Im SZ-Magazin findet sich ein mehr als lesenswerter
Beitrag über einen Hartz IV Empfänger, der vorher einer der sogenannten Leistungsträger der Gesellschaft war. Die Autoren bezeichnen ihn als "Einer von uns". Weil es sich eben nicht um einen der Verlorenen handelt, als die, die Hartz IV Empfänger immer so gerne dargestellt werden, sondern wirklich um einen, der aus den Reihen der deutschen Journalisten und des mittleren Managements stammen könnte. Also einen, der wirklich einer von denen ist.
Der Artikel ist gut geschrieben, auch wenn nur er das wiederkäut, was längst an anderer Stelle gesagt wurde. Natürlich macht Hartz IV einsam, weil es soziale Kontakte schon aus finanziellen Gründen ausschließt. Deshalb bekommen ja dank Olaf Scholz kranke Hartz IV Empfänger auch weniger Geld, damit ihre Familien oder die Mitglieder ihrer Bedarfsgemeinschaft sie eben nicht besuchen können. Sonst würden die eventuell ja wieder gesund.
Es wird auch schön beschrieben, das die Arbeitgeber keine Hartz IV Empfänger als Bewerber haben wollen. Dafür haben ja unter anderem auch die Journalisten von der Süddeutschen mit ihrer schäbigen und unwahren Berichterstattung gesorgt. Vom Springer-Dreck gar nicht zu reden.
Interessant finde ich, das man bei den Autoren des Artikels spürt, das sie zum ersten mal betroffen sind. Sie erkennen sich selbst in dem von ihnen beschriebenen Hartz IV Empfänger wieder. Er ist einer von ihnen. Sie sind nicht so dumm, den sich daraus ergebenden Schluß zu negieren. Sie könnten morgen selbst dort angekommen sein. Ohne jede Hoffnung. Das macht ihnen sichtlich Angst.
Braucht die Süddeutsche nach dem Verkauf eigentlich noch alle Leute? Kann man da nicht rationalisieren? Kosten sparen? Journalisten rauswerfen? Vom Journalisten bei der überregionalen Tageszeitung direkt zum Lumpenpack. Das ist Deutschland.
In der Hartz IV Gemeinde ist der ohne jede Ausbildung heute eben neben dem Ingenieur mit Auslandserfahrung. Da sitzt der Ex-Top-Vertriebsmann neben der Personalleiterin. Die MTA neben dem Dipl. Chemiker. Die Hartz IV Gemeinde wird immer mehr zum Spiegelbild der deutschen Gesellschaft. Nur die Pfaffen und Politiker fehlen. Aber die ersten Volkswirte aus Wirtschaftsinstituten sollen in Berlin und Köln schon aufgetaucht sein.
Der neoliberale Wirtschaftsfaschismus wendet sich eben nicht nur gegen die ganz Schwachen. Er schwächt alle und jeden, bis jeder zum Opfer wird. Da hilft es nicht bei BMW am Band mehr Leistung zu bringen und nie krank zu sein. Das hilft auch nicht in der Personalabteilung. Achttausend Leute weniger in der Produktion machen übermorgen auch tausend in der Verwaltung übrig.
Mittleres Management ist doch nichts anders als eine freundliche Bezeichnung für Hartz IV Empfänger im Wartestand. Niemand braucht ein mittleres Management. Die Aufgaben gehen entweder an die Geschäftsleitung oder an einfache kaufmännische oder technische Angestellte. Da in deutschen Großunternehmen ja keine Innovationen mehr in neue Produkte umgesetzt werden, können alle entlassen werden, die teuer sind, weil es nur ihre Erfahrung möglich machte, neue Verfahren einzuführen.
Der Industriemeister der die Möglichkeiten seines Maschinenparks nachts um drei im Vollrausch runterbeten könnte, wird nicht mehr gebraucht. Genausowenig wie der Reparaturschlosser der mit etwas Draht und drei Zaubergriffen, die Maschine über zwei Schichten am laufen hält um sie in der Dritten dann richtig zu reparieren.
Wer braucht schon noch die Kostenrechnerin, die schon mit einem Blick Abweichungen erkennt und sie gar nicht erst zur Bedrohung werden lässt. Das machen heute Computer, deren Vorgaben allerdings genauso schwammig, wie die Politik der Bundesregierung sind. Wenn wir den gleichen alten Dreck nur zu immer geringeren Lohnkosten weiterproduzieren, dann brauchen wir den Ingenieur nicht mehr, der mit neuer Formgebung erhöhte Stabilität bei geringerem Materialaufwand schafft.
Wir brauchen auch die Mitarbeiter in Forschung und Entwicklung nicht mehr, wenn sich die Manager nicht mehr trauen, wirklich Neues in die Produktion zu bringen. Für die heute gebauten BMWs braucht man keine Topverkäufer. Das kann ein Prospekt erledigen. Es gibt ja nichts neues was erklärungsbedürftig wäre, oder den Wagen aus der zähen Masse der kaum verkaufbaren hervorheben könnte.
Wenn die Firmen aber keine Forschung mehr brauchen, weshalb dann noch Universitäten und Gymnasien unterhalten. Hartz IV kann man auch mit Hauptschulabschluß beziehen. Wenn die nächste Serie von neuen BMWs sich dadurch auszeichnet, das sie ein Plastikväschen mit einer Plastikblume und Plastikwasser aus China am Armaturenbrett trägt und Siemens die nächsten medizinischen Geräte mit Holzimitation verkleidet, dann brauchen wir viele Leute nicht mehr.
Wir brauchen dann auch die Bankangestellten nicht mehr. Die geben ja schon lange keine Kredite mehr für Innovation oder gar an den Mittelstand oder die kleinen Unternehmen. Die wollen ja Renditen wie Ackermann. Produktion bedeutet aber immer auch das Risiko des Scheiterns. Risiko ist aber etwas das in der Welt der neoliberalen Wirtschaftsfaschisten niemand mehr tragen will. Sich verspekulieren mit Aktien oder Hypotheken. Das ist nicht wichtig. Das gehört dazu. Aber einen Kredit für ein neues Produkt in den Sand zu setzen, ist einfach abwegig. Das Geld hätte man doch in amerikanischen Hypotheken verlieren können.
Wer von Wachstum redet, darf nicht neoliberal denken. Neoliberal zu denken und zu handeln, bedeutet direkt von staatliche Subventionen und durch harte Gesetze geschützt zu existieren. Es bedeutet Verantwortungslosigkeit und die Unfähigkeit ein Risiko einzugehen. Neoliberal zu sein, bedeutet aber auch eine starke Verschiebung der Wahrnehmung, weg von der Realität und hin zu einer Scheinwelt, in der es als Leistungsnachweis ausreicht, andere um ihren Lohn, oder ihre Chancen betrogen zu haben. Eine Welt in der Subventionen und gesetzliche Vorteile wie eigene Leistung gewertet werden.
Die Anhänger der Religion der neoliberalen Wirtschaftsfaschisten entfernen sich immer weiter von der Wirklichkeit und versuchen ihre Scheinwelt, als die einzig wahre darzustellen. Das ist krank. Allerdings ist keine Behandlungsmöglichkeit bekannt. Man kann die Erkrankten nur aus dem Entscheidungsprozess herausnehmen und pflegen.
Dann können reale Menschen, reale Entscheidungen in einer realen Welt treffen, die allen nützen und deren Schaden so gering wie möglich gehalten wird.
Daß in den Groß-Medien so ein Zungenschlag auftaucht ist allerdings neu.
Anfang 2005, als die Hartzerei losging, war es für viele undenkbar, auf der mit Schmierseife bestrichenen schiefen Ebene zu landen, geschweige denn auf ihr in den Keller zu rutschen.
Ich könnte über das Züngeln der Hartz-IV-Furie an den Wohlstandshochburgen schadenfroh grinsen, war doch dort die Hochnäsigkeit ob der Schicksale der Entsorgten ziemlich verbreitet. Ich verkneife mir das aber, und hoffe, daß wenigsten jetzt langsam mal bei einigen der Groschen fällt und sich Widerstand gegen diese unerträgliche Entwicklung formiert.
Die Eloquenz der etwas "höheren Chargen" würde für die sich (hoffentlich) formierende Gegenbewegung sicher eine Bereicherung sein.
Ich habe mich lange gesträubt, den vom Bloginhaber verwendeten Begriff des Wirtschaftsfaschismus zu akzeptieren. Das letzte Hindernis wurde neulich beim lesen des Interviews in der SZ mit einer der übelsten Pestbeulen des Neoliberalismus, nämlich W. Clement, beseitigt. Dessen sozialdarwinistische Ausfälle prädestinieren ihn für eine Ehrenmitgliedschaft in der NPD.
Das Schicksal des Herrn Stetten, ist ein alltägliches hierzulande, und nicht im geringsten verwundernswert.
Verwundernswert ist allerdings der Umgang des Herrn mit seinem Schicksal.
Ist er in der Lage offen damit umzugehen? Nö!
Ich erlebe in diesem Land einen unglaublichen Mangel an einer ganz antiquierten Haltung: KLASSENbewusstsein.
Und der geht so:
Herr Stetten (- und mit ihm viele andere die unverschuldet ins ALG II fielen - als könne man da reinfallen, wie in ein ungesichtertes Baustellenloch auf dem Gehweg! -) bauen an einer Legende die ihnen erlaubt, im Ansehen der Öffentlichkeit nicht zu denen da unten zu gehören. Flankiert wird das im beschriebenen Fall vom pAp und bedauert von der Presse, die den Herrn Stetten als ungewöhnlichen Fall herausstellt, der NORMALERWEISE! nicht da landet wo wir schon sind. Bei den Ausgegrenzten nämlich.
In der "DDR" oder im Hartz-GULAG wenn es beliebt, nämlich, die man in unserem Land für ca. 10 Millionen schon wieder eingerichtet hat.
Es heißt diesmal Hartz IV und diesmal gibts auch Bananen zu kaufen.
Der Rest ist geblieben wie gehabt.
bel