Ich weiß nicht. Gibt es so etwas wie ein Vorbeben in den Medien? Ich war mal auf Bisonjagd. Die indianische Weise. Mit anschleichen, ein Tier aussuchen und erlegen. Das wichtigste ist, nicht in der Lauflinie der Herde zu sein. Nichts für Greenhorns, wie ich eins war. Aber ich war schlau genug mich bei einem Fachmann aufzuhalten. Ich durfte sogar schießen. Aber nur weil er wusste das ich das konnte. Die jagen für Fleisch, nicht für Trophäen. Innerhalb einer Jagd ist der Schuss immer ein bewegender Moment. Zumindest dann, wenn man nicht gefühllos ist und bewusst handelt.
Es gibt nach dem Schuss so einen Moment der Stille. Für den Schützen eine halbe Ewigkeit. Der eigene Geist spielt den Schuss ein paar hundertmal vor dem inneren Auge ab, damit man entscheiden kann, ob alles richtig gelaufen ist, oder man doch noch besser einen Nachschuss setzen muss, weil man seine Aufgabe vielleicht doch nicht erfüllt hat. Der Film endet wenn man sich sicher ist, oder den Nachschuss setzt. Ich war mir damals sicher. Dann hört man die Stille. Ja ich weiß, man kann Stille nicht hören. Aber in diesem Moment ist die Abwesenheit von Geräusch hörbar.
Der Moment dauert nicht lange. Dann geraten die anderen Tiere ins Rennen. Die ersten Geräusche die man dann hört, die erinnern mich irgendwie an ein Vorbeben. So ein antasten, als wäre es schwer die Stille zu durchbrechen. Die Herde flieht dann und man beeilt sich, zu dem geschossenen Tier zu kommen, um unnötige Schmerzen zu beenden, wenn man doch nicht so sicher und sauber als Schütze war, wie gedacht. Die Herde donnert dann davon und hinterlässt nur Staub und sich entfernendes Geräusch.
Bei einem Vorbeben ist das anders. Meist kommt nichts nach. Aber oft schüttelt sich die Erde ein zweites oder drittes Mal. Dann wird es Zeit die eigene Position zu überprüfen. Kann mir was auf mein edles Haupt fallen. Wenn nicht dann runter auf den Bauch und abwarten. Oft passiert nichts. Aber manchmal eben doch.
Ich habe den Namen Zumwinkel in den letzten Wochen, vor der Durchsuchung oft gehört. Eigentlich viel zu oft. In meiner Liste stand, das ich etwas über ihn schreiben wollte. Keine Ahnung warum. Ich hatte ein Vorbeben vernommen. Andere vielleicht auch. Momentan höre ich den Namen Jürgen Großmann. Das Handelsblatt preist ihn und die RWE mit schon fünf oder sechs Artikeln, bei anderen Medien hatten sie ihn auch. Mir ist nicht klar warum. Eigentlich hat er gute Zahlen gebracht. Gute Zahlen für RWE, schlechte für die Menschen in diesem Land und kann kaum ein Interesse an einer breiten Diskussion über sich selbst, oder sein Unternehmen haben.
Ein Vorbeben. Dann lässt das Schweizer Bankhaus Julius Bär in den USA die Enthüllungsseite Wikileaks.org von einem Bush-hörigen Richter sperren, um Schaden vom Bankhaus Julius Bär abzuwenden. Das bringt mich ins Grübeln. Es können doch kaum die Handbücher für die Wachen in Guantanamo sein, die das Bankhaus bedrücken. Nein der Spiegel vermeldet fröhlich das auf Wikileaks, detailliert die Geldflüsse von Kunden des Schweizer Bankhauses Julius Bär, bekanntgegeben wurden. Ops.
Zumwinkel, Liechtenstein ick hör dir trapsen. Denn wenn Julius Bär sich selbst solch einen Imageschaden weltweit zufügt, dann muss es um größere Beträge und ziemlich illegale Transaktionen gehen. Ansonsten wäre das ganze zwar peinlich, aber leichter zu ertragen, als der jetzige Medienwirbel. Natürlich wird uns das Schweizer Bankhaus Julius Bär erzählen das es nur um das Prinzip geht. Kurzfristig ist das ja auch ganz geschickt. Aber nur sehr kurzfristig.
Mittlerweile sind die Menschen, die die Wahrheit im Internet veröffentlichen, weil sie die offiziellen Medien und die dort angestellten Qualitätsmedien ja nicht bringen, auch schlauer geworden. Das Wissen liegt nicht mehr auf einem Rechner, sondern auf hunderten von Rechnern und für jeden entdeckten und von Sperrung bedrohten, werden irgendwo zwei neue errichtet. Zensur hat zwar noch nie funktioniert, aber im Zeitalter des Internets, ist sie absurd.
Und da kommt auch das ins Spiel was ich mit Vorbeben meine. Mein Parteibuch fragt ganz unschuldig welcher Jürgen Großmann denn gemeint sein könnte:
Irgendwelche alten Dokumente im proprietären MS-Office-Format zu einem Herrn Juergen Grossmann oder Juerg Grossmann, wo es um Offshore-Geldanlagen in irgendwelchen verschachtelten Stiftungen wie G Trust, Masaya Ltd. oder Lapstrate Investments Ltd. oder so zu gehen scheint, interessieren nun wirklich niemanden. Auch dass in einem in dem Zip-File enthaltenen Worddokument mit dem nichtssagenden Dateinamen Rs19990526.doc, an dessen Echtheit besser niemand glauben sollte, ein Dr. Christian Mohr und ein Dr. Thomas M. Rinderknecht als Trustees erwähnt werden, interessiert sicher niemanden.
Darüber, wer mit dem Juergen Grossmann wohl gemeint sein konnte, der offenbar als Inhaber der in den Trusts verwalteten Gelder bloßgestellt werden soll, kann ohnehin höchstens spekuliert werden. Dass es sich dabei um den Besitzer von Georgsmarienhütte und Vorstandsvorsitzenden der RWE AG, Jürgen Großmann, handelt, der so auf unlautere Weise mit Offshore-Geldanlagen in Verbindung gebracht werden soll, ist sicher genauso ausgeschlossen wie dass es sich dabei um einen bekannten Architekten handelt. Schließlich heißt der ja auch Jürgen Großmann und nicht Juergen Grossmann. Und Steuerhinterziehung, Schwarzgeld oder Geldwäsche hat so ein Mann ganz sicher weder nötig noch würde er so was tun. Und außerdem interessiert sich für Steuerhinterziehung und so was in Deutschland ohnehin niemand.
Ich weiß nicht ob der eine Jürgen Großmann, der andere Jürgen Grossmann ist. Ich glaube allerdings das unsere Politik angesichts der aktuellen Strompreise einen RWE-Chef Jürgen Großmann nur allzugerne an die Krokodile in der Ruhr verfüttern würde. In sofern würde ich eine Selbstanzeige für die einzige Rettungsmöglichkeit halten. Flach auf dem Bauch auf dem Boden zu liegen, dürfte nicht viel nützen. Ich weiß auch nicht, ob da nicht jemand genau in der Fluchtlinie der Herde steht, die nach dem Schuss auf und davon will.
Selbstverständlich halte ich den RWE-Chef Jürgen Großmann für unschuldig. Genauso wie ich Herrn Zumwinkel bis zu seiner Verurteilung für unschuldig zu halten habe. Wenn Julius Bär bei seiner Jagd auf Wikileaks praktisch im Vorbeigehen solch einen kapitalen Bullen erlegt hat, dann ist das zwar waidmännisch eine miese Sache und sollte zum Entzug der Jagdlizenz führen, aber praktisch ein sehr toller Schuss. Ich bin mal gespannt wie die restlichen Anlege bei Julius Bär diese Jagd sehen werden.
Ich persönlich würde bei meinem aktuellen Vermögensstand in Zürich noch nicht einmal einen Werbekugelschreiber oder eine Visitenkarte bekommen. Aber eine Firma deren Konzernchef Johannes de Gier heißt, wäre vermutlich auch bei einer besseren Vermögenslage kein Partner für mich. Ich werde mich also beruhigt zurücklehnen und auf das ganz große Kino warten, das da mit Sicherheit noch kommt.
Ich bin mal gespannt welches unserer Qualitätsmedien den Anfang macht. Ich tippe auf Springers Bild die mit dem Stromabzocker aufmachen werden und dann geht die Treibjagd los. Kai Diekmann stoßen sie ins Horn und lassen sie den fröhlichen Ruf erklingen:
Aufbruch zur Jagd
"Frisch auf zur Jagd, vorbei die Nacht, laßt uns jetzt jagen! - Frisch auf zur Jagd, vorbei die Nacht, laßt uns jetzt jagen! - Frisch auf zur Jagd, vorbei die Nacht, laßt uns jetzt jagen!"
Die anderen Signale findet man direkt bei Frank Rinnelt.
Nein. ich wünsche mir am Ende der Jagd nicht das Signal die Sau ist tot. Denn wenn, dann handelt es sich um einen Bock, den irgendjemand zum Gärtner gemacht hat. Das ist kein jagdbares Wild.



















