingabe des Codes aus dem Fenster zugänglich, da sie wirklich nicht schön sind.
Die Collagenase löste unter den Betroffenen sofort große Begeisterung aus, die jedoch durch die Skepsis, dass die Handchirurgen bei Etablierung dieser Therpie auf ein Stück des Kuchen verzichten muss (außerdem das für die Fortbidung erforderliche "Patientengut" reduziert würde) und deshalb reagieren wird, wieder getrübt wurde. Auffällig ist in diesem Kontext auch, dass der Nutzenvergleich zwischen einer medikamentösen und invasiven Therapien ein Novum darstellt
Kosten der Collagenase: PKV rd. 2.000,-- Euro (Medikament 1.200,--Euro), GKV 1.500,--Euro.
Kosten der stat. OP: GKV zwischen 3.000 und 6.000 Euro.
altautonomer

Morbus Dupuytren - teuerer Erfolg für Handchirurgen?
Der Klassiker, also die Therapie der ersten Wahl ist bei der sogenannten Dupuytrenschen Kontraktur (med. strangartige Verdickung der Kollagenfasern der Palmarapeunorose - Morbus Dupuytren - M.-D.) die Fasziektomie, die offene Hand-OP. Noch im med. Leitfaden "Handchirurgie" (Checkliste) von Oktober 1996 wird die offene OP als einzige Therapie bei M.-D. erwähnt. Die Zahl der erkrankten Patienten (Prävalenz) in @de wird auf 2 Mio geschätzt.
Inzwischen macht jedoch die perkutane Nadelfasziotomie (PFN) wegen ihrer in vielen Punkten großen Überlegenheit gegenüber der Fasziektomie diesem Standardverfahren Konkurrenz. Leider beherrschen nur wenige, hauptsächlich niedergelassene Handchirurgen diese Alternative. Die Kosten liegen bei rd. 300,--Euro. Pionier auf diesem Gebiet ist Dr. Groeben, Düsseldorf.
Seit Novmeber 2011 war in @de ein Collagen der Fa. Pfitzer mit der Bezeichnung "Xiapex" (USA: Xiaflex) als 3. Therapiestrang zugelassen. Nach 24 Stunden des in die Problemzone der befallenen Hand injizierten Mittels konnten alle Finger wieder bis auf <5 Grad gestreckt werden. Auf Youtube können die Erfolge bwundern:
Eine ausführliche Diskussion gibt es im Forum der Selbsthilfegruppe.
Ich behaupte nun, dass unter dem Druck der Handchirurgenlobby Xiapex am 16.05.2012 wider vom Markt genommen werden mußte, weil der B-GA mit einer für mich nicht nachvollziehbaren Begründung ("kein besonderer Nutzen") weder einen med. noch kostenmäßigen Nutzen dieser neuen Therapieform sah.
Dazu der Hersteller Pfizer auf seiner Website.
Aus der Nutzenbewertung des Gemeinsamen Bundesausschusses zur Arzneimittelbewertung:
Die Schätzung des GKV-Spitzenverbandes über die GKV-Versicherten mit einer Dupuytren ́schen Kontraktur (ICD-10 M72.0), die einer Operationen an Faszien der Hohlhand und der Finger (OPS 5-842.*) unterzogen werden, beläuft sich jährlich auf ca. 35.000 Patienten, von denen 64 Prozent ambulant behandelt werden. Das Verhältnis stationär zu ambulant beträgt 1:1,8.
Als Betroffener habe ich vor Wochen vergeblich versucht, in den renommierten Kliniken des Ruhrgebiets mit angeschlossener Handchirurgie eine ambulante Op zu bekommen. Als Mindestverweildauer wurden aber stets 2-3 Tage genannt.
Insofern dürfte der aus dem Verhältnis ambulant zu stationär resultierende Kostenvergleich (Collagenase versus ambulante Fasziektomie) auf den Seiten 4 und 5 in diesem Dokument unseriös sein. Hier haben die Interessenvertreter der Handchirurgie ganze Arbeit geleistet. Zur Rezidivrate bei der Collagenase gibt es für @de angeblich noch keine verwertbaren klinischen Daten. Zur Abschreckung führen die Handchirurgischen Alphatiere auf ihren Kongresen auch gerne das Argument ein: Man wisse doch noch gar nicht, wie lange Xiapex seine destruktive Wirkung in der Hand entfalte und evtl. langfristig die Beugesehne mit desintegriert. Doch angesichts des Studienvorlaufs müßten die Ergebnisse bezüglich der bei Xiapex aufgetretenen Rezidive durchaus signifikant sein:
(wikipedia) "Von der Synthese eines neuen Wirkstoffs bis zur Marktzulassung des Medikaments vergehen durchschnittlich 14,2 Jahre, wovon die klinischen Phasen I-III rund 8,6 Jahre beanspruchen und das Zulassungsverfahren 1,8 Jahre. Die verbleibende Zeit von etwa 3,8 Jahren ist für die präklinische Forschung inklusive Wirkstoffsuche und -optimierung zu veranschlagen (Angaben für die USA)."
Tatsache ist, dass bei der offenen Hand-OP durch die größeren Wundränder und den dadurch induzierten körpereigenen Reparaturmechanismus die höchste Rezidivrate zu verzeichnen ist. Was im Extremfall bei der offenen OP herauskommen kann, zeigen die Hände des Blogbetreibers Herrn Stefan Horn auf seiner Website, Die Bilder sind ihnen erst nach der Eingabe des Codes aus dem Fenster zugänglich, da sie wirklich nicht schön sind.
Die Collagenase löste unter den Betroffenen sofort große Begeisterung aus, die jedoch durch die Skepsis, dass die Handchirurgen bei Etablierung dieser Therpie auf ein Stück des Kuchen verzichten muss (außerdem das für die Fortbidung erforderliche "Patientengut" reduziert würde) und deshalb reagieren wird, wieder getrübt wurde. Auffällig ist in diesem Kontext auch, dass der Nutzenvergleich zwischen einer medikamentösen und invasiven Therapien ein Novum darstellt
Kosten der Collagenase: PKV rd. 2.000,-- Euro (Medikament 1.200,--Euro), GKV 1.500,--Euro.
Kosten der stat. OP: GKV zwischen 3.000 und 6.000 Euro.
altautonomer

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Ein sehr interessanter Artikel, der mir so noch nicht bekannt war.
Das mittel von Pfizer ist wirklich aus dem Handel?
Ein Freund hat sich vor ca. 1 1/2 Jahren in Düsseldorf auf diese Art mit Collagen behandeln lassen und bis heute kein Rezidiv!,,
Diese Erfahrung wollte ich abwarten und mich dann ebenfalls so therapieren lassen.
Das wäre dann ja nicht mehr möglich ,
In allen anderen Punkten in Bezug auf unser Gesundheitssystem gebe ich ihnen aus Erfahrung recht,
Mit freundlichen Grüßen
Brigitte Budde