Die Schotten waren mal ganz vernünftige Menschen, 1555 haben sie das Maifest verboten und 1644 konnten sich wenigstens die Engländer dazu aufraffen, den blöden Maibaum zu verbieten. Das mit dem Maibaumverbot hat sich in der Zivilisation ja auch durchgesetzt, lediglich in einigen barbarischen Randgebieten, brauchen die Männchen noch die lange Stange um die Weibchen zu becircen. Wenigstens nehmen auch die nicht mehr die Keule.
Damit die Arbeitnehmer nach dem Tanz in den Mai, ihre Chefs nicht mehr mit irgendwelchen Krankheiten belügen müssen, wurde der erste Mai bisher noch beibehalten, was aber angesichts schrumpfender Reallöhne eigentlich nicht mehr nötig ist, weil keiner mehr Geld für das Fest hat.
Zwischendurch war der 1. Mai ja auch mal mit der Arbeiterbewegung und deren Kampf für bessere Arbeitsbedingungen verbunden. Das ging auf den Generalstreik am 1. Mai 1886 in den USA und die darauf als Haymarket Riot bekannten Kämpfe zurück So wurde vom Gründungskongress der Zweiten Internationalen 1889 der 1. Mai als “Kampftag der Arbeiterbewegung” ausgerufen. Natürlich sprangen auch die Kirche, die Weimarer Republik, die Nazis und danach die Allierten auf diesen Tag an.
Das waren noch Zeiten als die Arbeitnehmer für ihre Rechte kämpften, oder doch wenigstens zum 1. Mai auf den Kundgebungen Stärke zeigten. Damals gab es auch noch Gewerkschaften, die, die Interessen der Arbeitnehmer vertraten und Arbeitnehmer die stolz auf sich, ihre Gewerkschaften und ihre Parteien waren. Geschichte eben.
Heute gründen sich die Unternehmen ihre Gewerkschaften selber und lassen die Beschäftigten dann für niedrigere Löhne und schlechtere Arbeitsbedingungen demonstrieren. Oder sie kaufen ganze Gewerkschaften. Mal offen wie bei Siemens, die über diesen Weg auch noch die CDU finanzierten, oder etwas heimlicher wie bei der Bahn. Teilweise tun sie wie Springer auch noch so, als ob sie nichts gewusst hätten.
Nein die DGB Gewerkschaften und der DGB sind nicht gekauft. Die bekommt man als Muster ohne Wert. Da ist dann auch das Porto billiger. Natürlich steht der DGB für nichts mehr. Doch halt. Er steht für den Erhalt seiner Funktionäre. Das ist doch auch schon mal was. Arbeitnehmer stören da nur, wenn sich nicht gerade ihre Mitgliedsbeiträge vorbeibringen, oder bei Streiks als Staffage dienen.
Es sind aber nicht nur die Gewerkschaften, es sind auch die Arbeitnehmer selber. Der BVG Streik in Berlin war und ist ein klassisches Beispiel. Anstatt die Stadt für ein paar Tage vollständig dicht zu machen, gibt es eine Art Würfelspiel, bei dem nur der Finanzsenator gewinnt, weil die Verluste der BVG nicht anfallen. Den Menschen in der Stadt wird nicht erklärt warum gestreikt wird. Die Stationen sind leer und verlassen, niemand versucht zu kommunizieren oder um Unterstützung zu werben. Solche Streiks müssen scheitern.
Tatsächlich ist das den Gewerkschaften egal. Sie könnten gut auf Streiks und Lohnerhöhungen verzichten, solange die Mitgliedsbeiträge fließen. Streiks machen nur Arbeit und die Funktionäre brauchen keine Lohnerhöhung. Jetzt hilft der DGB sogar Olaf Scholz bei der Einführung des Arbeitsrechtes von Mohn/Bertelsmann, welches Arbeitnehmer vollständig rechtlos machen soll.
Nein die Sache mit dem 1. Mai, den Gewerkschaften und der Arbeiterbewegung hat sich genauso erledigt wie das mit der Arbeiterpartei SPD. Die Linke hat da wo sie in der Opposition ist gut reden. In Berlin wo sie mitregiert, hat sie noch nichts für die Menschen tun können, weil sie die Macht mehr liebt als ihre Wähler.
Ich finde wir sollten ehrlich sein und den 1. Mai abschaffen. Er hat keine Bedeutung mehr in unserer Zeit. Wenn wir einen Ausnüchterungstag nach dem Tanz in den Mai brauchen, können wir ihn auch Ausnüchterungstag nennen. Aber nüchtern werden wir wohl sehr schnell werden, wenn wir erkennen was auf uns zu kommt. Der Tag kann weg. Vielleicht können wir da schon mal kostenlos arbeiten. Einfach um uns daran zu gewöhnen.
(...und wegen Kaffee und Kuchen für die Verwandschaft :-/ )
Ich wünsche allen einen entspannten 1. Mai.
P.S.: ja, mir ist zutiefst dankbar bewußt, daß wir zur rasant schrumpfenden Klasse der Privilegieren gehören, die zwar nie reich werden, aber zumindest noch einen Beruf haben, den sie mit Begeisterung tun und der die Miete und eine vollen Kühlschrank gewährleistet.
Ich hab dann den SPD-Mann am Stand geärgert mit vielen Fragen zum Thema Mindetslohn, Hartz IV Agenda 2010... Fazit: dieser SPD ist echt nicht mehr zu helfen, die verteidigen die Schröder-Asozial-Agenda tatsächlich weiterhin. Und alles, was da "schief" läuft, sind Auswüchse einzelner, die nachreguliert werden müssen, so der SPD-Mann. Unglaublich.
Als ich vergangenes Jahr nach über dreißigjähriger (früher mal aktiver, als mein Club noch anders hieß, dann aber von der Masse aufgesogen wurde) Mitgliedschaft meine Kündigung einreichte, wollte dieser Verein höchster Gesänge auf die Solidarität erst nochmal Geld für (angebliche) Beitragsrückstände. Aber auch da hatte er sich, wieder einmal, verrechnet; anders: sie können nicht einmal die eigenen Bücher lesen. Da nutzt dann auch keine Entschuldigung mehr ...
Also nicht den schönen Maientag abschaffen, sondern diejenigen, die nicht damit umgehen können. Und wer etwas zu tun hat, arbeitet ohnehin. Mit oder ohne Gewerkschaft.
Ich gebe zu als Leitender oder als Selbstständiger ist mir viel auch immer viel lieber gewesen, bestimmte Dinge erst einmal über die Gewerkschaft kanalisieren zu lassen.
Aber denen heute ist ja nicht einmal mehr zuzutrauen das sie unfallfrei durch den Betrieb kommen.
Es würde mich nicht wundeern, wenn die Herrschenden Gefallen an dieser Konstellation fänden.