Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Beck gehört nicht unbedingt zu meinen Lieblingspolitikern. Ich glaube ihm einfach viele seiner Aktionen nicht. Aber da wo er den Finger in eine offene Wunde legt, um auf sie aufmerksam zu machen, hat er meine volle Unterstützung:
Angesichts einer Studie, derzufolge bei jungen Einwanderern aus der Türkei und der ehemaligen Sowjetunion Schwulenhass weit stärker verbreitet ist als bei deutschen Jugendlichen, fordern die Grünen Konsequenzen. «Die Integrationspolitik darf sich nicht auf Vermittlung von Deutschkenntnissen beschränken», sagte der Geschäftsführer der Grünen-Fraktion im Bundestag, Volker Beck, selbst bekennender Schwuler, im Gespräch mit Netzeitung.de.
Er unterstütze daher den Vorschlag des Lesben- und Schwulenverbandes in Deutschland (LSVD), einen gemeinsamen Aktionsplan mit Migrantenorganisationen zum Abbau der Homophobie zu entwickeln. «Homophobie muss ein Thema der Integrationspolitik werden», forderte Beck und fügte hinzu: «Da hat Frau Böhmers Integrationsplan leider einen weißen Fleck.» Maria Böhmer (CDU) ist Integrationsbeauftragte der Bundesregierung.
Ich habe keinesfalls die Absicht dieser Studie zu widersprechen. Sie deckt sich vielmehr mit eigenen Beobachtungen und Erfahrungen. Ich möchte sie nur gerne um eine Gruppe erweitern. Um die deutschen Jugendlichen die schon heute keine Chance mehr in diesem Land haben und praktisch nur noch auf Hartz IV vorbereitet werden.
Schwulenhass oder Homophobie haben genau wie Islamophobie oder Judenhass, nur selten etwas mit den Personen, Ansichten, Handlungen, sexuellen oder religiösen Praktiken zu tun, die von den Objekten der Phobie gezeigt werden. Die Triebfeder dahinter ist in den meisten Fällen eine völlig andere. Phobien dienen der Selbstbestimmung.
Wenn ich noch jemanden unter mir finde, der noch weniger angesehen als ich selbst bin, dann bin ich eben nicht der letzte, sondern der vorletzte Dreck. Es geht also darum den Druck von sich selbst, auf andere umzulagern. Wir werden bald auch noch eine Altenphobie bekommen.
Es spricht nichts dagegen Phobien innerhalb eines Migrationsprozesses auszuräumen, aber wo gibt es den einen solchen Prozess? Fünf Monate lang ein Jugendprojekt, von dem jeder vorher wusste, das die Mittel nicht verlängert werden. Schulen die nicht genügend Lehrer und schon gar keinen vernünftigen Deutschunterricht für Ausländer bieten. Die können das nicht leisten und für mehr gibt es kein Geld.
Wenn wir einen großen Teil der Bevölkerung ausgrenzen und verarmen lassen, während ein kleiner Teil alle Früchte genießt, dann bedeutet dies, das wir auf eine Hälfte der Bevölkerung, aber wahrscheinlich schon auf dreiviertel der Bevölkerung einen ständig steigenden Druck ausüben. Dieser Druck braucht ein Ventil.
Rassismus und ein Feind im inneren sind ein solches Ziel. der Kampf gegen Moslems, Juden, Schwule, Ausländer und Alte ist das Ventil. Die Schuld an den jeweils nächstschwächeren zuweisen. Das ist der wirtschaftsfaschistische Neoliberalismus der zur Zeit Mainstream in allen Parteien und Medien ist.
Als Politiker weiß Herr Beck genau, wie man Verantwortung auf andere überträgt. Diesmal auf die angeblichen Migrationshelfer und die Migranten. So machen es die Neoliberalen immer. Die anderen sind Schuld. Aber genau das stimmt nicht. Herr Beck hat im Bundestag alles getan um solch eine Gesellschaft, wie er sie jetzt zu seinem Erschrecken vorfindet, zu gestalten. Die Verhältnisse sind auch seiner und der grünen Politik geschuldet.
Wenn Herr Beck den eigenen Schuldanteil nicht anerkennt und nicht an die Ursachen des Problems gehen will, dann macht es keinen Sinn die Sache überhaupt zu diskutieren. Anstatt über Migrationspolitik zu reden, sollte er den Schwulen und Lesben empfehlen, Kampfsportunterricht zu nehmen und sich zu bewaffnen. Das ist wenigsten etwas wirksamer als sein laues Ansinnen, wenn auch sicherlich nicht vernünftig, oder gar richtig.
Wir müssen die Masse der Menschen wieder in unsere Gesellschaft holen. Da draußen sind längst nicht mehr nur Migranten. Da sitzen die gescheiterten Selbstständigen, die mit 50 zu ihrem Pech krank gewordenen, neben denen, die INSM und Mohn/Bertelsmann um ihr Einkommen gebracht haben. Demnächst sitzen da auch die Häuslebauer, denen Ackermanns Spekulationen ihr Eigentum gekostet haben. Es werden täglich mehr.
Ich bin gerne an der Seite von Herrn Beck, wenn er etwas tun will. Aber wie schon bei seinen Demonstrationsauftritten in Moskau, will er Show, aber nicht arbeiten. Die Wahrheit, die will er schon gar nicht.



















