Wolfgang "Geldkoffer" Schäuble scheint als Kandidat für die Wahl des Bundespräsidenten festzustehen. Als einziges, bundespolitisch relevantes Ergebnis der Hamburger Wahl bleibt die Abstrafung der FDP. Alle Versuche, den eigenen Wolfgang, nämlich den Gerhardt, doch noch ins Rennen zu schicken, dürften sich mit den 2,8 Prozent in Hamburg erledigt haben. Eigentlich schade. Mit seinem überheblichen Dauergrinsen hätte er den Grüßaugust der Nation ohne Probleme geben können. Laurenz Meyer und andere tragen dieses Lächeln ja auch im Gesicht. Es wäre interessant festzustellen, ob es sich dabei um misslungene Schönheitsoperationen handelt oder ob die Betreffenden wirklich nicht verstehen, worüber sie reden.
Nun also doch der mit dem Geldkoffer. Warum auch nicht. Die Sache mit dem Geldkoffer ist immer überspitzt dargestellt worden. Es kann doch schließlich jedem passieren, dass er nicht mehr weiß, von wem er wann welchen Geldkoffer bekommen hat. Vor allem bei solch läppischen Beträgen wie 50.000 Euro. Wissen Sie noch, wo Sie ihre letzten Briefmarken gekauft haben? Natürlich ist das auch keine Bestechung. Mal im Ernst. Mit solchem Kleingeld? Der FDP-Graf und Ehrenvorsitzende Lambsdorf hatte da andere Summen aufzuweisen und auch der war ja nicht bestochen. Der hat ja nur Steuern hinterzogen und bei der Hinterziehung geholfen und ist folgerichtig auch deshalb zum Ehrenvorsitzenden gemacht worden.
Nein, es ist nichts anderes, wenn das Geld von einem Waffenschieber kommt. Geld stinkt nicht und Bargeld lacht sogar. Niemand kann von Wolfgang "Geldkoffer" Schäuble erwarten, dass er weiß, was er tut. Der Mann ist deutscher Politiker, jahrelang im Zentrum der Macht, so einer muss das nicht wissen. Wozu auch? Das belastet doch nur. Selbst die dem Staat entgangenen Steuern sind bedeutungslos. Hätte Schreiber nicht gezahlt, hätten einfach andere Zuschüsse erhöht werden müssen. Alles Lappalien, Kleinigkeiten. Die Worte Geschmack und Politik gehören einfach nicht in einen Satz.
Die Resozialisierung des Wolfgang S. ist auf jeden Fall gelungen. Für ihn. Als Schöffe wäre er wahrscheinlich ungeeignet, aber er soll ja nur Bundespräsident werden. Notar der Nation. Bei dieser Rechtsauffassung ist es allerdings empfehlenswert, sich demnächst die Arbeiten der anderen Notare genauer anzusehen, sonst wissen die auch nicht mehr, woher das Geld gekommen ist und wo es blieb. Selbstverständlich ist Wolfgang Schäuble geeignet. Das hat ja schon Ede Stoiber festgestellt. Nichts macht die Leitlinien bayrischer Politik deutlicher.
Es sind natürlich einige Anpassungen an unserem Rechtssystem notwendig, um Irritationen in der Bevölkerung zu vermeiden. Waffen- und Drogenhändler auf Schulhöfen werden in Zukunft nicht mehr von der Justiz belästigt, solange sie Spendenquittungen der CDU vorweisen können.
Steuerhinterziehung wird nicht mehr als Straftatbestand verfolgt, wenn wenigstens 50.000 Euro dem Kassenwart der CDU übergeben werden. Die dadurch auftretenden Steuerausfälle werden durch erhöhte Abgaben, bei Lohnempfängern und verstärkter Verfolgung der Schwarzarbeit wieder hereingeholt. Das hat dann vor allem den Vorteil, dass sich unsere Justiz mit wirklich wichtigen Themen wie Schwarzfahren und Schwarzsehen beschäftigen kann.
Stolz auf Deutschland. Das ist doch seit Gründung dieser Republik kein Thema mehr. Für die Zeit davor können wir uns sowieso nur schämen. Die Zukunft gehört den Haien. Wenn die Telekom und Daimler-Chrysler den Verkehrsminister betrügen, ist das Schuld der Regierung. Keiner muckt auf. Wozu auch. Die Politik hat sich längst zum Befehlsempfänger der Konzerne gemacht. Der einzelne Abgeordnete ist Stimmvieh seiner Partei. Wir Wähler haben keine Wahl mehr, außer das jeweils kleinere Übel zu wählen. Die Politik gehört den Parteien, wir sind nicht beteiligt. Wen also interessiert noch, wer da Bundespräsident wird.
Wolfgang "Geldkoffer" Schäuble wird Präsident eines Landes, dessen Bürger für ihn und seinesgleichen einfach kein Interesse mehr heucheln mögen. Selbst Verachtung ist zu viel der Mühe.