Das ich persönlich die Geschäfte der Mohn/Bertelsmanngruppe sehr kritisch sehe, dürfte meinen Lesern bekannt sein. Ich halte die Aktivitäten, die zb. im Auftrag der Familie Mohn durch die Bertelsmannstiftung durchgezogen werden für zutiefst demokratieschädlich und für den Beginn einer Diktatur durch das Unternehmen. Unnötig zu sagen, das dich die Nähe dieser verabscheuenwürdigen Stiftung zu Gewerkschaften und Politik auf das schärfste verurteile.
Thomas Middelhoff wollte Bertelsmann demokratisieren, indem er auf die Börse und den Kapitalmarkt als Gegengewicht zur Familie Mohn setzte. Die Familie Mohn, will aber ein Medien- und Verlagsunternehmen in dieser Größenordnung als Familiensache verstehen und hat Middelhoff gefeuert. Der Steuerzahler musste durch entgangene Steuereinnahmen dafür sorgen, das sich die Familie Mohn, die Bertelsmannanteile von 25,1 Prozent wiederholen konnte, die an Albert Frère, Herrscher über die Groupe Bruxelles Lambert (GBL) gegangen waren und die dieser an die Börse bringen wollte.
Jetzt will Bertelsmann Teile seines Buchclubgeschäftes und dem Vernehmen nach auch Gruner und Jahr verkaufen und gleichzeitig die letzten RTL-Anteile übernehmen. Das bedeutet im Klartext, das Bertelsmann Gewinne realisiert und den Steuerzahler wieder einmal nicht daran beteiligen wird, sondern das die Familie Mohn ihre Marktmacht im Fernsehen ausbaut. Auf Kosten aller Steuerzahler.
Damit würde RTL von den Börsen und aus jeder demokratischen Kontrolle verschwinden. Praktisch waren die verbliebenen 10 Prozent die nicht Mohn/Bertelsmann gehörten ja schon lange nicht mehr an Entscheidungen beteiligt, aber die Börsengesetze zwangen Mohn/Bertelsmann zu einer, wenn auch minimalen Offenheit.
Diese Offenheit wird es in Zukunft nicht mehr geben. Statt dessen kann die Familie Mohn tun und lassen was sie will. Durch die Gemeinnützigkeit ihrer Stiftung ist sie außerdem vor Steuerzahlungen weitgehend geschützt und kann damit alle Gewinne direkt dazu verwenden um Demagogie zu betreiben.
Dies wird bedeuten, das wir in der nächsten Zeit eine enorme Propagandawelle erleben werden, in der Private Partnership, also die Übernahme staatlicher Aufgaben durch die Privatindustrie, als das beste was den Menschen passieren kann, publiziert wird. Der Name Arvato wird dabei ständig fallen. Damit soll die Bevölkerung dafür reif geschossen werden, das die Familie Mohn persönlich darüber bestimmen kann, wer in Deutschland einen Personalausweis, Führerschein oder Reisepass bekommt.
Das ganze wird natürlich vornehmer ausgedrückt, indem Arvato, also die Familie Mohn und Bertelsmann, als Serviceunternehmen nur die Dienstleistungen erbringen, die sonst der Staat erbringen müsste. Selbstverständlich zunächst einmal billiger als Staat. Das mit dem billiger ist natürlich Unfug. Wie die private Müllentsorgung wird es um ein vielfaches teurer. Die Familie Mohn hat ja nichts zu verschenken, sondern will Ertrag und Mitspracherecht.
Wir können sicher sein, das über kurz oder lang, mißliebige Personen keine Ausweise mehr bekommen werden, nicht mehr beim Kindergeld oder der Rente berücksichtigt werden. Natürlich nur zufällig. Einzelschicksale. Nicht aussagekräftig. Verfahrensfehler. Tatsächlich aber wird die Familie Mohn die Macht übernehmen und die Macht mit RTL und n-tv auch noch zementieren können.
In diesem Zusammenhang fällt auf, das wichtige Standbeine wie Stern und Spiegel, sowie diverse Wirtschaftsmagazine, scheinbar nicht mehr wichtig sind. Kann es sein, das die Familie Mohn den Printmedien schon heute keine Bedeutung mehr zumisst, oder doch davon ausgeht, das sie in der Bedeutungslosigkeit verschwinden?
Mohn macht mit Arvato die Logistik für Printmedien. Mohn sammelt mit Arvato auch Adressen. Ist es schon soweit, das sich Mohn sicher ist, die Adressbestände der Deutschen auch so, und über die Melde- und Finanzämter in viel besserer Qualität zu bekommen. Sind die Entscheidungen für Mohn als Dienstleister und damit Herrscher über die deutschen Meldeämter schon gefallen?
Das alles ist Kaffeesatzleserei. Ich weiß es auch nicht. Aber ich bin mehr als beunruhigt. Ich finde wir sollten Bertelsmann und die Familie Mohn enteignen. Grund genug haben sie uns schon lange genug gegeben. Zumindest aber sollten wir die Gemeinnützigkeit für die Bertelsmannstiftung aufheben und am besten für alle anderen Vereinigungen auch. Diese Stiftungen und Vereine sind meist gemein, aber so gut wie nie nützlich.