Yoda hat auf seinem Blog eine
Blogparade zum Thema Heimat ausgerufen. Natürlich darf man das nicht, weil das ja alles böse Linkhudelei ist. Ich habe auch lange widerstanden. Aber das Thema reizt mich zu sehr.
Wer möchte nicht gerne eine Heimat haben
Ich bin Deutscher, Westfale, Sauerländer, Märkischer Sauerländer, evangelisch. Das ist mein Geburtsstatus. Ich bin immer noch Deutscher, wenn auch ungern, lebe in Berlin, glaube an gar nichts mehr. Das ist meine Realität. Deutsche und Heimat. Stolz ein Deutscher zu sein. Das hat für die meisten denkenden Deutschen ein Problem.
Deutschland ist untrennbar mit seiner Vergangenheit verbunden. Das hat nichts mit einer Kollektivschuld oder gar persönlicher Schuld zu tun, sondern es erfordert schlicht und ergreifend nur, das man die aktuelle Entwicklung der Politik und Gesellschaft immer wieder auf falsch stehende Weichen untersuchen muss.
In dieser unserer Zeit stehen die meisten Weichen falsch. Viele zeigen in Richtung Diktatur, Entmenschlichung, blindwütig tobenden Raubtierkapitalismus ohne Sinn und Verstand. Hier soll der Mensch schon lange nicht mehr Mensch sein, sondern funktionierendes Element in einem Spiel, bei dem die Kapitäne auf den Brücken längst den Überblick verloren haben und einfach nur noch mit Volldampf in den Untergang steuern.
Es stellt sich überhaupt die Frage ob die Deutschen noch eine Heimat haben sollen. Die Wirtschaft verlangt die absolute Mobilität. Heute Flensburg, morgen München, übermorgen Frankfurt/Oder. Der Mensch soll in Deutschland wieder zum Nomaden werden, der seiner Arbeit hinterherzieht. Ohne Heimat und ohne soziale Bindungen. Menschen ohne Bindungen und ohne die Sicherheit einer Gemeinschaft kann man nämlich viel leichter ausbeuten.
Wenn es dem Willen der Wirtschaft nach geht, brauchen die Deutschen keine Heimat mehr. Da die Politik nur den Willen der Wirtschaft verkündet, sieht es schlecht um den Begriff Heimat aus. Selbst die Medien raten den Deutschen zum Auswandern. Die kreativen und mutigen sollen gehen, bevor sie zum Störfaktor und Unruheherd werden. So wird in diversen Sendungen die Auswanderung gepriesen und andere Medien schließen sich an. Haut ab, lautet die Botschaft.
Da ist es schwer zu heimatlichen Gefühlen zu kommen. Wir haben es ja schon von vornherein nicht leicht. Die Deutschen durften sich ja selten mal selbst bestimmen. Das sieht man schon an dem
Lied der Deutschen. Eigentlich kann dieses ganze Deutschland nicht Heimat sein, weil es nur Fiktion ist.
"My Home is my Castle" Heimat als Fernsehsessel. Die Wohnung als letztes Rückzugsgebiet. Wohl eher nicht. Da sitzen längst die diversen Verfassungschutzämter, Geheimdienste und Polizeibehörden und lauschen mit. Meine Festplatte ist Beute meines Innenministers und über dem Eigenheim lauert ständig die Gefahr, das die Hypothek morgen verkauft wird, und es übermorgen schon versteigert wird.
Kann es da, wo es noch nicht einmal die Sicherheit der Wohnung mehr gibt, überhaupt Heimat geben? Aber wenn es keine Heimat mehr gibt, wofür schreiben wir dann in unseren Blogs? Schreien wir nur gegen unsere Angst an, oder kämpfen wir für etwas? Ich glaube wir kämpfen für unsere Vorstellung von Heimat.
Heimat wie sie sein könnte, wenn nicht INSM und Mohn/Bertelsmann an der Macht wären, die alle Menschen nur ausbluten lassen wollen. Heimat könnte der Ort sein, an dem die Menschen genauso frei wie die Vögel unter dem Himmel sind. Heimat könnte dort sein, wo sich Freunde versammeln um gemeinsam die wichtigen Dinge zu regeln und zu feiern. Da wo Solidarität herrscht.
Wir Deutschen haben eine solche Heimat nicht. Wir haben nur die Kälte der neoliberalen Wirtschaftsfaschisten. Aber wir können uns Heimat vorstellen. Wir würden gerne sagen, das dieses Land nun endlich unser Land ist. Aber dafür müssten wir kämpfen.
Leider sind wir Deutschen eher
Lampenputzer als Revoluzzer. Deshalb werden die besten Leute, die das noch eben hinbekommen, auswandern. Bleiben tut nur der, der muß. Allerdings wird der Druck im Kessel höher.
Ein Teil des Deutschen Volkes hat ja schon einmal geschrien "Wir sind das Volk", allerdings aus der Gewissheit heraus, das es jenseits der Mauer noch ein Deutschland gab. Wer jetzt sagt: "Wir sind das Volk", der muss ein neues Deutschland entwickeln. Eine neue politische Landschaft, eine neue Justiz, eine neue Polizei. Deutschland kann nur bei Null anfangen, wenn es demokratisch und Heimat werden will.
Wir hätten schon ganz gerne eine Heimat, die auch Heimstatt ist.
Das bedeutet nicht, dass ich die Gegebenheiten gut heißen könnte. Im Gegenteil: Man sollte so vorgehen, wie es derzeit die Franzosen tun. Aber Solidarität ist für uns Deutsche vielleicht zu anstrengend. Oder wir können uns einfach nicht dazu aufraffen, unsere Position zu vertreten. Ich verstehe oft nicht, weshalb wir so sind.
Dein Blog wird gelesen. Mehr jedenfalls als meiner. Kommentare zu diesem Artikel finden sich nicht. Den Lesern ist es zu mühsam, zu einem solchen Kommentar ihre Meinung abzugeben. Es sind ja mehr als 3 Sätze. Damit wird's per se schon etwas schwierig. Auch die von dir gescholtenen Medien haben diese Tatsache längst verinnerlicht und verhalten sich entsprechend.