Einträge für Donnerstag, 17. April 2008
26. Entwirrung
Geschrieben von Jochen Hoff / Elsa Rieger
Donnerstag, 17. April 2008
Wer zu kräftig ins Feuer bläst,
der verbrennt sich leicht den Bart.
Aus Arabien
20. März 2006 Berlin 20 Uhr 45
Michael Mücke hatte einen glücklichen Tag. Er saß in Berlin mit seinem Lieblingsstaatsanwalt in einem Vernehmungszimmer der Untersuchungshaftanstalt Moabit. Am Vormittag waren die fünf Rädelsführer der Wehrsportgruppe „Reichsfürst“ und drei Mitglieder der österreichischen Abteilung des Vereins aus Brandenburg nach Berlin verlegt worden.
Diese Verlegung war wichtig, weil die gesamten Herrschaften dieses exklusiven Vereins in Brandenburg ihre Aussagen vor Videokameras gemacht und beeidet hatten. Sie waren überzeugt davon, dadurch einen Deal mit der brandenburgischen Staatsanwaltschaft ausgehandelt zu haben. Aber Justitia geht manchmal seltsame Wege. Eines der ersten Verbrechen dieser Helden war das Abfackeln eines Döner-Imbisses im Wedding gewesen. Selbstverständlich beschuldigte jeder dieser Helden auch hier die jeweils anderen der gemeinschaftlichen Tat. Das hatte einen lustigen Nebeneffekt, denn es erlaubte der Brandenburger Staatsanwaltschaft, ihre Akten zu bündeln und sie mit den Tätern nach Berlin für weitere Befragungen weiterzureichen.
Was nun folgte, war sowohl für den Staatsanwalt als auch MM eine der schönsten Vergnügungen. Einem Straftäter, der glaubte, sich durch Verrat freikaufen zu können, genau das zu vermiesen. Plaudern bedeutete in ihren Augen nämlich nicht Läuterung sondern nur, dass die Angst vor Strafe größer als der Mut war.
Sie begannen mit dem Räuberhauptmann Olav Geiger, der zwar schon deutlich kleinlauter geworden war, aber nun glaubte, aufgrund seiner Aussage Oberwasser zu haben. Kaum wurde Geiger hereingeführt, pöbelte er los: „Was wollen sie denn noch von mir? Ich habe alles gesagt. Die Einigung mit der Staatsanwaltschaft in Brandenburg steht. Lassen Sie mich sofort gehen!“
MM ließ ihn von dem Justizbeamten an seinen Stuhl ketten, er hatte keine Lust auf Gerölle. Dann zog er seinen Dienstausweis: „Wenn Sie bitte mal schauen wollen, Herr Geiger. Auf meinem Ausweis ist ein Bild. Können Sie mir sagen, was es darstellt?“
„Ja. So ein Scheißbär.“ Er betonte seinen Unwillen, indem er auf den Boden spuckte.
MM ignorierte Olavs Protest, der PVC-Belag hielt das schon aus und antwortete: „Man merkt gleich, dass Sie zu Deutschlands Elite gehören. Sie sind ein richtig kluges Kerlchen. Der Herr Staatsanwalt hat auch so einen Ausweis, auf dem so ein Bär ist und an der Tür dieses Knastes, draußen, da wo die Freiheit ist, hängt ebenfalls einer. Es scheint also ein bedeutungsvolles Tier zu sein. Können Sie mir folgen?“
„Das hat nur mit Berlin zu tun. Was geht mich das an? Ich bin Brandenburger. Aus Lobeofsund. Basta.“
„Fast richtig, mein lieber Herr Geiger, fast richtig. Aber Sie wissen ja, knapp vorbei ist auch daneben. In Ihrem Fall sehr weit daneben. Dieser Scheiß Berliner Bär wird sich nämlich mit Ihnen den Arsch abwischen. Hoffentlich fusseln Sie nicht, Sie Elitemensch. Und jetzt können Sie spucken, soviel Sie wollen.“
„Sie können mir gar nichts. Ich hab ein Abkommen ...“
„... mit der brandenburgischen Staatsanwaltschaft, die auch treu zu ihrem Wort stehen würde. Allerdings gibt es da ein winzig kleines Problem. Sie haben am 13.12.1998 im Wedding einen Döner-Imbiss abgefackelt. Der Besitzer und seine dreijährige Tochter sind im Feuer umgekommen. Ihre Teilnahme ist durch videodokumentierte Vernehmung und eidesstattliche Versicherung ihrer Mit-Elite-Menschen bestätigt. Deshalb hat die Mordkommission Berlin den Fall an sich gezogen.“
Olav erbleichte, dann schoss ihm das Blut bis unter die Fascho-Glatze, MM verfolgte den Farbwechsel interessiert.
Olav brüllte sehr laut, vermutlich eine Kompensation zur Bewegungsunfähigkeit: „Du Arschloch, das geht doch gar nicht! Das ist ein mieser Trick! Ich bring dich um!“
Sie ließen ihn in Ruhe austoben und tranken Kaffee. Als er heiser geschrien war, sagte der Staatsanwalt: „Herr Geiger, Olav mit weichem V wie Viktoria ist doch richtig? Nun, Herr Geiger, wir haben in Deutschland ganz praktische Regeln. Wenn Sie wegen des gleichen Deliktes in mehreren Bundesländern angeklagt sind, übernimmt entweder ihr Wohnort oder das Land, in dem Sie die erste Tat begangen haben, die Strafverfolgung. Das sind wir. Die mit dem Bären.“
Geiger tobte noch ein Weilchen schwächlich und ermattet herum, während Mücke die Geschichte weiter ausführte: „Die Frau Ermittlungsrichterin, die auch für den Bären arbeitet, war so freundlich, einen Haftbefehl auszustellen. Dagegen kann Ihr Anwalt Haftbeschwerde einlegen. Dann haben Sie wenigstens etwas Unterhaltung in der Untersuchungshaft.“
Der Staatsanwalt griff nach einem Papier: „Damit Sie sehen, dass wir gewillt sind, Ihnen zügig einen Platz in der JVA Tegel zu reservieren, habe ich mir erlaubt, die Anklageschrift vorzubereiten. In Tegel haben wir einen Berlin entsprechenden Ausländeranteil. Die werden sich freuen, Sie in ihrem Kreis begrüßen zu können.“
„Die werden mich umbringen, diese Untermenschen! Das sind doch Tiere. Halbwilde!“, schrie Geiger.
Mücke grinste breit und böse: „Der Staatsanwalt wird Ihre Ansichten sicher zu schätzen wissen. Sein Name ist übrigens Bacilar Helal, was Sie hoffentlich nicht stört.“
In diesem Sinne wurde einer nach dem anderen der Brut, wie der Staatsanwalt sie insgeheim bezeichnete, vorgeführt und abgehakt. Die Justizbeamten hatten damit einen fröhlichen Tag. In der Nacht machte das Thema die Runde durch die deutschen und ausländischen Nachtschwärmer. In Kreuzberg entwarfen zwei Bänkelsänger ein Spottlied auf Olav, die Arschgeige und seine Elitetruppen, das ein heimlicher Hit werden würde.
23. März 2006 Wien Nachmittags
Tatijana hatte beschlossen, sie würde mit Helga eine große Runde Wellness nebst Kosmetikerin und Friseur genießen, ehe das Fest im Korso stattfände. Helga staunte, was es da alles gab und für welchen Blödsinn man Geld ausgeben konnte. Tatijana genoss die Angebote ganz selbstverständlich und unterhielt Helga mit Schwänken aus ihrem Leben, die die Ohren der Zuhörerinnen zart röteten. Sie tranken Champagner und fühlten sich pudelwohl.
Tatijana hatte für ihre Frisur nicht den losen Dutt der Kameliendame gewählt, sondern ihre Haare in Form eines Zopfes um den Kopf gelegt, in den goldene und silberne Bänder eingeflochten waren, wie man es aus alten Zeiten von Livländerinnen kannte. Helga hatte sich für die Nachbildung einer Frisur der Marlene Dietrich entschieden. Sie bekam einen Seitenscheitel, bis zu den Ohren lag ihr Haar knapp am Kopf an. Ab hier wurde es mit dem Lockenstab zu weich fallenden Wellen gelegt.
Als sie wieder in Tatijanas Zimmer ankamen, war ihre Kleidung bereits auf dem Doppelbett ausgelegt. Helga schossen Tränen der Rührung in die Augen. Tati hatte für sie einen langen Zigarettenspitz aus Silber organisiert. Daneben lagen ein passendes Feuerzeug und eine Schachtel Belga. Als Helga die Zigaretten misstrauisch beäugte, lachte die Freundin. „Das sind belgische, die sind sehr kurz und passen deshalb besser zur Spitze.“
Die Störchin und Huber saßen schon im Korso bei der Oper. Beide hatten mit der Kleidung den einfachsten, aber sicher nicht schlechtesten Weg gewählt und sich für steirische Tracht entschieden. Homer Nixon gesellte sich im weißen Smoking dazu, der im Kontrast zu seiner tiefschwarzen Haut noch weißer wirkte. Alle drei hatten ihren Spaß an Drago und Johann, die im Tänzelschritt als Kleidungszwillinge lachend durch das Lokal glitten.
Der Reichsgraf hatte für die Festivität seinen Lieblingschampagner vom Maison Taittinger aus Reims einkühlen lassen nach seinem Motto, dass Qualität vor Etikett gehe. Die anderen stimmten ihm mangels Vergleichsmöglichkeit zu.
Mit nur zwanzig Minuten über dem akademischen Viertelchen trafen die beiden Nichtakademikerinnen Helga und Tatijana ein. Wobei eintreffen das falsche Wort war. Sie erschienen und die Lokalgäste hielten den Atem an.
Helga im schwarzen Seidenanzug der Marlene Dietrich mit qualmender Zigarette in der langen Spitze, Tatijana mit fast kindlicher Frisur, im schwarzen Kostüm der Kameliendame. Die beiden schritten nicht etwa hintereinander, sondern nutzten gleichzeitig zwei Gänge, um auf den Tisch ihrer Freunde zuzustreben. Ein anerkennendes Raunen erfüllte den Raum.
Drago und Johann hatten nicht nur die gleichen Smokings an, sie machten, wie die Störchin für sich feststellte, auch den gleichen blöden Gesichtsausdruck.
„Hey Jungs. Macht den Mund zu. Sie sind es wirklich. Erde an Drago. Erde an Johann“, flachste sie.
Aber der Scherz erreichte die beiden nicht. Als Tatijana und Helga am Tisch eintrafen, schafften die Herren es gerade mal aufzustehen, die Schönheiten zu begrüßen und ihnen die Stühle zurechtzurücken.
Die Hummersuppe façon Korso, die Zitronennudeln mit Beluga-Kaviar, der ganze Ofensteinbutt und auch das Dessert, kurzum, die gesammelte Kochkunst Reinhard Gerers verwöhnte die Ermittler.
Alle hatten ihren Spaß, genossen das Essen und die Unterhaltung. Lediglich die Kommunikation mit Drago und Johann gestaltete sich als schwierig, weil sie mit merkwürdiger Zeitverzögerung antworteten. Beide konzentrierten ihre Blicke unablässig auf die wunderschönen Tischdamen Helga und Tatijana.
Man hatte sich gerade für eine weitere Flasche Taittinger entschieden, als Hubers Telefon klingelte. Er blickte entschuldigend in die Runde. Dann brüllte er: „Wie bitte? Das glaube ich nicht! Er hat es überlebt?“
Womit sich die Aufmerksamkeit der anderen ihm zuwandte. Er beendete das Gespräch und wirkte ein wenig blass um die Nase herum.
Selbst Johann erwachte aus seiner Versunkenheit: „Was ist los, Franz?“
„Irgendein Idiot hat ein Bombenattentat auf Tschikowski verübt. Sein Auto ist hochgegangen. Er war nicht drin. Ich hab ein Transportmittel organisiert.“
Johann zeichnete die Rechnung ab, als auch schon Fahrzeuge mit Blaulicht auftauchten. In eiliger Fahrt erreichten sie die Straße vor seinem Haus. Die war zum Teil verschwunden, genau wie die meisten Fensterscheiben in der Nachbarschaft. Ein Großteil der geparkten Autos wurde von der Feuerwehr beobachtet, um aufflackernde Glimmbrände zu verhüten.
Nur langsam ließ sich ein klares Bild gewinnen. Ein vermutlich betrunkener Autofahrer war auf gerader Straße in Tschikowskis Auto gekracht, das sich durch eine fette Explosion revanchiert hatte. Die Experten gingen von fünf Kilo Semptex aus, die vermutlich zumindest einen Erschütterungszünder hatten. Was sonst noch an Zündern da war, mussten die Ermittlungen ergeben.
Der betrunkene Autofahrer hatte die Explosion nicht überlebt und in der Kneipe gegenüber waren einige Leute durch die Glassplitter der Schaufensterscheibe schwer verletzt worden. Außerdem hatte es ein Liebespaar erwischt, das drei Autos entfernt geparkt hatte. Die Opfer waren von einer Metallstange durchbohrt worden.
Huber ließ den unverletzten Kommissar sofort in eine sichere Unterkunft bringen. Weder Unterhosen noch Zahnbürste durfte er aus der Wohnung holen, weil man kein Risiko eingehen wollte.
Dann trafen sie sich in Johanns Suite im Sacher zur Lagebesprechung.
Helga und Tatijana nutzten die Chance, sich in ihrem Zimmer umzuziehen, wobei die Russin spitz bemerkte: „Helgaschatz, du hattest recht mit dem Kleid, es hat umgehauen, aber nicht den Reichsgrafen, sondern einen Straßenzug. Könntest du demnächst mit deinen Vorhersagen etwas präziser sein?“
„Hast du seine Blicke nicht bis in deine Hautzellen gespürt? Der war absolut gebannt.“
Tatijana seufzte liebeskrank.
„Das glaube ich nicht, das glaub ich einfach nicht. Welcher Hirni kommt auf die Idee, den Komiker mit einem derartigen Aufwand umbringen zu wollen?“ Huber schüttelte den Kopf, während er auf und ab tigerte.
„Ich will meinen Hut fressen, den ich nicht besitze, wenn ich auch nur eine Idee hätte, warum“, grübelte Homer, nickte dann Helga und Tatijana zu, die in Alltagskleidung den Raum betraten.
„Bewegungszünder beim Auto und die Menge an Sprengstoffen, das gab es öfter.“ Johann hing an seinem Notebook und durchforstete seine Datenbank auf dem Berliner Server. „Richtig. Damit haben die in Italien zwei Staatsanwälte gegen die Mafia erledigt und in Essen einen Pizzaschmied, der aussagen wollte. Aber wie passt das zu Tschikowski? Als Polizist ist der nicht nur harmlos, sondern schlicht und ergreifend unfähig. Der nützt den Ganoven doch eher, als er ihnen schadet.“
Drago sah Helga an. „Denk an unser Gespräch.“
„Liebling, was meinst du?“ Sie runzelte die Stirn.
„Tschikowski. Du warst ihm gegenüber so misstrauisch, dass es dich bis ins Bett beschäftigt hat. Aber du wolltest deinem Bauchgefühl nicht trauen.“
„Stimmt. Seine Reaktion auf den Verrat, seine Wesensänderung in der letzten Zeit und seine Augen. Um Himmels willen, nix zum Greifen, nix, was man in einen Bericht schreiben könnte. Bloß ein ... ein Gefühl halt.“ Helga zuckte mit den Achseln.
„Helga hat einen guten Instinkt“, fingen Tatijana und die Störchin gleichzeitig an, sahen sich dann lachend an, „dem traue ich mehr als allem anderen, was wir zur Zeit haben“, vollendete die Störchin.
Helga rümpfte unsicher die Nase, sagte: „Ich kann ihn nicht leiden. Bin deshalb voreingenommen.“
„Leiden kann den keiner“, stimmte Huber zu, „Tun wir einmal so, als gäbe es ein Motiv, ihn mit Mafiamethoden in die Luft zu jagen. Bleibt die Frage, was könnte das sein?“
„Salvatore Bruscini“, kam es von Tatijana wie aus der Pistole geschossen. „Wir haben geglaubt, dass uns die Flughafentante aus dem Verkehr gezogen hat, weil sie eine Gefahr sah. Was, wenn das alles vorbereitet war?“
„Sie hat mit niemandem mehr telefoniert, nachdem wir bei ihr waren“, fügte Helga aufgeregt hinzu, „so schnell hätte die Vorbereitung auch nicht klappen können. Die waren vorgewarnt. Da fällt mir übrigens noch etwas ein. Weiß jemand, was Tatijana und ich da für ein gurgelndes erstickendes Geräusch gehört haben, als wir glaubten, ihr wäre die Kehle durchgeschnitten worden? Das war psychologische Kriegsführung!“
„Nein“, sagte Huber, „mit dem Geräusch kann ich euch helfen. Die röchelte so, wenn ihr der Brocken, den Tatijana umgehauen hat, die Zunge in den Hals gesteckt hat. Sie hat nämlich Polypen, die Gute.“
Tatijana und Helga schüttelten sich vor Lachen.
Johann warf einen strengen Blick in die Runde, er wollte konzentriert beim Thema bleiben. „Wir gehen also davon aus, die Entführer wussten Bescheid über euer Kommen und die Absichten. Dann stellt sich die Frage, woher?“
„Das ist ebenso einfach wie beschissen“, antwortete ihm Huber, der sichtlich wütend wurde. „Wir und Tschikowski. Niemand sonst. Von uns kann es keiner gewesen sein, wir wären mit den Ermittlungen nicht an dem Punkt, wenn einer von uns falsch spielt. Deshalb betrachten wir den Herrn von jetzt an als Verdächtigen. Um uns Ärger zu ersparen, sagen wir das allerdings nicht laut, sondern nehmen die Explosion zum Vorwand, um ihn durch das ganz feine Sieb zu jagen.“
„Richtig“, stimmte Johann zu. „Aber wir sollten ihn nicht vergrämen. Deshalb ist großes Staatsschauspiel angesagt. Armer, guter Tschikowski, ruh dich aus – bis wir dich hängen können.“
„Und er muss bewacht werden wie die Kronjuwelen. Von dem Sprengstoff gibt es noch jede Menge. Habt ihr nicht irgendwas auf dem Lande, wo er besser kontrolliert werden kann?“, fragte Homer.
Huber setzte zu einer Antwort an, aber Johann unterbrach ihn sofort. „Franz, kein Wort zu keinem von uns. Lass ihn wegbringen und unter Verschluss halten, wo auch immer. Was wir nicht wissen, können wir nicht verraten und wir werden keine Ahnung haben, wo der Vogel steckt.“
Huber nickte ergeben und eilte los, um alles zu veranlassen. Die Störchin blieb die Nacht über bei Tatijana. Helga und Drago wurden ebenfalls im Hotel einquartiert. Johann bat auch Huber ins Hotel zurückzukehren, um jedes Risiko eines weiteren Angriffs auf das Team auszuschalten.
23. März 2006 Haifa 23 Uhr 15 Ortszeit
Der Patron war ein wenig traurig, dass sich das schöne Geschäft mit den falschen Kopien geklauter Bilder fürs erste wohl in Rauch aufgelöst hatte. Aber er wusste, die Zeit heilt alle Wunden und die Menschen vergessen schnell.
In einigen Monaten waren neue Kunden zu finden und sogar einige der alten wieder anzusprechen.
Natürlich würde man einigen Händlern mit Geld unter die Arme greifen müssen, damit sie ein paar Geschäfte bügeln konnten. Vielleicht würde man für den einen oder anderen auch ein oder zwei Bilder direkt stehlen müssen. Aber alles kein Grund zur Aufregung. Er hatte sich gut abgesichert und sah dem Besuch von Roger Harry Schillke gelassen entgegen. Die konspirative Art des Treffens hielt er für ausgemachten Blödsinn.
Falls jemand hinter ihm her wäre, hätten seine Signalleitungen ihm das hier in Israel gemeldet, bevor derjenige überhaupt den Entschluss gefasst hatte. Die Morde in Europa hielt er für typische Mafiaspielchen. Verübt von Gaunern, die lieber Raubüberfällen tätigten und mit Kunst nichts am Hut hatten.
Als es dunkel wurde, fuhr er zu dem Parkplatz des Gemüsegroßmarktes, auf dem er Schillke treffen sollte. Das Autoradio dudelte ein fröhliches Liedchen, das er mitpfiff, als die Kugel der 22er in seine rechte Schläfe eindrang, durch das Gehirn fuhr und den Schädel auf der anderen Seite wieder verließ. Er sackte blutend zusammen, Schillke machte innerlich ein weiteres Häkchen.
Er war sehr stolz, dass er es geschafft hatte, eine der seltenen Keramikschusswaffen zu beschaffen und auch die dafür notwendige Munition zu bekommen. Mit dieser Waffe konnte er beruhigt durch jede Kontrolle an Flughäfen gehen.
Er fuhr mit dem Leihwagen zurück nach Tel Aviv, das er für sein Hotel und alle die ihn kannten, auch nie verlassen hatte.
24. März 2006 Wien 3 Uhr 15
Für Homer Milhouse Nixon begann der Morgen zwar sehr früh mit einem Telefonanruf, dafür aber umso erfolgreicher. Die CIA hatte Silvio Lucca und seine Familie noch einmal komplett durch seine Mühlen gejagt. Grob gesagt, gab es zwei völlig unterschiedliche Kundengruppen.
Die eine waren Architekten und Bauherren überall auf der Welt, die Originalmaterialien von Lucca kauften, um damit entweder andere alte Häuser zu restaurieren oder neuen Gebäuden ein historisches Aussehen zu verpassen. Alles was mit dieser Gruppe an Geschäften lief, entsprach den Regeln, alle Papiere waren in Ordnung und die Waren wohl auch.
Die zweite Gruppe bestand aus diversen Firmen, die alle in irgendeiner Form etwas verkauften, ohne sich so recht festlegen zu wollen, womit sie handelten. Teilweise waren es reine Strohfirmen, oder Ausgründungen derselben.
Es hatte einige Zeit gedauert, bis die CIA den einen Namen hinter diesem Firmenwust gefunden hatte. Movses Haiasanata. Er tauchte sowohl als armenischer Jude wie als armenischer Christ auf und stammte ursprünglich aus der Region Berg-Karabach.
Es war schwer, ihm einen Wohnort zuzuordnen, da er sich meist mit einem eigenen Jet rund um die Welt bewegte und fast immer in Mietobjekten residierte, die ihm aber vielleicht auch über Firmen gehörten.
Er hatte gültige armenische, aserbeidschanische sowie israelische Papiere, die er je nach Anlass benutzte. Auch wenn die Warenströme in seinem Reich kaum kontrollierbar waren, schienen doch die Waren aus dem Hause Lucca alle nach Ulan Bator in der Mongolischen Republik zu gehen. Vermutlich wurden sie dort aber nur bearbeitet oder gelagert und dann an unbekannte Orte weiter transportiert.
Es schien nicht so, als ob die CIA Einsatzkräfte in der Mongolei haben würde. Sie machten auf jeden Fall kein Angebot, dort etwas zu unternehmen. Seinen eigenen Verein, das FBI, brauchte er gar nicht erst zu fragen. Dort gab es keine Verbindungsleute. Also blieben nur Tatijana und der russische Geheimdienst.
„Und die Pinkerton-Leute“, warf Johann beim gemeinsamen Frühstück ein, „schlicht und einfach eröffnen wir somit die Treibjagd auf Silvio Lucca!“
Alle machten sich an die Arbeit, Tatijana fasste die Ergebnisse auf russisch zusammen und mailte sie an Oberst Sergejewitsch Sminakov, der sie kaum gelesen haben konnte, als er schon zurückrief: „Guten Morgen, du bist für eine dekadente Westlerin früh auf. Danke für die Nachricht. Wir haben in der Mongolei Leute, das dürfte kein Problem sein. Wir haben auch Hassan Gegoriwitsch Rosskoie und seine Malschule aufgetan, aber nicht zugegriffen. Wir sind sicher, dass dort gefälscht wird. Das geht schon aus den Materialien hervor, die eingekauft werden. Der Bericht dürfte gegen Mittag fertig sein, dann kriegst du ihn per Mail.“
„Tag, Sergej. Die dekadente Westlerin ist eine Stunde hinter dir, also wahrscheinlich früher auf als du. Sollen wir nach Moskau kommen?“
„Ich finde ja, zumindest sollten Leute von euch dabei sein. Sieht einfach besser aus. Internationale Zusammenarbeit und so. Bringt ruhig den FBIler mit.“
Ein Knacken in der Leitung signalisierte das Ende des Gesprächs, dessen Inhalt Tatijana sofort ins System stellte und zugleich der Störchin erklärte.
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Arbeitsagentur bespitzelt Arbeitslose
So etwas wie natürliche Grenzen scheint es in diesem Land einfach nicht mehr zu geben. Mir haut diese Meldung von pressetext.at den Draht aus dem Hut:
In den Protokollen würden private Details und Informationen über Arbeitslose festgehalten, die nicht mit der Thematik der Arbeitslosigkeit oder der Sozialhilfe in Zusammenhang stehen. Die Existenz der Mitschriften wird vonseiten der Arbeitsagentur bestätigt. "Dass die Arbeitsagenturen andernorts solche Informationen erfassen, kann ich nicht ausschließen", meint Silke Hansen, Sprecherin der Arge Flensburg, im Gespräch mit pressetext. "In Flensburg werden die Protokolle jedoch ganz sachlich verfasst", stellt Hansen klar.
..
Außendienstmitarbeiter der Arbeitsagentur sollen sogar Schränke der Hartz-IV-Empfänger durchwühlt haben. "Sechs Zigaretten im Aschenbecher der Küche, im Flur befindet sich in einem Schrank eine Plastikdose mit Weihnachtskugeln", lautet der Auszug aus einer der Mitschriften. "Er erscheint weder verschwitzt noch abgehetzt. Dagegen bilden sich zum Ende des Gesprächs Schweißperlen auf seiner Oberlippe", beschreibt das Protokoll den Gemütszustand des Arbeitslosen in der Unterredung mit dem Außendienstmitarbeiter. "Eigentlich werden die Protokolle erstellt, um Missbrauch in der Verteilung der Arbeitslosengelder zu verhindern", so Hansen.
Wie kann man so etwas kommentieren. Was soll ich zu dieser Frau Hansen sagen. Natürlich müsste man ihr 24 Stunden am Tag auf ihr dummes Maul hauen. Aber das bringt ja auch keinen Verstand in ihren Schädel. Die Trulla fühlt sich im Recht. "Die Protokolle werden ganz sachlich erfasst." Ich fasse es nicht. Ich kriege so etwas einfach nicht in meinen Schädel rein.
Ist das perverse Lust. Sitzt Frau Hansen an ihrem Schreibtsich und steckt sich Stempel in die Muschi während sie solche Berichte liest oder muss sie der hauseigene Wachdienst auf Ein Euro Basis dabei anal befriedigen. Ich verstehe es nicht. Ich habe auch nie die Frauen verstanden die in den Nazi KZs als Wächterinnen auftraten wie Elfriede Rinkel.
Ich habe keine Ahnung ob sich Silke Hansen und Elfriede Rinkel ähnlich sind, da ich beide nicht persönlich kenne. Aber in einem Punkt sind sie gleich. Sie haben nur ihre Pflicht getan und immer korrekt gehandelt. Für mich ist das ein Problem. Einen Kerl der mir auf diese Art kommt, könnte ich mit gutem Gewissen aufs Maul hauen bis er lacht und dann weil er lacht. Aber wie geht man mit solchen Frauen um.
Ich meine die Frage stellt sich nicht. Die eine ist zu alt für den Knast und die andere wird sicher gar nicht angeklagt, weil irgendwie bestimmt alles rechtens, Befehlsnotstand oder ein bedauerlicher Irrtum ist. Was aber passiert wenn wieder Jobs als KZ-Wachen zu vergeben sind. Wollen wir uns dann hinterher wieder hundert Jahre lang schämen und das wird schon nach dem letzten Mal nicht reichen, oder wollen wir endlich solche Menschen aus unserer Gesellschaft heraus bestrafen und in Verwahrung nehmen.
Natürlich ist Silke Hansen ein wenig entschuldigt weil ja auch unser Innenminister keine Grenzen beim Ausspionieren der Bürger kennt. Aber Frau Hansen ist doch ein Mensch, eine Frau. Es mag ja dämlich sein, aber ich erwarte von Frauen einfach mehr Mitempfinden und Mitgefühl als von uns Kerlen. Ich bin sehr enttäuscht. Vor allem von mir und meinem Weltbild.
Aber es stellt sich jetzt natürlich die Frage ob der Stromableser, der Gasman, die Lehrerin, der Arzt nicht schon lange Protokolle über uns schreiben und an wen diese Protokolle weitergegeben werden. Wozu sie letztendlich dienen. Ich glaube dieser Staat liegt in seinen letzten Wehen. Es geht dem Ende zu.
Eines Ungeistes Kinder - PI, Wolfram Weimer, Cicero
Das ist das schöne daran, das man sich Freunde ja aussuchen kann der Cicero und Wolfram Weimer lieferten heute den Leitartikel für die Pubertierende Inkompetenz von PI. Selbstverständlich wird uns Wolfram Weimar erzählen das er das ja alles nicht so nicht gemeint hat:
Wenn Sie diesen Artikel lesen, können Sie gaaanz entspannt bleiben. Hier müssen Sie endlich einmal keine Sorge haben, in Ihren religiösen Gefühlen verletzt zu werden. Nehmen Sie den Koran in die linke, Cicero in die rechte Hand, kontrollieren Sie noch einmal den Schleier Ihrer Nachbarin und freuen Sie sich mit mir, dass man in manchen Alpendörfern tatsächlich damit beginnt, Gipfelkreuze von den Bergen zu holen. Die haben lange genug die religiösen Gefühle von Muslimen verunglimpft. Schließlich gehören die Berge doch allen.
Natürlich weiß Wofgang Weimar, das er mit seinen Gipfelkreutzen bewusst lügt. Er ist zwar ein miserabler Journalist, aber in der Lage Google zu bedienen oder notfalls von einer Praktikantin bedienen zu lassen. Es geht ihm auch nicht um Freiheit oder Unfreiheit. Es geht ihm um etwas wichtiges. Es geht ihm ums Geld.
Wolfram Weimar ist normalerweise einer der ganz harten Propagandisten der Heilslehre der neoliberalen Wirtschaftsfaschisten. Da ist es seine Aufgabe die Hoffnungen der Menschen zu zerstören, ihnen den Mut zu nehmen und ihnen zu erklären das sie sich in ihr Schicksal zu ergeben haben und an ihrem Schicksal selbst schuld sind. Dummerweise hat ihn die Realität links überholt. Mit der Subprimekrise weiß auch Lieschen Müller das unsere Wirtschaftsführer nicht nur mies und gemein zu ihren Mitarbeitern, sondern auch noch völlig unfähig sind.
Selbst die anderen Demagogen und Propagandisten der neoliberalen Wirtschaftsfaschisten kommen nicht umhin, einige schlechte Nachrichten durchzulassen. Zumal es diese Blog und ausländische Zeitungen im Internet, ja sogar ausländisches Fernsehen gibt, das ganz offen über das Disaster berichtet. Lieschen Müller merkt also das Weimar und die anderen Propagandaleute sie belogen haben. Jetzt ist nicht nur ihr Arbeitsplatz in China, das Häuschen beim Hedgefond, kein Geld für Heizung und Essen mehr im Haus, jetzt kennt sie sogar die wirklich Schuldigen.
Sie kennt die Namen der Abzocker und sie weiß wo Weimar log und kann sich auch ausrechnen was er dafür bekam. Das macht dem Wolfram Weimar und den anderen Angst. Zumal wir ja schon offen über Revolution reden. Niemand weiß so genau, ob es nur Gerede ist, oder ob das Volk vielleicht doch schon übermorgen aufsteht.
Genau an dieser Stelle wird er wach. Er muss einen neuen Feind erfinden. Einen ganz bösen. Einen der noch viel schlimmer ist, als all die Ackermänner, Hartz, Kannegiesser, Hundt und wie sie alle heißen. Den wirklich Schuldigen der auch den armen Wolfram Weimar getäuscht hat und all die anderen. 1933 und davor hatten wir für solche Geschichten immer noch die Juden als Generalverantwortliche. Geht heute leider nicht, weil unsere Eltern einfach zu viele davon umgebracht haben. Die können nun wirklich nicht schuld sein, wie sie es ja auch vorher nie waren.
Aber Wolfram Weimar ist ja nicht doof. Da gibt es doch noch eine andere Truppe so ähnlich wie die Juden. Diese Muslime. Das müsste doch gehen. Da haben doch schon andere dran gearbeitet die für schuldig zu erklären und überhaupt irgendwer muss ja schuld sein. Und so möchte uns Wolfram Weimar um die Fehler seiner Freunde und seine eigenen Lügen zu bemänteln auf die Muslime hetzen. Natürlich auf alle.
Ich bin dagegen. Ich brauche meinen türkischen Obsthändler und ich möchte das seine Tochter sich nicht vor Angst im Schrank verstecken muss, wie jenes jüdische Mädchen als der Laden ihres Vaters zerstört wurde. Ich will Frieden für alle. Ich werde keine Gerichte bekommen die einen Lügner wie diesen Weimar zur Verantwortung ziehen. Der wird auch in Monaten noch im Handelsblatt rumseiern. Es sei denn wir richten in diesem Land wieder Ordnung ein. Ich glaube wir brauchen eine Revolution, schon um solche Lügenmäuler in den Knast zu stecken.
Heute gehört ihm PI, morgen Kewils Truppe und übermorgen brennen wieder Häuser und diesmal Moscheen. Er soll mir nur nicht erzählen er habe das nicht gewusst. Er weiß es genau.
Deine Mutter druckt E-Mails aus um sie per Fax zu beantworten
Ich glaube dieser Satz kam vorgestern aus einem Twitterflame. Ich meine von Katti, aber in meinem Alter bin ich mir da nicht mehr sicher. Das meiste vergesse ich ja glücklicherweise schon, aber solche Sätze brennen sich ein. Herrlich.
Am Nachmittag meinte ich unbedingt einkaufen gehen zu müssen. Liegt daran das sich auf meinem Schreibtisch die Gerichtsakten stapeln wegen Widerspruch und Co. Ein Anwalt ist mir zu teuer für den Kram und vergeigen kann ich den Blödsinn auch selber. Also drücke ich mich wo ich kann. Wie immer bis zu letzten Minute. Konsequent nehme ich jede Ablenkungsmöglichkeit wahr. Investiere mehr Kraft in Ausreden als in die Arbeit.
Das Wetter war wie meine Stimmung. Beschissen. Natürlich habe ich keinen Schirm mitgenommen. Ich nehme nur dann Schirme mit, wenn es nicht regnet, um sie strategisch über die Stadt zu verteilen. Die beste aller Lebensabschnittsgefährtinnen wird immer schon ganz schief angesehen, wenn sie bei Billigschirmen immer ganze Arme voll kauft. Also hüpfte ich elfengleich - oder wie heißen diese großen grauen Tiere mit dem Rüssel - zwischen den einzelnen Tropfen hindurch.
Warum schaffen die es übrigens immer genau die Stelle in meinem Nacken zu treffen an der ich es gar nicht leiden kann? Egal. Ich schaffte es unter die ersten Überbauten der Geschäfte und astete mich von Hüpf zu Hüpf um nicht durchzuweichen. Es gelang. Ich kaufte ein. Natürlich nur um meinen unnötigen und nassen Ausflug zu rechtfertigen. Dann kam ich aus dem Laden genau noch zwei Läden weiter. Es regnete nicht. Es goss. Nicht aus Eimern. Aus Badewannen.
Strategisch genau an der falschen Stelle. Neben der Bäckerei, bei der die am Boden der Kanne festgelötete Kaffeebohne nun langsam in die aktive Verwesung übergegangen ist und die Kaffeesahne in Behältern gereicht wird, die seit der Arche von keiner Reinigungsprozedur berührt wurden. Ich weiß warum Barilla den Haufen wieder verkauft. Keine Chance rüber zum Jugo zu kommen, der Albaner ist und aus Mazedonien stammt.
Also bleibe ich stehen wo ich stehe. Innerlich fluchend. Entschuldigung, innerlich laut fluchend. Das sind die Situationen in denen ich mich besonders mag. Aber dann regte ich mich wieder ab. Es nützte ja auch nicht wirklich mich aufzuregen. Links von mir standen ein paar hübsche Mädchen giggelnd, telefonierend und Musik hörend. Nicht das ich die hätte für mich interessieren können. Das war schon fast Enkelinnenalter, aber sie waren so beschäftigt und vergnügt das es Spaß machte ihnen zuzusehen.
Rechts neben mir eine Mutter mit Kind an der Hand und Kind im Kinderwagen. Das übliche. Das Kind im Kinderwagen wollte raus, das Kind draußen wollte gar nichts und die Mutter stand ziemlich verzweifelt da in der Gegend rum. Ich kuckte das stehende Quengelchen böse an und wackelte dabei mit der Brille. Das Kind erstaunte, lächelte mich an und war ruhig. Vermutlich hat sie gedacht was für ein Idiot aber vorsichtshalber lächelte sie weiter.
Das gab der Mutter die Zeit dem anderen Kind die Flasche in den Hals zu schieben, die sich auch diesmal als guter Schalldämpfer erwies. Auch die Mutter schenkte mir ein Lächeln. Daran wachse ich. Die Kleine fragte ganz zutraulich ob ich auch zu blöd gewesen sei, einen Schirm mitzunehmen. Ich konnte nur lachend nicken.
Vor uns da an der Kante wo man es eben schafft noch nass zu werden, und anderen die sich ins Trockene retten wollen, im Wege zu sein, standen drei Viertelstarke. Machten einen auf dicke Hose mit ohne Hintern in selbiger. Da sie aber niemand so richtig zur Kenntnis nehmen wollte, erlahmte ihr Interesse an uns. Dafür wurde der Ton zwischen ihnen rauher.
"Der Zuhälter deiner Mutter ist ein Ausländer der nicht bis drei zählen kann". "Dich hat dein Vater doch unter Wasser gemacht, das beste ist weggeschwommen." "Wenn deine Schwester auf den Strich geht muss sie Geld mitbringen." An der Stelle war ich es leid, zumal die Kerlchen sich in Rage brachten. "Wenn ihr jetzt nicht aufhört knalle ich euch einen, der vielleicht den einzigen vernünftigen Gedanken in eurem Gehirn wieder Raum verschafft!" Einer dreht sich um. Stoppt aber dann und erklärt den Anderen ganz verbittert: "Der haut wirklich. Der hat Murat ein paar geknallt und dann hat der von seinem Onkel und seinem Vater nochmal Dresche gekriegt."
Ich grinse. Die Jungs trollen sich lieber. Geht doch. Jetzt trudelt die Nummer kleiner ein. Diesmal vier. Lautstark wie zweihundert von diesen Kerlchen. Schule, Lehrer, das Leben an sich. Früher haben die Leute in Spanien so schnell geredet. Jetzt können das schon unsere. Multikulti ist eben doch nützlich. Schule scheint übrigens heute genauso mies zu sein, wie zu meinen Zeiten. Plötzlich kriegen die sich in die Flicken. So ein Zwerg kriegt von einem Größeren einen gelangt.
Ich überlege gerade was zu sagen, da reagiert der Zwerg auch schon. Das kleine Beinchen fliegt und dem Größeren dahin, wo es zwar heute schon weh tut, aber sonst noch Ruhe herrscht. Der geht erst mal für eine Auszeit auf die Knie. Der Kurze tritt an ihn ran: "Du bist so doof. Dein Vater könnte glatt bei Gericht arbeiten.". Sprachs und verschwand im Regen.
Ich hatte Mühe nicht laut loszuprusten. Mein Tag war gerettet.
Du bist so doof. Dein Vater könnte glatt bei Gericht arbeiten.
Ich hab nicht die Spur einer Idee wie der Zwerg auf diesen Spruch kam. Ich kenn so was ähnliches aus meiner Jugend. "So blöd wie du bist könnte dein Vater Lehrer sein.". Aber mit Gericht hatte ich das noch nie gehört. Ich bin begeistert. Kindermund tut Wahrheit kund?
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