"Mutti, Mutti da kommt der Mann von Bertelsmann." Schreckgeweitete Kinderaugen überall. Mütter die ihren Kindern die Hände vor die Augen halten und sie unter ihren Mänteln verbergen, um sie vor dem bösen Blick des Mannes von Bertelsmann zu beschützen.
So ähnlich wird sich auch der Verleger und Publizist Michael Naumann seinen Wahlkampf als Spitzenkandidat der SPD in Hamburg vorgestellt haben, als Horste Bethge, Hamburger Vorstandsmitglied sowie bildungspolitischer Sprecher der Partei Die Linke, in einer Mail an ca. 60 politische Weggefährten, Freunde und Bekannte, Michael Naumann als alten Bertelsmann bezeichnete.
Dagegen musste er etwas tun und rannte also vor Gericht. "Herr Richter, Herr Richter das darf der nicht.". Wäre Horste Bethge nur etwas schlauer gewesen, hätte er nicht von einem alten Bertelsmann gesprochen. Die Verflechtungen von Naumann zu Mohn/Bertelsmann sind für rechtliche Laien wie mich genauso offensichtlich, wie die Tatsache das niemand mit der Tochter des BND-Chef Wessel verheiratet sein kann, ohne in die BND Maschinerie zu geraten. Es kann also nur das "alter" gewesen sein, was die Richter störte.
Dabei geht es gar nicht um eine Schuldfrage Naumanns, es geht darum, das sich seine Haltung natürlich auch aus seiner persönlichen Entwicklung und seinen persönlichen Erfahrungen ergibt. Er vertritt die Mohn/Bertelsmann-Linie in der Schulpolitik und Bürgerrechte kommen soweit mir bekannt, in seinem Wortschatz nicht vor, was die BND-Linie ist. Das alles ist sein gutes Recht. Als SPD-Spitzenkandidat darf er heute eine Reaktionär und ein neoliberaler Wirtschaftsfaschist sein. Das ist für die heutige SPD kein Problem mehr.
Für die SPD wäre es viel schlimmer, wenn er ein Sozialdemokrat wäre. So auf der Linie Brandt oder gar Wehner. Das wäre dann Grund für einen Parteiausschluß. Aber da besteht bei Michael Naumann ja gar keine Gefahr. Er ist, wer er ist.
Lustig ist nur, das der Mann von Bertelsmann, zumindest offiziell kein Mann von Bertelsmann sein will. Ob er sich schämt für bertelsmannnahe oder gar bertelsmanneigene Firmen gearbeitet zu haben. Gibt es da so etwas wie Scham. Kaum zu glauben. Vielleicht ist es auch einfach nur Kalkül. Wer will heute schon noch mit Bertelsmann in einem Atemzug genannt werden. Da zucken selbst die Hartgesottenen schon schmerzhaft auf. So als wenn ein kaltes Eis einen freiliegenden Nerv im Mund trifft. Das tut richtig weh.
Den Menschen in Deutschland wird es allerdings nichts nützen. Bertelsmann lässt sich nicht mehr zurückdrängen. Es ist viel zu tief, wie ein Krebsgeschwür in die deutsche Politik und Beamtenschaft eingedrungen. Streukrebs wäre die richtige Diagnose. Da nützt ein Naumann der sich vielleicht schämt, nichts mehr. Da müsste die ganze Politik erneuert werden.
So bleibt den Müttern nur, ihre Kinder vor dem bösen Blick zu schützen. Davor das Mohn/Bertelsmann den Kindern jede Chance auf ein erfülltes und sinnvolles Leben nehmen will, kann keine Mutter ihre Kinder schützen. Sie wird das Büchergeld genauso wenig aufbringen können, wie die Studiengebühren. Des Armen Recht, des Reichen Pflicht. Leere Worte und mehr nicht.
Mütter die ihre Kinder vor Mohn/Bertelsmann und deren maßloser Gier schützen wollen, die dürfen in Hamburg nicht Herrn Naumann wählen. Der will zwar kein alter Bertelsmann sein, aber wer mit den Hunden schläft, wird den Geruch der Hunde nicht los. Wer mit den Hunden gemeinsam hetzt, muss sich gefallen lassen, das er mit den Hunden geschlagen wird. Mütter die ihre Kinder schützen wollen, müssen kämpfen. Väter auch. Kämpfen dafür, das dies Land wieder unser Land wird. Das dies Recht wieder unser Recht wird und das diese Schulen und Universitäten wieder unsere Universitäten und Schulen werden und das die Bertelsmänner für die Familie Mohn in Gütersloh, wieder verlogene fromm Traktätchen drucken und sich aus der Politik raushalten.
Das ist ein langer Kampf. Aber wir sollten ihn heute anfangen.