Es war klar. Ich bin gegen das ewig Gestrige und Prof. Michael Wolffsohn ist ein glühender Befürworter. Das ist an sich ja überhaupt kein Problem, wenn bei dem werten Herrn Professor Widerspruch erlaubt wäre. Ist es aber nicht. Der rennt bei jeder Art von Widerspruch gleich zur politischen Polizei und zeigt an.
Er nimmt sich das Recht, das ihm ohne weiteres zusteht, ein anderes Deutschland zu fordern, will aber gleichzeitig mir und allen anderen die für Frieden und Freiheit sind den Mund verbieten. Und wie unter jedem seiner Texte, bei jedem Interview kommt der Hinweis, weshalb dieser Herr meint, gottgleich zu sein:
Michael Wolffsohn, Historiker und Professor von der Bundeswehruniversität München
Das ist nicht einfach nur ein Satz. Das ist ein Schutzschild hinter dem er sich verbirgt. Es soll den Eindruck erwecken, das er für die Bundeswehr spricht, das er als Historiker alleine über die deutsche Geschichte zu urteilen hat. Mittlerweile glaube ich das er als Historiker entweder die falschen Texte gelesen, oder die richtigen nicht begriffen hat. Er spricht auch nicht für die Bundeswehr oder die Bundeswehruniversität in München. Seine Ansichten werden dort von einigen noch viel weniger geschätzt als von mir.
Bei mir bekam er Feuer, als er Folter für legitim erklärte und dann dem Menschen das Recht auf die Gewährung von Gnade absprach, was ich nur als die Forderung der gnadenlosen Folter subsumieren kann.
Ich hatte zu dem Thema Wiedereinführung des eisernen Kreuzes als Tapferkeitsauszeichnung ja eigentlich schon alles gesagt. Ich halte es nicht für heldenhaft wenn unsere Jugend sinnlos geopfert wird und tapfer sind bei mir die, die Leben retten und schützen.
Dann las ich was der Bürger-Herold zur Pathetik des Michael Wolffsohn zu sagen hat und hörte mir das Interview an und las den Text mit wachsendem Ärger immer wieder. Ich kommentierte dort deutlichst. Vielleicht wieder mal zu hart.
Ob Wolffsohn sich vorstellen kann, was es bedeutet das er dieses eiserne Kreuz, das unter anderem vermutlich auch für die Erschießung von Juden in Polen und der Ukraine verliehen wurde, wieder reaktivieren will. War die Shoa, der Holocaust jetzt plötzlich nicht mehr so schlimm. Ich verstehe den Mann nicht und frage mich, ob er für seine Aussagen überhaupt noch verantwortlich zu machen ist.
Eigentlich wollte ich es dabei belassen. Es hat ja keinen Sinn jemanden der nicht reden will ein Gespräch aufzuzwingen und sei es auch nur ein öffentlich schriftliches Gespräch. Dann kam gestern folgende dpa Meldung:
Zentralrat der Juden gegen Tapferkeitsorden für Bundeswehr
Berlin - Der geplante Tapferkeitsorden für die Bundeswehr ist beim Zentralrat der Juden in Deutschland auf Kritik gestoßen. Der Generalsekretär des Zentralrats, Stephan Kramer, warnte in einem Zeitungsinterview davor, dass der neue Orden als Wiederbelebung des Eisernen Kreuzes verstanden werden könnte. Es sei unverständlich, warum immer wieder versucht werde, an unselige Traditionen anzuknüpfen. Das Eiserne Kreuz sei von den Nazis schamlos missbraucht worden und stehe für den nationalsozialistischen Massenmord.
Ich gebe Stephan Kramer vollständig Recht. Trotzdem habe ich die Meldung erst einmal nur gespeichert. Als Material, wie ich es oft mache. Aber irgendwann heute Nacht wurde mir klar, das ich Stellung beziehen muss. Denn als Ergebnis dieser Aussage des Zentralrates der Juden wird unsere Rechte wieder toben und auf den einschlägigen Seiten die Frage aufwerfen ob die Juden das denn dürfen. Da steht dann wieder Verjudung. Da wird dann wieder darüber gesprochen das man die Juden doch alle ...
Die anderen, die vordergründig proamerikanisch und projüdisch sind, drücken das feiner aus. Sie werden den Wolffsohn loben und von linken Dhimmis im Zentralrat sprechen. Deren Ziele sind im Moment die Muslime. Aber sie werden die Juden nicht vergessen. Deshalb ist es so wichtig Stellung zu beziehen. Fällt mir ja auch leicht. Die Wiederbelegung des eiserne Kreuzes, das für den nationalsozialistischen Massenmord steht ist nicht nur ein Fehler, sondern quasi die Reinwaschung dieses Mordens.
Da kann sich Prof Wolffsohn drehen und wenden wie er will:
Ich bin da völlig leidenschaftslos, aber ich halte es für falsch, gute Traditionen zu brechen. Und das Eiserne Kreuz ist, wenn wir in die deutsche Geschichte zurückschauen, durchaus eine ehrenwerte Tradition.
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Ich frage zurück, warum sprechen wir miteinander deutsch? Soweit ich weiß, haben die Nationalsozialisten auch deutsch gesprochen, hat Adolf Hitler deutsch gesprochen. Sie können ja nicht so tun, als ob die deutsche Geschichte erst wieder 1945 beginne. Aber wir können genauso wenig so tun, als ob es bis 1933 keine andere, auch durchaus bessere deutsche Geschichte gegeben hätte. Das Argument halte ich für keinesfalls überzeugend. Und auch wenn Minister Jung das Eiserne Kreuz nicht möchte, hat er seine politischen Gründe, die ich akzeptiere. Ich halte sie aber für völlig falsch, weil keine Gemeinschaft traditionslos leben kann. Und der Rückgriff auf die preußisch-reformerische Tradition kennzeichnet ja auch den Geist der Bundeswehr. Wer so tut, als ob zur Bundeswehr nur die Zeit seit 1955/56 gehört, weiß auch nicht um die Gründungsgeschichte und den Gründergeist der Bundeswehr, die ganz bewusst auf die preußischen Reformer zurückgreift. Ich bin mit dem Eisernen Kreuz nicht verheiratet. Wissen Sie, ich bin der Sohn und Enkel von jüdischen Holocaust-Überlebenden. Mein Großvater mütterlicherseits war im Ersten Weltkrieg, wie das damals hieß, Königlich Bayerischer Ulan, hat selber das Eiserne Kreuz zweiter Klasse im Ersten Weltkrieg bekommen. Er ist 1938, am 9. November, in das Konzentrationslager Dachau geschleppt worden von der SA. Als diese ihn abholen wollte, zeigte er ihnen sein Eisernes Kreuz zweiter Klasse und bekam zur Belohnung mit dem Gummiknüppel einen schweren Schlag auf seinen Kopf. Er besuchte Deutschland zwar nach dem Krieg wieder, war aber nicht bereit hier zu leben. Und trotzdem zeigte er mir noch wenige Jahre vor seinem Tod, wohlgemerkt in Israel, wohlgemerkt nach alldem im Jahre 1961 stolz das EK II.
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Aber ich vermag nichts Anstößiges am Eisernen Kreuz zu sehen. Und dass es ein Hakenkreuz mal darin gab, das wissen wir. Aber bekanntlich hätte das jetzige Eiserne Kreuz als Ehrenzeichen kein Hakenkreuz, Gott sei Dank. Da, wo es die Bundeswehr benutzt, auch nicht. Also wir müssen ja nicht so tun, als ob es das überhaupt gar nicht gäbe. Und deswegen ist es sinnvoll, an Vergangenem aufzubauen, damit übrigens nicht zuletzt solche Gespräche geführt werden können, wie wir sie beide gerade führen, dass man sieht, holla, da gab es die preußischen Reformer, das waren richtige Aufklärer.
Ich möchte mich zunächst mit seinem Großvater beschäftigen. Der hat wie viele Deutsche tapfer im ersten Weltkrieg gekämpft. Übrigens haben das viele Deutsche jüdischen Glaubens getan. Ohne Historiker zu sein, wissen wir, dass es ein falscher und ungerechter Krieg war, der schon alleine deshalb keine Helden auf unserer Seite schaffen konnte. Aber dafür konnte sein Großvater nichts, wie meine auch nicht. Sie sind einfach nur verraten und verkauft worden, wie heute unsere Soldaten in Afghanistan und sonst wo auf der Welt auch.
Ob Kaiser Wilhelm, Steinmeier, Struck, Jung oder Merkel Krieg führen um Deutschland wichtig zu machen, andere zu beeindrucken, oder so einen dummen Stuhl im UN-Sicherheitsrat zu ergattern, ist egal. Die Motive sind gleichermaßen unlauter und die Gewinner sind die Waffenhersteller und Logistikunternehmen die an der Verteilung verdienen. Klar die Offiziere werden auch noch befördert.
Was die Tradition der Bundeswehr angeht so ist mir nicht nur Himmeroder Denkschrift bekannt, sondern auch, dass schon die eingesetzten Personen, angefangen bei Blank undGerhard Graf von Schwerin, wie auch in der sonstigen Führung eben nicht in der Traditionsfolge der Preussen standen, sondern minderbelastete Offiziere und Dienstgrade der Wehrmacht waren. Die Bundeswehr wäre sicher gerne auf den Traditionen Preußens neu gestartet, auch wenn diese nicht wirklich unbelastet waren, aber sie war personell zu sehr verwurzelt in der Nazi-Wehrmacht. Wir haben ja jahrzehntelang noch die Skandale und Skandälchen um Namensgebung und Einstellungen gesehen.
Trotzdem hat die Bundeswehr ihren Weg in die Demokratie ziemlich weit geschafft. Zumindest so weit, wie es eine Organisation die auf Befehl und Gehorsam aufbaut, in einer Demokratie bringen kann. Das wird übrigens viel zu wenig gewürdigt. Die echte Besinnung auf Preussen kam aber erst 1982 mit dem Traditionserlass. Auch heute noch hat die Bundeswehr ihre liebe Mühe sich von Spinnern frei zu halten die vom Waffenfetischisten bis zum Großdeutschen Angriffskrieger reichen.
Gerade deshalb ist es wichtig die Bundeswehr nicht mit dem Nazi-Schnick-Schnack zu behängen. Selbst wenn wir mal so tun als ob eine Tapferkeitsauszeichung jemals sinnvoll gewesen wäre, ist diese spezielle Auszeichnung mit den Verbrechen der Nazis über und über besudelt und lässt sich nicht wieder reinwaschen.
Zum Schluß aber noch eine Bemerkung die der Herr Bundeswehr Professor sicher nicht gerne hören wird. Wir können nur noch eingeschränkt Deutsch sprechen. Weil die Nazis vielen Worten eine andere, schmutzige Bedeutung gegeben haben. Ehre, Treue, Kameradschaft, Stolz, Vaterlandsliebe, Mut, Hingebung aber vor allem haben sie uns den Begriff Nation genommen. Die Liste der Worte ist längst nicht vollständig. Wir umschreiben selbst den Begriff Deutscher.
Wir tragen keine Kollektvischuld aber wir haben einen selbstempfundenen Makel unter dem wir leiden. Der uns jeden Tag sagt, es darf nie wieder soweit kommen. Wolffsohn mag dafür kein Gefühl haben, aber dann sollte er unsere Gefühle nicht verhöhnen. Wir können uns nämlich noch schämen und erinnern.
Ein letztes Wort noch zum Thema Sprache. Die neoliberalen Wirtschaftsfaschisten von heute, machen übrigens das Gleiche wie die Nazis. Sie verdrehen die Sprache, bis mit ihr nicht mehr das was wahr ist ausgedrückt werden kann, bis alle Worte besudelt sind. Auch da müssen wir uns dringend wehren.
Es bleibt bei meinem klaren Nein zu Orden und Ehrenzeichen, außerhalb von Schützenvereinen, beim Karneval oder bei Hundeschauen. Wenn die Helden der Heimatfront Tapferkeitsorden vergeben wollen, dann ist das schon pure Ironie an sich. Selbst das Bundesverdienstkreuz können wir ja ehrlicherweise eigentlich nicht vergeben. Nicht wiel wir niemanden hätten der es verdienen würde. Uns fehlen die Leute die es vergeben könnten. Wer die Verdienste anderer beurteilen will müsste doch erst einmal eigene Verdienste haben.























c o r a x, Historiker und Techniker von der Lehr- u. Versuchsanstalt Essen (ehem. Rheinpreussen)
Glück auf!