Die ganze Sache war ja ursprünglich mal eine tolle Idee. Die Kraft des Atoms versorgt die Menschheit mit praktisch kostenloser und unbegrenzter Energie, ohne Rauch. ohne Qualm und ohne Bergbau. Ich erinnere mich noch gut wie ich als Kind die Bilder von den Leuten in den blütenweißen Overalls gesehen habe, die ruhig und sachlich ihren Aufgaben nachgingen, um Energie für die Menschen zu schaffen. Als der Frachter NS Otto Hahn getauft wurde war ich richtig stolz. NS stand für Nuklear Ship. Zum damaligen Zeitpunkt glaubte ich dem amerikanischen Offizier, der mir erzählte, das es nach der amerikanischen Savannah, das zweite Nuklearschiff der Welt war.
Heute weiß ich, dass mir der Eisbrecher Lenin unterschlagen wurde und auch die Tatsache wie gefährlich die Gewinnung von Energie aus Kernbrennstoffen wirklich ist. Aber selbst mit dieser Gefahr könnten wir ja leben, wenn es Vertrauen gäbe, in die Herren dieser Energiegewinnung. Wenn man den RWE, Vattenfall und wie sie auch immer heißen nur ein Wort glauben könnte. Aber so wie damals die Männer in den sauberen weißen Overalls nur Lüge waren, die uns an eine heile Ariel oder Persilwelt glauben lassen sollten, während man schon begann die Sicherheitsvorschriften zurückzufahren und das Risiko zu erhöhen, ist es geblieben.
Es ist dieses hoffnungsvolle "Es wird schon gut gehen!" des Alkoholikers am Steuer, der zwar schon lange nicht mehr laufen kann und dies auch freimütig eingesteht, aber trotzdem glaubt fahrtüchtig zu sein. Diese reflexhafte Abwehr von Schuld nur bei der kleinsten Frage, die das schlechte Gewissen verdecken soll, dieses aber so deutlich offenbart, wie es nur eben geht. Man darf die Technologie nicht hinterfragen.
Eines habe ich als Kind schon sehr schnell und teilweise auch sehr bitter gelernt. Was man nicht hinterfragen darf, ist auch nicht gut oder nützlich. Zumindest nicht gut oder nützlich für eine Mehrheit der Menschen. Die kleinen schmierigen Geheimnisse die da verborgen werden, verderben jede Sache. Ein salmonellenverseuchtes Ei verdirbt zwanzigtausend andere Eier im Frischeitank.
Lange vor Tschernobyl war mir klar, das wir es nicht nur mit einem verdorbenen Ei zu tun haben, sondern das alle Eier im Korb verdorben sind. Gier und Geiz, Faulheit und Ignoranz sowie gelangweilte und gewissenlose Kontrollbehörden haben jedes Vertrauen zerstört. Es ist nicht die Gefahr aus der Kernspaltung und ihren Spaltprodukten, die den Einsatz von Kernenergie unmöglich macht, sondern der gewissenlose Umgang damit.
Dieses Gewissenlosigkeit im Umgang werden auch nicht mehr los. Gerade in Zeiten des Neoliberalismus und Wirtschaftsfaschismus sind Appelle an Ehre, Moral, Verantwortung einfach nur lächerlich. Es geht nur um Ausbeutung zu jedem Preis. Allerdings sind wir alle an dieser Entwicklung mit schuld. Jeder von uns. Wir haben Parteien und Organistionen zugelassen, die Verantwortungslosigkeit, Ehrlosigket und das Fehlen jeder Moral als höchstes menschliches Ziel nicht nur zulassen, sondern geradezu fordern und fördern.
In diesem Kontext müssen wir auch die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes eine Klage der Stadt Salzgitter zum Schacht Konrad, gar nicht erst zuzulassen, betrachten. Formal wird diese Entscheidung schon richtig sein, oder doch zumindest innerhalb des Spielraumes des Bundesverfassungsgerichtes liegen. Salzgitter darf nicht klagen, weil es schon beim Oberverwaltungsgericht die falschen Anträge gestellt hat.
In Wirklichkeit geht es um etwas anderes. Tatsächlich müssten alle Atomkraftwerke in Deutschland heute am Tage still gelegt werden, weil die Entsorgungsfrage nicht geklärt ist. Statt dessen lügen sich Politik und Betreiber gegenseitig die Taschen voll und belügen gleichzeitig die gesamte Bevölkerung. Die Gerichte spielen das Spiel mit, in dem sie einzelfallbezogen vorgehen. Für Konrad ist Asse II bedeutungslos weil es zwei unterschiedliche Fälle sind und Morsleben spielt gar keine Rolle.
Das muss auch so sein, weil ja auch ein Verfassungsrichter einigermaßen ruhig schlafen will. Das wir in Asse II gerade ein Drama live erleben ist für Schacht Konrad genauso bedeutungslos wie der Firstfall oder Lösersturz in Morsleben. In Morsleben führte der Einsturz wenigstens dazu das auch das Bundesamt für Strahlenschutz auf eine Weiternutzung als Endlager verzichtet.
In Asse II wird weiter weiterhin so getan, als würde nichts passieren:
Alles natürlich völlig ungefährlich. Nur etwas mehr als 125.000 Fässer, 102 t Uran, 87 t Thorium und nur 11,6 kg Plutonium. Nicht der Rede wert. Wer braucht schon Braunschweiger, Hanoveraner oder Bremer. Bis das Plutionium bei denen ist, haben wir vielleicht schon gute Krebsmittel und wenn nicht. Egal. Es geht um höhere Werte. Es geht um Profit.
Damit auch niemand mehr etwas unternehmen kann, soll das Bergwerk jetzt geflutet werden. Fluten bedeut es einfach vollaufen zu lassen und zu vergessen.
Das die Verfassungsrichter Morsleben und Asse II nicht kennen, ist auch bei viel Fantasie nicht anzunehmen. Würden sie es berücksichtigen, hätten sie der deutschen Politik und der Atomlobby einen sehr großen Felsen auf die Füße geworfen. Deutlich größer als die 4.000 Tonnen die in Morsleben von der Decke gestürzt sind. 4.000 Tonnen sind nur 133 Lastwagen voll. Wenn man das Zeug aus dem Schacht heraus hat, bevor der Rest einstürzt.
Wir erinnern uns an das Erdbeben und den Bergbaustopp im Saarland. Genau das kann in Morsleben oder Konrad auch jederzeit passieren. Die Idee den strahlenden Müll unter die Erde zu bringen hat ja zunächst etwas faszinierendes. Aus den Augen aus dem Sinn. Tatsächlich aber ist es das gleiche wie wenn ein Kind die Hand vor seine Augen hält und glaubt: "Ich seh dich nicht, du siehst mich auch nicht."
Meinen Artikel zu Asse II hier in diesem Blog Wollen Sie Braunschweig noch mal sehen? haben sehr viele Leute gelesen und er wird auch jetzt noch täglich mindestens zehn mal angeklickt. Aber das nutzt natürlich nichts.
In Asse II ist das Wasser schon jetzt dabei die Fässer und Container zu zerstören, Druck und Verschiebungen werden ein übriges tun. Die 102 t Uran, 87 t Thorium und nur 11,6 kg Plutonium werden uns wieder besuchen. Vielleicht nicht so schnell wie ich es beschrieben habe, aber vielleicht auch schon Morgen. Wir wissen es nicht.
Gehen sie gerne in Thermalbäder. Nehmen sie den Geigerzähler mit, es könnte sich lohnen. Tatsächlich aber kann jeder Bachlauf in der Gegend oder hunderte von Kilometern weit das Problem auch wieder zu Tage bringen. Wir könnten es nur einfangen wenn wir das Zeug dort heraus holen, genau wie in Morsleben. In oberirdischen Lagern können wir kontrollieren was passiert, können die Fässer ersetzen oder mit neuen Fässern umpacken. Wir haben Zugriff.
Diese Zugriffsmöglichkeit aber kostet Geld und würde gleichzeitig unserer Verantwortung für zukünftige Generationen gerecht. Die Leute von der Atomlobby aber denken Neoliberal, rücksichtslos und ihre einzige Zukunft liegt im nächsten Quartal und ob da die Ergebnisse stimmen. Ein ordentlicher und halbwegs sicherer Umgang mit dem Atommüll ist teuer. Zu teuer für die berufsmäßig Verantwortungslosen.
Bei unserem sonstigen Müll haben wir gelernt, dass wir ihn nicht einbuddeln dürfen, weil er sonst uns selbst und unser Wasser vergiftet. Wie viel mehr muss das dann für den viel langlebigeren Atommüll gelten. Von unserer Politik ist keine Hilfe zu erwarten. Die wollen verbuddeln um nichts mehr zu sehen. In ein paar Jahren sind sie ja nicht mehr an der Macht, dann sollen andere die Folgen ausbaden. Die Atomwirtschaft ist überhaupt nicht einsichtsfähig und die Hersteller von Kraftwerken wie Siemens haben durch ihre Bestechungsorgien bewiesen, dass sie im Grunde genommen völlig verantwortungslos sind.
Es bleibt nur der Bürger. Allerdings macht es keinen Sinn mehr mit Sitzblockaden und Hüttendörfern einen Protest zu forumulieren, der nur noch weitere Hundetschaften von Polizei heranzieht und in Zukunft, wenn es nach Schäuble geht, wohl auch noch durch Bundeswehrpanzer niedergewalzt werden wird. Die Zeit in der Schäuble und die hinter ihm stehenden neoliberalen Kräfte von INSM und Mohn/Bertelsmann noch nicht so weit sind, die Bürger in Uniform der Bundeswehr auf die Bürger ohne Uniform schießen zu lassen, müssen wir ausnutzen.
Wir bekommen ein Zeitproblem. Entweder wir befreien uns jetzt bald, oder wir brauchen nicht mehr darüber nachzudenken. Vielleicht haben wir noch bis 2010. Aber sobald die Politik sich über die Pöstchenvergabe nach der Bundestagswahl einig ist und die neuen Bestechungskanäle laufen, wird Schäuble oder ein anderer Komiker mit gleichen Intentionen wieder von der Kette gelassen und kann die Diktatur fertigstellen.
Wer glaubt das die momentane Ruhe längerfristig ist, der täuscht sich. Es geht um Wahlen, da sind die etwas vorsichtiger, aber danach schlagen sie um so härter zu. Es geht nicht mehr nur um Braunschweig, Salzgitter, Morsleben, Gorleben und die vielen anderen Orte. Es geht um uns und um unsere Vorstellung von einem Leben in Freiheit. Wir werden kämpfen müssen oder wir lernen den Kniefall und das senken der Köpfe vor unseren neuen Herren. Noch haben wir die Wahl.




















Mit Kohle sieht es ja auch nicht besser aus. Was haben die Kraftwerke für einen Wirkungsgrad? 40%?
Ein normal denkender Mensch würde da jetzt meinen: "Warum Milliarden für etwas ausgeben, wenn da am Ende nur 40% raus kommt?"
Aber um effiziente Energiegewinnung geht es ja auch nicht, sondern um Kontrolle. Die Energiekonzerne wollen eben diese 40% kontrollieren.
Als Bürgerin/Bürger kann man da nur mit eins drauf antworten: "Wir scheissen auf eure Kontrolle!"
Daher eine dezentrale, effiziente und zukunftssichere Energiegewinnung. Jedes Haus ein Kraftwerk!