Der nervtötendste Sänger meiner an nervtötenden Sängern so reichen Jugendzeit, war jener Heintje Simon dessen Gejaule mir heute noch Gänsehaut beschert. Von ihm gab es das Lied von Mamatschieeeh, die ihm ein Pferdchen schenken sollte. Wahrscheinlich hatte der keine Ahnung wieviel Mist solch ein Pferdchen macht und wieviel Arbeit. Zum Schluss bekam er die Pferde vorm Totenwagen seiner Mutter und jammerte das er solche Pferdchen nicht gewollt habe.
So ähnlich geht es mir heute mit den Kossovaren. Natürlich wollte ich ihre Unabhängigkeit von Serbien. Schließlich wusste ich von Anfang an das es nur die harte Hand Titos war, die Jugoslawien gegen alle Widerstände zusammenhielt. Ganz einfach weil er gemein zu allen war, ohne Ansehen der Herkunft. Dann kam eine Zeit von Großserbischen Träumereien, die nach meinem Dafürhalten stets zum Scheitern verurteilt waren.
Nun ist der Kossovo oder das Kossova frei. Was man halt heutzutage so frei nennt.. Mein Parteibuch ist auf jeden Fall nicht glücklich.
Richtig übel ist es aber dann vermutlich, mit jemandem wie dem Chef des frisch ausgerufenen Staates, Kosovo, Hashim Thaçi, eingesperrt zu sein. In der Wikipedia ist unter der Zwischenüberschrift Organisierte Kriminalität über den “Staatsmann” zu lesen:
Seit seiner UÇK-Zeit genießt Hashim Thaçi einen notorisch schlechten Ruf. Immer wieder werden ihm Verbindungen zur organisierten Kriminalität im Kosovo nachgesagt. Der Balkankorrespondent der New York Times Chris Hedges beschuldigte ihn zusammen mit zwei weiteren Vertrauten, andere UÇK-Führer und politische Opponenten ermordet zu haben. Auch Bujar Bukoshi, Premier der zunächst pazifistisch orientierten albanischen Exilregierung Ibrahim Rugovas, erklärte, dass Thaçi um seiner Karriere willen „über Leichen gehen würde“.
In einem Bericht des Bundesnachrichtendienstes, den die Schweizer Weltwoche veröffentlichte, wird Thaçi als einer der drei Schlüsselfiguren bezeichnet, die im Kosovo als Verbindungsglied von organisierter Kriminalität im Kosovo und Politik funktionieren. Er kontrolliere einen bedeutenden Teil der kriminellen Aktivitäten im Kosovo und sei Auftraggeber eines Profikillers. Während seiner Zeit als UÇK-Führer habe Thaçi einen “Sicherheitsdienst” kontrolliert, “ein im gesamten Kosovo aktives kriminelles Netzwerk”. Außerdem soll er nach dem Krieg direkte Kontakte zur organisierten Kriminalität in Tschechien und Albanien unterhalten haben. Nach BND-Angaben war Thaçi zumindest im Oktober 2003 in umfangreiche Drogen- und Waffengeschäfte verwickelt.
Bei diesen Berichten handelt es sich um nachrichtendienstliche Erkenntnisse. Gerichtsverwertbare Erkenntnisse der UNO-Polizei wurden nicht bekannt, auch gibt es im Kosovo kein Ermittlungs- oder Gerichtsverfahren gegen Thaçi.
Na, wenn das nicht beste Referenzen sind. Natürlich ist Hashim Thaci - logisch bei der Biografie - ein guter Kumpel von amerikanischen Möchtegern-Weltherrschern, NATO-Militärs, EU-Verantwortlichen und deutschen Politikern wie Frank-Walter Steinmeier. Das sollte man aber in Deutschland nicht zu laut sagen, denn womöglich sind da Staatsinteressen im Kern betroffen.
Das klingt nicht nur nicht gut, das klingt ziemlich übel. Aber auch Prof. Michael Wolffsohn hat sich ein paar kluge Gedanken gemacht die ich durchaus teilen kann:
Zweifel sind erst recht erlaubt, wenn ein Serben-Exodus nach Serbien beginnen sollte, denn selbst, wenn Serbien die Flüchtlinge aufnehmen will, kann es das kaum schaffen. Neuankömmlinge sind selten beliebt, besonders wenn sie den ohnehin kleinen Kuchen mitessen wollen, ja, müssen, um zu überleben.
Wird jener Auszug aus dem Kosovo friedlich verlaufen oder eine „ethnische Säuberung“ sein? Selbst bei oberflächlicher Kenntnis der Balkangeschichte bedarf es wenig Fantasie, um die Frage zu beantworten. Das Kosovo ist albanisch. Einen Staat Albanien gibt es längst. Nun haben wir also zwei „Albanien“. Die entstehende Dynamik liegt auf der Hand: „Wiedervereinigung“ wird das Ziel. Wer wird das vereinigte Albanien führen? Albanisch-Albanien oder Kosovo-Albanien? Nationale und religiöse Gemeinsamkeiten lösen keine Machtfrage auf. Wenn die Weltgemeinschaft das unabhängige Kosovo stärkt, was notwendig ist und was sie will, wird sie ungewollt Kosovo in einen gesamtalbanischen Machtfaktor verwandeln. Wird Albanisch-Albanien das einfach so hinnehmen? Angesichts der gesamtalbanischen Gewalttradition ist das unwahrscheinlich, zumal das Austragen von Konflikten außerhalb der Institutionen (Parlament) und nicht innerhalb der Institutionen der Tradition entspricht.
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... denn rund 40 Prozent der Staatsbürger Mazedoniens sind ebenfalls Albaner. Längst wollen sie „los von Mazedonien“. Wollen sie dann zu Kosovo-Albanien oder zu Albanisch-Albanien oder zu Großalbanien? Oder werden sie durch ihren Beitritt den einen oder anderen Teil von Doppelalbanien als Dritter und Zünglein an der Waage zum Dominanzfaktor Großalbanien küren? Konfliktfrei küren? Nein. Gewaltfrei? Zweifel sind erlaubt.
Das Land der Skipetaren ist dieses Albanien. In sich auch durchaus nicht homogen. Gar nicht weit weg von Stammesdenken und Stammeshochmut. Die Machtfrage wird sich stellen, weil es ja keinen Kosovo mehr zu befreien gibt. Einige Mazedonier wollen nach Griechenland. Der nächste Konflikt ist vorprogrammiert.
Nein diese Unabhängigkeit wollte so wohl niemand. Was aber tun. Das Rad der Geschichte lässt sich nicht zurückdrehen. Ich glaube auch nicht das sich Großalbanien verhindern lässt. Dass bringt mich zu der Frage was wir tun sollen. Da lässt mich Mein Parteibuch allerdings genauso allein, wie Prof. Wolffsohn. Aber Wolffsohn gibt uns einen Satz mit, auf dem wir aufbauen können:
Durch Menschen, die auf ausgetrampelten Gedankenpfaden (Nationalstaat) wandeln und nichts Neues (Staatenbünde) wagen. Wir brauchen eine zweite Aufklärung. Vielleicht schafft diese, was die erste trotz Kants himmlischer Formel nicht vermochte: dass Menschen „den Mut haben, sich ihres eigenen Verstandes zu bedienen“.
Gut probieren wir das mal mit dem Verstand. Unser Deutschland ist ja ein ähnliches Gebilde wie der Balkan. Es ist kein Nationalstaat, auch wenn es immer mal wieder dazu erklärt wurde. Es ist immer noch ein Staatenbund von Regionen die sich mehr oder weniger skeptisch und mißtrauisch beäugen. Wenn man ehrlich ist, gibt es auch keine gemeinsam gültige Sprache, sondern bestenfalls sprachliche Einigungen auf eine hochdeutschen Standard, der aber in Stuttgart völlig anders klingt als in München, Berlin oder Hamburg.
Leider finde ich den Blogbeitrag nicht mehr, wo jemand beeindruckend schrieb, warum er Deutschland mag. Neben vielen anderen klugen Sätzen kam da auch unser Föderalismus vor, der es erlaubt den Fischkopp mit dem Bayern und dem Kaffesachsen, dem Westfalen, Hessen und Rheinländer in einem Land zu leben und dieses Land zu entwickeln.
Ich finde unseren Förderalismus zwar viel zu zweit von den realen Gegebenheiten entfernt, Westfalen und Rheinländer passen nicht wirklich zueinander und Schwaben sind weder zu Bayern noch zu Baden-Württemberg wirklich kompatibel. Vorpommern ist auch nicht Mecklenburg. Nur Berlin könnte Brandenburg sein, wenn die Brandenburger denn so dumm wären, uns zu wollen.
Aber warum versuchen wir nicht diesen Föderalismus mit seinen Möglichkeiten zu "exportieren". Es scheint das beste zu sein, was unser Staat anderen Menschen geben könnte. Erklären wir unsere Erfahrungen, bauen wir mit an neuen Bundesländern in Großalbanien. Helfen wir die Vielfalt in der Einheit zu erhalten. Gut. Die Aufgabe ist zu groß für uns. Aber Frieden mit Waffen können wir da auch nicht dauerhaft schaffen. Also sollten wir die EU nicht als Anhängsel der Nato begreifen sondern als eigenständige politische Kraft. Natürlich müssen wir die USA aus dem Bereich fernhalten. Die USA haben nun einmal kein Interesse an Frieden. Die brauchen für ihre Geschäfte die Unruhe und den Krieg.
Beweisen wir doch einfach mal das Europa einen Wert aus sich heraus hat. Das wir nicht nur ein gemeinsames Handelsgebiet sondern auf dem Weg zu einem Staat sind. Wenn wir als Europa dabei die Nato auflösen, ist das sicher kein Fehler. Unsere Aufgaben liegen nicht im Krieg für amerikanischen Öldiebstahl, sondern vor unserer Haustür. Die Freiheit Europas verteidigen wir nicht in Albanien, aber wir könnten unsere Fähigkeiten zu friedlichem und vernünftigen Zusammenleben beweisen.




















Die Frage ist, ob erst der Umweg zum Nationalstaat gegangen werden muss, und ob das Europa nicht zersplittert und zerstört.
Basken und Katalanen sind heute wirklich nicht mehr von Spanien "unterdrückt", die können sich kulturell entfalten und genießen sogar weitgehende Autonomie. Trotzdem gibt es da fatale Träume von völliger Unabhängigkeit, obwohl es die in der EU eh längst nicht mehr gibt.
Beim Kosovo ist natürlich die Vorgeschichte schon heftiger abgelaufen. Aber dass da heute die Thugs das Sagen haben, daran tragen die intervenierenden Kräfte verdammt viel Mitschuld.
Seien wir also froh, das dieser Blödsinn (noch) nicht in Deutschland angefangen hat. Die jetzige Form der deutschen Kleinstaaterei ist schon schlimm genug.
"Schwaben sind weder zu Bayern noch zu Baden-Württemberg wirklich kompatibel". Schwaben bilden in Baden-Württemberg meiner Meinung nach die Mehrheit der Einwohner (in jedem Fall aber in Württemberg) und die drei Löwen im Wappen des Bundeslandes sind die der Staufer und der Herzöge von Schwaben. Und die Schwaben in Bayern schließen sich sprachlich direkt an die Schwaben in BaWü an. Und ja - ich bin Schwabe. Und wenn ich mal wieder diese Blödfrage gestellt bekomme, ob ich mich eher als Deutscher oder als Europäer fühle, ziehe ich mich gerne darauf zurück und bin damit Europäer der Regionen ;o).
Außerdem weiß die Wikipedia auch noch etwas, was jeden Berliner vor Verunglimpfung warnen sollte:
"Die Schwaben stellen nach den Türken die zweitstärkste nicht-genuin-berlinerische Volksgruppe in Berlin."
(c)Wikipedia
Ich bin kein Spezialist für den schwäbischen Siedlungsraum, aber ich weiß das er sich über Bayern und Baden-Württemberg erstreckt, die Schwaben also eine geteilte "Nation" sind. Ich hätte die Regionen lieber als kulturelle Einheiten. Ein Westfale aus der SPD und ein Westfale aus der CDU finden eher untereinander einen Kompromiss, als sie das mit einem Rheinländer aus ihrer Partei können. Das liegt an den unterschiedlichen Zielvorstellungen.
Je näher die Region am Menschen ist, desto erfolgreicher wird sie sein.
Was die Ländergrenzen angeht: Die Franzosen sind schuld. Bei Abtretung der linksrheinischen Besitzungen wurden damals die Gebiete endgültig festgelegt. Und dass wir mit den Badenern zusammen sind - nun ja, wenn nicht gerade der KSC den VfB deklassiert geht das in Ordnung.