Das Zwangsouting von Germanisten mit Nazivergangenheit, ist als Marktetingmaßnahme, von Hause aus schon ein Zeichen von schlechtem Geschmack.
Wenn es dazu noch an ordentlicher Recherche mangelt, wird es einfach nur peinlich.
In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hat Wulf Segebrecht ein Interview mit Günter Grass veröffentlicht, dass er am Rande einer Gedenkveranstaltung, für den im Mai verstorbenen Walter Höllerer, geführt hat.
Darin äußert sich Grass wie folgt:
"Dann frage ich mich: Wenn Herr König in der Tat Germanist ist, wie kommt er dazu zu sagen, Walter Höllerer und Walter Jens seien Germanisten gewesen während der Nazi-Zeit. Sie sind nicht einmal zum Studium gekommen! Walter Höllerer war im Jahr 1942 neunzehn Jahre alt. Er ist nach dem Krieg genau wie Walter Jens im Bereich der Literatur zu einer hervorragenden Person geworden - durch Leistung. Die zählt für mich zuallererst. Ich bin fünf Jahre jünger als Walter Höllerer. Bei Kriegsende war ich zwar siebzehn Jahre alt, aber bis heute nagt an mir, daß ich als Fünfzehn-, Sechzehnjähriger nicht den hellen Blick gehabt habe, das Verbrecherische dieses Systems zu durchschauen. Ich kann nicht ausschließen, daß ich, wenn ich fünf Jahre älter gewesen wäre, wahrscheinlich auch irgend so einen Schrieb unterzeichnet hätte."
Die gleiche Frage stelle ich, Jahrgang 57, mir auch schon seit ewigen Zeiten und ich bin mir leider auch nicht sicher, dass ich nicht mitgemacht hätte.
Das einzige was wir tun können, ist alles zu tun um eine Wiederholung zu verhindern.

















