Gestern hatte ich richtig Angst um Günther Beckstein. Anstatt uns abzuhören, uns einstweilig erschießen zu lassen oder uns mit Tornados zu jagen, kramte der plötzlich in der sozialen Mottenkiste und will das Arbeitslosengeld I für ältere Arbeitnehmer verlängern lassen. Genau wie Beck, und Rüttgers. Große soziale Koalition?
Wohl eher nicht. es geht um Wahlkampf und um die richtige Ausgangsposition. Im nächsten Wahlkampf gibt es wahrscheinlich ein Hauptthema, das sich mit den unsozialen Auswirkungen der neoliberalen und wirtschaftsfaschistischen Agendapolitik befasst. Da will man da bei sein, da will man ganz vorne dran sein.
Es geht nicht etwa darum, sozial etwas zu bewegen, sondern so zu tun als ob man etwas bewegen wollen würde, wenn man denn etwas bewegen können, könnte. Das ist wie mit Münteferings Mindestlohn, den er im Prinzip und mit dem Mund ja immer will, den er aber, wie er freudig feststellt, von der CDU/CSU nie bekommen wird. Das ist nett. Müntefering und seine Karrikatur einer SPD sind damit die Kraft, die stets das Gute will, aber gar nichts schafft.
In der CDU geht es natürlich auch darum Frau Merkel ein paar Felsen in den Weg zu schmeißen. Sie wird irgendwie Stellung beziehen müssen, zu Themen wie dem Leben in Deutschland, die sie doch so gar nicht interessieren. Angela will ihre Reisefreiheit ausnutzen und nicht im profanen deutschen Alltag versauern. So flieht sie als Reise- und Außenkanzlerin der deutschen Realtität so oft sie kann.
Vor Verantwortung fliehen, können aber auch Rüttgers, Koch, und andere CDU Granden und dem Beckstein mit seiner, oder vielmehr Hubers CSU, passt eine Frau im Kanzleramt schon grundsätzlich nicht. Da gehört Mutti noch immer in die Küche. Ob Angela kochen kann?
Wir Bürger müssen nur begreifen, das sich niemand von unseren Politikern Sorgen um uns macht. Wir sind denen, quer durch die Parteien völlig egal. Die würden sofort ohne uns weitermachen, wenn das ginge. Also egal was gesagt wird. Es ist eine Lüge.
Sozial sein ist eine Modeerscheinung. Sowie Charity bei Paris Hilton. Heute trägt Frau halt wieder Dirndl und Mann gibt sich sozial. In der nächsten Saison sind wieder große Hüte angesagt.