10. Live dabei
Alle Menschen sind Ausländer, fast überall.
Alle Rassisten sind Arschlöcher, überall.
Autor unbekannt
21. Februar 2006 19 Uhr
„Ein Neger im Schnee ...“, begann Tschikowski zu deklamieren, verstummte aber nach einem Tritt gegen seinen empfindlichen Fußknöchel.
Huber schlug verbal nach: „Kusch! Afro-Amerikaner sagt man!“
„Au“, antwortete Tschikowski und rieb sich den Knöchel.
FBI-Agent Homer Milhouse Nixon beobachtete das seltsame Tun der Kommissare und überlegte im Stillen, ob Wiener Polizisten wohl immer so unauffällig agieren. Als die beiden endlich auf ihn zustrebten, erhob sich der kaffeebraune Zweimeter-Riese und ging ihnen durch die Lobby des Hotels Triest höflich entgegen.
„Also hier haben die Kollegen von der Sucht den Fendrich beim Koksdeal geschnappt.“ Der kleinwüchsige Tschikowski schaute neugierig um sich und Huber dachte einmal mehr, statt zur Mord zu gehen, hätte der Komiker mit Rassismustouch vielleicht Politiker werden sollen.
Huber ergriff die ausgestreckte Hand und drückte sie. „Franz Huber, willkommen in Wien.“
„Agent Homer Milhouse Nixon.“ Sein Deutsch war perfekt. Als er Tschikowski begrüßte, wischte der danach seine Hand am Mantel ab.
Huber hätte ihn am Liebsten in den Hintern getreten, überspielte das jedoch und lächelte den Agenten extrem freundlich an. „Ihre Erfolgsquote ist in der ganzen Welt berüchtigt, Mister Nixon.“ Er stutzte. „Nixon ... gibt es da einen Zusammenhang?“
Homer prallte zurück, suchte einen Moment nach Worten, dann sagte er: „Meine Familie lebt seit vielen hundert Jahren in Boston, Massachusetts. Weder äußerlich noch in meinem Herzen gibt es die geringste Verwandtschaft zu dem Herren.“
Tschikowski raunzte leise aber hörbar: „Sklavenpack.“
Huber reichte es nun endgültig, er holte mit dem Bein aus, trat hinter sich und erwischte die Kniescheibe seines Assistenten. Die Breitseite ließ Tschikowski wegknicken.
Daraufhin grinste Homer den wütenden Huber begeistert an. „Ich freue mich auf die Zusammenarbeit.“
„Ich auch, Homer. Meine Freunde nennen mich Hubsi.“
„Hi, Hubsi.“ Nixon klopfte ihm auf die Schulter, Huber straffte sich, um nicht niederzubrechen unter der Zärtlichkeit Homers.
Gemeinsam verließen sie das Hotel auf der Wiedner Hauptstraße gegenüber der technischen Universität. Sie marschierten Richtung Karlsplatz. Besser gesagt, Homer spazierte gemütlich auf den langen Beinen neben Huber, der atemlos Schritt zu halten versuchte, während Tschikowski schon weit abgefallen war, obwohl er rannte,
„Ich bin nicht das erste Mal in Wien. An der Technik studierte ich vor fünfzehn Jahren. Ich mag diese Stadt. Bis auf den Rassenhass und die Feindlichkeit Schwarzen gegenüber“, erzählte Homer.
Tschikowski, der aufholen konnte, weil die beiden anderen die Karlskirche betrachteten, nickte wie ein Wackeldackel zur Bestätigung.
„Dann kennen Sie bestimmt das Kaffee Hawelka“, sagte Huber, „Dort treffen wir uns jetzt mit den anderen, die an dem Fall arbeiten.“
„Warum nicht in Ihrem Büro?“
„Das möchten wir Ihnen gerne ersparen.“ Huber hielt das heruntergekommen Gebäude in der Leopoldgasse einfach nicht aus. Außerdem war offiziell Feierabend um neunzehn Uhr. Bis auf den Journaldienst, der meist döste, war das Dezernat verlassen. Homer war mit der Nachmittagsmaschine gelandet, sonst hätte man ihn doch auf die Mord einladen müssen. Der Chef war ganz gierig, dem berühmten Agenten die Hand zu schütteln.
Sie schritten durch die Unterführung am Karlsplatz und fuhren mit der Rolltreppe zur Kärntnerstrasse hinauf.
„Ja, die Staatsoper“, schwärmte Homer, „damals konnte ich nur Stehplätze bezahlen.“
„Wer geht schon in die Oper“, murmelte Tschikowski laut genug, um sich einen vernichtenden Blick Hubers einzufangen. Er duckte sich.
Sie kurvten an der Albertina vorbei. „Und hier wurde der Renoir untersucht“, informierte Huber.
„Zwei Experten schworen also, das Bild sei echt. Der Fälscher muss ein Genie sein“, sagte Homer.
Nachdem er das Tempo bestimmt hatte, bogen sie schon in die Dorotheergasse ein und standen vor dem Café.
Huber linste durch die vergilbten Voile-Vorhänge und entdeckte, dass Helga einer der Fensternischen okkupiert hatte. Er war stolz auf seine alte Freundin, denn diese Art Logen verfügten über zwei der rot-beige gestreiften Sofas, auf den man zu zweit bequem sitzen konnte; es würde ein gemütliches Gespräch werden.
Nachdem er Homer und Helga miteinander bekannt gemacht hatte, fragte sie: „Was macht denn der Tschik da, wenn erwachsene Leut was reden wollen?“
„Hoffentlich das Maul halten“, konterte Huber und überließ dem Agenten den Fensterplatz.
„Der Drago wird auch kommen, Hubsi“, sagte Helga.
„Na, wenn wir den Tschikowski aushalten ...“ Huber grinste und Helga warf mit einem Stück Würfelzucker nach ihm.
„Wo ist die Tati?“, fragte er. Kaum hatte er das ausgesprochen, erschien sie schon zwischen den dicken, roten Filzvorhängen, die die Gäste im Winter vor dem eisigen Zug schützte, der mit jedem neuen Gast hereinwehte. Tatijana winkte ihnen zu und trippelte auf wahnwitzig hohen High-Heels durch das Lokal zur Theke, sagte irgendetwas zum jungen Hawelka. Dann hängte sie den bodenlangen, schwarzen Plüschmantel über einen Garderobenhaken und kam mit leuchtendem Lächeln auf den Tisch zu. „Schönen guten Abend, Homer! Ist das wundervoll, dich wieder mal zu sehen.“ Sie lehnte sich über Huber hinweg und küsste den Agenten direkt auf den Mund.
Also hatte sie auch mit Mister Nixon ... dachten Helga und Huber unisono. Sie verständigten sich okular darüber.
„Das sollten wir heute noch feiern, Darling.“ Homer zwinkerte ihr zu.
Tatijana tippte Tschikowski, der mit Helga das Sofa teilte, auf die Schulter. Er blickte genervt auf. Sie machte eine Kopfbewegung, die bedeutete: Verschwinde.
Schnaubend, denn er wusste, er hatte keine Chance, stand der junge Kommissar auf und holte einen Stuhl, setzte sich an die Schmalseite des Tisches. Tatijana streichelte Helgas Wange und drückte sich an sie.
Der junge Hawelka kam mit einem Tablett an den Tisch. Tatijana hatte vorhin also eine Runde doppelten Wodka geordert, kombinierte Helga und verdrehte die Augen.
Als sie anstießen, kam Drago mit der Geige hereingeweht, es blies mit Windstärke acht durch die Straßen Wiens. Seine Nase war rot und begann in der Wärme zu tropfen.
Tatijana rutschte näher an Helga heran, Drago klemmte sich neben sie. Seine Eishand machte die Begrüßungsrunde. Helga verstand nicht, warum er Sommer und Winter mit Sakko durch die Gegend lief. Er erklärte ihr immer wieder, er sei das so gewöhnt als Sohn eines Fischers von der Istrischen Insel Krk. Er wollte ums Verrecken nicht wahrhaben, dass er nun in einem Land lebte, in dem es sieben bis acht Monate eisigkalt und windig war, den Rest des Jahres schwüles Tropenklima herrschte. Langsam taute er auf, nachdem er zwei Wodka und ein Paar Frankfurter Würstel mit scharfem Senf zu sich genommen hatte.
Währendessen wurde Homer auf den letzten Stand der Ermittlungen gebracht.
Als die nächste Runde Wodka kam, die diesmal Homer geordert hatte, schrillte draußen eine Alarmsirene los. Tschikowski war der erste, der sich aus der allgemeinen Erstarrung löste und aufsprang. Sein Stuhl polterte zu Boden und Hubers Sorgenkind sauste undiszipliniert wie gewohnt auf die Gasse hinaus. Jetzt, am frühen Abend, war die Stadt belebt, die Gegend um den Stephansdom und Graben voller Touristen, die der Kälte trotzten und verbissen die Stadtrundgänge aus den Reiseführern absolvierten. Tschikowski rannte gleich drei Italiener um, als er der Quelle des Alarms entgegenhetzte. Schon wurde er von Helga und Homer überholt.
„Das kommt vom Dorotheum“, keuchte Huber hinterher.
Tatijana fluchte, weil sie in den Stöckelschuhen nicht Schritt halten konnte.
Plötzlich knallten Schüsse, ein Schrei verhallte und wie ein Mann schmissen sich alle flach auf den Boden.
In der darauffolgenden Stille war das Geräusch von Schuhen zu hören, die sich im Laufschritt entfernten. Danach heulten Motoren auf und mehrere Autos preschten durch die Stallburggasse in Richtung Hofburg.
Vor dem Dorotheum flatterte der aufgeregte Portier mit den Armen, vor ihm lagen eine Frau, zwei Kinder und ein Polizist reglos auf dem Asphalt. Helga wählte die Nummer des Notrufs, während Homer und Tatijana den Angeschossenen beistanden.
Das Rote Kreuz war überraschend schnell zur Stelle. Die Sanitäter verfrachteten die Verletzten in den Bus.
Der Portier heulte. Drago versuchte ihn zu beruhigen und klopfte zart auf seinen Rücken.
Die anderen schauten abwartend zum Rettungswagen, da erloschen die Signalleuchten. Die Türen öffneten sich und die resignierten Helfer stiegen aus.
Der Notarzt teilte Huber mit, dass er nun die Bestattung verständigen würde.
Mittlerweile war die Polizei eingetroffen und sperrte den Tatort ab.
Die Schaulustigen verkrümelten sich notgedrungen.
„Scheiße“, knurrte Huber. „Der Schygula, eine Frau und zwei Kinder. Diese verdammten Schweine. Wir sind doch hier nicht in Amerika. – Entschuldige Homer.“
„Ist Okay. Darin sind wir wirklich eine führende Kulturnation. Aber gegen unsere Waffenlobby ist nichts zu machen!“, winkte der FBI Agent Homer Nixon großzügig ab, „Bei euch ist die Chance wenigsten größer, dass die Waffe wirklich registriert ist.“
„Ach? Der Schygula war das?“ Helgas Augen zogen sich zusammen.
In dem Moment parkte ein silbergrauer Bentley Arnage Drophead vor dem Eingang des Dorotheums.
„Der Reichsgraf!“, rief das Ermittlerteams im Chor.
„Auch nicht mehr!“, schaltete sich Johann ein, der offenbar Homers letzten Satz gehört hatte. „Die Auflösung des Ostblocks und der russischen Armee hat Unmengen an nichtregistrierten Waffen auf den Markt gespült. Dazu kommen nach dem Schengen-Abkommen noch Italien und die Schweiz, die immer gerne vergessen wird.“ Er entstieg dem Wagen. Mächtig und eindrucksvoll blickte er sich um, selbst Homer wirkte zierlich gegen die Präsenz des Reichgrafen, der die Augenbrauen amüsiert hochzog, als er Tschikowski entdeckte, der aus dem Gebäude auf die Straße zurückgekommen war.
„Was steht ihr hier rum wie auf einer Beerdigung, der Tatort ist drinnen“, quengelte er und wand sich unter Johanns Blicken. Tatijana lächelte ihn bezaubernd an und trat ihm gleichzeitig voll unter die rechte Kniescheibe: „Weil es eine ist oder bedauerlicherweise wird, du Clown!“
Er führte einen Veitstanz auf, lief rot an und wollte gleichzeitig wissen, was los sei.
„Falls es dein Flohgehirn noch nicht registriert hat, der Reichsgraf ist angekommen! Und sie hat dir vors Knie getreten, damit ich dir nicht aufs Maul hauen muss. Du kannst ja zurückschlagen, aber dazu bist du eh zu feige. Also schleich dich, du Ignorant“, knurrte ihn sein Chef an und warf Tatijana eine Kusshand zu. „Sehen wir uns den Tatort an.“
Als sie das Tor passierten, kam ihnen der zuständige Beamte der Sicherheitswache entgegen: „Hallo, Franz. Was für eine Scheiße. Ich hab schon gehört, Schygula hat es nicht geschafft. Die arme Frau und die Kinder. Die Typen hier waren Idioten. Rein mit Getöse, die Bilder und die Kasse geraubt, raus mit Getöse. Kugeln ohne Ende. Automatische und halbautomatische Waffen. Nur Mörser und Panzer hatten die nicht. Dazu Kampfanzüge und Skimasken. Zirka fünfzehn Mann. Wir haben von den Fluchtfahrzeugen drei halbe Nummernschilder. Fahndung läuft. Welch ein Wahnsinn.“
Huber legte ihm beruhigend die Hand auf die Schulter. „Ist schon gut. Wieso war Schygula überhaupt hier? Verkehrsüberwachung?“
„Nein. Wir haben übermorgen hier Staatsbesuch. Er wollte nur die Koordination und Neuausrichtung von ein paar dämlichen Kameras regeln. War nicht mal bewaffnet. Die Einsatzzentrale ist übrigens im Keller.“
Kopfschüttelnd eilte der Polizist davon, um ein paar Neugierige am Überklettern der Absperrung zu hindern. Huber hatte Tempo aufgenommen und alle folgten ihm eilig. nur Tschikowski war irgendwo verloren gegangen oder leckte sich seine Wunden, was aber niemand bedauerte.
Während sie durch einen Seiteneingang des Dorotheums über eine Treppe in den Keller hasteten, sagte Helga atemlos, weil das Massaker ihr nicht aus dem Kopf ging: „Hubsi, du weißt doch, unter anderem wegen dem Schygula habe ich den Polizeidienst quittiert. Der hat damals auf den Schwarzen im Stadtpark eingeschlagen wie ein Blöder, bis er den Verletzungen erlegen ist. Angeblich ein Dealer, dem nichts nachgewiesen werden konnte. Das Verfahren wurde eingestellt. Jetzt ist er selber tot, aber ich schwör’s, so ein Ende hab ich ihm nicht gewünscht.“
„Ja, alles kommt einem zurück“, war Hubers philosophische Antwort.
Sie eilten über einen endlosen Flur, vorbei an diversen Räumen, bis sie nach einer weiteren Treppe zu einem langen saalähnlichen Raum kamen, in dem sich anscheinend die gesamte Wiener Spurensicherung niedergelassen hatte.
Hier herrschte ein ständiges Kommen und Gehen. Aus einer Raumecke wedelte eine kleine, ältlich grauhaarige Dame mit irgendwelchen Papieren und übertönte den Lärm: „Franzl! Hier samma. Kommt’s rüber.“
Die Gruppe bewegte sich zügig auf die Dame zu, die sogleich von Huber umarmt wurde: „Hi Luzi, was hast du Feines?“
„Servus zusammen. Ganz großes Aufgebot von dir heute. Da schau her, Eure Gräflichkeit! Magst wieder einen Wichtigtuer im mobilen Häusel an einen Kran hängen?“
Tschikowski, der im Schlepptau der anderen herangetrottet war, warf Luzi einen Blick zu, der sie hätte töten können.
„Ach, Luzi, vergebene Liebesmüh bei dem.“ Johann mogelte sich an den Tisch mit den sichergestellten Gegenständen. „Hast du dir so kurz vor deiner Pensionierung nochmal ein ganzes Warenhaus an Beweisen eingehandelt?“
„Naja. Wenn ich gehe, dann wenigstens mit Schwung. Aber im Ernst. Das war kein Überfall, da hat einer Krieg gespielt ohne Rücksicht auf Verluste. Hülsen, Kugeln, ein Nazidolch, Teile von Kampfanzügen und ein ganz Irrer hat mit bloßen Händen das Glas mit den gezuckerten Erdnüssen am Empfang angefasst. Das einzig Verlässliche an den meisten Kriminellen ist eben doch, dass sie deppert sind. Übrigens es waren mindestens achtzehn verschiedene Waffen. Die müssen das für ein Schützenfest gehalten haben.“
„Eine Familie ist ausgelöscht worden.“ Huber schüttelte traurig den Kopf. So viele Jahre tat er schon Dienst auf der Mord und immer noch nicht kam er damit zurecht, wenn unschuldige Menschen sterben mussten,
„Und der Schygula, ich weiß. Friede seiner Asche. Du weißt, ich konnte ihn nie leiden, aber die Toten soll man ruh’n lassen. Wenn du einverstanden bist, räumen wir alles, was wir bisher haben, schon ins Labor. Wir machen hier weiter und fischen zugleich nach ersten Ergebnissen“, antwortete Luzi.
Huber sah sich um. „In Ordnung. Ich bin jederzeit über das Handy zu erreichen. Bitte gib mir auch halbgekochtes Zeug weiter. Ich schätze, dass mich unsere politischen Herren morgen früh, wenn nicht heute Nacht noch antreten lassen. Dann brauche ich irgendwas, um es ihnen an den Kopf schmeißen zu können.“
„Mündlich kriegst du alles. Schriftlich erst, wenn bis ins Kleinste klar ist, worum es geht. Die Liste mit den gestohlenen Bildern kommt auch erst später. Die Herrschaften sind sich hier noch nicht ganz einig. Aber egal, wir lassen sowieso jeden verhaften, der mit einem Bild unterm Arm erwischt wird.“
Die Gruppe um Huber betrachtete den restlichen Tatort und verzog sich anschließend ins Hotel Sacher, in dem der Reichsgraf bei seinen Wienaufenthalten regelmäßig abstieg. Damit war ohne Probleme die ganze Nacht für Service gesorgt.
Die beiden Damen legten sich auf Johanns Bett, oder besser unter die riesige Daunendecke. Müde“, schnauften sie und dösten ein. Die Herren unterhielten sich gedämpft bei Grammelschmalzbroten. Johann bestellte das selbstgemachte Schmalz hier jedes Mal telefonisch vor, wenn er Wien besuchte. Das Sacher servierte es auf knusprig frischem Brot, belegt mit feingeschnittenen Zwiebelringen, bestreut mit Schnittlauch und rotem Paprika. Er seufzte vor Wollust nach dem dritten Brot.
Kurz vor dem Morgengrauen kam der entscheidende Hinweis aus dem Labor. Ein Fingerabdruck von den Erdnüssen gehörte einem Mofadieb aus Brandenburg, die Abdrücke auf dem Ehrendolch stammten von einem Südtiroler, der immer noch für ein großdeutsches Reich eintrat. Mit einer der Waffen war bei einem Attentat, das in Nauen auf einen Dönerstand verübt wurde, ein Kind getötet worden.
Johann bestellte zwei Kannen Espresso, Marke Sachermischung und aktivierte sofort seine Beziehungen zur Berliner und Brandenburger Polizei, während Huber lostrabte, um seinen Polizeichef sowie den Innenminister zu informieren. Gleichzeitig bat Johann den Chef der Schweizer Versicherung telefonisch, Druck auf den Innenminister auszuüben, damit Huber Bewegungsfreiheit erhielt.
Tatijana und Helga rappelten sich aus dem Bett auf. Die Russin schüttete den schwarzen Kaffee wie Wasser in sich hinein.
Am späten Vormittag stand fest, dass eine informelle gemeinsame Ermittlungsgruppe aus der österreichischen, der deutschen Polizei sowie den Privatermittlern gebildet werden sollte. Agent Nixon wurde vom FBI die Weisung erteilt, bis auf Weiteres das europäische Team zu unterstützen, nachdem es sich bei Kunstraub um Schändung des Weltkulturerbes handelte.
Helga schaffte es gerade noch, ihrem Drago Johanns Autoschlüssel in die Hand zu drücken, bevor sie mit den anderen in einem Privatjet in Richtung Berlin verschwand.
Drago leistete sich zur Feier des Tages eine alte Lederkapuze und eine dazu passende Autobrille, bevor er das Dach des Bentleys herunterfahren ließ und sich langsam auf Landstraßen in Richtung Berlin in Bewegung setzte.
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