Das der deutsche Journalismus in weiten Teilen absoluter Schrott ist, weil die Herren und Damen Journalisten aus Feigheit sich nicht trauen die Wahrheit zu schreiben, bestochen wurden, oder so sehr von der Schere im eigenen Kopf unterdrückt werden, das sie gar nicht mehr schreiben können, ist bekannt.
Wenn ich daran denke das mein Großvater schon die Zeitung mit dem Satz:
Liegt auf der Treppe und lügt!
treffend charakterisierte, dann frage ich mich was er wohl zu dem Scheiß sagen würde, der sich heute Zeitung oder Medien nennt.
Die Netzeitung, jenes Werbewitzblättchen im Internet das schneller den Besitzer wechselt als einige Leute ihre Unterhosen, hat gerade mal wieder den Vogel abgeschossen:
Killer-Rochen springt in Boot und tötet Urlauberin
Natürlich ist der Artikel nicht namentlich gekennzeichnet. Wer möchte auch schon als absolut dämliches Arschloch vor der Welt stehen. Tatsächlich ist folgendes passiert. Ein Adlerrochen mit 35 kg Eigengewicht springt vermutlich von Fressfeinden verfolgt, nach Rochenart aus dem Wasser um sich zu retten, als zum gleichen Zeitpunkt ein Boot mit 40 Stundenkilometern ihm entgegenfährt. Geschwindigkeit und Gewicht des Rochens und des Bootes summieren sich an dem Punkt, an dem die 55 jährige Tochter des Bootsführers liegt. Das Ergebnis ist für Rochen und Tochter gleichermaßen tödlich. Ein bizarrer Unfall.
Das die Netzeitung daraus einen Killerrochen macht, zeigt wie notwendig diese Pfeifen jeden Klick brauchen um den nächsten Tag noch zu überleben. Genauso hätten sie von einem Killervater reden können, der mit seinem Boot und mittels seiner Tochter, einen armen flüchtenden Rochen tötet. Aber die Netzeitung denkt nicht, sie ist eine dumme Klickmaschine.
Das bekräftigt sie im gleichen Artikel auch noch mehrfach:
Der jüngste Unfall weckt auch Erinnerungen an den tragischen Tod des australischen Tierfilmers Steve Irwin. Der TV-«Krokodiljäger» war im September 2006 bei Unterwasseraufnahmen am Great Barrier Reef von einem Stachelrochen mitten ins Herz gestochen worden.
Nur um es mal deutlich zu sagen. Das war kein tragischer Tod, sondern Steve Irwin, dessen Lieblingsbeschäftigung darin bestand vor laufender Kamera irgendwelche Tiere am Schwanz zu ziehen, was nun gar nichts mit Tierfilmerei aber eine Menge mit Großkotzigkeit zu tun hat, hat einmal überzogen. Wenn ich ehrlich bin habe ich immer gehofft das sich mal ein Krokodil umdreht und ihm die dicken Finger kürzt.
Das was die Netzeitung hier liefert ist deutscher Journalismus. Drüben bei Stefan Niggemeier, wo es um seltsame Berichterstattung geht und ein NewsMan wie ein Lokalreporter regen sich auf, weil man unsere ach so tollen Journalisten kritisiert. Wohlgemerkt nicht so dick wie bei den Netzeitungsleuten aber im Prinzip war selbst bei den mageren News des Karfreitags genügend Mist dabei, um zehn derartige Beiträge zu schreiben.























Kritik an Journalismus ist nie relevant. Es ist immer ein Einzelfall. Ob Tibet, Finanzmarktkrise, die Aktivitäten der Neoliberalen, das politsche kaputtschreiben von Personen und möglichen Koalition, die einseitige Berichterstattung. Alles lauter bedauerliche Einzelfälle.
Natürlich ist der Killerrochen nicht relevant. Es ist auch nicht relevant das n-tv Börsenjournalisten noch im laufenden Crash Leute in die Papiere drücken wollen, genausowenig wie es relevant ist das unsere Presse darüber schweigt, das Bertelsmann die neuen Arbeitsgesetze für Deutschland macht.
Alles nicht relevant. Mensch in der ersten Schülerzeitung an der ich vor Jahrzehnten mitgearbeitet habe, hätten wir solche Pfeifen rausgehauen und ihnen vermutlich noch ein paar Tritte verpasst. Selbst in meinem Anzeigenblättchen hätte ich die heute übliche Werbehudelei nicht geduldet.
Wenn du wissen willst warum ich den deutschen Journalismus in weiten Teilen für Schrott halte, dann kauf dir an einem beliebigen Tag drei Tageszeitungen, und drei Magazine. Nimm aus jedem drei beliebige Artikel und recherchiere die in Ruhe nach.
Ein Drittel ist Presseverlautbarung für ein Produkt lustigerweise oft noch verstanden, wenn die Herrschaften auf eigene Worte zurückgreifen.
Ein Drittel ist Propaganda mit teilweise absolut fragwürdigem Hintergrund, oder einfach Unterhaltung wie der Killerrochen. Gefährliche Unterhaltung übrigens, da die Rochen auch vom Aussterben bedroht sind und nach solchen Berichten jeder sich als Rächer fühlt, der einen umbringen kann.
Das letzte Drittel ist in Ordnung, aber entweder Lokalkolorit das keinem weh tut, dafür aber einige freut oder Agenturmaterial.
Allerdings könntest du Glück haben. Ab und zu gibt es sie noch die Sternstunden. Dann kommen auch aus der miesesten Zeitung plötzlich großartige Artikel. Weil ein Journalist die Schnauze voll hat, vielleicht schon gekündigt ist, oder einfach mit der Wut im Bauch schreibt.
Die Finanzkrise brachte die Wahrheitstage in der FTD und auch mal beim Handelsblatt. Selbst der Spiegel hat mal lichte Momente und hinterfragt unsere Politiker. Aber im Großen und Ganzen ist es Müll.
Ich habe eine nette Geschichte hier über meine eigenen Erfahrungen mit Medien. Daraus ist leicht ersichtlich, das ich über die Entwicklung des deutschen Journalismus nicht erfreut bin. Ich hätte viel lieber Journalisten die als solche funktionieren. Da es die aber nicht gibt, schimpfe ich, in der Hoffnung den einen oder anderen aufzurütteln.
Damit wir uns klar verstehen. Ich halte Blogger nicht für die besseren Journalisten und auch das Wort Bürgerjournalismus trifft nur in seltenen Fällen, das was Blogger machen.
Ich verkündige hier meine Meinung, in der Hoffnung das viele andere, sich dieser Meinung anschließen. Ich liefere keine Nachrichten, ich verwerte sie. Da ich keine Werbung treibe, also keinen wirtschaftlichen Vorteil habe, darf ich auch unfair und überzogen sein, solange es nicht Selbstzweck ist.
Das einzige, in dem ich an Blogger und Journalisten den gleichen Anspruch habe, ist die Recherche und eine Fairness der Quellen. Ich zitiere immer die Quelle die mir als erstes über den Weg gelaufen ist, auch wenn ich sie wie Springer nicht leiden kann und ich baue keine Texte um, um nicht die Quelle nennen zu müssen. Außer ich habe eigene Informanten natürlich.
Mir würde sicherlich noch treffenderes einfallen um die Problem des deutschen Journalismus zu beschreiben, aber das ist den Aufwand nicht wert. Ich werde auch nicht versuchen den Papst zu Demokratie und Vernunft aufzufordern.
Mach das doch selbst mal in Deinem Blog, anstatt mit einer Story aus Florida zu kommen, über die Du nur spekulieren kannst.
Aber wenn ich das mache, würdet ihr Qualitätsjournalisten mir doch sofort vorwerfen ich habe mir die Beispiele herausgesucht. Deshalb macht es selber und ihr wisst was ihr für Schrott produziert.