Um dem Teil meiner Leser gleich den Wind aus den Segeln zu nehmen, die meine hinterfotzigen Titel lieben, möchte ich betonen das ich den Titel absolut ernst und in keiner Weise sarkastisch meine. Die Geschichte von Jens Burger in der Zeit hat mich ernsthaft tief berührt. Ich halte sie für unbedingt lesenswert.
Die eigentliche Geschichte von Boris Schmuda ist schnell erzählt.
Er hatte nie Soldat werden wollen, bis die Berufung ihn fand. Nach der mittleren Reife hatte er in einem Sportgeschäft gearbeitet, wurde mit 23 noch zum Wehrdienst eingezogen. „Wie kriegst du die zehn Monate rum?“, dachte er erst. Doch dann war dieser Job „ein Traum“, schwer zu erklären, warum. Das tägliche Miteinander. Das Gefühl, „dass diese Arbeit Bedeutung hat“. Bestimmt trug auch die Sicherheit dazu bei – dass in Wirtschaftskrisen nicht gleich die Kündigung droht. 2005 wurde Schmuda Berufssoldat. Da wusste er bereits, seiner Kompanie stand Afghanistan bevor. Das störte ihn nicht. Er meldete sich sogar ein halbes Jahr vor dem geplanten Termin, er wollte nicht im Winter dahin. Er dachte auch an die 92 Euro Zulage pro Tag, netto, viel Geld für einen Unteroffizier.
Am 19. Mai 2007 wurde Hauptfeldwebel Boris Schmuda das Opfer eines Selbstmordattentäters.
Er hörte nur einen Knall, spürte, wie er durch die Luft geschleudert wurde, er trug eine Schutzweste, aber keinen Helm. Seine Beine waren zerfetzt, er blutete im Gesicht, bekam kaum Luft, die Lunge war zusammengefallen. Ein Kamerad verband ihn, Sanitäter gaben ihm eine Spritze, die ihn betäubte. Noch am selben Tag wurde er notoperiert.
Schmuda selbst möchte aber das ein anderes Bild in den Köpfen bleibt, als sein zerrissener Körper:
Fünf-, sechsmal verließ er das Lager, im gepanzerten Fahrzeug. In den Dörfern bauten die Soldaten Zeltstädte in das Elend. Kinder drängten sich an Schmuda, für ihn sind sie „die größten Gewinner, vor allem die Mädchen, die jetzt in die Schule gehen“. Die Erwachsenen waren misstrauischer, Schmuda blickte in kalte Gesichter. Ab und zu flogen Steine. Abschalten konnte er im Camp nicht.
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Er trug keinen Helm, er wollte freundlicher wirken. Den Afghanen zeigen, dass er mit guten Absichten gekommen war. Er wollte sehen, „dass dieser Einsatz etwas bringt“. Das ist ihm wichtig: Er mag nicht Soldat sein ohne Sinn. Die Deutschen sind am rechten Ort in Afghanistan, daran glaubt er. Den Einsatz jetzt zu beenden, bloß weil Politiker es wollen, wäre schlimm. Dann wären die Toten sinnlos. Und auch seine Wunden.
„Ich würde wieder nach Afghanistan gehen“, sagt Schmuda.
Einige werden sich jetzt sicher fragen, warum ich in dem Mann einen Helden sehe. Aus meiner Warte und aus meinem Wissen heraus ist er sicherlich eher ein Idiot gewesen. Allerdings ist dieses Urteil falsch. Boris Schmuda konnte nur aufgrund seiner Informationen entscheiden. Das Hintergrundwissen das wir gerne in unseren Blogbeiträgen voraussetzen, konnte und musste er nicht haben. Er hat vertraut. Natürlich den falschen Leuten.
Die Bundeswehr war gut zu ihm und er war gut zu seinem Land. Er dachte nicht nach, sondern nahm die ihm gestellte Aufgabe an. Aus Habsucht? Wohl kaum. Der Wunsch nach einem sicheren Arbeitsplatz und der Auslandzulage ist keine Habsucht. Der Mann wollte heiraten. Da wird jeder Pfennig gebraucht. Für die Auslandzulage würden unsere Politiker, die ja die Interessen der Kriegsgewinnler vertreten, ihren Hintern morgens nicht aus dem Bett bewegen.
Ich bezeichne diese Leute wie Boris Schmuda die einfach ihre Pflicht erfüllen, für mich selbst gerne als Helden. Den die Erfüllung der Pflicht ist in diesem Lande so außergewöhnlich geworden, wie der Fund von Diamanten unter dem Pflaster unserer Straßen. Mit der Einführung des neoliberalen Wirtschaftsfaschismus als einzige Richtlinie des Handelns, gibt es keine Pflichterfüllung und keine Verantwortung mehr. Die Ackermänner und Kannegießer haben Begriffe wie Pflicht, Ehre, Moral, Stolz und Arbeitsfreude vollständig zunichte gemacht. Natürlich unter tatkräftiger Hilfe unserer Politgauner.
Mich stört auch nicht das Boris Schmuda die falschen Schlüsse zieht. Sie sind für ihn nicht falsch. Er hat sein Leben und seine Gesundheit für dieses Land geopfert. Er muss daran glauben, das er das Richtige, etwas Wertvolles getan hat, um weiterleben zu können. Er kann neben den körperlichen und psychologischen Schäden, nicht auch noch den Verlust seines Weltbildes ertragen.
Natürlich wurde er getäuscht. Er kämpfte nicht für die Kinder und Mädchen in Afghanistan, sondern dafür, das die Amerikaner dort weniger Soldaten brauchten, um unter Vorspiegelung falscher Tatsachen den Irak anzugreifen, wie sie jetzt den Iran angreifen werden. Er war nur Platzhalter für Politiker wie Struck, Steinmeier, Jung und Merkel, die in Afghanistan alles verteidigen, nur nicht die Menschen dort. Aber das ändert nichts an seinem persönlichen Heldentum. Nichts an seiner Pflichterfüllung.
Er ist nicht dafür verantwortlich, das Kannegießer, INSM, Mohn/Bertelsmann und Springer solange auf die Menschen in Deutschland eingedroschen haben, bis kein Arbeitsplatz mehr sicher schien. Er ist nicht schuld daran, das wenige Verbrecher alles getan haben, um den sozialen Zusammenhalt in diesem Land langfristig zu zerstören und das käufliche Wissenschaftler ihnen auch noch eine Legitimation dafür zusammen gelogen haben. Er tat seine Pflicht. Eine Pflicht die Friede Springer gegenüber den PIN Mitarbeitern bestimmt nicht erfüllen wird.
Natürlich war es Angst die ihn zu einem Zeitsoldaten machte. Die Angst vor dem Verlust der Existenz. Die Angst die in Deutschland vom Großkapital kultiviert wurde. Die Angst die Norbert Walther von der Deutschen Bank als angeblicher Chefvolkswirt in jede Wohnstube getragen hat und die Ackermann reich machte.
Boris Schmuda sein Bestes gegeben. Er ist ein Held. Wenn vielleicht auch unter falschen Voraussetzungen. Und er hat Glück. Er arbeitet schon wieder halbtags in der Kaserne. Es ist kein Glück das er das wieder kann, dafür hat er gekämpft. Aber normalerweise erhalten Veteranen keinen Job. Die bekommen den Bettelsack. Wie schon beim König von Preußen, der seine Freude an den Soldaten hatte solange sie funktionierten und sie vergaß, sobald sie alt, krank oder verwundet waren. Die Amerikaner machen es uns ja vor. Die Veteranen stellen eine der größten Gruppen unter den Obdachlosen.
Gönnen wir Boris Schmuda das Alerbeste was dieses Land zu bieten hat. Er hat es, wie die meisten unserer Jungs verdient. Aber denen die unsere Leute sinnlos opfern, die Angst und Schrecken verbreiten, um sich zu bereichern oder die einfach Spaß am Krieg haben, die am Hindukusch Deutschlands Freiheit, oder besser den freien Drogenanbau verteidigen wollen, denen sollten wir klar machen, das für sie in diesem Land kein Platz ist, außer im Knast.
Wir sollten anfangen dieses Land umzubauen. Wir brauchen keine weiteren Helden mehr. Wir brauchen Frieden und Demokratie. Jetzt.




















Es stimmt, auch ich würde ihn erstmal eher als Idioten bezeichnen. Soldat in einem ungerechnten Krieg, da muss man nicht näher hinsehen.
Aber insoweit hast du Recht: Wenn man einen Grundirrtum voraussetzt, dann ist keine seiner (mir bekannten) folgenden Aktionen mehr verwerflich. Dieser Grundirrtum ("der Krieg ist gerecht und nützt den afghanischen Mädchen") an sich ist ihm nur bedingt anzukreiden, auch da hast du Recht. Er hat seine Entscheidungen vermutlich aufgrund aller Informationen getroffen, die er aus den Nachrichten hatte. Und ich kann mir sogar vorstellen, dass er in gutem Glauben gehandelt hat und noch handelt.
Aber:
Ich denke, es gehört mehr zu einem Helden.
Herr Schmuda ist trotz seines Afghanistan-Einsatzes, wo er vielleicht Menschen getötet hat, mindestens aber billigend in Kauf genommen hat, Menschen zu töten, nicht unbedingt ein schlechter Mensch. Darauf können wir uns problemlos einigen.
Aber ein Held ?
Da müsste er meiner Meinung nach schon etwas herausragendes getan haben, eine bewusste Entscheidung, etwas richtiges zu tun, wo andere das falsche getan hätten.
Herr Schmuda wurde verletzt, während er glaubte, etwas Gutes zu tun. Deshalb wünsche ich ihm alles Gute. Ein Held ist er für mich noch längst nicht.