In Berlin hat die BVG gestreikt. Das hätte für das Berliner Taxigewerbe eigentlich eine ständige Silvesternacht bedeuten müssen. Sozusagen ein warmer Regen innerhalb einer schon sehr, sehr langen Dürreperiode. Ich habe an dieser Stelle keine Lust mich über die Gründe für diese Dürre auszulassen. Einige sind hausgemacht, andere kommen aus einer völlig verfehlten Konzessionspolitik, aber wer will von unseren Politikern schon ernsthaft Verstand erwarten.
Das was jetzt während des Streiks passiert ist, zeigt jedoch deutlich das eigene Unvermögen. Die Kunden riefen oft mehr als 30 Minuten bei Funkzentralen an ohne etwas anderes als ein Besetztzeichen zu hören. Das gilt durchgehend über alle großen Berliner Zentralen. Da gab es sicher keine Möglichkeit mal schnell ein paar Leitungen mehr freischalten zu lassen, da konnten nicht mehr Leute an die Annahme und Vermittlungsplätze gesetzt werden. Nein die Funkrufzentralen zeigten sich gleichermaßen übergerascht. So was aber auch. Es werden Taxis gebraucht. Das konnte doch niemand ahnen.
Den schärfsten Spruch hörte ich von jemandem der nicht ahnen konnte, das ich es besser wusste. Er erklärte mir, das alles nicht so einfach sei. Der gute Mann kam auch noch vom Innungsfunk und ist da richtig zuständig. Die Programme beim Innungsfunk hätten zu Heinz Peters Zeiten schon 32 Vermittlungsplätze in der einfachen Form erlaubt und würden heute, wenn man sie denn richtig weiterentwickelt hätte, leicht 100 oder 200 Annahme- und Vermittlungsplätze hergeben, die man sich sogar in Berlin für solche Fälle leihen könnte. Personal gibt es auch genug.
Ich weiß nicht was da heute an Rechentechnik steht, aber Heinz Peter mag vielleicht ein paar Veränderungen zu schnell durchgedrückt haben, gegen das was jetzt läuft, war das jedoch eine Gnade. Ich hätte mich nicht mehr mit dem Thema beschäftigt, wenn mir gestern nicht der Leiter einer anderen Funkzentrale erzählt hätte, das es ja während des Streiks an Taxis gefehlt habe. Ich hab ihm empfohlen demnächst mal raus zu gehen und an den Halteplätzen nachzusehen.
Die Halteplätze waren zwar nicht so voll, wie zu den Zeiten zu denen die BVG fährt, aber für Streiktage immer noch viel zu voll. Auf der einen Seite gab es Kunden die sich die Finger wund gewählt oder gar verzichtet haben, auf der anderen Seite gab es Kutscher die keine Aufträge bekamen. Ich rede von mitten in der Stadt. Charlottenburg, Wilmersdorf, Tiergarten. Ich war nicht in Spandau und nicht in Hellersdorf.
Wie gut hätten die Kutscher und auch die Besitzer das Geld gebrauchen können? So leicht wird es auf die Schnelle nicht mehr zu verdienen sein. Ich habe keine Spur der Ahnung wie die heutigen Machtverhältnisse sind. Aber das was da als Leistung angeboten wird, ist erbärmlich. Wenn ich mir diese
Taxibestellung per Internet ansehe, dann frage ich mich was in den letzten Jahren passiert ist. Nichts. Schlafes Bruder ist der Tod.
Eine Schnittstelle zum Vermittlungsrechner zu programmieren und die Aufträge direkt anzunehmen ist nun wirklich nicht das Problem. Diese schon in digitaler Form vorliegenden Aufträge bei den Fahrern mit Datenfunk loszuwerden wohl auch nicht. Dem Kunden dann die Wagennummer und eventuell eine Wartezeit die der Kutscher angibt zu melden ebenfalls nicht. Nimmt kein Fahrer den Auftrag innerhalb einer Minute an, fällt er oben in die Schleife auf einen Vermittlungsplatz. Schon haben wir ein praktisch fast vollautomatisches Vermittlungssystem. Ähnlich wie bei den Kneipenrufgeräten.
Ja. Das wird wieder einmal Geld kosten. Aber das was das Unvermögen der Vermittlungszentralen bei diesem Streik gekostet hat, war auch Geld. Vielleicht sogar mehr Geld. Es ist jetzt an der Zeit mal wieder Bewegung in die Sache zu bringen. Bevor es jemand anders tut.