Das ich meinen Lesern nicht viel vormachen kann, beeindruckt mich immer wieder. Innerhalb kürzester Zeit haben mich eine ganze Reihe von Leuten auf das Thema Nachdenkseiten angesprochen, oder mir gar Links geschickt. Meist offen aber unterschwellig tauchte da immer wieder die Frage auf, warum ich so selten auf die Nachdenkseiten eingehe, bzw. dahin verlinke.
Das ist in Wirklichkeit kein großes Geheimnis und sei deshalb hier mal eben schnell abgehandelt. Ich finde die Inhalte der Nachdenkseite völlig in Ordnung, meist deutlich besser formuliert und recherchiert als ich das zum gleichen Thema liefern kann und die wenigen Fälle in denen ich grundsätzlich anderer Meinung sind, betreffen die SPD oder sind so marginal, das sie keiner Erwähnung bedürfen.
Allerdings würde ich manchmal gerne einen Gedanken beisteuern, was aber aufgrund der fehlenden Kommentarfunktion unmöglich ist. Natürlich könnte ich dann jedes Mal einen Blogbeitrag schreiben und drei Sätze zu diesem Thema anfügen, macht aber keiner und deshalb entsteht bei mir oft ein ungutes Gefühl. Ich weiß das die Moderation von Kommentaren, wie sie für eine derartig häufig gelesene Seite nötig wäre, viel Arbeit und eine Menge Ärger macht.
Trotzdem bin ich unglücklich wenn jemand seine Meinung verlautbart und alle anderen dann in einer Position zurücklässt in der sie nur fressen oder nicht fressen können. Diese Art von Verlautbarungsjournalismus haben wir überall, sie hilft niemandem weiter, weil es uns ja nicht an veröffentlichter Meinung, sondern an Diskussion fehlt. Ich kenne diesen Stil noch aus der alten SPD, wo auch immer versucht wurde, durchaus das richtige zu sagen, aber dann vorsichtshalber jede Diskussion unterbunden werden sollte, weil der Text ja schon stand und mit wem auch immer abgesprochen war.
Ich kann für meinen Teil mich nicht bitterst über die Süddeutsche Zeitung beklagen und eine noch größere Verweigerungshaltung auf einer mir politisch nahestehenden Seite gänzlich übersehen.
Es gibt aber noch einen anderen viel praktischeren Grund, den ich den Nachdenkseiten auch schon zwei mal per Mail übermittelt habe, was aber wahrscheinlich in der Menge der Mails untergangen ist. Ich bin Feed-Leser. Das bedeutet, das ich Unmenge von Blogs, Zeitungen, Magazine und ähnliches per Feed aboniert habe. Ich bin chancenlos wirklich alles zu lesen und es gibt ja auch viele Themen die mich nicht interessieren oder über die ich einfach keine Lust habe zu schreiben.
Deshalb lese ich die Titel im Feedreader und habe ein Auge darauf von wem die Nachricht kommt. Bin ich interessiert clicke ich den Titel an und sehe im unteren Fenster die Nachricht. Die meisten Blogger senden wie ich auch den kompletten Artikel in ihrem Feed aus. Ich kann mich schnell und umfassend informieren, will ich kommentieren, habe ich dafür in der Software Basket einen Korb in dem der Link landet, wenn ich nicht sofort Zeit habe, will ich das Thema in einem Artikel aufgreifen, landet der Link und eine Beschreibung, die meist aus Artikeltext besteht im Korb zu diesen Themen und ich gehe weiter durch die Titel im Feedreader.
Das Verfahren erlaubt es große Mengen an Feeds effizient zu verarbeiten und gleichzeitig auf dem laufenden zu bleiben und auch Stoff für neue Themen zu sammeln. Leider gibt es Seiten die nur Teile ihrer Artikel oder gar nur die Schlagzeile bringen. Der Spiegel macht das, weil er glaubt, das ich wegen seiner tollen Schlagzeilen öfter clicke. Mach ich aber nicht. Der meiste Spon-Mist rutscht ungelesen durch. Keine Zeit auf den Seitenaufbau und die Werbung zu warten nur damit Spon ein paar Cent mehr bekommt.
Die Nachdenkseiten machen es genauso, obwohl die nur Werbung für ihre eigenen Bücher haben und deshalb eigentlich nicht klickgeil sein müssten. Bei mir führt das aber zu solch tollen Feeds:
Steinbrück sagt die Unwahrheit - die Finanzkrise ist nicht nur in den USA verursacht
Datum:Mittwoch 19 März 2008 17:05
Autor:Albrecht Müller
Bei Spiegel TV äußert sich der Bundesfinanzminister wie folgt: Wir haben es mit einer der größten Finanzkrisen in den letzten Jahrzehnten zu tun. Die ist verursacht in den USA und droht auch andere Teile der Welt buchstäblich in Mitleidenschaft zu ziehen. Dass deutsche Banken und auch die Politik, namentlich der Bundesfinanzminister, an der Entstehung der [...]
Vollständiger Text
Das Steinbrück lügt weiß ich selber, Spiegel TV kommt von Mohn/Bertelsmann und was ich von denen halte, weiß ich auch. Aber selbst wenn wir das weglassen, weshalb sollte ich meinen Feedreader verlassen um den Text auf den Nachdenkseiten zu lesen. Mich hat an dieser Einführung nichts gefangen. Also lese ich den Text nicht und verpasse vielleicht gute und kluge Gedanken, die ich ja wahrscheinlich in Gesprächen und auf meinem Blog weitergeben würde. Aber ich bekomme sie nicht zu sehen.
Es ist übrigens kein Argument die Nachdenkseiten seien immer gut. Das müssen sie jedesmal beweisen, weil Lesen Zeit kostet und Zeit mit das kostbarste ist, wenn man nicht nur Blogschreiberling ist, sondern auch noch jede Menge ander Dinge zu erledigen und zu erleben hat. Besonders bescheuert ist allerdings diese tägliche Variante die, die Nachdenkseiten liefern:
Hinweise des Tages
Datum:Donnerstag 20 März 2008 08:50
Autor:Wolfgang Lieb
Vorbemerkung: Dieser Service der NachDenkSeiten soll Ihnen einen schnellen Überblick über interessante Artikel und Sendungen verschiedener Medien verschaffen.
Vollständiger Text
Das ist dann schon mehr als ärgerlich. Unsinnige Leitungsbelastung oder schlicht eine Frechheit. Aber keine Sorge, ich zitiere die Nachdenkseiten. Ich schreibe gerade über unsere Eliten und den Frankfurter Rat gegen eine menschliche Zukunft, auch fälschlicherweise als Zukunftsrat bezeichnet. Da hab ich den Hinweis allerdings über einen Leser und über Google.
Mein Genöle sollte also niemanden davon abhalten die Nachdenkseiten täglich zu lesen. Aber ich habe hunderte genau so lesenswerter Seiten und da kommt immer der, der zuerst mein Interesse gefangen hat. Das ist aber persönliche Befindlichkeit und sagt eben nichts negatives über die Nachdenkseiten aus.




















Darauf hat die Welt gewartet!
Die Nachdenkseiten sind jeden Tag lesenswert.
Wenn es einzelne Themen/Artikel gibt, die mich
nicht interessieren, lese ich sie eben einfach
nicht.
Und übrigens antworten beide Herren, wenn man
ihnen schreibt.
Apropos 'ungutes Gefühl'. Mein Gefühl gegenüber dieser Form von politischer Publikation ist das einer Belehrung von oben herab. Mögen die Lehrinhalte auch noch so richtig und gut gemeint sein, es fühlt sich für mich so irgendwie falsch an - undemokratisch.
Hat halt mit den Lesegewohnheiten zu tun.
Jetzt zu den Nachdenkseiten: Ich finde es auch sehr schade, dass es keine Kommentarfunktion gibt. Finde die Seite auch meistens sehr lesenswert. Die Hinweise des Tages sind allerdings nur für die Leute gut, die die einschlägigen Medienportale nicht sowieso schon lesen. Also eine reine Zusammenfassung wie die Google-News mit einigen Kommentaren versehen.
Gruß
Gangarth
Alles in allem finde ich gut, daß es die gibt, alles, was es an gut recherchierter, fundierter Gegenöffentlichkeit gibt, hilft.
alle einig. Eine Gegenöffentlichkeit ist
wichtig, notwendig und gut.
Das zeigt, daß sowohl die NDS als auch dieser
Blog hier ihren Sinn erfüllen (und sicher noch
weitere).
Wir müssten jetzt aber doch irgendwie auch
weiter -gehen, -machen, -reden, -organisieren,
-wasauchimmer.
Was bringt es, daß sich alle beklagen und sich
einig sind, es sich aber nichts ändert? Wie
sähe wohl ein "nächster Schritt" aus?
Und wie weiter, Ines??
LG friedrich
MfG,
P. Kuhn.
Grüsse,
P.K.
Jeder kann doch machen was er will. Wenn ich was antworte wird das doch meist wegzensiert. In der WiWo zum Beispiel.
Gerne lese ich auch Bild.de. Vor allem wegen der Bilder und es geht schneller. Den Rest kann ich mir denken, lügen doch alle.
Schöne und vor allem fröhliche Weihnachten wünsche ich den Bloggern oder Nichtbloggern und feed (Fuß?)- Lesern, was immer das auch sein mag.
Hier fehlt es schlichtweg vielleicht auch an spezifischer Bildung.
Dieses Phänomen beobachte ich auch zur Zeit bei der intellektuellen Mittelschicht.