Die
BooCompany veröffentlicht eine seltsame Gegendarstellung die mir Rätsel aufgibt. Es geht um die gemeinnützige Selbsthilfevereinigung Pro Retina e. V. Wie bei vielen dieser meistens eher gemeinen als nützlichen Organisationen finde ich auf der
Website des Vereins nicht über die Herkunft von Mitteln und deren Verwendung. Der angeblich Geschäftsbericht ist nur Gelaber. Für mich schon immer ein Warnsignal.
Die BooCompany hatte darüber berichtet, das ein von Novartis produziertes Medikament sich nur minimal von einem anderen Medikament unterscheidet, aber 1500 Euro pro Behandlung, anstelle von 50 Euro kostet. Die gemeinnützige Selbsthilfevereinigung Pro Retina e. V. hatte sich der Novartis Argumentation angeschlossen und sich hinter das teurere Medikament gestellt, ohne dafür eine zusätliche Begründung abzugeben. Allerdings wird die Selbsthilfevereinigung nach eigenen Angaben auch von Novartis mit Spenden versorgt.
Viele kleine dumme Leute wie ich, zählen da einfach eins und eins zusammen. Die Kosten der Krankenkassen können der Selbsthilfegruppe völlig egal sein, solange sie die schönen Spenden aus der Pharmaindustrie bekommen. Darf man so natürlich nicht machen. Ist zu einfach, zu klar. Die Selbsthilfegruppe hat selbstlos nur die gesundheitlichen Interessen im Auge. Nein nicht die von Novartis. Von ihren Mitgliedern.
Allerdings liegt da so ein seltsamer Geruch in der Luft. Das mag zum einen daran liegen, das uns die forschenden Pharmaunternehmen schon so manches als Forschungserfolg verkaufen wollten, was bestensfalls ein wenig Strukturkosmetik an steinalten Produkten war. Aber das dürfen die Pharmaunternehmen. Sie sind nämlich gewinnorientiert und da gehört Betrug heute oft zum legalen Handwerkszeug.
Nein ich glaube der Gestank kommt aus der Gemeinnützigkeit. Großspenden wie auch regelmäßige Spenden machen nämlich abhängig. Das ist so ein wenig wie Drogenabhängigkeit. Schließlich müssen ja Mitarbeiter und Mieten bezahlt werden. Schon aus Vertrauenschutz. Da geht es dann, wenn auch feiner, ein wenig so zu, wie beim Pferdehandel. Gibst du mir, geb ich dir. Natürlich ist da keiner gekauft. Man ist sich gegenseitig gefällig.
Natürlich muss irgendwer solche Gefälligkeiten bezahlen. Meist ist es die Gemeinschaft aller und die muss ja zum Glück nicht gefragt werden. Es ist nicht die Selbsthilfegruppe und nicht Novartis die schuld sind. Schuld ist die Gemeinnützigkeit. Würden wir die abschaffen, könnte Novartis sich seine Selbsthilfegruppen gleich selbst gründen und uns mit riesigen Propagandafeldzügen zukleistern. Das wären Werbungskosten und wir wüssten wer uns da anlügt. So ist es schwierig zu entscheiden.
Die Gegendarstellung hilft mir da wirklich nicht weiter. Das die Selbsthilfegruppe auch Geld von anderen bekommt, hatte ich erwartet. Auch Schering, Bayer und andere haben ja ihre Interessen. Warum aber überhaupt die Gegendarstellung? Wollten Ralf Tomana und die Selbsthilfegruppe nochmal auf ihre Situation aufmerksam machen. Das sie gekaufte Opfer der Gemeinnützigkeit sind? Ich kann es mir einfach nicht vorstellen.
Ohne die Gegendarstellung hätte ich den ersten
ersten Beitrag zwar nicht vergessen, aber unter Normales in der Pharmabranche abgehakt. So wird das ganze noch einmal hochgekocht und ich schätze, das ein Ende noch nicht erreicht ist. Denn jetzt wird es spannend. Jetzt wird die Selbsthilfegruppe wohl ihre Zahlen offen legen müssen. Zumindest bin ich nahe daran, das zuständig Finanzamt Frankfurt, wegen der Gemeinnützigkeit zu befragen.