Hallo Kollege Huber, was verschafft mir die Ehre ihres Anrufes.
Ja ich verstehe. Immer dieser Paul. Wir haben da ja auch schon diese Vorbelastungen. Nein, lassen sie nur Herr Kollege man muss es ja mal sagen. Wir können da einfach keine Ausnahme machen. Für niemanden. Ich bin da für ein hartes Durchgreifen. Schließlich müssen wir den anderen Schülern und deren Eltern gegenüber unserer Verantwortung gerecht werden.
Nein, Herr Kollege wir sollten den Fall ganz nüchtern angehen. Alle Grenzen sind schon lange überschritten. Ein Schulverweis ist die einzig konsequente Antwort unsererseits. Der Paul hat sich einfach zuviel geleistet. Ich bin da völlig ihrer Meinung.
Nein, nein wir müssen alle Kinder gleich behandeln. Unabhängig von der Herkunft und dem gesellschaftlichen Rang der Eltern. Ich nenne das konsequente Fairness. Nein Herr Kollege, davon lasse ich mich nicht mehr abbringen. Jetzt werden die Konsequenzen sofort gezogen.
Was? Ob ich Dr. Huber, die schlechte Nachricht ...
Ach soooo. Diesen Paul meinen sie. Herr Kollege schießen sie da nicht etwas über das Ziel hinaus. Ich meine der Paul Schrader ist doch der viel schlimmere Fall. Und dann dieses Elternhaus. Hartz IV. Die kommen doch eh nie wieder hoch. Liegen uns ständig auf der Tasche. Was soll der Junge da mit Abitur.
Ja richtig, der Paul Huber hat anderen Kindern Dinge unter Einsatz seiner körperlichen Mittel weggenommen. Aber muss man das Diebstahl nennen und gleich von Gewalt reden. Er ist halt ein ungestümer Jüngling und Dr. Huber ist im Stadtrat. Wir müssen ja doch irgendwie die Kirche im Dorf lassen.
Nein natürlich nicht. Die Regeln gelten für alle. Aber was sie da als versuchte Vergewaltigung bezeichnen, dann ist doch schlimmstensfalls pubertäre Neugier. Ja. Auch ich weiß das es kein Einzelfall ist. Aber das Subsumieren von Einzelfällen schafft doch auch keine neuen Tatbestände. Das wächst sich aus. Denken sie doch mal an den Vater. Der war früher auch ein Draufgänger und sein Vater auch. Landsknecht werde hart. Noch die gute alte deutsche Schule.
Das er die Referendarin Frau Meyer umgestoßen und geschlagen hat. Natürlich kenne ich den Vorgang. Er wird auch nicht bemerkenswerter dadurch, das sie ihn Vorfall nennen. Die Dame, die sich darum bemüht vielleicht einmal Kollegin zu werden, was ich im übrigen nicht begrüßen würde, hat einfach überreagiert und ihm doch praktisch keinen Ausweg gelassen. Sie hatte schließlich Nachsitzen angeordnet, obwohl Paul mit seinem Vater in den Tennisclub wollte. Da muss man doch mehr Augenmaß beweisen.
Natürlich behandeln wir alle Kinder gleich. Das heißt aber doch nicht, das wir sie alle über einen Kamm scheren müssen. Wir sind doch auch der Individualität gegenüber verantwortlich. Dem persönlichen Entwicklungstand auf der vorhersagbaren Entwicklungslinie. Da hat Paul Huber doch alle positiven Merkmale vorzuweisen.
Nein. Nein Herr Kollege. Schlagen sie sich das aus dem Kopf. Hier gibt es keinen Anlass für irgendwelche Maßnahmen. Was heißt überhaupt er hat ein Messer in der Hand gehalten. Vielleicht wollte er einen Apfel schälen. Ich bin nicht bereit an meiner Schule etwas derartig aufzubauschen. Ich werde jetzt umgehend mit Herrn Dr. Huber reden und sie sind gut beraten, wenn sie die Aufregung etwas zurückfahren und auf das angeblich verletzte Kind und dessen Eltern einwirken. Sorgen sie mir dafür das wieder Ruhe einkehrt. Erwähnen sie die Noten. Dafür sind sie ja schließlich Lehrer geworden.
Ach ja und wenn dieser Paul Schrader auffällig wird, dann dürfen sie ihr Exempel statuieren. Auch für ein Exempel muss man die richtige Person auswählen. Aber sie sind ja noch jung Herr Kollege, sie lernen das schon noch und schicken sie den jungen Huber nach Hause. Der hat Aufregung genug gehabt.