Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden, Stephan Kramer, äußert in der
Netzeitung die Befürchtung das Hetzjagden wie in Mügeln, bald auch den Juden in Deutschland gelten könnten. Das ist eine Feststellung die in diesem
Blog schon oft formuliert wurde.
Man kann Recht nicht teilen. Deshalb ist es um so bedauerlicher, wenn sich wichtige Leute aus dem Kreis der Juden vor den Karren der Antimuslimhetzer spannen lassen, obwohl sie intelligent genug sein müssten um zu kapieren, das die Kräfte, die jetzt die Juden einbinden, nach der Vernichtung der Muslime, die Juden als nächstes erledigen werden.
Diesmal ist die Reihenfolge nur anders. Das gewünschte Ergebnis ist das gleiche. Sogar die Argumentation ist die gleiche. Das angebliche Spucken auf Schweinefleisch, wurde früher den Juden zugeschrieben, heute den Muslimen. Die Kräfte die heute behaupten das Muslime in Schulen vom Biologieunterricht befreit würden, weil dort auch Schweine vorkämen, werden Morgen erzählen, das die Juden christliche Kinder opfern. Das hatten wir doch alles schon mal.
Wer heute gegen eine Moschee ist, muss morgen hinnehmen das eine Synagoge oder Kirche verbrannt wird. Wir können das Recht nicht teilen, wenn wir nicht auf das Recht verzichten wollen. Ich kann versuchen Ralph Giordano zu verstehen, in dem ich den Konflikt in Israel mit einberechne. Aber hier ist nicht Israel, es ist der falsche Kampf am falschen Ort. Wahrscheinlich ist dieser Kampf sogar in Israel völlig falsch, aber ich habe leider auch keine Lösung.
Ich kann auch versuchen Henryk M. Broder und seine Achse der Naiven zu verstehen. Ein alternder Journalist, dem jede Position die er jemals hatte unter den Füßen zerronnen ist und der sich nun in letzten warmen Strahlen der Anerkennung, durch amerikanische Sicherheitsdienste und deutsche Faschisten und Rassisten bewegt. Das der Link zu PI kommentarlos von seinen Seiten verschwunden ist, zeigt zwar das er noch nicht ganz merkbefreit ist, aber es ist nur ein schwacher Abglanz alter Zeiten.
Natürlich kann man als Jude total für die Einstellung amerikanischer Fundamentalchristen wie Bush sein und sich über jede Mißhandlung und Vernichtung muslimischen Lebens freuen. Das hat nur einen kleinen, aber fürchterlichen Nachteil. Wer im Bibelgürtel den Predigern zuhört, der hört, was die von Juden denken. Momentan ist der aktuelle Feind der Islam, schon weil es dort Öl zu stehlen gibt. Aber selbstverständlich ist für diese Leute, der Jude der gleiche Abschaum wie der Muslim, Hindu, Buddhist, Schwule oder Linker. Alles Heiden, die entweder bekehrt oder ausgerottet werden müssen.
Ich bin jederzeit bereit dafür zu kämpfen, das jede Religion und Ansicht, frei verkündet werden darf und für alle die gleichen Rechte gelten. Ich kann den Zentralrat der Juden nur auffordern, genauso zu handeln, und die Leute die sich verrannt haben, wenigstens freundschaftlich zu ermahnen und ihnen auch öffentlich zu widersprechen. Wenn wir nicht alle gemeinsam für die Freiheit des jeweils anderen kämpfen, werden wir alle jede Freiheit verlieren.
Gruß
Alex
Mir hilft in solchen Fällen immer der Begriff des 'strukturellen Antisemitismus' - oder in den Worten Gregory Batesons: 'Es sind die Muster, die verbinden'. An den Funktionsstellen solcher Muster sind dann 'McGuffins' (schlag nach bei Alfred Hitchcock) zu finden, Pappkameraden, die jederzeit durch andere ersetzt werden können. Die Opfer wären dann bspw. die Juden, die Muslime, die Katholiken, die Bolschewisten usw. - und zwar immer als Gruppe, der kein Angehöriger entfliehen könne. Die Träger und Propagandisten des Musters wären andererseits die treudoofen Germanen, die frommen Muslime, die guten Bürger usw. Das Muster bleibt in allen Fällen gleich: Da ist eine im Verborgenen wirkende mächtige Gruppe, die unter angeborenen, nicht änderbaren Defekten leidet, die quasi 'im Blut' liegen sollen, deren teuflische Pläne von den 'guten Anderen', die endlich aufwachen müssten und genetisch das reine, ursprüngliche Blut in sich tragen, gestoppt werden können. Ein solches Muster nennt sich 'struktureller Antisemitismus' ...
Der Begriff Blut ist zwar griffig, aber momentan versucht die Medizin, viele Krankheiten auf gemeinsame Gendefekte der Mehrheit aller Krankheitsträger zu reduzieren.
Wetten das sich mit einigermaßen Mühe auch genetische Muslime, Zigeuner Verbrecher und Juden finden lassen. Professor Hirth mit seinen Schädelmessungen ist immer noch geistig da.
Aber ähnlich wie in der Justiz haben wir nach 1945 in der Medizin eben nicht aufgeräumt, so das einiges von dem Unfug heute noch als Lehrmeinung rumgeistern kann.
Wer für andere seine Stimme erhebt, sollte mit Bedacht sprechen.
Aber die deutschen Juden, sollten sich vielleicht die israelische Haltung mal aus deutscher oder internationaler Sicht betrachten und die Amis einmal rausrechnen.
Dann würden auch die zu anderen Entschlüssen kommen. Auf die USA ist sicher kein Verlass.
Es ist schwierig mit Extremisten zu reden. Ja, manchmal kommt mir auch der Zentralrat der Juden in Deutschland vor wie ein Haufen hysterischer Extremisten.
Gruß
Alex