Wir erinnern uns noch an die letzte Woche als die Düsseldorfer Hypothekenbank zwar nicht offiziell pleite ging, aber schneller vom Einlagensicherungsfonds der Banken übernommen wurde als ein Durchschnittsbürger Hypothekenkrise sagen kann. Selbst die brave, alte Zeit ist da erschreckt aufmerksam geworden:
Das schnelle Eingreifen des Feuerwehrfonds soll nach offizieller Lesart einer „geordneten Zuführung an einen neuen Eigentümer“ dienen. In Wirklichkeit geht es jedoch um die Reputation des Pfandbriefs – immerhin sind Papiere im Volumen von rund einer Billion Euro im Umlauf. Für Anleger birgt der Pfandbrief zusätzliche Sicherheiten, deshalb galt er bislang immer als krisenfestes Witwen- und Waisen-Papier.
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Doch weshalb dann der fast schon panikartige Eingriff des Bankenverbandes, wo doch die Papiere, welche die Düsseldorfer Hypothekenbank emittierte, zusätzlich besichert sind? Grund dafür ist die Angst der Marktteilnehmer, dass selbst beim Pfandbrief unerwartete Risiken auftreten könnten. Würde einer der großen Pfandbrief-Emittenten in die Pleite schlittern, müsste seine Kredite mitsamt Sicherheiten und Refinanzierung direkt von einer anderen Bank übernommen werden, um eine reibungslose Weiterführung zu gewährleisten. Doch was geschieht, wenn dazu kein Institut willens oder in der Lage ist?
Bei der Düsseldorfer Hypothekenbank, ging es nur um ein Institut mit 27 Milliarden Euro Bilanzsumme, das vor allem Kredite an Kommunen vergibt. Eigentlich kein Grund zur Panik, da die darauf ausgeliehen Kredite ja nur 60 Prozent des Immobilienwertes beleihen dürfen.
Was ist denn eigentlich so ein Immobilienwert wert. Die Antwort darauf könnte uns eine Maßnahme der Hypovereinsbank:
Die HypoVereinsbank (HVB) will sich dem «Spiegel» zufolge von 143 000 Kunden und einem Kreditvolumen von 19,8 Milliarden Euro trennen.
In eine Sanierungsabteilung seien vor allem Kunden ausgelagert worden, die ihre Immobilienkredite immer einwandfrei bedient hätten, aber als wenig gewinnträchtig eingestuft würden, schreibt das Magazin in seiner neuen Ausgabe. Allerdings laufe das 2006 unter UniCredit-Chef Alessandro Profumo angestoßene Programm nicht so reibungslos wie erwünscht, heißt es. Bisher seien nach Auskunft der HVB erst knapp 50 000 Kunden mit einem Kreditvolumen von acht Milliarden Euro aus der Sanierungsabteilung ausgeschieden.
Die meisten von ihnen hätten sich eine neue Bank gesucht. Die anderen hätten zusätzliche Sicherheiten oder Umsätze einbringen können und würden wieder wie normale HVB-Kunden behandelt.
Man sollte diesen Text zweimal lesen. Na gut vielleicht noch ein drittes Mal. Da sollen einwandfrei bediente Immobilienkredite verkauft werden, es sei denn die Besitzer hätten zusätzliche Sicherheiten zu bieten, oder schleppten ein paar umsatzstarke Konten oder besser noch Depots und Anlagen neu zur Bank.
Wenn ich das für mich in Klartext übersetze, bedeutet das, dass der Immobilienwert bei korrekter Tilgung und Zinszahlung einfach nicht mehr reicht um die Hypothek bankfähig zu machen. Das bedeutet im Klartext, das diese Hypotheken schon für die nächste Zeit als nicht mehr sicher angesehen werden, weil die Bank von sinkenden Immobilienpreisen ausgeht oder die Bank die realen Werte der Immobilen schon heute so schwach einschätzt das sie zur Deckung nicht mehr ausreichen.
Wir alle wissen, das die Banken in den letzten Jahren immer höhere Eigenkapitalquoten gefordert und auch bekommen haben. Bei neuen Zinsvereinbarungen wurden schon weitere Sicherheiten eingefordert. Viele Hypotheken wurden bereits an Heuschrecken verramscht und dann sofort zwangsversteigert.
Zusammengenommen bedeutet das für mich, das wir eine Immobilienblase haben und die Banken zur Zeit ein Platzen dieser Blase um jeden Preis vermeiden wollen. Insgesamt geht es um die Kleinigkeit von einer Billion Euro, das sind 1.000.000.000.000. Euro, 3,5 Jahre lang der gesamte Bundeshaushalt, 28,5 Jahre der Gesamtetat des Bundes für Arbeitslose. Man könnte damit auch zwei Drittel unserer gesamten Staatsverschuldung abbauen.
Wenn diese Billion nun vielleicht nur noch 80 Prozent ihres Ursprungswertes hat und die Banken aber 60 Prozent davon schon weiter verliehen haben, dann beginnt es eng zu werden. Meist addiert sich ja alles zur falschen Seite. Kredite können nicht zurückgezahlt werden, während neue Verbindlichkeiten aufgebaut werden. Addieren wir die bisher bekannten Verluste aus der Subprime Krise dazu, dann könnte schon bald auch für andere Banken die Luft eng werden.
Was aber sind Pfandbriefe noch wert, wenn gleich mehrere Pfandbriefbanken wackeln. Wenn die Feuerwehr einen Brand, nach dem anderen löschen kann und Ruhepausen dazwischen hat, kann alles gut gehen. Aber wenn es gleich an mehreren Stellen brennt, dann kann nur noch ein Übergreifen verhindert werden und auch das funktioniert oft nicht.
Der Meyer verweist auf die Entwicklung beim Silber Eagle, man möge aber unbedingt seinen Hinweis auf den Scheibenwischer beachten.
Aber keine Sorge, wenn die Karre endgültig vor die Wand gefahren ist, gibt es pro Silber Eagle ein Ei und für gleichgroße Goldmünzen gibt es sogar zwei, echte Teppiche und Bilder werden auch genommen, bei Statuen kommt es darauf an, ob sie als Kleiderständer taugen.
Vielleicht wäre es nicht schlecht am Montag mal nachzusehen, wieviele Pfandbriefe, so über Fonds und direkte Geschäfte ins Depot gewandelt sind und zu überlegen was man tun kann.
Die Zeit hat aber zum guten Schluss noch einen Trost für uns:
Eine Pfandbrief-Krise wäre verlustreich für die Anleger, aber fatal für die Banken – und das gibt Anlass zur Hoffnung, dass im Gegensatz zu den lange missachteten Risiken der Kreditderivate die Gefahr für den Pfandbrief von den Banken erkannt und Ernst genommen wird.
Na dann. Dann können wir ja beruhigt frühstücken. Vielleicht sollte man auch besser wieder ins Bett gehen, die Decke über den Kopf ziehen, am Daumen lutschen und wimmern.



















