Der Münchner CSU-OB-Kandidaten Josef Schmid will im Falle seiner Machtergreifung den Münchner Stadtrat von Grünen und SPD entlausen. Gleich gehen die Wellen hoch. Sofort glaubten alle ihn bei Nazisprech erwischt zu haben, dabei hatte er doch nur gesagt:
Es ist höchste Zeit, dass wir mit der Entlausung des bayerischen Löwen beginnen.
Das ist aber nicht Nazisprech, das ist der ganz normale Ton innerhalb der CSU und weiter Teile der CDU. Die politischen Gegner, Andersgläubige, jeder außerhalb der bayrischen Grenzen und einige innerhalb der Grenzen sind eben nichts wert. Ungeziefer, das es zu vernichten gilt.
Selbstverständlich hatten die Nazis die gleiche Sprache und gerade die Entlausung, die nichts anders als die fröhliche Umschreibung von Duschen ist, aus denen Gas kam, anstelle von Wasser ist uns nur allzu bekannt. Ich meine den Denkenden unter uns. Aber in Wirklichkeit ist dieses Denken eben nicht das Eigentum der Nazis. Es ist einfach nur Rassismus. Ausgrenzung anderer durch ein gemeinsames Merkmal oder die Schaffung eines gemeinsamen Merkmals.
Wir machen immer wieder den Fehler in unserer Sprache, nämlich Rassismus mit den Nazis gleich zu setzen. Aber Rassismus ist viel älter und latent in jedem Menschen vorhanden. Einige geben den dunklen und dummen Einflüsterungen nach, andere nicht. Wer von uns hat noch nicht "Scheiß Türke" oder "Verdammter Potsdamer" gedacht, wenn einem gerade der Parkplatz weggenommen wird.
Die meisten von uns schämen sich für solche Gedanken. Andere kennen keine Scham. Rassismus ist also, wenn er ausbrechen kann, auch immer ein Zeichen von Schamlosigkeit und natürlich von der Unfähigkeit für sich und sein Handeln Verantwortung zu übernehmen. Stammtische überall auf der Welt zeichnen sich, vor allem im Zusammenhang mit viel Alkohol durch derbe und manchmal auch rassistische Sprüche aus. Allerdings sind sie mehr Ventil als ehrliche Meinung. Am nächsten Morgen schämt man sich dann.
Wo aber wie in Bayern die gesamte Politik eine Art permanenter Stammtisch ist, eine Sichtweise von Politik, der sich auch die CDU in weiten Teilen anschließt, da wird Rassismus zur Alltagskultur. Da fällt jemand wie Josef Schmid normalerweise nicht auf. Es gibt ja keinen kritischen Journalismus mehr, der auf solche Absonderlichkeiten eingeht. Nur wenn jemand so blöd ist, derartige Aussagen allzu provokant auf Parteitagen zu tätigen, kann es mal kurzfristig unangenehm werden, aber langfristig schade es dem Josef nicht. Er liegt in Bayern im Trend.
Er liegt genauso im Trend wie Beckstein, der ja schon lange Gespräche mit Udo Ulfkotte führte und dessen Meinung z.B. über Muslime ja weitgehend zu teilen scheint. Ulfkotte darf ja wahrscheinlich wegen dieser grunsätzlichen Übereinstimmung auch vor den CDU/CSU-Ortsvereinen seine immergleichen Litaneien herunterbeten, wie scheußlich der Muslim doch ist und das der Muslim an fast allem Schuld ist.
All das ist kein Rassismus im Nazi-Style. Aber es ist auch nicht neu. Es sind Stimmungen die leider sehr schnell gemeinschaftsfähig gemacht werden können. 1914-1918 stellten die Juden in Deutschland, prozentual als Gruppe die meisten Freiwilligen für den unsinnigen Krieg. Sie empfanden sich als Deutsche. Es hat ihnen nichts genützt.
Heinrich von Treitschke prägte 1879 den Begriff:
Die Juden sind unser Unglück
Dieser Satz tauchte ab 1927 in jeder Ausgabe der Zeitung "Der Stürmer" auf und wurde auch in anderen Publikationen aufgegriffen. Steter Tropfen höhlt den Stein. Das Ergebnis war der Holocaust. Man muss dazu allerdings sagen, das Kirche und Politik schon früher gerne Progrome gegen Juden veranstaltet haben, die vielleicht die Entwicklung erleichtert haben.
Gegen die Muslime hat das christliche Abendland Krieg geführt. Blutige und grausame Kriege. Das macht es leicht einen Rassismus gegen Muslime aufzubauen und beinhaltet die Gefahr, das wir einen neuen Holocaust bekommen. Vielen interessierten Kreisen scheint das eine denkbare Alternative zu sein.
Was das mit Josef Schmid und der CSU zu tun hat? Wer das Unaussprechbare aussprechbar macht, der darf sich nicht wundern, wenn der nächste undenkbare Taten verübt. Jeder geht für sich nur um ein Weniges über die Grenze hinaus, bis es plötzlich keine Grenzen mehr gibt. Alles nur Kleinigkeiten. Es ist ja noch nichts passiert.
Wir stellen Schilder immer weit vor Gefahrenstellen auf. Vor Jahren fuhr ich, schnell aber nicht zu schnell durch die Tschechoslowakei. Da kam ein Schild für eine scharfe Rechtskurve und ein Hinweis auf einen Steilhang. Ich schaffte es gerade noch zu bremsen. Als ich den Abhang heruntersah lagen dort reichlich Autos und LKW die wohl nicht schnell genug gewesen waren.
Wir müssen die Warnschilder weit vor der Gefahr aufstellen, damit auch die geistig nicht so regsamen, aufmerksam gemacht werden. Wir müssen die Grenzen für das Sag- und Denkbare weit vor der Abbruchkante ziehen, hinter der ein neuer Holocaust wohnt.



















