Die Rache des Apothekers
In den letzten Wochen und Monaten gab es bei uns in der Kneipe immer wieder ein Thema. Der Kampf des Apothekers gegen einen seiner Mieter und die deutsche Justiz war immer wieder Anlass den Pillenverkoofmich durch die Mangel zu drehen. Es hat ja schon etwas seltsames, wenn Leute die selbst jedes Rechtsmittel wahrnehmen, anderen im Grunde genommen jedes Rechtsmittel verweigern wollen.
Das hatten wir vor kurzem in der Blogwelt ja auch, wo sich ein bloggender Rechtsanwalt darüber aufregte, das sein Gerichtsverfahren genauso schleppend bearbeitet wurde, wie alle anderen und das der gegnerische Anwalt bei der Räumungsklage genau die gleichen Tricks anwandte, die er auch angewendete hätte. Aber zwischen dem eigenen Rechtsanspruch und dem Recht das man dem anderen zubilligt, klafft ja oft eine sehr große Lücke.
Ich kannte den Mieter des Apothekers vom Sehen und Grüßen auf der Straße. Er hatte ein Taxi und hat mich auch ein- oder zweimal gefahren. Koreaner, Japaner, vielleicht auch Chinese, ich habe ihn nicht gefragt. Er fuhr meist Nachts und kam morgens wieder. Sieben Tage die Woche. Ich sah ihn oft, wenn ich mit dem Dackel Zeitung lesen ging. Zwölf bis vierzehn Stunden Arbeit täglich. Manchmal auch mehr.
Aber das Berliner Taxigewerbe nährt seinen Mann nicht mehr und schon gar keine Familie. Ein altes Taxi ist ein teures Taxi weil es dauernd repariert werden muss. Aber die Menschen klammern sich lange an ihre mühsam errungene Selbstständigkeit und verschulden sich immer weiter. Irgendwann kommt das dicke Ende, so auch bei ihm. Ich sah wie er sein Taxi ausräumte und kannte den Käufer. Er zuckte nur mit den Schultern und meinte das die Zeiten schwer seien. Ich konnte ihm nicht helfen.
Nun war er nur noch Fahrer, für irgendeinen Unternehmer. Sicher nicht für den besten Unternehmer, praktisch fuhr er ein älteres Taxi als er selber besessen hatte und so dürfte auch sein Lohn gewesen sein. Auf jeden Fall hat er die Miete nicht gezahlt. Ich weiß natürlich nicht, was er mit seinem Geld gemacht hat, aber der Besitzer des Thai-Restaurants meinte, das er nicht gespielt habe. Für Drogen war er zu alt und gesoffen hat er auch nicht.
Es wird ihm wie vielen gegangen sein. Die Schulden stiegen, die Einnahmen sanken. Am Ende blieben nur Schulden, die mit Arbeit nicht mehr zu bezahlen sind. Natürlich gibt es Möglichkeiten. Privatinsolvenz mit sieben Jahren Wohlverhalten. Aber auch das erfordert Geld, Zeit und Beratung wenn man vorher selbständig war. Nicht einfach und oft fehlen auch Unterlagen, die der Steuerberater nicht rausrückt, weil er nicht bezahlt wurde oder die einfach im Chaos des Untergangs verschwanden.
Es ist ja häufig so, das im Untergang Post nicht mehr geöffnet wird, die Schuldner sich einfach in sich zurückziehen und erstarren. Natürlich ist das nicht sinnvoll, aber für die Betroffenen bricht meist eine Welt zusammen. Ich hab zweimal Anlauf genommen mit ihm zu reden. Aber ich war nicht gut genug, ich hab ihn nicht erreicht und dann wie die anderen auch nur zugesehen. Vielleicht hätte ich ihn an den Ohren zum Sozialamt schleifen sollen. Aber ich habe es nicht getan.
Dafür klagte uns der Apotheker sein Leid. Die Miete kam schleppend, die Altschulden vergrößerten sich eher als dass sie eingedämmt wurden. Der Apotheker hatte Dollarzeichen in den Augen. Der Mann war lange Mieter, dem hätte er die Miete nicht erhöhen können. Natürlich wurden auch die Vorwürfe immer aberwitziger. Nun war der Mieter unsauber, ein Mietnomade der ja auch nur vierzehn Jahre bei ihm gewohnt hatte.
In meinem Beisein hörte der Apotheker dann damit auf, weil ich ihm anbot mich näher mit seinen Geschäften zu beschäftigen. Das wollte er dann doch lieber nicht, zumal auch immer die Gefahr besteht, dass ich ihm was aufs Maul haue wenn er mich nervt. Ich bekam also nur über die anderen den Stand der Dinge übermittelt. Das Verfahren war einfach. Der Taxifahrer wehrte sich nicht und der Apotheker hat eine gute völlig mitleidslose und niederträchtige Anwältin. Sie ist zwar bildhübsch, wird von mir aber total ignoriert, was sie zur Weißglut treibt. Vor allem weil sie mir kein Gespräch aufzwingen kann.
Trotz dieser Anwältin dauerte das Verfahren. Monat um Monat. Irgendwann kam dann der Räumungsbescheid und dann auch der Tag der Räumung. Gerichtsvollzieherin, Anwältin und Apotheker genossen gemeinsam ihren Sieg. Eine Bande von Möbelvernichtern zerstörte die Einrichtung mehr, als dass sie sie transportierten und der Taxifahrer rettete einen kleinen Rest in einem Klaufix, wie die alten einachsigen Trabantanhänger in der DDR genannt wurden. Der Dackel und ich machten das wir wegkamen, da war leider keine Hilfe mehr möglich und ich habe mich geschämt, das ich vorher nicht mehr getan habe.
Der miese Apotheker hat dann am schwarzen Brett seines Hauses einen Zettel angebracht, auf dem er nicht nur behauptete der Mieter habe seine Wohnung so schwer verwohnt, das größere Reparaturen notwendig sei, sondern er machte seine Rache auch noch vollkommen, in dem er den Namen des Mieters mit allen Vor- und Nachnamen noch einmal laut verkünden musste. Ein Arschloch-Apotheker halt.
Der Zettel verschwand dann schnell wieder, weil ein paar nette Menschen dem Apotheker erklärt haben das sie ihn andernfalls kackbraun anstreichen würden um seine Gesinnung zu verdeutlichen. Das machte ihm Angst, zumal ich mich mit anderen laut darüber unterhalten habe, wie man sein Auto durch entsprechende Schnitte mit der Flex so kürzen könnte, dass er es in die Parklücken bekommt und nicht die Bürgersteige belegen muss.
Nach Angaben der Mieter in dem Haus und einer beauftragten Firma war die aufwendige Renovierung nach zwei Eimern Farbe aber auch schon zu Ende. Die Kosten für die "aufwendige" Renovierung anhand von vermutlich gefälschten Rechnungen und die Räumung wird der Steuerzahler bezahlen müssen, weil der Apotheker, sie als Verluste aus Vermietung und Verpachtung voll vom Gewinn seiner Apotheke abzieht und somit entsprechend weniger Steuern zahlt. Glücklicher Apotheker. Allerdings kenne ich sein Finanzamt und kann ihn nicht leiden.
Einen doofen Apotheker rund zu machen, ist das eine, am wirklichen Problem sind wir aber trotzdem gescheitert. Die Räumung war sinnlos. Sie hat nur Kosten verursacht. Dem Verlust der Wohnung folgt meist der Verlust des Jobs, was bei den Schulden auch schon egal ist und jemand der vor ein paar Monaten noch nützliches Mitglied der Gemeinschaft war, wird plötzlich zur Last für alle.
Das zerstörte Leben kostet uns viel mehr Geld, als es ein frühzeitiges Eingreifen von Seiten des Staates gekostet hätte. Ich bin dafür bei Räumungsklagen zunächst eine Mediationspflicht einzuführen und das Sozialamt zwingend in den Ablauf einzuschalten. Selbst wenn das Mietverhältnis so zerrüttet ist, das eine Weiterführung unmöglich ist, kann durch eine begleitende Betreuung viel erreicht werden.
Zusätzlich würde ich vorschlagen, das auch bei der Aufforderung zur Abgabe der eidestattlichen Versicherung automatisch ein Mediationsverfahren zu starten ist und das Sozialamt eingeschaltet wird. Natürlich wird das manchem Gauner etwas Zeit verschaffen, aber es ermöglicht auch den Schutz der Gläubigerinteressen weil amtsseitig genauer nachgesehen werden kann und es ermöglicht dem Schuldner in eine gut begleitete Privatinsolvenz zu gehen, die auch der Gesellschaft und dem Steuerzahler gerecht wird.
Auch wenn es den einen oder anderen Rechtsanwalt und Apotheker geben mag, den Hilfe für den Schuldner stört, ist das, das kleinere Übel. Zerstörte Menschenleben lassen sich nämlich kaum wieder reparieren oder nur zu unvorstellbar hohen Kosten.




















Gruß
Alex
Der Typ ist da Stammblogger und hat Ansichten wie ne tote Kuh Aussichten. Aber repräsentiert den feigen Neoliberalen so wunderbar, das man ihn gut vorführen konnte. Nützt natürlich nichts, aber vielleicht höhlt der stete Tropfen ja den Stein des Neoliberalismus, oder besser zerbröselt ihn.
Auf jeden Fall habe ich mir seine komische Lehranstalt mal auf den Plan geheftet und mal sehen ob man denen nicht die Steuergelder wieder aus dem Rachen reißen kann.
Genau! Guter Lösungsvorschlag. Vielleicht läßt sich das mal in Gesetzestexte gießen; schön wär's (bevor all das Wasser den Rhein runtergeflossen ist).
Wir brauchen endlich das soziale Jedermannsrecht.
Gruß
Alex
Die Leute wären sofort wieder integriert und würden nicht unter die Räder kommen.
Im Übrigen gibt es z.B. Berichte darüber, dass Gründer, die das zweite Mal gründen, sehr oft erfolgreich sind. Es braucht also mehr als eine Chance für manche Ideen und Innovationen. Heute scheitern diese in der Regel am Kapitalmangel und / oder durch Insolvenz.
Gruß
Alex
Nein die wollen ja auch keine Innovation. Schau dir Siemens an.