Richtig leaken einfach gemacht - Teil I
Das es sehr gute Gründe dafür gibt Fehlverhalten und Verbrechen öffentlich zu machen zeigen die Beispiele Scientology und Bankhaus Julius Bär.
Natürlich kann nicht jeder mit den Unterlagen die er zur Verfügung hat, an die Öffentlichkeit gehen. Das ist in Deutschland praktisch unmöglich, da viele fleißige Gerichte sofort das Material einziehen würden um die Gauner zu schützen. Aber die meisten wollen ihre Jobs ja auch gar nicht aufgeben, sondern nur verhindern, das durch das Unternehmen oder die Gemeinschaft für die sie arbeiten, oder der sie angehören, Schaden für andere entsteht. Leaken bedeutet Recht wieder herstellen und zukünftigen Schaden abwenden.
Wer heute weiß, wo sein Unternehmen oder einzelne Personen betrügen, kann davon ausgehen, das sie genau so weitermachen, bis sie erwischt werden. Das ist wie bei einem Kinderschänder. Es wird nicht aufhören, wenn man wegsieht.
Leaken erfordert Mut. Die kleinen und großen schmutzigen Geheimnisse sind oft gut geschützt. Werkschutz, Kameraüberwachung und permanente Überwachung der Datenzugriffe, aber auch Kennzeichen auf ausgedruckten Papieren. Wie z.B. Wasserzeichen oder laufende Nummern. Neben Mut erfordert leaken aber auch Geduld. Leaken ist nicht wie jagen, wo man dem Wild nachstellt, sondern mehr wie Angeln von einem Steg aus. Man sitzt geduldig und wartet bis irgendwas anbeißt oder vorbeigeschwommen kommt.
Tatsächlich ist die Menge des Beweismaterials, das in wenigen Wochen oder Monaten an der richtigen Stelle vorbeischwimmt ein echtes Problem. Niemand kann alles wegschaffen und sichern. Man muss nur geduldig genug sein. Aber Mut und Geduld reichen immer noch nicht für richtiges leaken. Man muss auch vorsichtig sein. Es macht keinen Sinn jeden Brocken den man bekommt mitzunehmen und sich dafür der Gefahr es Erwischtwerdens auszusetzen. Die Beute muss sich lohnen oder ungefährlich sein. Etwas was die Gefahr nicht lohnt, lässt man weiterschwimmen. Es kommt bestimmt irgendwann nochmal vorbei.
Allerdings hat die Gegenseite auch Angst vor Leuten die leaken. Deshalb kann es sein dass plötzlich ungewöhnlich viele dicke Brocken vorbeischwimmen. Davon lassen kluge Leute die Finger. Das könnte ein Köder sein. Es kommt wirklich nicht darauf an, eine Geschichte heute fertig zu leaken. Lieber erst in drei Monaten, oder einem Jahr, dafür aber sicher.
Es gibt noch einen weiteren Punkt bei der Materialauswahl, die Frage der Identifizierbarkeit. Jemand der nur Informationen leakt, die keiner außer ihm selber komplett haben kann, ist ein Idiot oder eine Idiotin. Dann kann man die Sache gleich mit vollem Namen veröffentlichen.
Normalerweise sind Büros keine Hochsicherheitstrakte und auch Aktenablagen eher recht öffentlich. Da macht es Sinn sich an Material zu bedienen, an das man normalerweise selber nicht herangekommen wäre und dafür lieber einen eigenen dicken Brocken nicht zu leaken, sondern still im Kämmerchen zu verwahren um im Falle eines Falles nachfeuern zu können.
Bei der Suche nach dem Leaker wird immer auf die gleiche Art und Weise vorgegangen. Wer hatte Zugang zu allen was geleakt wurde. Ergibt sich daraus eine Gruppe von Personen, kann nur noch geprüft werden, ob jemand zu irgendeinem fixen Zeitpunkt Zugang gehabt haben gekonnt hätte. An dieser Stelle ist meist Feierabend mit den Nachforschungen, weil Abteilungsleiter oder gar noch höhere Tiere betroffen sind.
Das zweite Problem ist wie bekommt man die Daten oder Kopien aus dem Hause. Wenn es sich um Daten handelt die nicht auf einem Datenträger oder Papier vorhanden sind, gibt es nur eine Methode der Wahl. Den mp3-Player. Heutzutage hat praktisch jeder so ein Ding. Sie kosten nicht viel, so dass man sie auch mal bei Gefahr durchs Klo spülen kann und sie sind praktisch nichts anderes als ein USB-Speicherstick. Man kann auf ihnen alles speichern, nicht nur mp3. Wenn man nicht ganz blöd ist, sind genügend Lieder darauf gespeichert um den Mann vom Werkschutz zum Wahnsinn zu treiben. Ich sage nur Holzmichel und La Montanara.
Mit dem mp3-player fällt niemand auf. Die Daten sind schnell überspielt und alles ist in Ordnung. Wer Papier mitnehmen will oder muss, sollte seine Umwelt daran gewöhnen. Normalerweise reicht es davon zu faseln, das man einen Text überarbeiten will oder das Wort Abendschule raunt. Wenn man tagein tagaus mit Papier ins Haus kommt und das Haus verlässt wird irgendwann niemand mehr ernsthaft kontrollieren.
Wer Datenträger mitnehmen will, sollte diese besser auf den mp3-Player kopieren, auch wenn es mehrere Tage dauert. Die Scheiben sind bei einigen gewitzteren Sicherheitseinrichtungen leicht endeckt. Das gleiche gilt für USB-Sticks. Die lassen sich ebenfalls schlecht erklären.
Wenn man die Daten erst einmal draußen hat, sind die Probleme aber noch nicht alle gelöst. Bei Papier empfiehlt es sich, es schnell einzuscannen, auszudrucken und nochmals einzuscannen. Das vorher seltsame Nummern entfernt werden müssen ist klar. Da hilft Tipp-Ex oder eine Schere. Wenn solche Nummern am Rand sind, dann bitte immer den gesamten Rand des papiers beschneiden. Die Position der Nummer kann genau so signifikant wie die Nummer selber sein.
Auch PDFs müssen ausgedruckt und notfalls behandelt werden. Wie bei Papier gilt, kopieren bis die Wasserzeichen nicht mehr zu erkennen sind. Das ist Arbeit die Sicherheit schafft. Leute die ein wenig mehr Geld haben, leisten sich einen zweiten Drucker eines anderen Herstellers. Die Dinger werden einem heute ja praktisch nachgeworfen. Das gleiche Dokument auf einem Drucker ausgedruckt, dann gescannt und auf dem nächsten wieder ausgedruckt verwirrt selbst Profis.
Zum Schluß dürfen alle Daten nur noch als eingescannte Drucke in PDFs vorhanden sein. Das übriggebliebene Papier gehört in den Reiswolf und sollte möglichst weit von der eigenen Wohnung entfernt, entsorgt werden, wenn man keine Ofenheizung oder keinen Kamin hat.
Wer sich bis hier hin vernünftig, geduldig und klug verhalten hat, ist zunächst außerhalb jeder Gefahr. Es gilt weiterhin Ruhe zu bewahren. Nichts überstürzen. Im zweiten Teil geht es darum wie die Daten an die Öffentlichkeit kommen können.























[1] http://tinyurl.com/326pqp (url gekürzt)
[2] http://www.eff.org/wp/investigating-machine-identification-code-technology-color-laser-printers