Mal im ernst. Gibt es irgendjemand der Petzen mag. Ich kenne keinen. Mein Vater pflegte immer zu sagen, das er zwar den Verrat liebe, aber den Verräter hasse. Vielleicht lag mein nicht ungetrübtes Verhältnis zu meinem Vater daran, das ich sowohl den Verrat wie auch den Verräter hasse. Am schlimmsten aber ist der völlig nutzlose Verrat. Ein Verrat der nichts bewirkt, außer das sich der Verräter selbst wohl fühlt.
Wie das im Spiegel und anderen Medien geschilderte Denunziantentum der Nichtraucher-Initiative Wiesbaden gegenüber Helmut und Loki Schmidt zu bewerten ist, mag ja jeder für sich selbst anders sehen. Ich persönlich bewerte es als geschmacklos und einzig aus krankhaftem Ego und der Sucht nach Öffentlichkeit geboren. In sofern stimme ich auch einem Deutschen Staatsanwalt zu:
Der Verstoß gegen das Rauchverbot ist eine Ordnungswidrigkeit, aber kein Straftatbestand. Anders verhält es sich mit dem Vorwurf der Körperverletzung, der vom Verein gegen das Ehepaar Schmidt erhoben wird. In diesem Fall muss die Staatsanwaltschaft aktiv werden. Oberstaatsanwalt Rüdiger Bagger bestätigte der "Bild"-Zeitung und dem "Hamburger Abendblatt", dass der Vorgang derzeit geprüft werde.
"Dieser Fall ist ein eindrucksvoller Beweis dafür, mit welchen Sachen sich eine Staatsanwaltschaft beschäftigen muss", zitiert ihn die "Bild"-Zeitung
Grundlage des sogenannten Falles ist folgendes Verbrechen:
Die Nichtraucher-Initiative Wiesbaden hat Strafanzeige wegen Körperverletzung und dem Verstoß gegen das seit dem 1. Januar geltende Rauchverbot erstattet.
Der Vorsitzende des Vereins, Horst Keiser, sagte dem "Hamburger Abendblatt": "Die beiden rauchen immer wieder rücksichtslos im Beisein Unbeteiligter." Anlass für die Anzeige sind Bilder, die den 89-jährigen Altkanzler und seiner 88-jährige Frau beim Neujahrsempfang in der "Komödie Winterhuder Fährhaus" zeigen - genüsslich paffend.
Um das noch einmal ganz deutlich zu machen. Dieser wichtige Herr Keiser, nicht der Versicherungshansel aber ähnlich nervtötend und sein noch wichtigerer Verein sind nicht etwa im Qualm der Schmidts erstickt, sie waren überhaupt nicht betroffen. Sie haben lediglich ein Bild von den rauchenden Schmidts als Anlass genommen, um auf sich und ihren völlig überflüssigen Verein, der sicherlich auch wieder gemeinnützig ist, aufmerksam zu machen. Irgendwie muss man ja an Spenden kommen.
Ich verstehe ja, das sich ein Nichtraucher aufregt, wenn er zugequalmt wird. Ich bin zwar nur ein Exraucher, aber nach den Jahren gibt es manchen Qualm, der auch mich nervt. Mich nerven auch Fahrradfahrer die lieber auf dem Bürgersteig versuchen mich umzukariolen, als den Fahrradweg daneben zu benutzen. Wenn mich aber etwas nervt dann rede ich mit den Leuten. Schimpfe meinetwegen auch mit ihnen. Aber ich zeige sie nicht an. Auch wenn ich selbst betroffen bin.
Aber es käme mir niemals in den Sinn jemanden auch nur zu ermahnen, der meine Rechte gar nicht verletzt. Anders als diese Wiesbadener Nichtraucherkirche. Die fühlt sich schon durch das Foto eines Rauchers belästigt. Vielleicht sollten die mal zum Arzt gehen und ihr Weltbild korrigieren lassen.
Ich muss immer grinsen wenn ich Helmut Schmidt als einen der letzten Dinosaurier überall rauchen sehe. Der Mann ist bald 90. Der stirbt aus. Der muss nicht mehr umerzogen werden. Egal ob ich sein politisches Leben als Vorbild oder Versagen werte. Ich erziehe keine 90 jährigen. Ich verlange auch nicht von Säuglingen, das sie mir einen Aktenvermerk machen, wenn sie Hunger haben. Die dürfen dann schreien. Alles hat seine Zeit.
Allerdings geht es diesen Wiesbadenern nicht um Helmut Schmidt. Es geht um Propaganda und Spenden. Die Sache mit dem Rauchen in Deutschland hat sich erledigt. Die Gesetze stehen. Ich halte sie für falsch, aber davon bleiben sie gültig. Die Zeit solcher Antiraucherkirchen ist also vorbei. Nichts mehr mit Spenden, die einem den Besuch von Kongressen in schönen Gegenden der Welt erlauben. Keine Bedeutung mehr für die Wichtigen an der Spitze solcher Vereine. Bedeutungslosigkeit. Sie haben den Krieg gegen die Raucher gewonnen und sich damit selbst erledigt. Man muss halt seine Feinde pflegen. Das hat selbst Bush gemerkt als ihm die Sowjets abhanden kamen.
Ich bin allerdings der Meinung das sich vielleicht mal jemand den Webauftritt dieser Leute ansehen sollte. Der stimmt nämlich auch nicht mit dem Gesetz über ein. Zumindest nicht mit dem Teil, den ich kenne. Aber das ist ja in den meisten Kirchen so. Wer von anderen die totale Gesetzlichkeit fordert, billigt sich selbst gerne die eine oder andere Sünde zu. Vielleicht kann ja auch mal jemand beim Vereinsregister in Wiesbaden die letzten Jahresabschlüsse einsehen. Es könnte doch sein, das dort noch ein paar nette Überraschungen lauern. Mir ist Wiesbaden zu weit, aber interessieren würde es mich.




















Und: "Alles hat seine Zeit."
Jepp. Wie -- tief -- wahr.
Ich (Gelegenheitsraucher aus Passion) finds zwar einerseits bockig von Herrn Schmidt, aber seine geradezu exhibitionistische Zurschaustellung mit Kippe ("Auf eine Zigarette mit Herrn Schmidt" im Zeit Magazin) ringt einem Achtung ab. Nicht wegen des Rauchens an sich, aber dafür, dass er sich bewußt der öffentlichen Mehrheitsmeinung verweigert.