Twitter - Der größte Blödsinn aller Zeiten findet Chris von F!xmbr und hat damit aus seiner und Olivers Sicht vielleicht sogar recht. Ein echter Hammer in der Hand unseres Dreijährigen im Wohnzimmer ist auch der größte Blödsinn aller Zeiten. Deshalb geben wir ihm da ja auch keinen Hammer.
Ich bin erst im Nachgang der re:publica zum twittern gekommen weil mich ein Artikel von Kittyluka sofort überzeugte:
Twitter, was ist Twitter überhaupt. Auf der re:publica, dort wo all die Kommunikationsfanatiker rumlaufen, da sind sie alle bei Twitter. Sie twittern (Hallo Duden). Ich twitter nicht. Ich mag Twitter nicht besonders und immer wenn ich gefragt werde "Bist du bei Twitter?" reagiere ich empört, geradezu verschreckt und wahnsinnig aufbrausend (mit Absicht). So auch heute zum Freibier nach der re:publica.
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Ganz im Sinne einer 80 jährigen vertrat ich strickt den Standpunkt, dass es ein Risiko ist sich von modernen Medien so abhängig zu machen, bis man verlernt hat auf althergebrachten Wegen (Reden zum Beispiel) zu kommunizieren, das macht schließlich angreifbar. Er war natürlich strickt dagegen.
Und als die Diskussion so gerade mitten am laufen war kam Kosmar dazu und ich wollte ihm gerade erzählen worum es geht da kommt schon von ihm: "Ich weiß worüber ihr redet, ich habs bei Twitter gelesen!"
Damit ist Twitter und ein Sinn von Twitter erklärt. Es ist ein Teil des menschlichen Schwarmverhaltens. Wie bei den Zugvögeln im Sturm bedeutet das Rufen Sicherheit im Schwarm, hält diesen zusammen und bestimmt die eigene Position relativ zum Schwarm. Dabei geht es nicht um die Antwort auf meinen Ruf. Es geht nur um die Rufe.
Zunächst einmal erfahre ich bei Twitter nur, das ich noch im Schwarm bin. Einige Rufe von anderen werden mir immer unverständlich bleiben, weil sie aus Zusammenhängen, außerhalb meines Bereiches kommen. Ich könnte meinen Bereich zwar dahin erweitern, aber das werde ich nur tun, wenn ich wirklich interessiert bin. Der Schwarm ist also in Segmente unterteilt, die sich überlappen. Direkt höre ich nur was die Leute twittern, denen ich folge, wem ich folge bestimme ich selbst.
Jede neue Person der ich folge nimmt mich zumindest in dem was sie sagt, mit in ihr Segment. Ich folge bei der Erweiterung meiner Segmente immer dem Rufen von Führern, aber nur wenn ich folgen will. Einige Vögel verlassen den Schwarm, andere sind mitten drin. Es ist völlig egal ob jemand den Schwarm führt oder nicht, alle führen irgendwie. Da kommt zunächst der vermeintliche Unterschied zum Zugvogelschwarm.
Da führen die klügsten und kräftigsten auf ein festes Ziel hin, glauben wir zu wissen. Stimmt aber nicht. Der große Schwarm besteht aus vielen kleinen lokalen Schwärmen. Er wird zu Beginn des Zuges immer stärker und gegen Ende immer schwächer, weil einzelne Gruppen, geführt von ihren Führern, hinzustoßen oder den Schwarm wieder verlassen. Übrigens scheinen die Zugvögel ihre Führer relativ frei zu wählen und diese Führer lösen sich in der Führung des Gesamtschwarms ab.
Twitter ist noch demokratischer. Jeder bestimmt wem er folgt, und von wem er sich verfolgen lässt. Genauso ist es mit der Preisgabe von persönlichen Daten. Jeder kann und keiner muss. Klar kann ich erklären das ich ständig auf Taxis warte und boarde. Wen es nervt, der wird mir nicht mehr folgen, andere lächeln und sagen, gut das ich heute nicht los musste.
Die Frage ist wozu man Twitter brauchen will. 140 Zeichen sind wenig. Mir sind sie praktisch immer zu kurz. Aber das sind mir 1800 auch. Für tiefere Gedanken - ja nur ich halte sie für tiefer - gibt es den Blog. Für direkte Information die Mail, SMS. Um zu tratschen oder irgendwas komplizierteres zu klären hab ich Telefon und Chat. Für ernsthafte Gespräche die Videokonferenz oder besser noch den persönlichen Kontakt.
Robert Basic, der selber kaum twittert, benutzte seinen Blog um während der re:publica des Abends ein paar Leute anzusprechen ob sie nicht Bock auf ein Gespräch hätten. Es kamen viele. Tatsächlich wäre das aber eine Botschaft für Twitter gewesen. Wo bin ich, wo bist du, wollen wir uns treffen. Da liegt ein ungeheures Potential. In einer mobilen Gemeinschaft, wie der unseren macht es Sinn zu wissen, dass der andere auch gerade von Donaudingsbums nach Buxtehude mit dem Zug unterwegs ist.
Zugvögel im wahrsten Sinne des Wortes, die sich unterwegs treffen und beraten können. Oder die auch nur einen Gruß austauschen. Mag sein das Twitter Hype ist. Es gab schlechtete. Twitter ist auch kein Ersatz für irgendetwas, sondern etwas anderes. Etwas das wir uns erst noch erarbeiten müssen. Das heißt wir müssen es uns nicht erarbeiten, wenn wir nicht wollen. Aber wir können es uns erarbeiten.
Ich twittere gerne Headlines mit Kurzkommentar. Ich weiß nicht ob das jemanden Interessiert. Aber ich bekomme täglich ein paar neue Follower. Weshalb? Ich weiß es nicht. Ich nutze Twitter. Nicht wie ein Werkzeug, dazu fehlt mir zur Zeit noch die Bedienungsanleitung. Ich nutze es wie es da ist und weil es da ist.
Cem Basman von der Sprechblase hat sieben Twitterer interviewt und acht Twitterer haben ihm geantwortet. Wenn man über Twitter reden will, sollte man die Interviews zumindest überflogen haben.
Nein. Man muss nicht twittern. Es kostet Zeit. Das tun die RSS Feeds, die Zeitungen, die Mails und SMS auch. Kommunikation kostet immer Zeit und meistens auch Geld.



















