Der von mir schon sehnlichst erwartete Kommentar der Linken zu den Gemeinheiten des Herrn Sarrazin, ist mit Datum von Gestern im Internet zu finden:
Menschenwürde ist mehr als Bratwurst und Sauerkraut
Zu den »Speiseplänen« von Finanzsenator Thilo Sarrazin erklärt der Vorsitzende der Partei DIE LINKE. Berlin, Klaus Lederer:
Auch wenn Herr Sarrazin es sich nicht vorstellen kann: Ein menschenwürdiges Leben besteht aus mehr als Bratwurst und Sauerkraut. Und es beginnt damit, dass man von gut bezahlten Beamten nicht jeden Bissen vorgerechnet bekommt.
Herrn Sarrazin steht es frei, seinen privaten Speiseplan mit dem Taschenrechner aufzustellen. Mit der Lebenswirklichkeit hunderttausender Berlinerinnen und Berliner haben seine Rechenkunststücke jedoch nichts zu tun.
Zum wiederholten Male offenbart Herr Sarrazin mit seinen Äußerungen ein Maß an Borniertheit und Zynismus, das ihn für eine ernsthafte politische Debatte über die Angemessenheit der ALG-II-Regelsätze schlicht disqualifiziert. DIE LINKE in Berlin sieht sich angesichts solcher Beispiele in ihrer Forderung nach deren Anhebung nur bestätigt.
Wenn das eine angemessen Reaktion der Linken auf die bodenlosen Gemeinheiten des Herrn Sarrazin ist, dann haben die Linke und ich sehr unterschiedliche Ansichten über Angemessenheit. Herr Sarrazin benutzte einen üblen Trick aller Roßtäuscher, in dem er zwar einen Teil der Wahrheit erklärte, die generelle Lahmheit seines Gaules allerdings verschwieg. Natürlich kann ich Preise auf Sarrazins Rechnung herunterbrechen. Wenn ich den Preis für eine Tonne Kohle in Südafrika rechne, dann verstehe ich auch nicht weshalb Sarrazin Diäten braucht. Aber leider liegt die Kohle zu dem Preis eben nur in Südafrika und selbst Sarrazin hätte Mühe einen Frachter voller Kohle in seinem Keller unterzukriegen.
Das Sarrazin die Leute belügen, täuschen und betrügen will, ist sein gutes Recht. Schließlich ist er in der heutigen Sozialdemokratie. Da ist alles erlaubt was den Menschen schadet. Das sich sein Bürgermeister, der ja in der gleichen Partei ist, nicht traut etwas zu sagen, war auch klar. Der müsste ja erst den Champagner vom letzten Buffet und die Gänsestopfleber herunterschlucken. Den guten Geschmack für die Menschen in dieser Stadt zu opfern, käme ihm aber nie in den Sinn.
Die SPD handelt wie die SPD eben handeln muss. Neoliberal und menschenverachtend. Aber die Reaktion der Linken lässt Böses erahnen. Ein liebevolles DuDu, das sollst du aber nicht tun, und die Linke geht zur Tagesordnung über. Wenn das alles ist Herr Lederer, dann ist die Linke mittlerweile gut in der deutschen Politik angekommen. Viel schneller als die Grünen es seinerzeit schafften.
Wenn es der Linken lieber ist, mit dem menschenverachtenden Herrn Sarrazin in einer Koaltion zu sitzen, als ein Machtwort zu sprechen, dann macht es einfach keinen Sinn mehr für diese Linke zu kämpfen. Nach Sarrazins letztem Ausfall und seinen eigenen Verfehlungen der Vergangenheit, wäre es an der Zeit gewesen, den regierenden Bürgermeister Wowereit darauf hinzuweisen, das sich entweder sein Sarrazin entschuldigt, oder er mit Herrn Pflüger als Juniorpartner regieren darf.
Aber wahrscheinlich erwarte ich von der Linken viel zu viel Kopf und Arsch und sogar Rückgrat. Vermutlich sind auch die Linken alles schon gut angepasste Politiker. Nur warum soll ich dann Stimmung für sie machen oder sie gar wählen. So nicht liebe Leute. So ganz sicher nicht.




















Oder gerade eben deshalb so zahnlos?
Zur steilen Karriere des Herrn Sarrazin hier auch interessantes:
http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/0344e19a400dd3b09.php
Für mich liegt der Skandal in zwei Dingen: Erstens, dass er mit diesem hochgradig läppischen Vorgehen - als Senator! - jegliche ernsthafte Bedarfsrechnung wegwischt. Auf dieser dünnen Basis will ein Senator wesentliche Regierungsfragen klären?? Zweitens, dass er Personal seines Hauses dafür verwendet, damit dieses politische PR für ihn betreibt, was etwas ziemlich Gutsherrenhaftes hat.
Dazu kommt seine unterschwellige Botschaft an Notleidende und jene, die mit HartzIV nicht auskommen, und diese lautet, grob: "Was wollt ihr denn?". Und ausgerechnet eine eklige Scheibe Leberkäse und dazu noch eine Reihe anderer minderwertiger Lebensmittel (fetteste, billigste Brühwurst) nimmt er als Beleg dafür, dass man sich mit HartzIV problemlos "gesund" ernähren könne.
Dieser Senator äußert sich überheblich und teils wie ein Idiot. Und er ist ganz sicherlich ein Fachidiot, schließlich wird seine Fachkenntnis in Haushaltsfragen gerühmt. Wenn er sich bei Fragen, die seine Fachkenntnis übersteigen, künftig der mit prahlerische Geste vorgetragenen Äußerung enthalten würde, dann wäre a) ihm selbst und b) der Stadt Berlin gedient. Und darauf sollte er sich besinnen: Er ist zunächst ein Staatsdiner und eben niemand, der sich Kompetenzen anmaßen darf, um eine angebliche Problemlosigkeit zu behaupten, gegenüber von Menschen, die sich in einer allemal problematischen Lage befinden. Ich wiederhole es: Dieser Senator ist in meinen Augen ein typischer Fachidiot, allerdings verbunden mit einem untypischen Drang, seine "Kompetenz" bei nahezu allen aktuellen politischen Streitfragen für sich zu reklamieren.
Aber Sarrazin ist kein Idiot. Der Typ ist eher sehr schlau. Er wollte erreichen, das sich die Leute spalten. Die einen die gerne Sarrazins Milchmädchenrechnung mitmachen und ihm dabei helfen, eine Front gegen die Armen aufzubauen, damit er seinen neoliberalen Auftraggebern zu Diensten sein kann, und die anderen die eben ewig auf der Seite der Verlierer stehen.
Übrig bleiben wird Sarrazins Rechnung. Mit der wird die nächste und übernächste Diskussion über Hartz IV geführt. Genau das was er erreichen wollte. Das schlimmste aber ist, du kannst ihn nicht abwählen. Nicht in unserem System.
http://www.mark.linkeblogs.de/2008/02/08/kochen-mit-sarrazin-ein-selbstversuch/
(dort wird noch ein weiterer Selbstversuch verlinkt.)
via Citronengras ( http://citronengras.de/hunger/ )
Natürlich vereinsamen Hartz IV Empfänger, weil sie keine sozialen Kontakte mehr pflegen können. Vor allem auf dem Land. Das ist ja auch beabsichtigt. Man will sie durch Nichtversorgung im Krankheitsfall töten um Kosten zu sparen.
Selbstverständlich soll auch Unterernährung oder falsche Ernährung helfen, das Leben zu verkürzen, um die Bezugsdauer einzuschränken. Aber Fälle die Aufsehen erregen sind dabei eher nicht gewollt.
Die Armen müssen still verrecken, damit sie die Reichen nicht beim genießen stören. Deshalb sind die ja auch so wütend über die toten Kleinkinder. Denen ist schon klar, das die Kinder keine Chance im Leben haben, aber dann sollen sie doch bitte eines halbwegs natürlichen Todes sterben.