Florian Gerster kann nicht überall sein, aber scheinbar hat er eine Menge Brüder im bitterbösen Ungeist:
Das Wach- und Sicherheitsgewerbe mit seinen rund 170.000 Beschäftigten hat die Aufnahme ins Entsendegesetz beantragt. Der Stundenlohn für Ostdeutschland soll nach den Vorstellungen des Bundesverbands BDWS aber nur 5,75 Euro betragen.
Das sagte Verbandschef Wolfgang Waschulewski. Den Antrag bei Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) stellte der Verband gemeinsam mit der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst und Dienstleistungen (GÖD). Die GÖD gehört dem Christlichen Gewerkschaftsbund an und ist vor allem in Ostdeutschland vertreten. Den Tarifvertrag wollen die neuen Tarifpartner im April nachreichen.
Diesen Lohn finde ich wirklich fair. Um mit einer Monatskarte der BVG zur Arbeit zu kommen, muss der Mitarbeiter nur 1,5 Tage arbeiten. 8 Tage für die Miete, 2 Tage für Strom, 3,5 Tage für einen Speiseplan nach Thilo Sarrazin plus etwas zu trinken, 1,5 Tage für den Verbrauch an Kleidung, Möbeln und Haushaltsgeräten und 1,5 Tage für Versicherungen. Und siehe da, nach genau 18 Tagen, hat der Mitarbeiter schon alle Kosten für sein Leben verdient. Für Luxus wie Telefon oder Zeitung oder Computer bleiben ihm in einem durchschnittlichen Monat dann noch 1,5 Arbeitstage.
Natürlich darf der Mann nicht krank werden, Medikamente oder Arztbesuch geht nicht. Soziale Kontakte sind Unsinn. Wer Arbeit hat, braucht keine sozialen Kontakte. Soziale Kontakte sind was für Herrn Sarrazin und unseren partymachenden Regierenden. Urlaub. Wozu braucht so ein Mann Urlaub. Der soll sich lieber eine Sterbeversicherung halten, damit er dem Staat nicht zur Last fällt, wenn er endlich stirbt.
Ach ja, sterben wird er ziemlich schnell bei Sarrazins Ernährung, was ja wohl auch im Sinne des Erfinders liegt. Dann wird wieder ein Arbeitsplatz frei. Vermutlich ist es genau so gedacht. Abbau der Arbeitslosen durch Hungerlöhne. Hatten wir so ähnlich in Deutschland schon mal, hieß nur irgendwie anders.
Was wollen wir wetten das die Richter am Berliner Verwaltungsgericht schon vor Freude erbeben. Endlich ein Mindestlohn wie sich ihn vermutlich wünschen. Da werden sie schon nichts dagegen haben. Dieser Mindestlohn quält die Menschen wenigstens richtig.
Ich persönlich könnte vor Wut explodieren. Weniger über Verbandschef Wolfgang Waschulewski, der glaubt ja wahrscheinlich sogar noch etwas für sein Gewerbe zu tun, wenn er solche Hungerlöhne will. Der ist zu blöd zu begreifen, das er damit eine Debatte um die Preise seiner Branche lostritt. Wenn die selbst nur Hungerlöhne bezahlen, dann muss ich doch auch nur die Hälfte für Waschulewski Mitglieder löhnen. Die haben doch kaum Kosten. Das kann so ein Verbandsfuzzi natürlich nicht begreifen. Dazu hätte er ja etwas lernen müssen. Kaufmann vielleicht.
Nein, richtig wütend bin ich über die Gewerkschaft Öffentlicher Dienst und Dienstleistungen (GÖD) und deren Mitglieder die solch einem Verein eine scheinbare Legitimation verschaffen, die Löhne zu drücken. Wir kennen diese Art von Gewerkschaft ja. Die gab es bei der PIN AG wo die auf Friede Springers Befehl für niedrige Löhne sogar demonstrieren mussten. Zwangsprostitution in ihrer schlimmsten Form.
Aber auch bei Siemens wo ebenfalls gleich eine ganze Gewerkschaft gekauft, oder vielleicht sogar extra zu dem Zweck der Lohndrückerei gegründet wurde. Natürlich darf ich nicht behaupten, das die GÖD gekauft ist oder ihre ehrenwerte Führung. Das darf ich nicht behaupten, weil ich es nicht beweisen kann. Ich habe auch keine Chance es zu beweisen und kein deutscher Staatsanwalt wird ein Ermittlungsverfahren einleiten, weil es ja normal ist, das Gewerkschaften Löhne fordern von denen ihre Mitglieder nicht leben können.
Olaf Scholz von der neoliberalen und wirtschaftsfaschistischen SPD wird diesen Mindestlohn gerne unterschreiben und die Pofalte von der CDU wird vor Freude feuchte Flecken haben. So haben sie sich ihre Welt vorgestellt und die Gesetze lassen sie dann gleich von der Familie Mohn und ihrem Bertelsmannkonzern machen.
Wenn die Arbeitnehmer im Wachgewerbe diesen Affront hinnehmen ist ihnen nicht zu helfen. Schnappt euch die Gewerkschaftsfuzzis und klärt sie darüber auf was ihr wollt, oder besser noch tretet komplett aus dieser Gewerkschaft aus. Aber bitte schlagt und tretet diese Gewerkschaftler nicht, die sind nämlich weder den Aufwand für Schläge noch den für Tritte wert und lernen würden sie daraus auch nichts.
Für alle die es noch nicht wissen. Heute müsste ein Mindestlohn ca. bei 9,10 Euro liegen, wenn man die Teuerungsrate für Energie und Nahrungsmittel berücksichtigt und sich nicht von den zusammengemogelten Zahlen des Bundesamtes für Statistik belügen lässt.




















Eine feine Sache für Arbeitgeber, wenn sich die Gewerkschaften den Ast absägen, auf dem sie sitzen.
Wenn man dann z.B. auf Labournet noch liest, was "internationale" Betriebsräte oder die "internationalen" Verbände der Gewerkschaften an Pfeifen und Co-Managern beherbergen (scheint eine Zugangsvoraussetzung zu sein), wünsche ich mir auch manchmal, sie mögen sich recht schnell in Luft auflösen und den Weg freimachen für wirkliche Kämpfer.
Das Problem für solche Gewerkschaftsoppositionellen ist jedoch, dass sich mit purem Idealismus zwar ein Anfang machen lässt, aber tatsächliche Organisierung dann auch Geld und logistische Unterstützung braucht, die am besten den existierenden Gewerkschaften abgenommen werden sollten, bevor diese die eingezahlten Beiträge weiter verschleudern. Das Ziel der Opposition scheint jedoch im Moment zu sein, die Gewerkschaftsführungen mit Anträgen und Thesenpapieren weichzukochen und ihre innergewerkschaftlichen Differenzen klarzustellen, um mehr Basis innerhalb der Gewerkschaften für sich zu gewinnen. Ich bin sehr im Zweifel, ob das der richtige Weg ist. Zum einen, weil von der Diskussion innerhalb dieses bürokratischen Ladens kaum jemand etwas mitkriegt - die meisten an der Basis wissen nicht einmal, dass es solche Oppositionsströmungen gibt -, zum zweiten, weil ich denke, dass sich der Bürokratismus der Gewerkschaften taktisch nicht für sie nutzen lässt sondern abgeschafft gehört, und zum dritten, weil inzwischen schon so viele Menschen dem Prekariat angehören und damit, selbst wenn es Beitragsminderungen für Geringverdiener gibt, sich auch diesen noch sparen und folglich noch weniger die Chance haben, diese Debatten zu und sich einzumischen.
Die DGB-Gewerkschaft brauchen Konkurrenz von echten Gewerkschaften.
Wir sollten uns lieber mal Gedanken machen, wie es überhaupt dazu kommen kann, dass soviele Leute bereit sind, zu unterirdischen Löhnen zu arbeiten. Könnte es daran liegen, dass wir ein Überangebot an schlecht qualifizierten Arbeitskräften haben?
Das erhöht überhaupt gar keine Preise, sondern stellt nur fest, was mindestens gezahlt werden muss. Preise bestehen bei uns in der industriellen Fertigung nur zu einem geringen Anteil aus Löhnen. Aber es mag sein das Unternehmen so blöd sind, vor lauter Wut einige zu entlassen.
In Dienstleistung und Handwerk sind Löhne ein wesentlicher Produktionsfaktor. Da wird es einen von den acht Friseurläden an meiner Ecke und hoffentlich auch 2 von sechs den Apotheken aus dem Markt kegeln.
Es kann nämlich nicht angehen, das die Löhne sozialisiert, also über Kombilöhne oder Hartz IV aufgestockt werden, während die Gewinne nach Lichtenstein oder sonstwo hin gehen.
Volkswirtschaftlich kostet das aber kein Geld, weil sich die Summe der Förderung nicht ändern wird. Viele fallen als Zuzahler raus, während einige als Vollempfänger hinzukommen.
In der Folge werden die Unternehmen belohn die anständig wirtschaften und die Abzocker bestraft. Das würde ich Markt nennen.