Etwas öffentlich machen ist kein Verrat
Es ist seltsam. Es gibt in der ganzen deutschen Sprache kein positives Wort, das die Preisgabe von Geheimnissen beschreibt. Anzeigen, verraten, denunzieren. Negative Worte haben wir jede Menge. Dabei gibt es doch so viele gute Gründe bestimmte Tatbestände an die Öffentlichkeit oder zumindest an die zuständige Behörde weiterzuleiten.
Ist es denn wirklich falsch, das Jugendamt zu informieren, wenn Kinder ungewaschen, hungrig oder sogar verletzt, tagelang alleine gelassen werden. Ist das Denunziantentum oder nicht doch eher Mitleid. In Wirklichkeit nicht sogar Bürgerpflicht.
Was ist, wenn man für eine Kirche arbeitet, die in den letzten sechs Jahren in den USA alleine drei Milliarden Dollar an Entschädigungen für die Opfer sexuellen Mißbrauchs durch ihre Priester gezahlt hat und sie werden Zeuge wie in ihrem Umfeld ein Priester die Meßdiener mißbraucht. Ist es Verrat wenn sie die Öffentlichkeit warnen? Natürlich nicht. Sie schützen diejenigen die sich nicht selber schützen können.
Stellen sie sich vor sie arbeiten für die Firma Bertelsmann die einer Familie Mohn gehört. Damit nicht genug hat diese Familie auch noch einen tapferen Sohn Christoph, der die Firma Lycos betreibt und Jahr für Jahr einen stattlichen Millionenverlust hinlegt. Das tut den Eltern auch weh. Die versuchen alles was möglich ist. Da werden sogar Forschungsgelder von der Bundesregierung bereitgestellt, um dem armen Sohn zu helfen. Aber es geht weiter abwärts und abwärts. Da muss einfach an anderer Stelle Geld herangeschafft werden.
Wenn wir uns dann noch vorstellen, das dieser Familie auch noch eine Firma namens VAW-Arvato besitzt, die für die Nato die Logistik macht. Dann könnten die doch auf die Idee kommen, anstatt die Krisengebiete zweimal in der Woche anzufliegen und zu versorgen, sie nur alle zwei Wochen zu versorgen. Nicht das die so etwas jemals tun würden. wir nehmen das ja nur mal so an.
In der Folge würden unsere Kinder, die ja als Soldaten unterwegs sind, damit VAW-Arvato schöne Gewinne macht, in den Schützengräben dieser Welt vor Schmerzen schreien und verbluten, weil Medikamente und Verbandsmittel fehlen und weil schon vorher die Munition für die Waffen nicht ausreichte. Gibt es natürlich nicht. Bertelsmann und die Famile Mohn sind ja nicht Halliburton die sogar verseuchtes Trinkwasser an die Front liefern. Gar kein Gedanke. Aber wenn sie es täten, wäre es dann Verrat wenn jemand diese Tatsachen der Staatsanwaltschaft meldet, den Medien oder anderen. Wohl kaum. Es wäre der berechtigte Schutz unserer Kinder.
Stellen sie sich vor, sie arbeiten bei Gesamtmetall und der Herr Kannegiesser kommt morgens zusammen mit ein paar anderen Herrn von der INSM in sein Büro und sagt zu seiner Buchhalterin: "Mathilde wir müssen heute wieder ein paar Politiker und Journalisten bestechen und ein paar honorieren, weil sie genau das getan haben, was wir ihnen sagten. Hier haben sie den Safeschlüssel und die Liste. Nun packen sie mal das Geld schön ein, damit wir es den Herrschaften in die Fingerchen drücken können. Für die öffentlich rechtlichen bitte in das blaue Geschenkpapier mit gelben Schleifen. Die wollen seriös bestochen werden.
Kommt natürlich nicht vor. Nein, nicht weil die in der Schweiz oder Liechtenstein überweisen. Das macht Gesamtmetall und die INSM einfach nicht. Die halten sich an die Gesetze. Aber wenn es so was gäbe, wäre es dann nicht geradezu eine Pflicht die Staatsanwaltschaft und die Medien zu informieren.
Die Liste ließe sich unendlich verlängern. Es gibt so viele Dinge die so sind, wie sie nicht sein sollten und auch nicht sein dürften. Aber Recht und Gesetz gelten eben nicht für alle gleichermaßen, sondern sind für die Herren mit allerlei Hintertürchen versehen, während die Knechte die volle Knute zu spüren bekommen.
Deshalb gibt es im deutschen Sprachraum auch kein Wort wie "to leak". Klar wir kennen anstelle von "to leak off" auch das auffliegen lassen und auch das "to leak something to someone" als jemand etwas zuspielen. Aber beides ist bei uns extrem negativ besetzt und gehört zu den Synonymen für Verrat.
Das ist gewollt. Die Herrschenden mögen es nicht wenn ihre kleinen und großen schmutzigen Geheimnisse öffentlich gemacht werden. Wir haben das gerade an der Steuerhinterziehungskiste bei Zumwinkel gesehen. Der sollte zwar öffentlich hingerichtet werden, aber die Herrschaften hatten nicht damit gerechnet, dass das Volk eins und eins addiert und die Taten des Zumwinkel als typisches für das gesamte Pack ansieht.
Deshalb bezahlt die katholische Kirche auch gerne horrende Summen für Mißbrauch. Psst. Nur nichts bekannt werden lassen. Was das Volk nicht weiß, macht das Volk nicht heiß. Wer von uns würde nicht gerne wissen, was bezahlt wurde, damit unsere Kinder in Afghanistan kämpfen. Wen interessiert es nicht warum der DGB Vorsitzende Sommer die GDL angreift, wenn die als Gewerkschaft für ihre Mitglieder kämpft.
Wir spüren an tausenden von Stellen, das da etwas nicht stimmt. Auch wenn es nicht immer auf direktem Wege zu unserem Nachteil ist, bezahlen wir doch alle für jeden Betrug. Im schlimmsten Fall sterben unsere Liebsten an miesen Medikamenten oder an Kriegen, die nur zu unserem Schaden geführt werden.
Dabei wissen wir Bescheid. Nein natürlich nicht alle. Aber in jedem Fall einige. Das ist wie ein Mosaik. Viele von uns haben ein oder zwei Steinchen in der Hand. Manche sogar ein paar Quadratmeter. Einiges würde für eine Anzeige bei unseren Behörden reichen. Aber wer traut sich das schon.
Es ist ja nicht so, das unsere Polizei oder Staatsanwaltschaft darauf warten, das sie im Interesse der Bürger Straftaten verfolgen kann. Die haben genug Arbeit damit, die Ansprüche der Herrschenden durchzusetzen. Einzelne wollen noch Karriere machen. Die wissen, wenn sie anzeigen oder solche Anzeigen bearbeiten dann ist die Karriere vorbei. Hatten wir ja schon mehrfach in dieser Republik
Es gibt viele gute Gründe, nicht selbst etwas zu unternehmen. Angst ist ein verdammt guter Grund. Oft ist das, was jemand weiß auch nicht zusammenhängend genug, um daraus etwas machen zu können. Deshalb muss es andere Wege geben, die sowohl das eigene Gewissen beruhigen, als auch den nötigen Druck für eine Strafverfolgung schaffen.
Meine Adresse und meineEmail steht in meinem Impressum. Aber Mails an mich lassen sich natürlich verfolgen. Per Post versandte CDs oder DVDs sind da schon viel sicherer. Vor allem wenn man sie mit falschen Absenderangaben versieht und nicht gerade in den Briefkasten vor seiner Haustür wirft.
Das kann aber nur ein Anfang sein. Wir brauchen eine Liga des Leakens. Leaken als Widerstand. Deshalb werde ich in der nächsten Zeit auch ein paar Hinweise geben wie man relativ sicher leaken kann. Vielleicht helfen ja auch andere Blogger mit.
Wenn wir morgen anfangen massiv zu leaken, dann hilft den Herrschenden keine Zensur mehr. Dann geht es denen an die Wäsche, die immer die anderen fertig machen wollten. Das halte ich für ein schönes Ziel.
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