Das Leben und die Wissenschaft ist doch immer wieder für eine Überraschung gut. Mir fällt bei T-Rex sofort ein Lied ein:
Children of The Revolution
Nein, diese Saurier sind natürlich nicht gemeint, obwohl Marc Bolan durchaus etwa von einem Hahn hatte. Zumindest mochte er den Hühnerhof sehr.
Aber wir haben ja noch gar nicht Sonntag und an Samstagen gibt es eigentlich keine Musik hier. Deshalb also zurück zu den Hähnchensauriern die einigen Zeitungen zu einem sensationellen Artikel verhalf. Was würden diese Zeitungen nur machen, wenn dpa eine Woche streikt. Vermutlich weiße Seiten ausliefern oder es wie die Bild machen und gleich reine Fantasie liefern.
Während die Welt, die ich als erste verlinkt habe, so tut, als ob der Bericht auf ihrem Mist gewachen ist, macht die Schwäbische Zeitung so ehrlich wie immer und verweist auf die Herkunft aus dem dpa Ticker. Die versuchen wenigstens da nicht zu lügen, wo jeder die Wahrheit kennt. Das ist heute für Journalisten schon echt viel Ehrlichkeit macht ihren Artikel aber auch nicht besser:
Der Tyrannosaurus rex ist tatsächlich der Urahne unserer heutigen Hühner. Erstmals konnte ein US-Forscherteam durch Proteinanalysen nachweisen, dass der vor 68 Millionen Jahren lebende Dinosaurier enger mit den Vögeln verwandt ist als mit irgendeinem anderen heutigen Wirbeltier.
Ja. Ja. Die Sache mit den Vögeln. Da haben wohl einige "Journalisten" zu häufig "Dinner for One" mit Freddie Frinton und May Warden gesehen und den kurzen Dialog
"Please Sir, the Chicken."
"That looks so delicate, I think, we have champagne with the Bird!"
"That looks so delicate, I think, we have champagne with the Bird!"
ein wenig zu sehr verinnerlicht. Bird und Chicken. Ähnlich aber nicht gleich. Man kann zwar ein komischer Vogel sein, ist aber deshalb kein dummes Huhn. Wenn wir uns den Artikel in der Schwäbische Zeitung ansehen, dann reden die vom Tyrannosaurus rex als Urahn unserer Hühner. Die Welt, ein qualitativ dem Springerkonzern entsprechendes Blättchen weiß es ebenfalls genau, sagt aber nicht wo sie es her hat, zeigt dafür schöne Bilder:
Erstmals konnte ein US-Forscherteam durch Proteinanalysen nachweisen, dass der vor 68 Millionen Jahren lebende Dinosaurier tatsächlich der Urahne unserer heutigen Hühner ist.
Ah ja. Urahne der Hühner. Unsere Medien eben. Einer muss den Mut haben auch die dümmste Lüge rumzufaseln. Leider hatte ich gerade «Science» (Bd. 320, S.499) nicht vorliegen, sicherlich ein schreckliches Versäumnis meinerseits, aber ich glaube wir können uns auch auf die Nachricht in Nature 446, 180-184 (8 March 2007) verlassen und dürften damit für unsere Zwecke gut bedient sein:
Avian genomes are small and streamlined compared with those of other amniotes by virtue of having fewer repetitive elements and less non-coding DNA1, 2. This condition has been suggested to represent a key adaptation for flight in birds, by reducing the metabolic costs associated with having large genome and cell sizes3, 4. However, the evolution of genome architecture in birds, or any other lineage, is difficult to study because genomic information is often absent for long-extinct relatives. Here we use a novel bayesian comparative method to show that bone-cell size correlates well with genome size in extant vertebrates, and hence use this relationship to estimate the genome sizes of 31 species of extinct dinosaur, including several species of extinct birds. Our results indicate that the small genomes typically associated with avian flight evolved in the saurischian dinosaur lineage between 230 and 250 million years ago, long before this lineage gave rise to the first birds. By comparison, ornithischian dinosaurs are inferred to have had much larger genomes, which were probably typical for ancestral Dinosauria. Using comparative genomic data, we estimate that genome-wide interspersed mobile elements, a class of repetitive DNA, comprised 5–12% of the total genome size in the saurischian dinosaur lineage, but was 7–19% of total genome size in ornithischian dinosaurs, suggesting that repetitive elements became less active in the saurischian lineage. These genomic characteristics should be added to the list of attributes previously considered avian but now thought to have arisen in non-avian dinosaurs, such as feathers5, pulmonary innovations6, and parental care and nesting7.
Selbst meine miserablen Englischkenntnisse erlauben mir festzustellen, das es nicht um Hühner sondern um Vögel an sich geht. Ebensowenig geht es um den Tyrannus Rex sondern um die nicht flugfähigen Dinosaurier.
Das Bräthähncen bleibt ein Brathähnchen, Springer bleibt Springer, Journalisten bleiben Journalisten und der Tyrannus Rex ein Tyrannus Rex. Wie nature in diesem Artikel auch berichtet, war schon lange von der Verwandtschaft der Dinosaurier mit den Vögeln ausgegangen worden, da Federkleid, Lungensystem, elterliche Fürsorge und Nestbau typische Indizien waren.
Von all dem vielen Wind bleibt die Nachricht, das wir beweisen können, das die Dinosaurier an sich ein Schritt auf der Evolutionslinie in Richtung zu den heutigen Vögeln sind. Wieviele Evolutionslinien die Natur auf diesem Weg als Irrtum abgeschnitten hat, wissen wir nicht. Was der Springerschreiber aber nicht gemerkt hat, das er damit wieder einmal einen Beweis gegen die Schöpfungslehre der Kreationisten geliefert hat, die uns Springer ansonsten ja gerne schmackhaft machen will.
Früher war es die Aufgabe der Kirche die Leute dumm zu halten, was sie heute nicht mehr schafft da kaum jemand noch hingeht und die Fürsten hielten die Menschen arm. Heute sind Springer und viele andere "Qualitätsmedien" für die Verbreitung der Dummheit zuständig. Für Armut sorgt schon unsere Politik, die ja immer ein werbendes Plätzchen in den Medien sucht.
Was mich allerdings sehr tröstet ist, dass Springer nun an der Rudi-Dutschke-Straße liegt. Die Welt ist schön.




















Man, man, wenn die wenigstens Raptoren erwähnt hätten... aber zum Glück nicht Brontosaurier, das wären nämlich ziemlich dicke Vögel.