Es gibt auch noch richtig gute Nachrichten auf der Welt. Diesmal sogar zwei auf einen Streich. die erste betrifft eine Podiumsdiskussion über Antisemitismus und Islamophobie:
„Türken und Juden in Deutschland sind die Seismographen der gesellschaftlichen Entwicklung in Deutschland", sagte der Botschafter des Staates Israel, Shimon Stein, als Schirmherr in seinem Grußwort zu der Podiumsdiskussion über „Antisemitismus, Islamophobie und Fremdenfeindlichkeit" am 23. Mai 2006 in Berlin, die vom Zentralrat der Juden in Deutschland gemeinsam mit der Türkisch-Islamischen Anstalt für Religion e.V. (DITIB) veranstaltet wurde.
Mit dieser Veranstaltung stellten sich beide Interessensvertretungen erstmalig gemeinsam den erstarkenden Tendenzen von Antisemitismus, Islamophobie und Fremdenfeindlichkeit in der Mehrheitsgesellschaft. Der zweite Schirmherr, Mehmet Ali Irtemcelik, Botschafter der Republik Türkei, würdigte in seiner Eröffnungsansprache zunächst den verstorbenen Präsidenten des Zentralrats der Juden, Dr. h.c. Paul Spiegel sel. A., mit einer Schweigeminute. Anschließend versprach er, das „Netz von Gerechtigkeit, Brüderlichkeit, Frieden und Eintracht mit allen Religionen" weiter zu knüpfen und den Dialog mit allen Religionen zu intensivieren.
Albert Meyer, der als Präsidiumsmitglied den Zentralrat der Juden in Deutschland vertrat, forderte die Politik auf, Lippenbekenntnisse zu unterlassen und endlich aktiv im Kampf gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit zu werden.
Schöner hätte ich es mir gar nicht erträumen können. Denn nur wenn wir alle - und damit sind auch wir Vertreter der Mehrheitsgesellschaft gemeint - an einem Strang für Freiheit und gegen Antisemitismus, Islamophobie und Fremdenfeindlichkeit ziehen, könne wir alle gewinnen. In jedem anderen Fall, verlieren wir alle gemeinsam.
Aber auch auf eine sehr gute Nachricht kann man noch eine bessere Nachricht oben draufsetzen:
Juden und Muslime ziehen an einem Strang
Europaweites Forschungszentrum will Daten über Antisemitismus und Islamophobie sammeln, analysieren und Strategien zu ihrer Bekämpfung erarbeiten
Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat sich für eine stärkere Zusammenarbeit von Juden und Muslimen bei der Bekämpfung von Extremismus ausgesprochen. Generalsekretär Stephan J. Kramer: " Die Ursachen von Antisemitismus und Islamophobie sind weitgehend die gleichen, deshalb soll das geplante Forschungszentrum die grundsätzlichen Mechanismen erforschen, um aus den Ergebnissen konkrete Handlungsschlüsse zu ziehen und Konzepte zu entwickeln,, wie wir diese vor Ort wirksam bekämpfen können.“ Das Projekt, das vom European Jewish Congress Ende März beschlossen worden ist, sei auf europäischer Ebene auf viel Unterstützung gestoßen.
Der Zentralrat arbeite schon seit längerem mit muslimischen Partnern zusammen, was jetzt noch intensiviert werden soll, erläuterte Kramer, der von seinen europäischen Partner viel Annerkennung für diese Zusammenarbeit erhielt.
Mit der bisherigen Form der Datensammlung über Diskriminierung, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus sei man unzufrieden gewesen, betonte der Generalsekretär. Es gebe viele Organisationen, die Daten sammelten, doch gehe das Ergebnis oft «an dem vorbei, was in der Realität passiert». Auch die Ergebnisse des EU-Zentrums zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in Wien deckten sich nicht immer mit den Erfahrungen aus dem täglichen Leben.
"Wir wollen seriöses und aktuelles Material haben", erläuterte Kramer die Idee, die Datenerfassung stärker zu professionalisieren. „Wir, die wir leider zumeist die Hauptleidtragenden sind, wollen dazu beitragen, dass möglichst viel wichtiges Material professionell zusammengetragen und dann entsprechend aufbereitet auch in der Öffentlichkeit präsentiert werden kann. Gleichzeitig müssen wir intensiv darüber nachdenken, wie wir mit den Ergebnissen umgehen sollen. Das Grundkonzept sieht vor, dass wir seriöse Ergebnisse von beiden Seiten – Juden, Muslime – zusammenführen wollen.“
Gerade da gibt es eine Aufgabe die wir Blogger hervorragend lösen können. Ich werde den Zentralrat der Juden bitten, uns eine Schnittstelle zur Verfügung zu stellen, wo wir die extremsten Auswüchse die uns so täglich im Netz begegnen, einstellen können. Aktueller als das was uns oft genug Magenprobleme bereitet, kann man wohl kaum an Daten und Zusammenhänge kommen.
Ich sehe da gerade die Blogger als eine starke Kraft. Wir sollten uns nur einig werden das es keine Sinn macht Seiten zu verbieten oder zu zensieren. Es muss darum gehen strafbare Handlungen aufzudecken und die dahinter stehenden Personen zu ermitteln. Bitte keinen großen Hammer, der die Leute nur noch tiefer in die Niederungen treibt, sondern chirurgische Schnitte, die den Krebs herausschneiden. Dazu eine offene Informationspolitik.
Allerdings kann ich nicht umhin darauf hinzuweisen, das es sehr schwer werden wird Täter vor Gericht auch verurteilt zu bekommen. Das Landgericht Frankfurt hat da zum Beispiel sehr eigenartige Ansichten was Gerechtigkeit betrifft. Leute wie Dr. Udo Ulfkotte und sein Verein Pax Europa können auf ihren Seiten verbreiten was auch immer sie möchten, während jeder, der sie und ihre Haltung als das bezeichnet was sie in letzter Konsequenz und Härte auch sind, bestraft wird.
Die schlimmsten Täter aus dem antisemitschen und islamophoben Bereich sind bekannt. Häufig ist ihre Anhängerschaft, wie ich auch schon dem Landgericht Frankfurt zu verdeutlichen versuchte, trotz anderer Aussagen ihrer Führer sowohl antisemitisch als auch islamophob. Der Hass auf alles Fremde, alles was nicht in der gleichen dumpfen Art denkt und spricht ist die Klammer, die diese Kreise verbindet. Und sie sind über die unterschiedlichsten Plattformen sehr tief vernetzt.
Wenn wir es schaffen die führenden Köpfe aus dem Spiel zu nehmen, zerfallen die restlichen Truppe, weil sie ohne Klammer und ohne Führer nicht handlungsfähig sind. Es ist spät aber es ist noch nicht zu spät. Lasst uns anfangen.




















(Jochen: "Gerade da gibt es eine Aufgabe die wir Blogger hervorragend lösen können. Ich werde den Zentralrat der Juden bitten, uns eine Schnittstelle zur Verfügung zu stellen, wo wir die extremsten Auswüchse die uns so täglich im Netz begegnen, einstellen können.")
Trau nie einer Quelle, obwohl die Quelle es nur gut meinte und ja nicht wissen kann, das ich im Stress die Sache für neu halte.
Ich bin mir allerdings nicht sicher, das die Aussagen des Jahres 2006 noch heute gelten. Ich werde den Zentralrat aber natürlich fragen, Allerdings befürchte ich, das die sich einlullen ließen.
Gerade bei Ulfkotte ist das ja leicht. Ein Journalist, wenn auch aufgrund der Shell-Geschichte etwas zweifelhaft, ein Buchautor wenn auch etwas zweifelhaft und eien Person die sich in den Niederungen der CDU auf Einladung der CDU wie selbstverständlich bewegt, der könnte vielen als vertrauenerweckend erscheinen.
Die Ermittlungen gegen Ulfkotte sehen da etwas mickrig aus, zumal du ja die Fernsehauftritte bei Mohn/Bertelsmann nicht vergessen darfst, die Image schaffen, weil da ja nicht hinterfragt wird. Die Familie Mohn/Bertelsmann kommt zwar auch aus einer pietistischen aber eben auch aus einer antisemitischen Tradition, wobei man das nur schwer auf die aktuelle Situation umlegen kann, da natürlich das wahre Denken nicht offenbar wird und auch nicht offenbar werden muss.
Ich werde es versuchen, habe aber nicht viel Hoffnung. Ich glaube die deutschen Juden haben die Gefahr nicht verstanden. Wahrscheinlich lesen sie auch nicht, das zumindest im weiteren Umfeld des Ulfkotte immer wieder davon gesprochen wird, das man die Juden natürlich auch "loswerden" muss.
Wir werden sehen, aber danke für den Hinweis.