Ich mag die Jungs vom sinnlosen Geschreddere ja wirklich. Sie sind so schön menschlich naiv. Nun wollten sie ein paar tolle Worte für ihre noch tollere Bilanz finden und konnten, durften wohl auch nicht, die Wahrheit nicht überlisten.
Zuerst beginnt es mit Wachstumsraten von 20 und 117 Prozent. Dann aber wird es lustig:
Das Konzernergebnis betrug 1,0 Mio. Euro oder 0,09 Euro
je Aktie und lag ohne die erheblichen positiven steuerlichen Sondereffekte nur knapp unter dem Wert des Vorjahres.
Welch ein Satz, welch sprachliche Schöpfungskraft. Was für ein Scherz. Hätten unser Finanzminister ihnen nicht soviel Geld geschenkt, das er den Armen geraubt habt, hätten die Jungs gegenüber dem Vorjahr Verlust gemacht. Trotz oder wegen des Wachstums. Die Geschäfte laufen eben nicht so gut.
Aber das sagt man ja nicht. Der letzte mir bekannte Aktienkurs lag übrigen bei 1,65 Euro was demnach einen Gewinn von 5,5 Prozent je Aktie bedeutet. In schweren Zeiten eigentlich kein schlechtes Ergebnis. Nur wenn man es so verquält herausbringt, macht man die Sache nicht besser.
Vielleicht sollten die eine Werbeagentur für ihre Pressemitteilungen einschalten. Eine die so richtig Ahnung hat.




















Die erheblichen positiven steuerlichen Sondereffekte gab es schon vor einem Jahr, weshalb das Konzerergebnis damals höher war. Ohne diese Effekte ist das heutige Ergebnis knapp unter dem des Vorjahres. Der Finanzminister schenkt uns kein Geld, sondern wir zahlen Steuern.
Falls sich jemand für die Fakten interessiert.
Natürlich sind diese steuerlichen Effekte in Wirklichkeit Steuergeschenke, die damit bezahlt, wurden, das die Abgaben für die die Bürger erhöht wurden. Natürlich nicht nur für SinnerSchrader.
Der größte Teil der Verschlechterung resultiert aus einem steuerlichen Einmaleffekt im Vorjahr. SinnerSchrader hat nämlich aus früheren Jahren noch Verlustvorträge, die mit heutigen und künftigen Gewinnen verrechnet werden und dadurch die zu zahlenden Steuern senken.
Diese Verlustvorträge mussten im Vorjahr aktiviert (i.e. als Vermögensgegenstand in der Bilanz berücksichtigt) werden, weil zu erwarten ist, dass wir sie nutzen können. Dadurch hat sich das Konzernergebnis einmalig erhöht. Aber eben nur einmalig.
Ob das Steuergeschenke sind, darüber kann man geteilter Meinung sein. Verlustvorträge sind jedenfalls keine Neuerfindung, sondern seit langer Zeit Bestandteil des deutschen Steuerrechts. Auf Gewinne müssen Steuern gezahlt werden, das ist klar. Verluste können mit künftigen Gewinnen verrechnet werden - das nennt sich Verlustvortrag.
So ist die deutsche Steuersystematik. Die haben wir nicht zu vertreten, sondern der Gesetzgeber. Wir müssen uns nur an die Steuergesetze halten. Das tun wir selbstverständlich. Es geht gar nicht anders.
Steuerrecht ist kompliziert und schwer verständlich. Da kann es sein, dass auch die Formulierungen in unserer Pressemitteilung entsprechend schwer verständlich sind. Nicht schön, kommt aber vor.
Ausführlich steht übrigens alles im Geschäftsbericht.
Eines ist nur klar: Der Finanzminister schenkt uns kein Geld, sondern wir zahlen weniger Steuern, weil wir in der Vergangenheit Verluste gemacht haben, die heute bei der Steuerbemessung berücksichtigt werden.