Wir haben eine Bundeswehr, die eigentlich solange, mit allerlei teurem Spielzeug, die Sowjets und die NVA aufhalten sollten, bis die USA mit Material und Truppen kamen. Dummerweise gibt es NVA und Sowjets nicht mehr. Feind tot, Bundeswehr fast unnötig. Aber nein. Nachdem unsere Truppen zweimal unerwünschterweise an vielen Orten in Europa waren und dorthin Leid und Schrecken gebracht haben, müssen wir nun Weltpolizei spielen.
Genauer gesagt, wir sollen da hingegehen, wo es für die US of America nicht lohnenswert ist, weil es in diesen Krisengebieten zuwenig zu stehlen gibt. Da landen wir dann auch immer. Libanon, Afghanistan. In Afghanistan verteidigen wir das Recht von Peter Strucks Freunden, dort in ständig steigenden Mengen Drogen anzubauen. Auch das wäre im Grunde egal, wenn dabei nicht so viele Unschuldige sterben würden.
Schlimmer aber ist, das unsere Bundeswehr, gar nicht in der Lage ist solche Einsätze real durchzuführen. Das was Eric Gujer in der NZZ ausführt, ist haarsträubend und erschreckend zugleich:
Irgendwann in den neunziger Jahren muss sich die Bundeswehr aufgelöst haben. Seither existieren zwei deutsche Streitkräfte nebeneinander her. Die eine befindet sich in Afghanistan, auf dem Balkan, vor der libanesischen Küste, in Kongo oder am Horn von Afrika. Die andere beschäftigt sich mit dem KPV, dem Kontinuierlichen Verbesserungsprogramm. Soldaten, die Innovationen vorschlagen, erhalten eine Prämie. Doch manchmal streiten sich die KPVZentrale und nachgeordnete Stellen über die Festlegung der Prämien. So vergehen sechs Jahre, und am Ende befasst sich der Bundestag mit dem Geldbetrag, der einem Soldaten des Marinestützpunktes Wilhelmshaven zusteht.
Während die eine Bundeswehr mehrere Auslandeinsätze gleichzeitig absolviert, schleppt die andere einen Ballast von Bürokratie herum, der sich über ein halbes Jahrhundert ungestört entwickeln konnte. Jede Armee ist bürokratisch, doch in den deutschen Streitkräften scheint sich dies Phänomen zu potenzieren.
Ich hatte ja schon auf die Etappenhengste und die mit deren Unfähigkeit verbundenen Gefahren hingewiesen. Aber langsam wird es richtig übel. Ich kann vielleicht noch über Mülltrennung unter Wasser lachen, das aber Fahrzeuge und Waffensysteme nicht eingesetzt werden können, weil Abgastests fehlen oder Modifikationen nicht den Herstellergarantien entsprechen, macht mir Angst.
Die Auslandeinsätze der Bundeswehr stehen wegen der antimilitärischen Einstellung der Bevölkerungsmehrheit ohnehin unter besonderem Rechtfertigungszwang; sie lassen sich noch schwerer legitimieren, wenn in der Öffentlichkeit der Eindruck entsteht, dass die Militärbürokratie ein manchmal nur schwer kontrollierbares Eigenleben führt.
Leider entsteht nicht nur der Eindruck, die Zeit spricht laut davon, das es der Bundewehr an allen Ecken und Enden fehlt um den Wintereinsatz in Afghanistan durchzuführen:
Manchmal dauere es Monate, bis wichtige Ersatzteile für Fahrzeuge, Radpanzer und Hubschrauber eintreffen. Sogar Munition für Pistolen und Maschinengewehre sei nicht selten erst mehrere Wochen nach der Anforderung in Afghanistan angekommen.
Man darf andererseit sicher sein das die deutsche Etappe gut versorgt ist und es in Afghanistan nicht an Dienstvorschriften und Dienstanweisungen fehlen wird. Da wird peinlich genau darauf geachtet, das der Bleistift auch nach der entsprechenden Norm angespitzt wird. Aber es kommt noch schlimmer:
Die Bundeswehr hat nur sechs Hubschrauber am Hindukusch im Einsatz, die ausschließlich zum Transport von Material und Soldaten geeignet sind. Es gibt keine Panzerhaubitzen, die angreifende Taliban schon in größerer Entfernung bekämpfen könnten. Auch hat die Bundeswehr auf den Einsatz ihrer hochmodernen Leopard-Panzer verzichtet, weil sie einen "zu martialischen Eindruck erwecken könnten". In Mazar-i-Sharif stehen "zur Abschreckung" nur vier Marder-Schützenpanzer.
Ich bezweifele ernsthaft, das die Taliban abwarten werden, bis die Nachschubtruppen in Deutschland ihren Papierkrieg beendet haben. Unsere Soldaten in Afghanistan lassen, bedeutet also im Klartext, sei bewusst zu opfern. Juristisch ist dies Tötung durch Unterlassung. Aber deutsche Juristen werden sich wohl kaum zuständig fühlen. Die sind ja nur für mögliche Deserteure da.
Ich möchte noch einmal darauf hinweisen, das wir keine eigenen Möglichkeiten haben das nackte Leben von den 1600 Soldaten die heute dort sind zu retten, wenn die Taliban oder besser die Afghanen angreifen um ihr Land wieder für sich zu haben. 266 Mann in jedem Hubschrauber sind wohl nicht sehr realistisch und wahrscheinlich dürfen drei davon eh nicht fliegen, weil der TÜV fehlt.
Wir müssen da raus und eine neue Bundeswehrführung schaffen. Wenn wir drin bleiben wollen, bin ich dafür den Bundeswehrführungsstab und die Abgeordneten des deutschen Bundestages, die für Krieg gestimmt haben, nach Afghanistan zu schicken. Das spart haufenweise teure Pensionen.























Mein Gefühl sagt mir, dass der Einsatz in Zentralasien hauptsächlich politisch organisiert ist, ohne viel Wert auf militärische Meinung zu legen und sowas ist für Soldaten... na ja, meist tödlich.