Gestern Abend wollte der Hund beim Gassigehen unbedingt noch in die Kneipe. Ich habe mich natürlich gewehrt, aber mein Hund kann sehr
überzeugend sein. Meist setzt er seinen Kopf durch und mir bleibt nur ihm zu folgen.
Was macht man nicht alles um des lieben Friedens willen. Ich wollte die Kneipe wirklich vermeiden. Wissen doch alle, das ich am Freitag mit der Bahn fahren will. Ich war kaum drin, als mir schon alle zuriefen, das von Donnerstag bis Freitag morgen um acht gestreikt würde und die Bahn bestimmt zwei Tage brauche, um sich zu sortieren. Ich antwortete ihnen mit einem überlegenen Lächeln.
Wer in Deutschland mal versucht hat ,mit der Kreditkarte seiner Lebensabschnittsgefährtin oder diversen eigenen Konten an einem Sonntag eine Buchung per Internet bei der Bahn zu machen, den kann ein Streik nicht schrecken. Man muß nur einfach diesen ganzen Internetkram vergessen und zum Bahnhof Zoo fahren, der dank des raffgierigen Herrn Mehdorn ja kein Fernbahnhof mehr ist, auf dem man aber erstaunlicherweise trotzdem Fernbahnkarten kaufen kann.
Berlin - Kiel - Berlin. Das ist fast wie Lotto spielen. Von 58 - 174 Euro. Ich landete irgendwo bei 63 Euro. Was von meinem Freunden als Sieg gefeiert wurde. Ein anderer berichtete er habe es nach Hamburg geschafft sogar 14 Euro mehr als den höchsten Fahrpreis zu zahlen, aber dann lieber gekauft, bevor er gewalttätig werden konnte. Meine Fahrkartenverkäuferin war nett und willig, aber sehr erstaunt, das ich weder die schnellste Verbindung noch Platzreservierung wollte.
Das mit der schnellsten Verbindung bedeutet bei mir, das der Zug ausfällt und ich einen Mietwagen nehmen muss. Auf dem reservierten Platz sitzt immer die kleine nette Oma, die das System mit der Platzreservierung nicht verstanden hat und die ich nicht verjagen kann und will. Vermutlich werden dann keine Plätze frei sein, aber im Unterschied zur Platzreservierung habe ich wenigstens kein Geld für einen Platz ausgegeben, auf dem ich nicht sitzen kann.
Laut Fahrschein muss ich den gebuchten Zug nehmen. Nix Schnellstrecke sondern Regionalbahn. Also die bestreikten, aber ich wollte eh auf dem Notebook arbeiten. Ja genau auf dem, das dann gestern ausgefallen ist. Zumindest bekam ich vom Wirt als Trost einen Wodka auf Kosten des Hauses. Selbstverständlich wurde ich gefragt, was ich denn nun als vermutlich Betroffener vom Streik der Lokführer halte.
Ich halte den Streik für notwendig und unumgänglich. Es kann und darf nicht sein, das sich die unfähigen Manager um Mehdorn mit Eimern bedienen und die Mitarbeiter nur feuchte Luft bekommen. Durch die besondere Tarifstruktur der Bahn, kämpfen die Lokführer übrigens auch für die anderen Mitarbeiter der Bahn, da ihr Abschluß übernommen werden muss.
Paule hatte sicher schon ein Bier und zwei Schnäpse zu viel, als er meinte, der Tiefensee und der Mehdorn seien das Totschlagen nicht wert. Trotzdem bekam er beifälliges Nicken. Paule war mal für die Elektrik auf Bahnhöfen in Ostberlin zuständig. Den haben sie als alten Mann mit 53 gleich nach der Wende in Rente geschickt. Dann haben sie die Leitungen neu gelegt, weil keiner mehr wusste, wo die alten Leitungen lagen. Auch so ein Flachmann von Bahnchef.
Die Bahn ist heute wirklich kein Thema mehr für eine zünftige Kneipendiskussion. Alle sind sich einig, wir sollen und werden betrogen werden. Unser Eigentum wird verschenkt, verfällt dann und wir dürfen in den Trümmern sterben. Zum Glück hatte Otti, der eigentlich Othman Khalid heißt ein neues Thema. Streit im Hause Bertelsmann. Unsere eigentliche Regierung hat sich untereinander am Kopf.
Dem Stiftungsvorstand der Bertelsmannstiftung Professor Dr. Dr. h.c. Werner Weidenfeld, wird unterstellt, er habe Stiftungsgelder zum eigenen Nutzen zweckentfremdet. Mag sein, mag nicht sein, aber wenn sich eine deutsche Staatsanwaltschaft an solche Leute herantraut, dann muss der Auftraggeber noch über Weidenfeld stehen und da bleibt nur die Familie Mohn. Otti glaubt, das dies der Beginn der Machtkämpfe ist und hofft darauf, das dieses Unternehmen daran zerbricht.
Ich denke allerdings eher, das Mohn/Bertelsmann schon so groß und stark geworden ist, das es die Staatsmacht dazu benutzen kann, um Menschen zu entfernen, die nicht mehr gebraucht werden. Da Weidenfeld aber nicht gegen die neoliberale und wirtschaftsfaschistische Religion der Mohn/Bertelsmann verstoßen hat, muss ab sofort jeder Mitarbeiter dort damit rechnen, das er oder sie nicht nur die Karriere dort verliert, sondern das auch noch sein oder ihr bürgerliches Leben zerstört wird. Das könnte der Anfang vom Ende sein.
Wir stoßen alle noch einmal darauf an, das sich die Hyänen möglichst schnell selbst zerfleischen sollen. Unser Staat ist ja längst zu schwach dafür.