Machen Handys überhaupt noch Sinn?
Natürlich klingt schon die Frage zunächst ziemlich blödsinnig. Siemens war nicht in der Lage die zu menschlich akzeptablen Bedingungen zu fertigen, Nokia scheint es auf Dauer auch nicht zu sein und Motorola will seine Handysparte auslagern. Wenn ich zu diesen drei Symptomen eine Krankheit erfinden müsste, die nicht Geldgier heißt, dann fällt mir sofort das "falsche" Produkt ein.
Kann ein Produkt das millionenfach verkauft wird den überhaupt "falsch"sein? Ich meine ja. Wobei falsch, natürlich nicht das richtige Wort ist. Das Handy ist im Moment ein Modeprodukt. Design schlägt Funktion. Aber anders als die Kaffeemaschine und der Toaster von Porsche ist mit dem Modelabel auf dem Namensschild keine Funkionsverbesserung verbunden. Selbst das Design ist nicht unbedingt ein Gewinn.
Dabei haben die Handyentwickler doch eigentlich alles richtig gemacht. Vom rollbaren und kurzfristig tragbaren Telefonkoffer, der nur an guten Standorten Verbindung bekam, bis zum heutigen Winzling, mit dem man zwar auch noch telefonieren kann, der aber Musikplayer, Videoplayer, Adressbuch, Mailclient, Foto und Videokamera und eben auch Statussymbol ist.
Tatsächlich besitzt jeder heute so ein Ding. Nun gut nicht jeder. Linus Thorwaldsen hat keins. Ich kenne auch noch ein paar andere die keins haben. Aber die Mehrheit ist bestens versorgt. Nicht wenige haben sogar mehrere oder doch zumindest mehrere Rufnummern um zwischen Aufgabengebieten trennen zu können. Die Dinger müssen auch ersetzt werden. Weniger weil die Elektronik anfällig wäre, sondern eher weil sie aufgrund ihrer Große, Leichtigkeit der Fertigung den rauhen Umweltbedingungen nicht immer gewachsen sind.
Hätte ich gegen meinen erstes "Handy" getreten, hätte ich mir an dem Batteriekoffer den Fuß gebrochen. Als mir mein letztes runterfiel, landete es so dumm auf der Kante das es in etliche Teile zerbrach und Schrott war. Theoretisch müsste es also ständig einen Ersatzbedarf geben, dazu einen Erneuerungsbedarf aufgrund besserer Techniken. Die Kameras werden besser, die Speichermöglichkeiten steigen und auch der Sound verbessert sich.
Trotzdem ist das Ganze scheinbar langfristig kein gutes Geschäft. Sicher momentan kann sich noch nicht einmal Nokia die Zahlen so schlecht lügen, das sie eine Begründung für Werksschließungen und Werksverlegungen hergeben, aber wenn alle Handyhersteller zeigen, das sie an ihren Markt nicht glauben, dann muss da etwas falsch laufen. Natürlich ist der ständige Preisverfall ein Thema. Es ist sicherlich auch nicht gut, wenn ein Handy als Dreingabe zu einem Telefonvertrag praktisch verramscht wird.
Dieses Bundling liegt zwar nahe, weil derjenige der einen Telefonvertrag abschließt natürlich auch telefonieren können muss, um Umsatz zu bringen. Wenn wir uns allerdings die Festnetztelefonie betrachten, dann will da schon lange keiner mehr ein Telefon. Selbst als Geschenk nicht. Trotzdem gibt es einen zwar umkämpften, aber gut laufenden Markt für Festnetztelefone. Dabei können die Dinger noch nicht einmal fotografien und sind auch als mp3-Player relativ ungeeignet.
Zwar werfen die Anbieter im DSL-Bereich mit FritzBoxen und ähnlichem um sich, aber eigentlich mehr um die Anschlüsse sicher zu kriegen, als das dies wirklich ein Argument für die Anbieterwahl wäre. Der Kunde weiß ziemlich genau, was diese Gaben real kosten und kann dementsprechend seine Schlüsse ziehen. Das gilt auch für den Mobilfunkbereich.
Die Vorauswahl an Endgeräten, die, die Mobilfunkanbieter treffen, hat ja mehr etwas mit wirtschaftlichen Gründen, wie dem realen Kaufpreis, als mit dem Wert des Telefons zu tun. Die im Bundling angebotenen Telefone werden seltsamerweise, kaum zu den Preisen des freien Marktes gekauft oder da gar nicht erst angeboten. Es entsteht also ein überhöhter fiktiver Preis und eine Margenaufteilung zwischen Hersteller und Mobilfunkanbieter. Real betrachtet wird der Markt ausgeschaltet.
Ich persönlich war nie ein Freund von Beigaben. Nicht selten sind diese Beigaben bei Geschäften der pure Hohn. Die Beigabe ist an sich wertlos oder wird mit einem viel zu hohen fiktivem Wert bemessen. Meist soll ich mit diesen Beigaben getäuscht werden. Ist der Vertrag mit der Beigabe des Mobiltelefons schon zweifelhaft, dann wird es der Aufbau dieses Telefons noch einmal.
Die Dinger sind für vieles ein wenig, aber für kaum eine Sache richtig geeignet. Es sind eben keine Organizer, keine guten mp3-Player, keine guten Kameras, sondern von allem immer nur ein wenig. Die eierlegende Wollmichsau, bei der die Wolle kratzt, das Fleisch zäh verschrumpelt, die Eier nur aus Schale bestehen und die Milch mehr Wasser ist.
Das scheint aber niemanden zu interessieren. Dat jibbet ja fast umsonst dabei. 0,00 Euro. Will ich mir ein DECT-Telefon, also ein Funktelefon für zu Hause kaufen, liege ich bei 60 Euro, für eine einfache Kamera noch einmal das gleiche. Dazu einen simplen mp3-Player der mit 30 Euro zu Buche schlägt. Also bin ich vielleicht bei 150 Euro und weil die Komponenten stromsparend sein sollen, bei 200 Euro Verkaufspreis. Mit sehr ordentlichen Gewinnen.
Rechne ich mir das gleiche als High-End-Lösung dann komme ich auf ca. 600 Euro. Aber selbst wenn ich mit meinem Preisen zu tief liege, wäre es sinnvoll die Produkte auf die Bedürfnisse der Benutzer besser anzupassen. Der eine will ein Mobilelefon das Musik macht und meinetwegen auch Videos abspielt. Der andere eine Kamera mit der er telefonieren kann, der dritte will nur telefonieren.
Die Geräte scheinen irgendwie alle am Markt vorbei entwickelt. Das Handy mit den großen Tasten für ältere Menschen, kostet ein Vermögen. Wer wirklich mit Mails und Internet arbeitet, ist schnell am verzweifeln. Wer fotografieren oder filmen kann, braucht etwas besseres. Die Endgeräte haben eigentlich nur eine Berechtigung. Sie ersparen uns mehrere Geräte mit uns herum zu schleppen.
Das ist aber irgendwie ein schwacher Trost. Vielleicht ist es aber auch ganz anders. Vielleicht sind wir nur mit dieser Art Handys am Ende. Vielleicht brauchen wir ein ganz neues Konzept. Mich persönlich stören zur Zeit zwei Dinge ganz wesentlich, die zunächst einmal nur bedingt etwas mit dem Handy zu tun haben.
Ich rüste meine Hardware immer weiter auf, ohne davon noch einen wirklichen Nutzen zu haben. Wenn mein USB-Stick und die Grafikkarte meines Laptops leistungsfähiger sind als früher ein ganzes Rechenzentrum, dann zeugt das zwar von technischem Fortschritt, aber wenn ich mir überlege welche Datenvolumina ich mittlerweile bewegen und mit mir rumschleppen muss, dann frage ich mich ob das so weitergehen kann und so weitergehen muss.
Ich habe mittlerweile mit den Datensicherung, für mich, die beste aller Lebensabschnittssgefährtinnen und die Kids den Bereich von 2 Terabyte überschritten. Natürlich könnte ich ein paar alte Projekte wegwerfen. Aber genau dann kommt noch jemand, der genau da was braucht. Warum auch wegwerfen?
Mit neuen Suchmethoden habe ich den alten Daten gerade einen fast 17 Jahre alten Entwurf für ein Buchhaltungssystem gefunden, das es mir erlaubt Zahlungeingänge und Zahlungsausgänge zu ihren formalen Terminen zu buchen und dann ohne großen Mehraufwand mit den realen Terminen und Beträgen zu verbinden, so das ich ein Cash-Flow-System realisieren kann, das sowohl aus realem Zahlungsverhalten und Lieferverhalten lernen, als auch direkt mit der Buchhaltung verbunden sein kann und die dortigen Regeln nicht verletzt. Damals war das aus Gründen der Hardwaretechnik kaum zu realisieren.
Wenn es also Sinn macht, altes aufzubewahren, was sicher nicht immer der Fall ist, oder wenn einfach nur nicht entschieden werden kann, was übrig ist, dann werden wir aufgrund unserer Datenbestände immer immobiler. Zu den Datenbeständen zählen für mich auch die virtualisierten Systeme. Bei mir vorwiegend Vmware basierend, aber auch Systeme die aus mehreren Partitionen bestehen und die Verwendung älterer Systemumwelten ermölglichen. Unnötig zu sagen, das auch nicht IT-gebundene Projekte immer mehr an Speicher benötigen. Hinzu kommt das alle Projekte sich über immer größere Zeiträume hinweg ziehen, weil Entscheidungsfindung und Finanzierung heute in einer sehr verteilten Welt organisiert ist.
Ich gehe also davon aus, das wir alle auch bei ständig wachsenden Speicherkapzitäten nicht mehr in der Lage sind, unsere Daten mobil mitzuführen. Wir müssen also fast immer auf externe Daten zugreifen. Bei Mails machen wir das schon lange, ohne das es uns wirklich stört. Der Google-Desktop und andere derartige Angebote sind weit verbreitet. Wir haben also die Architektur um Daten und Programme ins Netz zu verlagern.
Bevor mir jemand mit dem Argument der Datensicherheit kommt, Datensicherheit ist relativ. Wenn ich als einigermaßen erfahrener Anwender unter einem dafür gedachten Betriebssystem, auf die Daten meines heimischen Rechners von unterwegs zugreife, dann ist das noch relativ sicher. Dem durchschnittlichen Windowsanwender würde ich da eher abraten. Sichere Systeme gibt es allerdings nicht. Es gibt nur mehr oder weniger sichere System. Eine Umgebung im Netz auf einem fremden oder eigenen Server lässt sich eben nur genauso gut schützen, wie die Daten auf dem Heimsystem oder innerhalb der Firma.
Auch wenn Sicherheit nur eine Fiktion ist, heißt das nicht, das man sie vernachlässigen kann. Allerdings sind z.B. die meisten meiner Daten nicht sicherheitsrelevant, oder bereits an anderer Stelle im Netz verfügbar. Wer jemals seine eigenen Daten nach einem bestimmten Foto, irgendeinem einzelnen Text durchsucht hat, der weiß wie schwer es ist, so etwas in größeren Datenmengen wiederzufinden. Unsere Geheimnisse schützen sich also vielfach selbst, weil sie auch für uns, die wir unsere Daten kennen in der Masse untergehen.
Wenn wir also Sicherheit als ein sich ständig neu stellende Frage betrachten, gibt es keinen Grund, die Daten und Programme nicht komplett ins Netz zu verlagern. Dann gibt es auch keinen Grund, die eigentliche Verarbeitung der Daten auf meinem Rechner vorzunehmen. Wenn die Daten schon im Netz sind, kann ich mir genau in diesem Netz auch den Rechner suchen, oder besser automatisiert finden lassen, der für die anstehende Arbeit am besten geeignet ist.
Ich lasse also rechnen und speichern. Dann bleibt für meinen Rechner nur die Darstellung der Ergebnisse und die Eingabe der Befehle. Ich brauche also eine Grafikkarte mit Sound, Maus- und Tastatursteuerung und einen Wlan Anschluss. Meinetwegen auch noch einen USB-Port für die ganzen geheimen Daten, Anschluss eines Blutzuckermessgerätes oder ähnlichem. Damit ist im Prinzip ein ThinClient beschrieben.
Die Größe dieses Kastens wird eigentlich mehr durch seine Anschlüsse bestimmt als durch das was drin ist. Das Videosignal müsste nicht unbedingt über Kabel geführt werden, auch da sind Funklösungen vorhanden. Bei Maus und Tastaur ist das schon lange der übliche Weg. Wenn wir beim Sound an Bluetooth oder ähnliches denken dann haben wir im Home-Bereich nur noch das Netzkabel, oder die Aufladestation für den Akku.
Gehen wir dann aber nur einen Schritt weiter und erklären Voice over IP zur Standardtelefontechnik, dann haben wir auch ein Telefon, durch den Akku auch ein Handy. Bauen wir eine Webcam für die Videokonferenz ein und ein Display zur Kontrolle, sind wir schnell bei der Foto- und Videokamera. Ein mp3-Player ist das Ding ja schon von Hause aus.
Wenn wir unser fiktives Gerät dann betrachten, haben wir ein Handy das ein Computer ist. Natürlich ist es irgendwie unpraktisch immer den 24 Zoll Monitior mit Maus und Tastaur auf dem Rücken geschnallt zu tragen. Bei der Tastatur ist es einfach wir haben die Laser Tastatur unter Bluetooth die auch als Touchscreen oder Touchpad taugt. Fehlt uns eigentlich nur noch ein aufrollbarer Monitor. Das der Folienmonitor sehr bald in Stückzahlen verfügbar sein wird, ist ein offenes Geheimnis.
Wir haben also mehr oder weniger alle Komponenten um aus unserem ThinClient das mobile Büro zu machen. Stellen wir unterwegs noch ein paar Drucker und Scanner auf, dann sind wir plötzlich wieder frei und haben aber alles was wir brauchen.
Damit ist der erste Teil dieses Beitrags erledigt. Morgen wird ein weiterer folgen der sich mit den Kosten und neuen Möglichkeiten beschäftigt, ich bitte also Bemerkungen zu den Kosten erst einmal zurück zu stellen.
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Kommentare
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#1
Frank
am
02/01/08 um 09:31
[Antwort]
Franz Beckenbauer, macht zwar eifrig Werbung dafür, hat aber angeblich auch kein Handy.






















