Paderborn ist eigentlich wie Bielefeld. Nur viel lebloser und katholischer. Sieht man mal von den wenigen Jahren ab, in denen Heinz Nixdorf der Stadt so etwas wie Bedeutung verlieh, kennen wir Paderborn eigentlich nur aus der Steigerung von Schwarz.
Schwarz - Münster - Paderborn
Wahrlich keine Gegend für geistige Höhenflüge oder gar den Gedanken an Freiheit. Will man Paderborn schönreden, dann muss man einfach über Salzkotten sprechen. Gütersloh ist Provinz. Paderborn hat keine Chance Provinz zu werden. Wie leidenschaftlich haben wir leitenden oder leidenden Mitarbeiter von Nixdorf uns vor Besuchen in der Zentrale gedrückt. Selbst die Hallig Hooge wäre spannender gewesen.
Das liegt übrigens nicht an den Paderbornern. Die sind tapfer. Wer Paderborner Pilsner trinkt, muss tapfer sein. Die Paderborner sind auch weltoffen. Schließlich sind sie ja nicht schuld, wenn die Welt nicht nach Paderborn kommt. Dabei gibt es Flughafen und sogar breite Straßen. Es gibt übrigens auch hübsche Mädchen in Paderborn. Zumindest waren sie damals, als ich zwangsweise öfter da war, noch Mädchen. Heute dürften sie wie ich, langsam anfangen nach Schüppe zu riechen.
Ich nehm mir ja immer mal wieder vor in Paderborn zu halten. Aber wenn ich dann die Gelegenheit habe, denke ich an das Hotel im Zentrum. Irgendsoeine Kette. Nach einem Geier benannt. Das Zimmer war so klein, das ich mir beim Ausziehen des Hemdes fast den Arm gebrochen habe. Da wo ich Raum vermutete war Wand. Dummerweise war das die massivere. 5 mm Gipskarton, leider mit Strebe an der Stelle. Unfair war nur, wenn einer eine Frau mit aufs Zimmer nahm, oder eine Frau einen Mann. Ja das gabs auch zu meiner Zeit schon. Dann waren alle anderen live dabei, auf diesem Flur, dem darüber und dem darunter. Aber dabei sein, war in diesem Fall nicht alles. Es war eher frustrierend, wie man mir erzählte.
Also Paderborn. Das beste, habe ich immer gedacht, was denen passieren könnte, wenn deren Bischof zu den Muslimen übertritt oder eine 18 jährige Stripteasetänzerin heiratet. Nun hatte die rote Lola schon in meinem Zeiten keine 18-jährigen. Gut die waren auch nicht 80. Aber näher an der 80 als an der 18. Wer fährt auch schon von Berlin nach Paderborn um dort in einen Bums zu gehen. Gibts aber auch. Mich zum Beispiel.
Immer wenn die in Paderborn ansonsten schon die Bürgersteige hochgeklappt und die Häuser reingeholt hatten, also so um viertel vor zehn, dann wenn ich mich in Berlin gerade zum Ausgehen fertig machte, gab es in Paderborn nichts mehr. Entschuldigung Disco natürlich. Aber ich mochte meine Ohren schon damals. Außerdem habe ich auch von Musik keine Ahnung. Die ist nur Geräusch. Unnötiges Geräusch. Also fuhr ich zur roten Lola, keine Ahnung ob die wirklich so hieß, oder von uns nur den Spitznamen hatte. Da gab es Alkohol. Nicht mal teuer, auch ohne Damen. Natürlich auch mit Damen. Ist doch klar.
Essen. Essen war gut in Paderborn. Da sind sie eben echte Westfalen. Die wissen was auf einen Tisch gehört. Ehrlich klar und ein Steinhäger dazu. Natürlich fett. Fett ist Nervennahrung. Nein, mein heutiges Aussehen liegt nciht am westfälischen Essen. Das liegt am Berliner Schnellfraß und den Druckbetankungen. Paderborn ist da unschuldig. Ach ja. Wenn man Paderborn beschreiben will ist unschuldig ein tolles und richtiges Wort.
Vielleicht sollte ich jetzt mal zum Thema kommen. Na gut. Ich finde aber das Paderborn zum Thema gehört. Was mir in Paderborn sofort auffiel waren Zäune. Überall Zäune. Ums Werk, um die Zentrale, um jedes Haus ein Zaun. Überall. Ich als damals noch eingemauerter Berliner hatte vielleicht eine Zaunallergie. Aber ich kenne keine Stadt in der ich soviel Zäune wie in Paderborn gesehen habe. Teilweise auch schmerzhafte Zäune. Über ein oder zwei von diesen Dingern musste ich nämlich drüberhüpfen, als ein Ehemann unerwarteterweise zu früh nach Hause kam. Reisekostenabrechnungsabteilungen können ab und an doch überraschen.
Das hat meine Abneigung gegen Zäune noch verstärkt und meine Aufmerksamkeit geweckt. Als ich die ersten Pläne für den Umbau des alten AEG-Werkes in Berlin gesehen habe, war meine erste Frage, ob man nicht die einzelnen Parkplätze, auch noch mit Zäunen versehen kann. Die hatten überall welche eingeplant. Hohe, mittelhohe und kleine Zäune. So dackelhohe. Das war mal Mode. Da gabs auch in den Schrebergärten diese weißen kunststoffummantelten gebogenen Drahtzäunchen. Einmal mit dem Fuß draufgetreten, konnte man den Mist wegwerfen. Sah doof aus, hatte keinen Sinn und kostete viel Geld.
Die Hose die ich mir bei meinem Zaunjumping zerrissen hatte - der Hintern war schwerer als gedacht - ließ sich natürlich in Paderborn nicht flicken. Etwas ebenbürtiges auch nicht kaufen. Zum Glück hatte ich genug Anzughosen mit. Ich bin Sicherheitsfanatiker mit Breitarsch. Ich kaufe immer zwei Hosen zum Anzug, weil ich mehr mit dem Hintern, als dem Jackett arbeite.
Gut Zaun und unschuldig sind für mich fest mit Paderborn verbunden. Wenn aber die Paderborner so unschuldig sind, was ich nach wie vor nicht anzweifle, wofür brauchen die dann die vielen Zäune? Die Frage stellte ich mir schon damals. Allerdings habe ich sie damals nicht beantwortet. Ich hatte da mal eine Avonberaterin kennengelernt, was zwar nicht hier hin gehört, aber trotzdem nett war und mich in Paderborn auf andere Gedanken brachte, zumal die nicht wirklich unschuldig, aber dafür auch nicht aus Paderborn war.
Warum ich all das erzähle. Zum einen weil mir danach ist und zum anderen weil ich gestern folgende Meldung gelesen habe:
Die Überreste eines mittelalterlichen Gartenzauns haben Archäologen in der Innenstadt von Paderborn entdeckt.
Schlick und Modder eines früheren Teichs habe das fragile Holzgebilde 600 Jahre lang bis auf den heutigen Tag erhalten, teilte ein Sprecher des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe in Münster mit. Ein Paderborner Handwerker des Spätmittelalters hatte den Gartenzaun aus bis zu 50 Zentimeter langen Holzpfosten gebaut, die mit dicht geflochtenen Weidenruten fest verbunden waren.
Zack da war alles wieder da. Paderborn und die Zäune. Mein Sprung über, dieselbigen, das reissen der Hose und die Bilder von all den vielen Zäunen. Bis zu diesem Artikel hatte ich auch noch Freunde in Paderborn, die mir lachend mitteilten, das der Zaun im Paderborner Kötterhagen gefunden wurde. Der Zaun der meiner Hose zum Verhängnis wurde, stand zwar nicht am Kötterhagen, dafür war die Dame deren Gatte so unplanmäßig auftauchte am Kötterhagen in Lohn und Brot. Was die Geschichte rund macht.
Schade es war schön Freunde in Paderborn zu haben. Aber wenigstens weiß ich jetzt warum die Paderborner so unschuldig sind. Wer seit 600 Jahren Gartenzäune baut, wird unschuldig. Soviel zerrissene Hosen kann sich niemand leisten. Der Zaun bildet eine Kultur. Nicht als physikalische Begrenzung sondern als metaphysische Grenze. Der Zaun erzeugt Unschuld.
Plötzlich verstehe ich die Welt. Das Grenzregime der DDR, die Chinesen und ihre Mauer, die Israelis die jetzt fleißig am mauern sind und unseren Innenminister Schäuble, der uns in seiner Dauerüberwachung einmauern will. Der Zaun als Garant für Unschuld. Es ist die Suche nach der endgültigen Unschuld, die uns ein- oder ausgrenzen lässt. Der Zaun ist ja nicht das trennende sondern eher das verbindende Element. Die gemeinsame Unschuldsgrenze.
Ich weiß nicht ob es da ein Grenzflimmern gibt. Hin- und herschwabbernde Unschuld. Aber es gibt sie die Kultur der Unschuld mit dem Zaun als Grundlage. Die Welt wird plötzlich begreifbar.
Nun aber genug gealbert. Sechshundert lange Jahre zäunen wir uns schon ein. Begrenzen uns. Nicht nur die Paderborner. Wir alle. Ist das nicht erschreckend? Zäune wirken doch nicht gegen andere. Gut gegen meine Hose haben sie gewirkt, aber nicht gegen mich. Ich verstehe Zäune um Schafe, Hunde, Rinder, Pferde. Um die Viecher selbst und andere vor ihnen zu schützen.
Aber ansonsten ist ein Zaun doch eher eine Fiktion als eine Realität. Das mit der Mauer rund um Berlin hat doch genauso wenig geklappt, wie mit der in China und die in Israel wird ebenfalls versagen. Mit einem Zaun kann man etwas einsperren, aber nichts aussperren.




















Schöne Frauen gibt´s da aber in der Tat... also zumindest eine hab ich länger und intensiv kennengelernt ;)
Ist zwar nicht ganz so schlimm wie meine direkte Nachbarschaft, dort wo die Eingeborenen heidnische Symbole an ihre Wagen schreiben "GT".
Ja ich weiß, Bertelsmann ist nicht weit. Aber das ist strategisch günstig... suche die Nähe des Feindes. ;-)
Schließlich bleibt nur eines zu sagen. Das beste Bier ist und bleibt Potts Land!
Solange dadrüber gelacht werden kann ist alles in Ordnung.