Nur jut das die Kaffeemaschine noch nicht durch war. Ich hätte glatt die Wand neu tapezieren müssen, als ich diesen Artikel von Franz Walter in der Zeit las. Natürlich ist Karnevalszeit, aber ob das die Leute in Hamburg wissen? Alleine der Titel und die ersten Zeilen haben die Qualität einer Büttenrede:
Kann Westerwelle den Scheel?
Walter Scheel führte die FDP einst zu neuen koalitionspolitischen Ufern. Hat auch der heutige Parteichef das Zeug dazu?
Man spürt es: Die deutsche Politik steht vor einem Gezeitenwechsel. Ampel, Jamaika, Rot-Rot-Grün – das alles sind unbekannte, schwierige, hochfragile Allianzen. Aber in einem sich auffächernden Parteiensystem wird man sich daran gewöhnen müssen, wenn man nicht für alle Zeiten Große Koalitionen will. Doch um solche Bündnisse zu basteln und dann machtpolitisch zusammenzuhalten, braucht man Mut, ja ein Stück Verwegenheit, Nerven wie Drahtseile, einen kalten Blick für Möglichkeiten und Chancen. Es ist keineswegs sicher, ob eine Politikerin oder ein Politiker 2008/2009 den Weitblick und die Courage für solche kühnen Rochaden und neue Formationen aufbringt.
Ich gebe es zu, ich habe erst einmal die Lautsprecher angemacht. Nicht das die da im Hintergrund einen Hallermarsch oder sowas spielen und mich nur verarschen wollen. Kein Sound. Nur Rauschen im Blätterwald. Hmm. Der Artikel kam schon gestern Abend. 17 Uhr 49 zu spät für den Mittagsalkohol und zu früh für den Abendsuff oder die Drogen. Der meint das ernst? Aeh. Der meint das wirklich ernst? Ich fass es nicht.
Ein deutscher Politiker im Jahre 2008 mit Mut, gar mit Verwegenheit. Wo will er den oder die denn hernehmen. Die müsste er sich erst einmal backen solche Leute. Weitblick und Courage will er auch noch. Der muss besoffen sein. Vielleicht meint er ausländische Politiker. Aber nein. Er spricht über Deutschland. Über unsere gekauften Singvögel. Bevor die eine eigene Idee haben, können die fliegen und legen Straußeneier. Deren Mut reicht gerade um ihre Wähler frech anzulügen und dann sofort die Taschen beim nächsten Lobbyisten aufzumachen.
Ich hab ja immer noch den Verdacht der Walter will uns veralbern. Ob der Guido den Scheel kann. Ich meine ich hab den Guido noch nie "Hoch auf dem gelben Wagen" singen gehört. Liegt wahrscheinlich daran, das ihn der Schwager gar nicht mit auf den Bock nehmen würde. Wer nimmt schon Guido mit, der noch bei Verstand ist. Dem winkt man ernst und freundlich zu und fährt weiter.
Nein ich werde nichts dazu sagen, was der Westerwelle kann. Ich will doch keine Beleidigungsklage. Obwohl das eigentlich ja mal ein Thema für eine Blogparade wäre. "Was kann Guido Westerwelle?". Könnte lustig werden. Wäre vermutlich die Blockparade mit den kürzesten Texten. Nach der Fragestellung in der Überschrift käme dann noch ein Wort und ein Ausrufezeichen, also ingsgesamt sieben Zeichen. Ja stimmt. "Nichts" hat sechs und das Ausrufezeichen wäre das siebente. Gut man könnte noch zwei Leerzeilen für die FDP an sich, anfügen.
Aber genug gelästert. Was mag die Zeit nur von Guido erwarten. Das er mit der SPD koaliert. Würde er ja. Aber in den meisten Bundesländern sind 38 Prozent einfach nicht ausreichend, um an die Macht zu kommen. Er würde ja tatsächlich mit allem koalieren, nur um an die Macht zu kommen. An seinem Willen liegt es nicht. Schon deshalb kann er den Scheel nicht, weil die anderen ihn nicht wollen und seine FDP auch nicht.
Mit dem Kaffee gab es dann doch noch ein Unglück und wieder ist die Zeit und der Franz Walter schuld:
Aber ob ausgerechnet Westerwelle in solchen Dimensionen zu denken, vor allem: zu handeln versteht? In den letzten Jahren war er – um noch einmal den historischen Vergleich zu bemühen - mehr der Erich Mende, der sich Ende der 1960er Jahre verbissen und zunehmend dogmatisch allein auf das Bündnis mit der Union fixierte. Als klar wurde, dass mit ihm ein Wandel im Liberalismus und in der Republik nicht zu machen war, wechselten die Freidemokraten ihre Parteispitze aus. Mende musste gehen, Scheel kam – und mit ihm eben die neue Koalitionsvariante.
Uns Guido als der schöne Erich. So wurde Mende nämlich damals überall genannt. Schön war der wirklich. Ein Bild von einem Mann. Heute würden böse Zungen sagen, das er dumm wie ein Stuhl war. Das wäre allerdings eine Beleidigung für jeden Stuhl. Ich hab die Bilder noch im Kopf wie der schöne Erich im Bundestag zum Rednerpult schritt. Ne was war der schön. Als sie ihn dann erledigt hatten, so ähnlich wie Guido den Wolfgang Gerhardt, der zwar nicht schön, aber schön fies und gemein war, sagte meine Mutter mit einem Seufzer: "Aber schön war er doch!" und mein Vater ergänzte trocken: "Ja, schön doof.". Dabei war mein Vater für die CDU und wusste genau, das mit Erichs Ende der Wechsel kam.
Der schöne Guido. Ne. Das geht nicht. Nicht mit dem Gesicht und dem spitzen Mündchen, das er immer macht wenn er sauer ist. Sieht immer aus wie ein Putenanus bei Durchfall. Das ist nicht schön. Die Anzüge sitzen. Sollten sie auch bei dem Preis. Vielleicht könnten sie da auch richtig sitzen. Aber Guido muss nicht schön sein. Er wird nämlich nicht gefeuert.
Die FDP muss den Guido behalten. Warum? Nun ganz einfach. Sie hat keinen Ersatz. Der Möllemann musste Fallschirmspringen und der Rest reicht nicht einmal für eine neue Folge der drei Hansel von der Geisterbahn. Da ist keiner der vorzeigbar wäre. Deshalb ist Guido außer Gefahr.
Wenn irgendjemand einen neuen Weg einschlägt, dann werden das die Grünen sein. Noch nicht 2009, da schämen sie sich noch. Aber danach, wenn die letzten Leute mit Moral im Ruhestand sind, dann werden die Grünen mit der CDU und der FDP koalieren. Das wird aber dem Guido und der FDP nichts nutzen. Die können sich dann in Richtung Grüne auflösen.
Auf jedenfall lese ich die Zeit jetzt morgens immer komplett vor dem Kaffee.























im ersten Zitat hängt wieder ein "strong".
Bei meinem Gewicht kann ich mir zu viel fetten Text nicht leisten;-)