Ich persönlich finde Justitia, die Göttin des Rechts, eine gelungene Darstellung. Das deutsche Rechtssystem beschreibt sie ausführlich und gut. Sie kann zwar dank der Augenbinde nichts sehen, wiegt aber auf ihrer Waage die Schuld gegen die Unschuld. Egal was sie da wiegt, sie kann das Ergebnis nicht sehen und haut dann als Ersatz mit ihrem Schwert blindlings um sich.
In dieser Woche haben wir zwei typische Beispiele, die uns Justitia direkt nebeneinander stellte, damit der Vergleich leichter wird.
Das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg, übrigens das für meinen Wohnort zuständige Amtsgericht, erlässt eine einstweilige Verfügung die den Zugang zu http://www.wikipedia.de/ verbietet. Das freut einen denn dann auch richtig. Da hat wieder einmal jemand mit seinem gesamten Sachverstand zugeschlagen. Weil ein Beitrag in einem elektronischen Lexikon, gewissen Privatpersonen nicht gefällt, es geht um die Namensnennung eines Hackers, untersagt ein Amtsrichterlein das für alle Deutschen einzig freie Nachschlagewerk komplett.
Da hat die blinde Olle aber wieder mal gut abgewogen. Um den Klarnamen von jemanden, der sich selbst in die Öffentlichkeit gebracht hat, zu schützen, wird allen anderen deutschsprachigen der Zugang verwehrt. Super toll. Aber ehrlich gesagt, ich hätte nichts anderes erwartet. Mit dem Amt eines Richters vergibt Gott eben nicht gleichzeitig auch den Verstand und das Wissen darum, dass man auch einen einzigen Link sperren könnte. Aber da es um die Allgemeinheit geht, die ja sowieso rechtlos ist, muss ein Richter gar nicht denken, nur unterschreiben. Demnächst darf der Name Hitler auch nicht mehr erwähnt werden, weil irgendjemand das nicht möchte.
Die andere Nachricht war, das gegen den DaimlerChrysler-Aufsichtsratschef Hilmar Kopper ein Ermittlungsverfahren wegen der Weitergabe von Insiderinformationen, über die Ablösung Schrempps, an den Chef der Deutschen Bank Josef Ackermann eingeleitet wurde. Die Nachricht an sich wäre bedeutungslos, da in unserem Land solche Ermittlungsverfahren gegen die Herren der Wirtschaft, fast immer nach kurzer Zeit eingestellt werden. Während für den normalen Bürger die Unschuldsvermutung schon lange nicht mehr gilt, haben die Herren der Deutschland AG einen generellen Unschuldsvermerk kraft ihres Amtes. Sollte der mal nicht greifen, wird eben eine Jugendrichterin dafür abgestellt um über Ackermann, Esser und Zusammenhänge zu urteilen, die sie gar nicht verstehen kann.
Die Nachricht an sich war also für das Recht in Deutschland, wie auch für Herrn "Peanuts" Kopper bedeutungslos. Witzig wurde es erst, als von der Staatsanwaltschaft auch noch mitgeteilt wurde, das natürlich kein Verfahren gegen die Deutsche Bank eingeleitet wurde. Da greift der Unschuldsvermerk so deutlich, das die Presse sogar darüber informiert wird, das es nichts zu informieren gibt. Die Justiz funktioniert.
Das System Deutsche Bank, kann ohne Probleme weiterarbeiten und den Menschen in Deutschland schwersten finanziellen, vor allem aber moralischen Schaden zufügen. Für die Staatsanwälte in Deutschland ist das alles in Ordnung und für die Dame mit dem Käsemesser auch.
Dabei wäre es so einfach. Die Deutsche Bank hat die gesamte deutsche Wirtschaft in einem festen Würgegriff. Über ihre Analysten, das Verhalten ihrer Berater und durch gezielte Desinformationskampagnen in der gleichgeschalteten Presse ist sie in der Lage den Aktienkurs fast aller börsennotierter Unternehmen zu beeinflussen. Durch das Depotstimmrecht bestimmt sie, wer Vorstand in welchem Unternehmen sein darf und welche Vergehen von den Hauptversammlungen geahndet werden dürfen.
An den wichtigsten Plätzen in den Aufsichtsräten sitzen Vertreter der deutschen Bank, wie Rolf Breuer oder eben der Erdnussmann Kopper. In der Vergangenheit saß da bei Mannesmann auch der Herr Ackermann, der beim Verkauf an Vodafone für den Kunden der Deutschen Bank, den Investor Hutchinson Whampoa einen Gewinn von acht Milliarden Euro erbeutete. Das dieser Gewinn den Steuerzahler im Endeffekt rund 50 Milliarden Euro an Steuerausfällen durch ungerechtfertigte Abschreibungen kostet, ist der Deutschen Bank egal.
Es ist immer das gleiche System. Entweder werden Übernahmen angeleiert um an den Kursen zu verdienen oder die Schieflagen der Deutschen Bank bei eigenen Investments mit dem Geld anderer Firmen ausgeglichen. Hat sich wirklich nie jemand gefragt warum Herr Schrempp sein Engagement bei Nissan aufgeben und sich an Mitsubishi beteiligen musste. Selbst ein Herr Schrempp in seinem Größenwahn, tauscht kein Gold gegen Sand.
Aber keine Sorge. Da ermittelt ja kein Staatsanwalt. Da werden keine Geschäftsräume durchsucht. Wie auch. Wesentliche Teile wurden ja in das Ausland verlegt damit sie von der deutschen Justiz nicht mehr zu fassen sind. Das System Deutsche Bank funktioniert zum Schaden aller und die blinde Olle steht dümmlich grinsend daneben.
Zwei Vorgänge in einer Woche, mit diametral entgegengesetzten Ausgängen. Das Geld lacht und die Schüler müssen in die Bibliothek laufen, wenn sie nicht über http://de.wikipedia.org/wiki/Hauptseite gehen.
Das ist eben das Problem der deutschen Justiz. Selbst wenn sie das Falsche macht, ist sie so mies informiert, das auch das in die Hose geht.
Falls das Gericht sich aber informieren will worum es geht, möge es sich doch bitte hier informieren: http://de.wikipedia.org/wiki/Tron_(Hacker)
Google findet im Netz unter dem bürgerlichen Namen von Tron insgesamt 584 Einträge. Für diese Geschichte ist der Name ohne Bedeutung und wird deshalb nicht explizit genannt. Es ist aber wichtig, das der Name in der Geschichte lebendig bleibt, weil Tron eben auch ein Bürger mit Namen und nicht nur ein Spitzname ist.
Es mag für die Verwandten von Tron schmerzlich sein, dessen bürgerlichen Namen zu lesen, aber er ist eine wichtige Person der Geschichte des Informationszeitalters. Er hat sich durch seine Arbeit aus der Masse hervorgehoben und damit eben auch einen Teil seiner Privatsphäre freiwillig aufgegeben. Aber wie soll man so etwas deutschen Richtern klar machen. Die Dame bleibt blind und wahrscheinlich ist die Entscheidung fehlerhaft, weil es an einer ordentlichen Zustellung mangelte.
Hauptsache die Abzocker bleiben verschont.