Kampf den Datschen
Sinn dieses Betongoldes soll sein, das eigene Vermögen durch den versprochenen Wertzuwachs der Immobilien vor einer Inflation zu schützen. Das ist natürlich Schwachsinn. Tatsächlich wird von den Immobilienhaien eine Blase aufgebaut, deren vollständig überhöhte Preise schon heute beim Kauf eigentlich schon zu 30 - 60 Prozent abgeschrieben werden müssten. Neubauten die nur so vor Schimmel strotzen, abfallende Fassaden, renovierte Altbauten in denen die feuchten Balken vor sich hinfaulen. Pfusch am Bau ist eben nicht wertbeständig. Aber verkauft ist verkauft. Die Überraschung erlebt dann der neue Besitzer, der anstatt sein Geld zu schützen, noch öfter mal tief in die Tasche greifen muss, um wenigstens etwas zu retten. Aber die Situation und die Verluste dieser Anleger sind nicht das größte Problem. Die haben über die Allianztochter Pimco ja eh ein festes Bündnis mit dem Strick.
Tatsächlich werden durch die Verdrängung der Stammbevölkerung soziale Bindungen zerstört, was wiederum dem Großkapital, also den Superreichen nützt. Da ist es keine Wunder das sich BMW (entstanden aus den KZ-Gewinnen der Quandts) und Guggenheim zusammengetan haben um schöne Worte und nette Erklärungen für Gentrifizierung zu finden und sich zusammen mit Partybürgermeister Wowereit über die Opfer lustig zu machen. Unnötig zu erwähnen, das BMW die Kosten für dieses Event mal eben als Aufwand von den Steuern abzieht, also anstatt sich am Aufbau des Staates zu beteiligen, das Geld lieber mit den anderen Abzockern verprasst.
Aber damit nicht genug. Während selbst im Berliner SO 36, einem klassischen Problemviertel, die Mieten nicht mehr bezahlbar sind geht es im Auftrag der Allianz und anderer Abzocker bereits um viel mehr. Ulf Poschardt, der journalistisch vor allem durch gefälschte Interviews und Storys auffiel und sich selbst als neoliberaler Wirtschaftsfaschist mit einem Wahlaufruf für die verkommene FDP outetet, durfte in Springer Hetzblatt Welt, die nächste Kampflinie eröffnen. Dort stellte er fest, dass die Schrebergärten die Favelas der Mittelschicht seien.
Alleine die Wortwahl zeigt, wie nahe Poschardt beim Stürmer ist. Favelas der Mittelschicht. Verachtender kann man mit den Wünschen und Hoffnungen nicht umgehen, aber es ist eben auch die Sprache Springers, bei der es ja nur darauf ankommt, stets eine neue Gruppe von Menschen zum Abschuss freizugeben. Mit dem Hetzbegriff Favela soll der Eindruck erweckt werden, es handele sich um illegale Gebilde die nur darauf warten durch die "Rechten" Leute wieder ihrer Bestimmung zugeführt zu werden. Dem ist natürlich nicht so. Schrebergärten oder Datschen sind der Inbegriff des deutschen Spießbürgertums. Dort ist alles geregelt, auch die kleinste Kleinigkeit. Für Menschen wie den Autor fast unvorstellbar sich dort einzugewöhnen, aber gut für die Menschen die so leben können.
Witzigerweise ist der deutsche Schrebergarten auch schon immer ein Integrationsbeschleuniger gewesen. Die Polen im Ruhrgebiet und heute die Türken, die ehemaligen Jugoslawen und viele andere überall in Deutschland haben sich bestens integriert und der Autor kann sich ein Lächeln kaum verkneifen, wenn der schnurrbärtige türkische Patriarch mit dem deutschen Kurzhaardackel durch die Laubenpieperkolonie trabt. Denn selbstverständlich haben die Schrebergärtner auch für die restliche Bevölkerung eine Bedeutung. Sie sind Erholungsgebiet und nichts ist entspannender als andere bei der Gartenarbeit und beim Bücken zu beobachten. Dazu kommt, das es sich um grüne Lunge für die Städte handelt, die zumeist die Freiräume ausfüllen, die zwischen Straßen und Bahnlinien eh nie für eine Wohn- oder Geschäftsbebauung in Frage gekommen wären.
Warum aber wollen die Wirtschaftsfaschisten nun unbedingt die Datschen beseitigen. Das ist ganz einfach. Eine Datsche bedeutet für ihren Besitzer so etwas wie Heimat, eine Art Festung, ein Rückzugsgebiet. Wer sich noch an die DDR zu erinnern vermag der wird wissen, dass die Datsche das Rückzugsgebiet der Menschen war. Der Fachbegriff lautet Innere Immigration, wird allerdings immer nur Künstlern zugestanden. Tatsächlich ging in der DDR ein großer Teil der Bevölkerung in die Innere Immigration. Man fand sich mit den Zuständen ab und beschränkte sich auf das ganz kleine Glück in der Datsche.
In der Weimarer Republik gab es noch die Vereine, die ähnliche Rückzugsgebiete bildeten. Heute werden in Deutschland die Menschen möglichst weit auseinandergetrieben. Dann Bindungen verhelfen dem einzelnen zur Stärke. Deshalb war auch die Unterwanderung der Gewerkschaften ein wichtiger Schritt. Es ging und geht darum die Menschen in immer kleinere Gruppen zu spalten, bis sie als Einzellebewesen so schwach sind, dass sie sich nur noch unterwerfen können. Das ist das, was Springer seit Jahrzehnten betreibt und wobei diesem Verein die restliche Medienwelt gerne hilft.
Die Datsche aber wird als Eigentum begriffen, als letzter Rückzugsort und dort gibt es Nachbarn die man zwar von ganzem Herzen hassen kann, die aber gemeinsame Interessen verbinden. Das die Wohnung keine Sicherheit mehr bietet, weiß im Grunde genommen jeder. So wie in der DDR die klugen Leute stets davon ausgingen dass sie abgehört wurden, traut heute niemand mehr seiner Wohnung. Die Geheimdienste und die Polizei sind zwar nicht Willens faschistische Straftäter zu fangen, aber den Bürger verfolgen sie bis ins Bett und selbst wenn es nicht der Staat ist, dann sind es Vermieter die ohne etwas zu leisten, die Mietschraube immer weiter anziehen.
Die Datsche gibt auch die Illusion von Selbstversorgung. Natürlich sind die Flächen viel zu klein, aber für den Erhalt der Illusion und des guten Gefühles reicht das. Es werden übrigens in den Schrebergärten wieder mehr Gemüse und Obst angebaut als noch vor zehn Jahren. Die Angst der Menschen offenbart sich im Ausbau der Anbaufläche und die Menschen klammern sich an dieses kleine Stück Scholle. Das verhindert natürlich, dass man sie weiter auseinanderdividieren kann. Wer seine Datsche in Charlottenburg hat, will nicht raus bis fast nach Frankfurt Oder vertrieben werden. Die Menschen beginnen zu kämpfen. Natürlich ist der deutsche Michel und vor allem der deutsche Laubenpieper (egal welcher Migrantenherkunft) kein Revoluzzer sondern eher Lampenputzer. Aber sich darauf zu verlassen könnte in die Hose gehen.
Natürlich wäre die Gewinnung von weiterem Bauland für die Reichen und die Wirtschaftsfaschisten alleine auch ein Anreiz. Zumindest solange sie die darauf errichteten Neubauten noch an genügend dumme Anbieter verkaufen können. Aber bis die Flächen enteignet sind und bis dort wirklich auf billigste und schlechteste Art und Weise gebaut wurde, könnte sich die Frage der Anlage von Geld in Betongold eventuell schon gar nicht mehr stellen, weil die nächste Rezession schon am Himmel steht. Nein es geht nicht um Land. Es geht darum die Menschen und die diesmal die sogenannte Mittelschicht zu verunsichern und sturmreif zu schießen. Wir nehmen dir deine Datsche. Du hast keinen Rückzugspunkt mehr, gib dich doch gleich auf lautet die Botschaft.
Diese Botschaft werden wir von nun an immer wieder hören und am Ende sind die Datschenbesitzer die neuen Hartz IV ler. Also Leute die die Allgemeinheit ausnutzen und den Städten den Weg verbauen. Sie werden sich noch ein wenig verteidigen. Aber am Ende gewinnen die Reichen und Springer immer. Es sei denn, man haut dem Springerverein und seinen Superreichen Hintermännern nicht nur auf die Finger sondern setzt dem Spuk wirklich ein Ende.
Natürlich können wir abwarten wer die nächsten Opfer auf der Agenda sind. Kranke, Pflegebedürftige, Sozialhilfeemfänger und Arbeitslose hatten wir ja bereits. Studenten und Auszubildende sind längst in Sackgassen wie Master und tote Berufe geschickt worden. Sie werden weitermachen bis sich jeder nur noch schlecht und alleine fühlt. Erst dann haben sie gewonnen. Wir können abwarten oder kämpfen.

Tags für diesen Artikel: abzocke, bauland, bmw, freiheit, guggenheim, integration, mieten, neoliberal, quandt, schrebergärten, wirtschaftsfaschistisch
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mal wieder ein Artikel von Dir, der mir sehr gut gefällt. Zielgenau getroffen.
Ich bin noch am querlesen, aber ich sag schon mal, dass die Youtube Links "das Schweigen der Quandts" fast alle nicht mehr einsehbar sind.
- War es Zensur? von bestimmten Leuten?
Die Datschen dürfen nicht verschwinden. Ich war mal eingeladen und fand das wunderschön, wie die Menschen da ihr eigenes, kleines Paradies hatten. Am Sternberger See war das.
Die Reichen wollen sich alles einverleiben.
mfg Brigitte