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Ein pisswütender Gewerkschaftsfunktionär
Mir wurde soeben der Kopf gewaschen. Ich hatte einen pisswütenden Gewerkschaftsfunktionär am Telefon, der zwar nicht zur GEW gehört, dem aber mein. "zur Zeit ständiges rumgemosere an den Gewerkschaften" mächtig auf den Geist geht. Das ist schön, das es ihm auf den Geist geht, war meine erste Antwort. Keine Sorge er ist nicht am anderen Ende des Rohres geplatzt. Er benutzte die Leitung als Entladungsgerät.
Tatsächlich bin ich wirklich erfreut, wenn sich in Deutschland noch Leute aufregen und etwas unternehmen, auch wenn sie nur anrufen um mir die Meinung zu geigen. Ich glaube das solche Leute auch anderen die Meinung geigen und das ist gut und wichtig für unser Land. Nun aber zu seinen Vorwürfen im Einzelnen.
"meine Linkspartei
Es gab nur eine Partei in Deutschland die mal meine Partei war. Das ist nicht nur lange Monde, sondern viele Winter her. Es ist fast schon nicht mehr wahr. Diese Partei war die SPD. Das meiste was ich zur SPD zu sagen habe, ist nur endlose Wiederholung von bereits vielfach gesagtem. Nach meiner Ansicht, habe ich meine Meinung zur SPD am besten in diesem wütenden Artikel ausgedrückt.
"Meine Linkspartei" gibt es nicht. Lafontaine ist und war nie mein Mann und Gysi ist vom gleichen Schlag. Die treten mal eben schnell zurück und lassen die Menschen im Regen stehen. Verantwortungslos wie all die anderen Politiker. Aber es gibt in der Linkspartei, Leute die meine Achtung haben. Die gibt es allerdings auch in anderen Parteien. Prozentual sind es in der Linkspartei aber am meisten. Nur gut das es da keine fünf Prozent Hürde gibt, bei mir.
Mit der Linkspartei glaube ich am ehesten meine sozialdemokratischen Positionen realisieren zu können. Ich glaube nämlich nicht an Kommunismus oder Sozialismus mit Menschen wie wir. Einen besseren Menschen wollte die DDR erziehen. Trotz aller Mühe ist es ihr nicht gelungen. Der Kapitalismus, also die persönliche Bereicherung ist eine der stärksten Triebfedern der Menschen. Neben dem Sex und der Freude an der Unterwerfung anderer. Deshalb kann und will ich den Kapitalismus nicht abschaffen, sondern ich will ihn, wie ein gefährliches Tier, in relativer Freiheit, aber doch begrenzt halten. Dafür gab es in Deutschland schon einmal Gesetze die ganz gut funktionierten. Das ist machbar.
"Gewerkschaften brauchen einen starken politischen Arm
Äh. Ja. Mhm. Am stärksten ist dann wohl die Einheitsgewerkschaft zusammen mit der Einheitspartei. Gut, war ja nur ein Scherz. Ich heiße ja nicht Merkel und ich glaube nicht an eine Partei, die ein starker Arm der Gewerkschaften wäre. Bisher hat die Nähe zu einer Partei die Gewerkschaften immer nur geschwächt. Dabei ist es völlig egal welche politische Richtung diese Partei angeblich vertritt. Bisher haben sich alle Parteien mehr oder weniger offen kaufen lassen.
Gewerkschaften müssen unabhängig von Parteien und Unternehmen sein. Auch unabhängig voneinander. Eine Gewerkschaft ist ausschließlich ihren Mitgliedern verpflichtet. Ich habe nichts dagegen, wenn dabei auch die gesamtgesellschaftlichen Interessen nicht aus dem Auge verloren werden, aber das ist zweitrangig. Zuerst die eigenen Leute. Dann lange gar nichts, dann die Gesellschaft, derer die zusammen leben und arbeiten wollen, dann die Unternehmen und erst dann Kirchen, Parteien und sonstiges Volk, das sich noch nie für die Sorgen der Arbeitnehmer interessiert hat.
Meinetwegen auch einen Dachverband. Aus wirtschaftlichen Gründen, aber ohne jede Weisungsrechte. Im Grunde genommen ohne Rede- und Bewertungsrecht.
Was wir brauchen ist einfach. Freie Gewerkschaften. Wirklich freie Gewerkschaften.
"Mein Bildungsideal"
Mein Bildungsideal. In diesem unserem Staat ist das reine Fantasie. Hier geht es nicht mehr um Ideale. Hier geht es um das Notwendigste. Nix Ideal. Einfach nur um das Abwenden von Not. Ich bin 50 und das ist bei mir bestimmt nicht Halbzeit, so habe ich nicht gelebt. Aber ich würde mir wünschen, wenn wir am Ende der nächsten 25 Jahre wenigsten die pure Not gelindert haben. Schon das wird schwer genug.
Bildung ist kein Tattoo. Bildung kann man sich nicht einmal auf den Arsch pieksen lassen und trägt sie dann ein Leben lang mit sich rum. Bildung muss ständig gepflegt werden. Viel besser wie die Lebensabschnittsgefährten und auch viel besser als das Auto, Papas größten Stolz. Bildung kann man nicht erwerben um sie zu besitzen. Sie rieselt leise aus allen Taschen wieder heraus. Wie der ganze feine Sand vom letzten Urlaub. Ein paar Tage hat man ihn noch überall und dann ist er weg, nur noch eine Spur in der Erinnerung und vielleicht ein letzter Rest in der Falte jenes alten Koffers.
Wir müssen uns ständig aus- und weiterbilden. Der eigentliche Beruf oder besser die eigentliche Berufung muss das Feilen an der eigenen Bildung sein. Hauptschulabschluss, Realschulabschluss, Abitur, mittlere Reife, Oberschulreife, Fachhochschulreife, Hochschulreife, Diplom, Doktorat oder Berufsausbildung und Weiterqualifizierung. Alles nur Momentaufnahmen. Sobald ein Abschluss erreicht ist muss es weitergehen. Stillstand heißt Rückschritt. Lernen endet erst mit dem Tode. Bis dahin muss gelernt werden.
Ich will das Lernen nur einfacher machen. Oder vielmehr das Angebot verbessern. Soll doch jeder lernen wann er will. Der eine nachts um vier, der andere um zwanzig vor sieben. Internet macht es möglich. Wir können jede nur denkbare Lehrstunde ins Netz stellen. Dort kann sie von jedem, egal wie oft und wann abgerufen werden. Kostenlos. Bis es auch der letzte begriffen hat. Dazu computergesteuerte Test. Viele unterschiedliche. Damit die Leute sich selbst prüfen können, oder aber auch um Empfehlungen bei Tutoren bitten können, was sie, wie lernen sollen. Die Tutoren können von zu Hause aus arbeiten. Einige in der Nacht, andere am Tage. Alle bundesweit, egal wo sie sitzen.
Dazu ein Angebot von Präsenzunterricht und Präsenztutorien. An den Schulen, die Abends und an den Wochenenden eh verwaist sind. Verbunden mit Tests und Prüfungen. Wiederholbar bis es klappt. Bieten wir Bildung an. Überall. Wie Klingeltöne fürs Handy. Damit wir jeden, wirklich jeden erreichen. Diese Unterrichtsstunden können wir auch aktuell halten. Viel leichter als viele Lehrer dazu zu bringen, aktuell zu sein. Nicht als Ersatz der Präsenzschule sondern als Erweiterung.
Das ist kein Ideal. Das ist einfach machbar.
Ich mag Gewerkschaftsfunktionäre die sich aufregen, wie ich schon am Anfang sagte. Aber nur wenn sie nicht nur wie ein wütendes Nashorn durch die Gegend rasen sondern mitdenken. Dieser Staat wird uns keine Bildung für die Menschen geben. Dieser Staat ist bildungsfeindlich. Also gründen wir wieder einen Arbeiterbildungsverein. Denn alle die nicht von den Erträgen ihres Kapitals leben können sind Arbeiter. Die künstliche Trennung in Arbeiter, Angestellte und sogar leitenden Angestellte ist Quatsch. Es gibt die wenigen Reichen und ihre Helfershelfer. Der Rest ist Arbeiter und braucht eine starke Gewerkschaft die seine Interessen und die seiner Kinder vertritt.
Ich will nur starke, freie und unabhängige Gewerkschaften. Ich bin übrigens der Meinung, das diejenigen die nicht in der Gewerkschaft sind, auch nicht von den Tarifabschlüssen profitieren sollen. Auch das kann man tariflich vereinbaren. Bei einer großen Einheitsgewerkschaft wäre mir die Gefahr zu groß, das dadurch eine Art Diktatur entsteht. Bei vielen Gewerkschaften die bestimmte Teile der Arbeitnehmerschaft vertreten besteht diese Gefahr nicht.
Also nicht aufregen, wenn ich auch weiterhin gegen die Art von Gewerkschaften schreibe, die wir jetzt haben. Die brauchen wir nämlich nicht. Die braucht nur das Kapital als ihre willfährigen Helfer.




















Ist der Vortrag von Prof. Schachtschneider zur "EU-Verfassung" bekannt? Den hatte er im März 2007 in Salzburg gehalten.
Am "schönsten" verlinkt bei http://www.ra-blog.de/2259-Vortrag-zum-EU-Vertrag ich habs aber vorher schon bei fefe und f!xmbr lesen können...
Da ist noch ein höllisches Potential... und es wird keinem Normalverdiener gefallen können. Ist eh die Frage, wie lange es noch "Normalverdiender" geben wird :(
Mit freundlichem Gruß
Sven