Immer wenn man glaubt, die dümmsten Sprüche dieser Welt schon zu kennen, dann wird es noch blöder. Gestern war es der Schäuble, vor dessen krimineller Energie auch das Wort unantastbar, eben nicht nur antastbar ist, sondern auch völlig egal ist. Heute kriecht die GEW aus ihren Löchern und setzt über dpa noch einen drauf:
Gewerkschaft GEW will Grundrecht auf Berufsausbildung
Berlin - Zur Eindämmung der Jugendkriminalität fordert die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft ein Grundrecht auf Berufsausbildung. Eine Gesellschaft schütze sich am besten vor Gewalt, wenn sie allen jungen Menschen eine Perspektive gebe. Das sagte der GEW-Vorsitzende Ulrich Thöne der „Neuen Osnabrücker Zeitung”. Stattdessen werde es in Deutschland hingenommen, dass 13 Prozent der unter 25-Jährigen keine Ausbildung hätten.
Haste da noch Töne, wenn der Herr Thöne da so schön tönt. Ich hab noch welche. Ich möchte das Grundrecht auf Sonnenschein, wenn ich vor die Tür gehe und selbstverständlich auch das Grundrecht auf vollständige sexuelle körperliche Befriedigung, wann immer mir da nach ist, zusammen mit dem Grundrecht auf Reichtum und mein Idealgewicht. Man merkt das Lehrer die ganzen Jahre falsch geschrieben wurde. Das muss Leerer heißen, denn viel leerer geht wirklich nicht mehr.
Der Töne spielt nicht wie Flasche leer, sondern denkt wie Flasche gar nicht vorhanden. Ehrlich von solchen Gehirnakrobaten bekomme ich Ausschlag. GEW hieß früher einmal Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Das waren die Unkündbaren. Sichere Lebensstellung, die konnten es wagen den Mund aufzumachen, sobald sie im System waren. Es gab damals nur die Hürde des Berufsverbotes. Bei Leerern wurde darüber gesprochen, bei normalen Menschen nicht. Die mussten immer schon aufpassen was sie sagten.
Während die anderen für Kinderläden und bessere Schulen kämpften, bekamen unsere Leerer BurnOut-Syndrome oder Abgeordnetenmandate, meist bei der SPD. Die Ausgebrannten waren auf Kur und dienten den Kultusministern um nachzuweisen, das wir genügend Lehrer hätten, genau wie diejenigen die ständig aus politischen Gründen abwesend waren. Nur arbeiten und unterrichten wollte von den Kameraden und Kameradinnen so richtig niemand. Die gingen auch zu Weiterbildung. Reiki und Shamanisches Tanzen. Origami für fortgeschritten Gelangweilte und klöppeln ohne Sehnenscheidenentzündung.
Franz Josef Degenhardt hat sie gut beschrieben diese Lehrer in seiner Lehrerin. Wir hätten ihm viel besser zuhören sollen.
In einer kleinen schönen Stadt die alten Dinge in Bewegung setzen,
wenden, über junge Köpfe,
so hatten sie in Seminaren und in langen, heißen Nächten diskutiert.
Im Schwarz-Rot-Gold das ROT zum Leuchten bringen, müßte möglich sein,
gerade auch in der Provinz.
Die Zeichen waren gesetzt mit Willy Brandt und Gustav Heinemann.
Es roch nach Vormärz, und man sang die alten Lieder.
Diesmal müßte es gelingen, trotz Radikalenerlaß und
trotz alledem, trotz alledem.
Es lief auch gleich gut los:
Die Schüler mochten sie, und ein paar Kollegen dachten so wie sie.
Demokratie wurde gewagt im Schülerparlament.
Die Schülerzeitung haute auf den Putz. Flugblätter auf dem Schulhof.
Das Jugendzentrum wurde selbstverwaltet, und sie saß mit in dem Verwaltungsrat.
Sie demonstrierten gegen Nazi-Treffen, Waffenexport und den NATO-Flugplatz vor der Stadt.
Sie lasen Brecht in Deutsch, den kannte man noch nicht,
und in Geschichte Bundschuh, Bauernkrieg und '48 - die revolutionären Traditionen -
und diskutierten durch die langen, hellen Maiennächte,
und sie schwammen unterm Silbermond und nackt im Fluß.
Ihr Kursus in der Volkshochschule über Lohnarbeit und Kapital, der wurde abgesetzt.
So fing es an.
Man schloß das Jugendzentrum. Vorwand: Drogenhandel, Schlägerei.
Und sie bekam von ihrer Schulbehörde den Verweis.
War das der Grund, weshalb sie aus der Wohngemeinschaft ausgezogen ist?
Sie weiß es nicht mehr, weiß auch nicht mehr, wann die ersten Eltern von Verführung sprachen.
Indoktrination; und die Kollegen Vorsicht rieten.
Darüber hat sie nur gelacht.
Doch daß sie dann im Unterricht beim Bauernkrieg
statt Thomas Münzer immer mehr dem Martin Luther recht gab,
war das diese Vorsicht?
Oh ja. Vom Vormärz zum wilhelminischem Untertanengeist. Den Weg haben sie schnell gefunden, die Leerer. In meinen Kreise war Lehrer schon damals nur ein anderes Wort für angepasster Idiot. Ich weiß wovon ich rede. Ich weiß es leider zu genau. Dann gingen die Herrschaften in das was sie die innere Imigration bezeichneten. Sie flohen vor der bösen Umwelt ins Lehrerzimmer. Da kommen sie seit dem nur noch mit Scheuklappen wieder heraus. Ob die Einrichtung der Schule verheizt, die Tische, Wände, Stühle und Karten beschmiert sind, ob der Projektor geklaut wurde. Sie sind nicht mehr zuständig.
Da draußen sind freilaufende Kinder. Man kann doch von ihnen nicht erwarten, das sie die erziehen. Auf Elternabenden erklären sie den Eltern was Pädagogik ist. Reinhard Mey hat es in seinem Elternabend so schön und richtig gefasst:
Nichts ist so erlabend,
wie ein Elternabend.
Und gar nichts macht mich strahlender,als die Aussicht im Kalender.
Nichts ist so gewaltsam,
nett und unterhaltsam.
Und wer das nicht kennt, der hat sein Dasein echt verpennt.
...
Dann wird es hochtrabend
auf dem Elternabend.
Der Lehrkörper erklärt die Logik
und den Sinn der Pädagogik.
Hier ein Kichern, da ein Gähnen.
Da puhlt einer in den Zähnen.
Alles schläft und einer spricht:Genau wie einst im Unterricht!
Nun wollen also diejenigen, die ihre Pflicht seit Jahren mit einem Lachen nicht erfüllt haben, die, die sich nicht wehrten als Lehrer nicht mehr verbeamtet wurden, als die Schülerzahlen in den Klassen immer weiter anstiegen, die, die nichts sagten, als Migrantenkinder für die Deutsch eine Fremdsprache war, in dreißiger Gruppen in Klassenräume getrieben wurden, in denen sie bestenfalls das Pausenzeichen verstand, ausgerechnet die wollen ein Grundrecht auf Berufsausbildung.
Ich habe keine Ahnung welche Qualifikation Herr Ullrich Thöne noch hat, außer GEW-Chef zu sein. Mein Dackel hält sich auch für den Chef in unserem Hause. Zumindest solange bis er Futter braucht, und ich scheinbar vergessen habe, wo ich es aufbewahre und wo seine Näpfe sind. Ich will auch Herrn Thönes Qualifikation nicht kennen. Es ist mir nicht einmal das googeln wert.
Die GEW hat zunächst einmal die Aufgabe dafür zu sorgen, das die Kinder in der Schule das lernen, was im Lehrplan steht, aber vor allem aber das lernen, was gebraucht wird. Kultusminister und in Kultusbehörden sind nämlich meist auch nur Leerer, die zu ihrem Glück zwar nicht mehr in die Schule müssen, aber ansonsten auch keine Ahnung haben. Wenn nicht genügend Geld und Leute dafür da sind, unsere Kinder vernünftig auszubilden, dann muss die Gewerkschaft laut um Hilfe schreien und notfalls streiken. Das tut sie aber nicht. Sie kuschelt viel lieber mit der Bertelsmannstiftung, die im Auftrag der Familie Mohn, ja auch Auswege aus der Schule bietet. Das diese Auswege bedeuten, das man in Zukunft Bildung bei Bertelsmann kaufen muss, damit die zu eigenem wirtschaften unfähigen Kinder der Familie Mohn wenigstens alimentiert werden, interessiert diese Gewerkschaft ja auch nicht.
Wer mit Mohn kuschelt, ist schon nicht mehr ernst zu nehmen. Der hat sich verkauft. Mohn und freie Ausbildung passt nicht zusammen, genausowenig wie Mohn und Demokratie. Eine GEW die nicht einmal in der Lage ist ihre ureigenste Aufgabe, nämlich seine solide Schulausbildung unserer Kinder zu liefern, hat jedes Recht verwirkt sich über weitere Themen zu unterhalten. Sie muss erst einmal ihre Hausaufgaben machen.
Falls dann aus einem neuen Ausbildungssystem auch kompetente und einigermaßen intelligente GEW-Vorsitzende kommen, dann wird denen klar sein, das es eben kein Grundrecht auf Ausbildung geben kann, weil für Ausbildung in jedem Beruf, Wissensgrundlagen vorhanden sein müssen. Ständig steigende Wissengrundlagen, bei einer ständig schwächer werdenden Schule übrigens. Ich kann einen 2-Meter-Mann mit 140 kg nicht zum erfolgreichen Springreiter ausbilden. Zu schwer, zu groß. Es geht nicht. Ich kann keine halben Analphabeten zu Lehrern machen, obwohl das ja scheinbar doch geht.
Natürlich meint Thöne ein Ausbildungssystem das alleine auf staatliche Berufsausbildung setzt. Also eine Ausbildung in der Maurer, die niemand auf der Baustelle sehen will, weil sie dort nicht zu gebrauchen sind, andere Maurer ausbilden, die dann ebenfalls nicht zu gebrauchen sind. Was Thöne nicht wissen kann, weil er ja nie so eine Erfahrung machen durfte.,Ausbilder sollten die besten ihrer Zunft sein. Pfeifen die ausbilden erzeugen eben nur Pfeifen. Pisa lässt grüßen. Was ein GEW-Vorsitzender auch nicht wissen kann, Ausbildung macht Arbeit. Deshalb bilden gute Meister nur wenige Lehrlinge aus, weil sie die Zeit dafür nicht haben. Lehrlingszüchtereien sind wie Legebatterien. Im Endeffekt völlig witzlos.
Je besser gebildet unsere Kinder aber aus der Schule kommen, desto weniger an Allgemeinbildung muss ihnen in der Ausbildung vermittelt werden. Das macht Ausbildung leichter und erhöht die Chancen auf einen guten Ausbildungsplatz. Ausbildung erfordert aber auch dann noch ständige Weiterbildung des Ausbilders. Gerade in einer sich ständig verändernden Produktionswelt. Das kann ein Thöne natürlich auch nicht wissen. Der ist ja in der Gewerkschaft, hat also mit Realität nichts zu tun.
Was wir hier also wieder einmal haben, ist eine Gewerkschaft, die so tut als würde sie ein Thema besetzen. Diesmal ist es besonders auffällig das sie Blödsinn redet und das müsste selbst einem GEW-Vorsitzenden klar sein. Wenn er aber trotzdem solche Sprüche absondert, dann muss er eine gute Begründung haben. Ich vermute das es ihm völlig egal ist, was er absondert, er muss nur mal wieder in der Presse sein, um nachzuweisen, das es ihn zum einen gibt und er zum anderen wichtig genug ist, das über ihn geschrieben wird.
Den Lehrern und sonstigen Mitgliedern der GEW kann ich nur raten, schafft euch eine neue Gewerkschaft. Die, die ihr jetzt habt, taugt in der Wurzel nichts. Über ihre Spitze habe ich das wichtigste heute noch einmal zusammengefasst.























Zu den Lehrern kann ich (selbst Dozent, aber freier und gewohnt, mich regelmäßig seitenlangen Beurteilungen durch die Teilnehmer, und unter 90% Akzeptanz einem Schwätzchen mit dem Auftraggeber zu stellen) nur sagen, dass nach meinem Selbstverständnis der Lehrer immer ein Meister sein sollte. Begeistert vom zu vermittelnden Stoff und von den Menschen mit denen er/sie arbeitet. Das klappt nicht immer und wenn doch, so erfordert es eine Menge Energie. Aber nichts gibt einen größeren Kick (da kommt selbst erfüllter Sex nur mühsam mit), als wenn man es schafft, einem Schüler/Studenten die Begeisterung für den Stoff zu vermitteln und zu sehen wie es dort Klick macht und die-/derjenige selbständig zu "Laufen" beginnt. Und das ist noch immer der Augenblick in dem ich beginne von meinen Schülern zu lernen.
Auch ich habe mal einen kurzen Ausflug (ein Jahr) in eine öffentlich rechtliche Bildungseinrichtung (Berufsausbildung) gemacht. Der Umstand, dass ich in den Pausen lieber bei den Schülern stand als in Lehrerzimmer bitteren Kaffee zu schlürfen, wurde deutlich mißbilligt. Gegen Ende (!) des Schuljahres kam sogar plötzlich der Leiter der Einrichtung unangemeldet in meinen Unterricht, um meine pädagogische Eignung zu testen ("Lassen Sie sich nicht stören, machen Sie ruhig weiter"). Nö, da lass ich mich lieber von privatwirtschaftlichen Schulungsunternehmen buchen und stramm bewerten. Mit denen bin ich einig: das Ziel zählt und meinen Weg such ich mit mit den Teilnehmern zusammen selbst.