Die gute Tante Westerwelle und sein Nebelwerfer geraten zunehmend unter Druck. Der einstmals geschaßte Wolfgang Gerhardt, der als Chef der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung eigentlich nur noch ein Gnadenbrot erhalten sollte, plustert sich auf und kritisiert die FDP als zu kühl und zu oberflächlich und meint, das diese FDP das Volk nicht mehr erreicht. Gleichzeitig wird der Herr Niebel für den Satz "So mufft es bei der großen Koalition wie einst bei der Nationalen Front der DDR" vom Genschman zum Rücktritt aufgefordert.
Der Niebelsatz ist aber in Wirklichkeit nichts anderes als ein typischer Satz des Nebelwerfers, in einem Tonfall, der bisher noch niemanden in der FDP gestört hat. Niebel ist ein Neoliberaler der die Menschen in diesem Lande verachtet, sofern sie nicht zum Großkapital gehören. Aber das ist ja die generelle Linie der FDP, auch unter Genscher und Gerhardt. Es ist der FDP noch nie um die Menschen gegangen, sondern immer nur um die Macht.
Aber es reicht in Deutschland eben nicht mehr nur neoliberal, wirtschaftsfaschistisch, skrupellos, machtsüchtig und gemein zu sein. Das musste auch schon das DIW erfahren, dessen Mithilfe bei der Durchsetzung neoliberaler und wirtschaftsfaschistischer Politik eben nicht mehr gebraucht wird, und das deshalb aus dem Rat der Wirtschaftsweisen geflogen ist. Genauso reicht das, was die FDP an einem ganzen Tag leistet, eben nicht mehr aus. Das machen die Grünen und die SPD schon auf der Fahrt ins Büro.
Westerwelle hat sich auf seinem Weg nach oben eben keine Freunde gemacht. Stutenbissigkeit führt in jeder Pferdeherde zur Absonderung. Wobei Westerwelle, aus Angst um seine wackelnde Macht, ja nach allen Seiten um sich gebissen hat. Während Möllemann noch mit dem Fallschirm springen musste, lässt sich ein Gerhardt nicht so einfach abwimmeln und mit einem Genschman im Rücken, könnte das ein schnelles Ende für die Tante Westerwelle bedeuten.
Es reicht eben nicht neoliberal, wirtschaftsfaschistisch, skrupellos und gemein zu sein um sich an der Macht zu halten. Das sind Eingangsvoraussetzungen für heutige Politiker. Da muss dann auch schon ein wenig persönliches Geschick dazu kommen und es muss zumindest Nähe zur eigenen Anhängerschaft und Basis simuliert werden. Genau das kann Westerwelle aber nicht.
Nähe bedeutet ja auch ein Stück Offenheit. Mag sein, das sich der kleine Guido in dem Westerwelle für seine politische Haltung schämt. Scham gibt es oft an Orten, an denen man sie nicht vermutet. Jede Öffnung von Westerwelle, hin zu seinen Leuten, würde dann aber immer die Gefahr bedeuten, das diese Scham sichtbar wird. Ein Westerwelle der sich für das, was er tut schämt, wäre aber nach Ansicht von Westerwelle noch weniger tragbar, als der Pausenclown zu dem er mittlerweile geworden ist.
Guido Westerwelle befindet sich in der Zwickmühle. Es wird von allen Seiten geschossen. Zwar ist das nur ein Anfangsgefecht, aber die FDP ist gut darin die eigenen Leute abzuservieren. Es war eben schon immer eine Verräterpartei, bei der lediglich darauf Verlass ist, das sie für die Macht alles tun würde. Vom Opfer des Erstgeborenen bis zu Schuhsohlen mit der 18. Es gibt keine Niederung die ein FDPler nicht für die Macht durchqueren würde.
Es bleibt also spannend. Um ehrlich zu sein, hatte ich nichts anderes erwartet. Der FDP stirbt die Klientel weg oder wandert zu CDU und Grünen ab. Die FDP hat in keinem Punkt mehr ein Alleinstellungsmerkmal. Alles für das sie scheinbar steht, wird von den anderen Parteien, besser und konsequenter besetzt. Das liegt natürlich auch daran, das die FDP immer gleichzeitig auf beiden Seiten der Straße spielen wollte. Im realen Leben ist das die beste Voraussetzung um überfahren zu werden, in der Politik wird man dadurch überflüssig.
Der Tod der FDP ändert auch nichts an der Parteienlandschaft. Regierungsbildung wird weder schwerer noch leichter. Allerdings wird eine Menge Spaß fehlen. Denn so schön neben jeder Art von Realität zu stehen, wie es die FDP immer konnte, gelingt den anderen Parteien nicht durchgängig. Aber das ist kein Grund die FDP zu konservieren.